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Naturschutzverbände als „Deppen der Stadt“

DAS SYSTEM HASE UND IGEL - BEISPIEL FRIEDRICHSHAGENER BAUMFÄLLUNGEN

Am Montag den 27. Februar rückte in der Bölschestraße eine Baumfäll-Kolonne an, um geschätzte 16 gesunde Straßenbäume umzuhauen. Nach wenigen „Erledigungen“ musste die Firma aufgrund eiligst organisierter Bürgerproteste wieder abziehen. Gegen Mittag hatte das Tiefbauamt Treptow-Köpenick mit den Auftraggebern BVG und Berliner Wasserbetrieben die Einstellung der Arbeiten vereinbart.

LANGE GEPLANTE BAUMFÄLLUNGEN – NATURSCHUTZVERBÄNDE ERFAHREN ES
ALS LETZTE

Hintergrund: Es gab ein langwieriges Planfeststellungsverfahren inklusive Verbands- und Bürgerbeteiligung zum Ausbau der Bölschestraße mit Erörterungstermin am 3./4.Januar. Das Thema Baumfällungen tauchte hier ebenso wenig auf wie in den Planungsphasen zum Neubau einer 80 Jahre alten Trinkwasserleitung.

Lediglich wenige Tage vor den geplanten Fällungen fanden sich in manchen Briefkästen von Anwohnern plötzlich Ankündigungszettel. Am Donnerstag den 23.2. erschien eine dürre Pressemitteilung des Bezirksamts im Internet, Schweigen bei BVG und Wasserbetrieben. Nun kann man kaum verlangen, dass Bürger und Naturschutzverbände alltäglich 365 Tage im Jahr sämtliche Presse-Informationen der Stadt durchstöbern….

DAS ROLLENVERSTÄNDNIS: GEWERKSCHAFT DER PFLANZEN UND TIERE –
ODER NUTZUNG ALS MEDIATOR ZUR BERUHIGUNG EMPÖRTER BÜRGER ?

Verbände wie BUND und NABU haben einen gesetzlich fundierten Auftrag zur Bewahrung des Schutzgutes Natur und das Recht auf Beteiligung bei Projekten dieser und anderer Art. Mit enormen Fachwissen und hohem Engagement machen sie „ihren Job“ so gut es immer geht.

In der bitteren Realität laufen die Verbände nur allzu oft dem Geschehen hinterher – wie in diesem Fall. Sie können keinen 24-Stunden-Notdienst inkl. „Eingreif-Truppe“ unterhalten, erfahren von Eingriffen in die Natur oft nur wenige Stunden davor oder manchmal überhaupt nicht.

Auf diese Weise stehen die Verbände in der Öffentlichkeit nicht selten in der Gefahr als Teil eines Ärgernisses wahrgenommen zu werden – die Anspruchshaltung mancher Zeitgenossen kommt da noch hinzu, z. B. soll der BUND immerzu klagen, auch wenn die Aussichten zu gewinnen noch so gering sind. Damit müssen Naturschützer im Alltag erst einmal klarkommen…

INFORMATIONSPOLITIK ALS BASIS DEMOKRATISCHER KULTUR

Es bleibt ewig unverständlich, warum sich Ämter/Verwaltungen lieber dem Zorn der Bürger aussetzen – und das in vielen Fällen völlig unnötig – anstatt offen und transparent zu kommunizieren. Viele Beispiele beweisen, dass sich so bei Projekten oftmals bessere und kostengünstigere Lösungen finden lassen.

Die Naturschutzverbände hingegen hätten mehr Zeit und Nervenkraft für ihre eigentlichen Ziele wie z. B. die Förderung der Artenvielfalt und Grün-Infrastruktur in Berlin.

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Der Schwur von Friedrichshagen – Stadtrat Rainer Hölmer hatte geladen:
Nach 2 Stunden der Wahrheit im alten Rathaus vereinbarten BVG, Wasserbetriebe und Bezirksamt zukünftig besser zu kommunizieren und sich besser abstimmen zu wollen.
Gemeinsam mit den Bürgern wurde die mögliche Rettung dreier Bäume vor der Fällung im Zuge der Baumassnahmen erarbeitet.
Noch offen ist das Schicksal der Kastanie vor der Biocompany-Filiale – am Ende ein politisches Wettrennen: übliche Planung pro „flüssigen“ PKW-Verkehr contra Baumerhalt ? Naturschutzverbände und Bürger haben noch nicht aufgegeben.

2 Kommentare

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    • Das Mediationsverfahren zum LWK war zwar zäh, letztlich aber erfolgreich (insbesondere auch Dank der in diesem Verfahren engagierten Bürger*innen). Die dort vereinbarten Standards berlinweit durchzusetzen, wird noch ein hartes Ringen mit den verschiedenen Ämtern erfordern. Von denen werden wir selten als „nett“ empfunden.

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