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Verkehrschaos vor Berliner Schulen

Aktionstag 'zu Fuß zur Schule' müsste an jedem Schultag sein

8 Uhr morgens das Grauen pur vor vielen Berliner Schulen: Autos, die sich vor dem Eingang drängeln, teilweise in zweiter und dritter Spur halten, um Schulkinder  abzusetzen. Zwischen den Autos versuchen die SchülerInnen sich durchzuschlängeln, auch die, die zu Fuß oder mit dem Rad gekommen sind, haben es nicht einfach, durch das Verkehrschaos zu kommen.

Spätestens jetzt müsste die Einsicht kommen: Wir brauchen den Aktionstag „Zu Fuß zur Schule“ nicht nur am 22. September sondern an jedem Schultag. Damit weniger Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht werden. Inzwischen beteiligen sich immer mehr
Schulen mit bunten Aktionen an den bundesweiten Aktionswochen, um das Problem in den Griff zu bekommen und die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder nicht mit dem Auto zu bringen. Allein in Berlin sind über 60 Schulen mit 18.000 SchülerInnen dabei.

Nun noch mal zu dem Grundproblem: Eltern haben wegen des vielen Verkehrs rund um die Schule Angst, ihre Kinder könnten verunglücken. Das Paradoxe daran ist, dass gerade diese Eltern das Verkehrschaos oft selber verursachen. Aber gerade diese befürchten, dass ihre Kinder den Weg nicht alleine bewältigen können, aber wie sollen diese das auch lernen, wenn sie immer nur auf dem Rücksitz sitzen? Oft sind sie noch nicht mal vernünftig angeschnallt.

Rückblick – Erinnern Sie sich an Ihre eigenen Schulwege? Wie schön war es, sich mit anderen zu treffen und zusammen zur Schule zu gehen, Nachbars Katze und den Hund vom Hausmeister zu begrüßen, Bäume zu zählen, über Gehwegpflaster zu hüpfen, mit Gummistiefeln durch Pfützen zu platschen, … Kinder lieben es durch Pfützen zu patschen – und zum Glück sind unsere Kinder ja wasserfest. Außerdem gibt es tolle Gummistiefel und Regenkleidung. Unsere Kinder wollen selbstständig sein und ihren Aktionsradius vergrößern, sich die Umwelt aneignen! Dazu gehört es auch, Wege allein zurückzulegen.

Mal loslassen können, macht Kinder stark!

Die sogenannten Helikopter-Eltern, bringen es sogar fertig, ihren Kindern noch die Schulmappe in den Klassenraum zu tragen. Wie peinlich ist das denn? Als ob die Kinder das nicht selber könnten. Notfalls muss man die Mappe mal aufräumen. Auch das müssen Kinder lernen.
Auch kann es nicht schaden, frühzeitig zu lernen, wann man losgehen muss und wie lange man für den Weg braucht. Wie sollen Kinder ein Zeitgefühl bekommen, wenn sie immer im Schlepptau der Eltern sind?
Eltern, traut euren Kindern mehr zu, eure Kinder können mehr als ihr denkt, lasst sie auch mal los, gebt ihnen mehr Freiraum!

Zu Fuß gehen entspannt

Vielleicht ist es auch für die Eltern gut, mal zu Fuß zu gehen. Genießt es, die Wege zunächst mit dem eigenen Kind gemeinsam zu gehen und sie diese nach und nach selbstständig zurücklegen zu lassen. Es ist so entspannend, wenn das eigene Kind selbstständig ist. Statt mit dem Auto im Stress die Kurve an der Schule vorbei zu machen, kann man auch einfach noch ein paar Minuten länger entspannt beim Frühstückskaffee sitzen – das tut den Eltern und der Umwelt gut.
Und bald wird das Kind auch weitere Wege alleine bewältigen: zum Sport, zur Musikstunde oder einfach nur zu Freunden.

Bitte nicht direkt vor die Schule fahren

Und wenn es denn doch mal nicht anders geht als mit dem Auto, dann haltet doch wenigstens ein Stück weg von der Schule und lasst das Kind die letzten 200 Meter alleine gehen, es schafft das! Hilfreich sind dafür Elternhaltestellen, wie es sie in mehreren Orten in Brandenburg und neuerdings auch an der Berliner Reinhardswald-Grundschule gibt. Hier sind mehrere Parkplätze morgens mit einem eingeschränkten Halteverbot versehen, damit Eltern kurz halten und ihre Kinder sicher aus dem Auto aussteigen lassen können. Das letzte Stück Weg können die Kinder dann alleine zu Fuß zurücklegen. Das Ganze ist eingebettet in umfangreiche Aktivitäten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und der schulischen Mobilitätserziehung und zur Aufklärung der Eltern.

PS: Und liebe Eltern, haben Sie schon mal daran gedacht, das Auto gleich ganz stehen zu lassen und zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffentlichen zur Arbeit zu fahren (lässt sich auch gut kombinieren)? Auch uns Erwachsenen tut mehr Bewegung gut.

 

links:

www.mobilitaetserziehung-berlin.de

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