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KLADOW: BALD HINTER DEM HAFEN….

WOCHENENDSIEDLUNG WEST: DER KAMPF GEGEN DIE ELEMENTE UND DIE FRAGE DER ÖKOLOGIE

Die sanften Hänge zwischen Ritterfelddamm und Groß Glienicker See beherbergen eine Siedlung die landschaftlich an Rheinhessen erinnert – nur ohne Rebstöcke eben. Getrübt wird diese mediterrane Idylle durch ein marodes Abwassersystem, das zuweilen ein gewisses Eigenleben entwickelt. So sollen bei starken Niederschlägen regelmässig Fäkalien und anderes Unappetitliche in den See gelangen.

Ein unbedarfter Besucher wundert sich allerdings über das fröhliche Badeleben wenige Tage nach einem Starkregen-Ereignis. Das Erstaunen wächst weiter, wenn dieser kleine Lago Maggiore berlinweit als
Nummer zwei der saubersten Badeseen gepriesen wird.

NOCH IMMER IM FADENKREUZ GROß-TECHNISCHER FANTASIEN:
100 PROZENT BETON AUF KOSTEN VON HUNDERTE VON BÄUME !

Geplant war ursprünglich die „große“ Lösung: Abwasser-System und Straßen sollten komplett  ganz neu saniert werden, letztere mit kehrfähiger Totalversiegelung – Vorbild Jägerallee – und in den Briefkästen der Anwohner gab es dann die Zahlungsaufforderungen von bis zu 20.000 Euro, für manche bedeutet das Notverkauf oder Zwangsversteigerung.
Nach Protesten stoppte der Bezirk zwar erste konkrete Planungen – vom Tisch sind derartige Vorstellungen indes nicht.

DAS MODELL MOSEL ALS WARNUNG

Im vorigen Jahrhundert trieb man besonders in Weinbaugebieten die Zivilisierung per Beton, Straßenbau und Verrohrung eifrig voran – mit der Folge, dass fortan viele Altstädte regelmässig in den Fluten versanken – vielerorts bis heute „Tradition“.

In unserem Fall kann der Versiegelungsgrad der Straßen zwischen 50 – 60 % eingeschätzt werden. Hernach würde sich die Regen-Abflussmenge also verdoppeln, bei Starkregen-Ereignissen in kürzester Zeit sogar weit darüber: Wo soll das alles hin und ohne neues (teures) Klärwerk ?

 

Dem vergleichsweise bescheidenen Straßenbaumbestand würde vollends der Garaus gemacht. Hunderte z.T. sehr wertvolle Bäume auf den Privatgrundstücken würden den unvermeidlichen Eingriffen in den Wurzelbereich zum Opfer fallen, darunter eine vierstämmige Ess-Kastanie (Castanea sativa), die einen Platz in der Naturdenkmal-Liste verdient hätte.

 

TECHNOLOGIE- UND WISSENSSTANDORT BERLIN ÜBERFORDERT ?
PROBLEMLÖSUNG MIT ANWOHNERN UND ÖKOLOGISCHEN KONZEPTEN sind gefordert !

Es gibt reichlich widersprüchliche Beobachtungen und Meinungen von Anwohner*innen, Besucher*innen und Expert*innen. Dies deutet auf Schwächen in der üblichen Planungsprozedur. Projektmanagement 2017 verlangt die Beachtung ökologischer Aspekte und einen Konsens mit den Betroffenen und daran mangelt es bisher erheblich.

Was man alles tun kann: Info-Veranstaltungen zu den technischen Problemen, Runde Tische, auch Gutachten unabhängiger Sachverständiger sind zuweilen hilfreich und – keine Angst vor den Bürgern !

 

Aktuell: Bezirksamt startet Dialog-Verfahren (Artikel im Tagesspiegel v. 4.9.17): http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/spandau/kurpromenade-bezirk-beruft-mediatorin-dialogverfahren-startet/20277848.html

 

 

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