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Biber-Hetze

Biber-Phobie in Brandenburg ausgebrochen

© by L. Vogeltanz

Die angebliche Biber-Plage in Brandenburg hat es nun auch in die Berliner Boulevard-Presse geschafft. Der BZ-Chef-Kommentator verbreitete in einem Kommentar am 10.4.2016 die Biber-Hetze mit beängstigenden Bildern. So hatte z.B. ein ahnungsloser Bauer an einem Entwässerungsgraben 400 junge „leckere“ Weiden gepflanzt, die dann ein Problem-Biber oh Wunder fast komplett verspeiste. Wenn man/frau den Biber-Hassern, allen voran dem Bauernbund, Glauben schenken darf, vernichten Biber die Baumbestände, fressen Felder kahl, unterhöhlen Deiche und Straßen und lassen Uferbefestigungen einstürzen. Sie zerstören die Entwässerung von Feldern und Wiesen und sorgen sogar dafür, dass die Keller volllaufen. Da können wir nur den Hut ziehen, was geschätzte 3000 Biber alles schaffen. Die friedliche Koexistenz von Mensch und Biber scheint unmöglich. Der Biber muss wieder weg – so fordern Landwirte und Bauernbund, den streng geschützten Biber wieder abzuschießen.

Biber-in-TonneAuch der seriöse Tagesspiegel vom 12.4.2015 stößt ins selbe Horn – dort gibt es einen Artikel mit der  Überschrift: „Bauernbund will Biber schießen – Biber haben sich in Brandenburg stark vermehrt. Doch die streng geschützten Tiere richten große Schäden an – auch an Deichen. Der Bauernbund fordert: „Munition statt Management“.
Auch hier werden völlig ungeprüft die vom Brandenburgischen Landesbauernbund verbreiteten Schreckensmeldungen über den Biber übernommen. Demnach ist er inzwischen von einer vom Aussterben bedrohten Art zu einem Bauernexistenzen und sogar die Zivilisation bedrohenden Monster mutiert. Sogar Menschen werden von dem Vegetarier getötet.

Nach dem „Genuss“ dieser beiden Artikel stellt man sich schon die Frage, wie es im angeblich aufgeklärten 21. Jahrhundert zu diesem dumpfen Biberhass einzelner Bauernfunktionäre kommt? Im Kern laufen deren Forderungen darauf hinaus, den Biber wieder auszurotten!

Was bewegt Menschen, die angeblich mit der Natur leben, zu solchen verbalen Hassausbrüchen? Wollen Sie nur mehr Geld vom Staat und jammern deshalb über alles oder wollen Sie nur von dem ablenken, was sie selber an der Natur draußen anrichten, was gerne verschwiegen wird und was man als „gute fachliche Praxis“ bezeichnet?

Wie auch immer, die Aussagen der Vertreter des Landebauernverbandes sind entweder erfunden oder maßlos übertrieben. Diese vier Beispiele belegen das:

Biber-Ausschnitt1. Durch den Biber sind alle Deiche so löchrig wie Schweizer Käse geworden:
Gibt es dazu Beispiele? Ist es nicht auffällig das solche Meldungen fast ausschließlich aus dem Landkreis Märkisch Oderland kommen? An der Elbe, wo es immer eine Restpopulation des Bibers gegeben hat, gibt es solche Meldungen nicht. Sind das andere Biber oder gibt es dort ein besseres Deichmanagement? Natürlich gab es einzelne Vorfälle, die aber durch eine geeignete Deichgestaltung hätten verhindert werden können.

Drahtschutz-klein2. Der Biber vernichtet Bäume:  
Das stimmt, weil er von der Rinde im Winter lebt, aber in welchem Ausmaß? Zehntausende von Bäumen werden jährlich durch den Straßenbau, die Gewässerunterhaltung und an den Flüssen und Kanälen durch die Wasser- und Schifffahrtsämter gefällt – beim Biber reicht bereits ein angenagter Uferbaum für ein Zeitungsfoto. Altbäume in Parkanlagen lassen sich kostengünstig und dauerhaft durch das Anbringen einer Drahtmanschette am Stammfuß sichern. Man muss es nur bei den ersten Anzeichen von Nagespuren auch machen und wollen.

3. Der Biber richtet Schäden in Millionenhöhe an:  
2014 haben Wildunfälle mit Schalenwild (Reh, Hirsch; Wildschwein) einen Schaden von 575 Mio. € verursacht. Dabei gab es 3842 zum Teil schwer verletzte Menschen und 18 Tote. Dazu kommen noch die Verbissschäden in Wald und Feld. Das akzeptiert die Gesellschaft, ohne dagegen zu protestieren und ohne zur Ausrottung dieser Tiere aufzurufen. Messen Sie daran mal die vermeintlichen Biberschäden!

Biber_Foto L-Vogeltanz4. Der Biber vermehrt sich unkontrolliert und muss bejagt werden:
Die Jagd vermag Tierbestände kaum zu reduzieren, es sei denn man schießt alles wahllos ab, was einem über dem Weg läuft. Obwohl Rehe und Wildschweine massiv bejagt werden, vermehren sie sich von Jahr zu Jahr mehr – das zeigen die Jagdstrecken aller Bundesländer, soviel auch zur Wirksamkeit der Jagd zur Populationsregulierung.
Dazu kommt, dass Biber ein striktes Reviersystem haben. Stirbt ein Biber, wird das Revier umgehend neu besetzt. Das bedeutet aber auch, dass sich – wenn alle Reviere belegt sind – der Bestand nicht weiter vergrößern kann. Der Biber reguliert seinen Bestand selbst, auch durch Reduktion der Wurfgröße. Dies ist auch für Brandenburg belegt.

 

Biber renaturiert die Gewässer

Im Gegensatz zu den Horrormeldungen des Landesbauernbundes ist aber andererseits der ökologische Nutzen des Bibers enorm:
Durch den Dammbau bringt er ganz im Sinne der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wieder Leben in unsere kaputten Gewässerlandschaften, die man sonst für teueres Geld mit dem Bagger wieder renaturieren müsste.
Durch Biberdämme wird das Wasser in der Landschaft gehalten. Während in einem Gebiet ohne Biberdämme bei Starkregen der Abfluss z.B. nur drei bis vier Stunden braucht, wird Wasser in aufgestauten Bereichen mehrere Tage zurückgehalten. Hochwasserspitzen werden so gekappt. Dadurch versickert mehr Wasser, das Grundwasser profitiert davon. Das mögen Bauern zugegebenermaßen nicht, die wollen es gerne ganz trocken, um im Sommer dann über Ernteschäden wegen mangelndem Niederschlag klagen zu können.

20 Meter Schutzstreifen würden viel helfen

Die meisten Probleme die der Biber verursacht, ließen sich dadurch lösen, dass man  Gewässerrandstreifen aus der Nutzung nimmt, denn fast alle Konflikte treten innerhalb der ersten 20 Meter vom Ufer auf. Solche Wildnisstreifen entlang der Ufer sind der einfachste Weg zum Gewässerschutz und einem wirkungsvollen Biotopverbund. Dazu bräuchte es den Willen der Landesregierung, die Bereitstellung öffentlicher Mittel dafür und für jeden Landkreis einen vom Land angestellten Biberberater. Und offensichtlich müssen auch noch einige Wasser- und Bodenverbände lernen, mit dem Biber umzugehen.

links:
BZ (6.4.16): Gunnar Schupelius – Mein Ärger
Der Biber ist zur Plage geworden, Politiker lassen die Bauern im Stich

Informationen zum Biber:

Biber in Brandenburg

Biber in Berlin

Fotos: L.Vogeltanz und M. Krauß

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