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Was nicht passt, wird passend gemacht

Lollapalooza im Treptower Park

Musikfestivals boomen – Wacken, Rock am Ring, Haltestelle Woodstock (Polen) verzeichnen jedes Jahr mehr BesucherInnen, aber auch die Anzahl der Festivals nimmt seit Jahren zu – die Veranstaltungsbranche freut sich. Waren die Festivals der „alten“ Generation noch geprägt von Veranstaltungsplätzen auf dem Acker und der Campingwiese, ist eine neue Generation von Festivals dazu gekommen – Open-Air-Festivals mitten in der Stadt für eine neue Zielgruppe. Diese Veranstaltungen im Freien sprechen die etwas weniger begeisterten OutdoorfreundInnen an. Mitten in der Stadt können die BesucherInnen bequem aufs Festival. Vom Feiern erschöpft geht’s dann ins eigene Gemach oder ins bequeme Hostelbett.
Das Lollapalooza gehört zu dieser Festivalgattung. Feiern im „Grünen“ mitten in der Stadt. Und Berlin ist als Festival-Stadt prädestiniert – gilt die Hauptstadt ja immer noch als lebendige, günstige Feiermetropole.

Im letzten Jahr hat das Lollapalooza auf dem Vorfeld des Tempelhofer Flughafens stattgefunden. Gute Zufahrtswege und Infrastruktur für die Technik sowie Versorgung und die BesucherInnen konnten einfach mit den Öffentlichen kommen. Abgesehen davon, dass an den zwei Festivaltagen AnwohnerInnen auch das Musikprogramm „genießen“ durften, gab es wenig Umweltbeeinträchtigungen.

In diesem Jahr sieht das ganz anders aus. Denn das Flughafen-Vorfeld ist wegen der Flüchtlingsunterkunft in den Hangars nicht benutzbar. Verträge mit den Veranstaltern waren aber schon geschlossen worden. Und um einer drohenden Schadensersatzzahlung zu entgehen, durfte sich der Veranstalter einen neuen Ort suchen: Die Wahl fiel auf den Treptower Park, der gerade für 13 Mio. Euro wieder Instand gesetzt wurde.
Eine Veranstaltung in dieser Größe – der Veranstalter geht von 70.000 Besuchern aus – wurde bisher in keiner Berliner Parkanlage genehmigt. Veranstaltungen wie die Loveparade und die Fanmeilen im Tiergarten haben nur eine Genehmigung für das Straßenland nicht für die Nutzung der Parkflächen.

Das ficht aber wohl Senatskanzlei und Veranstalter nicht an. Aus der Senatskanzlei war zu vernehmen, mit der Sondergenehmigung werde es klappen. ‚Standortsensibel‘ hatte der Veranstalter auch keine Bedenken wegen des Sowjetische Ehrenmals mit Soldatenfriedhof mit über 7000 Gräbern im Treptower Park trotz Proteste der Botschafter der ehemaligen GUS-Staaten und der Denkmalpflege.

Aber damit hört die Kritik nicht auf, eine AnwohnerInnen-Initiative möchte, wenn nötig und möglich, das Festival verhindern und auch die Umweltverbände sehen diese Entwicklung als bedenklich an. Denn 50.000 bis 70.000 BesucherInnen, Bühnen und Versorgungsbauten und -fahrzeuge werden deutliche Spuren hinterlassen. Der Veranstalter muss für die Schäden zwar aufkommen, aber wie sollen Schäden an der Boden- und Vegetationsdecke, Urineintrag, Gehölzschäden und Vergrämungen von Tieren wie Igel, Nachtigall und Co. berechnet werden? Und auch die Instandsetzung wird wieder eine Weile dauern, so dass der Park unter Umständen nicht sofort wieder im vollen Umfang genutzt werden kann.

Für das Lollapalooza-Festival, was sich sogar ein wenig mit Nachhaltigkeit und Öko schmückt – es bietet einen „Ökokiez“, auf dem sich grüne Initiativen und Unternehmen präsentieren können – muss es zukünftig bessere Standorte geben. Feiern draußen unter freiem Himmel ist nachhaltiger möglich – ein Gartendenkmal wie der Treptower Park ist als Festivalgelände ungeeignet. Da helfen dann auch nicht mehr Abfall- und Strommanagement, Ökotoiletten und Veggiburger.

Und da das Bedürfnis draußen zu Feiern weiter boomt und wir als Stadt mitfeiern wollen, sollten verträgliche Lösungen gefunden werden.
So wäre ernstlich zu überlegen, ob z. B. ungenutzte Gewerbeflächen oder der Festplatz grün umgestaltet und mit einer festivaltauglichen Infrastruktur wie Strom, Wasseranschlüsse und Toiletten versehen werden. Wenn es ein oder zwei feste grüne Festivalstandorte gäbe, müssten die Behörden nicht jedes Mal wieder die volle Genehmigungsklaviatur anstimmen und die Veranstalter hätten klare Voraussetzungen, auf die sie sich einstellen könnten. Da wäre Berlin als Festivalstandort wahrscheinlich weit vorne dabei.

 

PS Das Lollapalooza im Treptower Park ist ein warnendes Beispiel, wie Berlin mit Stadtgrün umgeht. Nicht nur die Anzahl von Festivals wächst auch die Bevölkerung Berlins nimmt zu. Parks, Grünund Freiflächen gerade in Wohnungsnähe sind wichtig für die Lebensqualität und in der Innenstadt haben sie wichtige Funktionen, um sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Da gleichzeitig der Nutzungsdruck zunimmt, ist es umso wichtiger, Stadtgrün zu sichern und zu pflegen. Der BUND hat dazu die Kampagne „IMMERGRÜN“ gestartet. www.berlin-immergruen.de

 

links zum Treptower Park:

https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3561249-3558930-treptower-park.html

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