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Im Dialog durchs Akazienwäldchen

© by pixabay Liguster in Berliner Grünanlagen: Die Beeren werden im Spätwinter von Vögeln und kleinen Nagetieren verzehrt. Im Sommer lockt der süße Nektar der länglichen weißen Blütenrispen scharenweise Insekten an.

 

Die BUND-Arbeitsgruppe Strauchschutz führt die Arbeit fort und traf sich kürzlich in der Neuköllner Grünanlage „Akazienwäldchen“ mit dem Leiter für Grünanlagen und dem stellvertretendem Meister von Neukölln-Süd. Bereits im Dezember hatte die AG unter umweltzoneberlin.de erstmalig von ihrem Vorhaben berichtet, die Strauch- und Heckenpflege in der Stadt ökologischer zu machen.

Sträucher und Hecken sind wichtige Landschaftsbestandteile

Sie erfüllen neben ihrer ästhetischen und raumordnenden Funktion beutende Aufgaben für den Naturhaushalt. Sie schützen vor Wind, dämmen den Lärm, reduzieren den Staub in der Luft, bieten wertvolle Brut- und Nistplätze und sind Lebensraum für viele Kleintiere wie dem Igel. Damit Hecken und Sträucher diese Funktionen auch erfüllen können, bedarf es einer naturverträglichen, gärtnerischen Pflege.

Bedauerlicherweise erreichen uns aus allen Berliner Bezirken Meldungen von Anwohner*innen während der aktuellen Fällsaison (zwischen Oktober bis März), dass sowohl in öffentlichen Grünanlagen als auch in den Außenanlagen von Mietobjekten statt angemessener Strauchpflege, Sträucher vielfach bis kurz auf den Boden zurückgeschnitten oder gerodet werden.

Stichprobe in drei Bezirken

Die AG Strauchschutz schrieb vergangenen Herbst drei Bezirksämter an und bat um Auskunft über die geplanten Gehölzpflegemaßnahmen in den Parkanlagen. Von Tempelhof-Schönberg erhielten sie eine Auflistung der geplanten Vorhaben, wobei nach unserem derzeitigen Kenntnisstand bisher noch keine der Maßnahmen umgesetzt wurde. Das Grünflächenamt Neukölln erklärte sich hingegen sogar bereit, die Pläne direkt an Ort und Stelle zu erläutern und so kam es zu einem ersten zaghaften Annäherungsversuch zwischen Naturschützern und Grünanlagen-Verwaltern in der Grünanlage Akazienwäldchen

Ohne Parkranger geht es nicht anders

Der Leiter für Grünanlagen bestätigte, was zu erwarten war: Zu wenig Personal, zu wenig Geld, dazu noch Müll und potentielle Angsträume. Im Akazienwäldchen habe man schon einzelne Bäume und Sträucher in der Nähe eines Spielplatzes entfernt, weil das Ordnungsamt dort benutztes Spritzbesteck von Drogenabhängigen gefunden habe. Naturschutzbelange haben da für das Bezirksamt eher untere Priorität. So wurden alle Vorschläge der AG Strauchschutz zurückgewiesen: Eine Krautschicht an den Säumen der Sträucher wäre zu pflegeintensiv und würde in der Folge die angrenzenden Gehwege überwuchern. Das frisch geschnittene Holz als wertvolles Totholz in der Strauchschicht zu belassen, führe dazu, dass Schulkinder es überall verteilen. Sollte es aber tatsächlich irgendwann einmal Park-Ranger geben, so wie es die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in Erwägung zieht, ließe sich über die eine oder andere naturnahe Pflegemaßnahme reden, so der Grünanlagenleiter.

Laserschnitt ist Gift für Amsel, Biene und Igel

Für die Pflege der nordseitigen Hecken hat das Grünflächenamt eine Fremdfirma beauftragt. Diese soll nun die Sträucher, nachdem sie fünf Jahre lang gar nicht angefasst und dadurch merklich geschwächt wurden, zurückschneiden und auslichten. Der Grünanlagenleiter versicherte, dass die Firma nicht mit dem „Laserschnitt“ arbeitet. Gemeint ist damit umgangssprachlich eine Praxis, bei der die Sträucher mit einer Motorsäge bodennah horizontal abgeschnitten werden.

Der BUND hat allerdings in der Vergangenheit beobachten können, dass Pflegekräfte mit den Sträuchern wenig pfleglich umgingen. Auf der Südseite des Parks wurden alle Sträucher mit dem „Laserschnittverfahren“ bis kurz auf den Boden eingekürzt. Für Amsel, Biene und Igel war dort lange Zeit nichts mehr zu holen.

Die AG Strauchschutz tritt mit gemischten Gefühlen den Heimweg an. Die Bereitschaft des Grünflächenamtes mit dem BUND in einen persönlichen Kontakt zu treten und sich über die jeweiligen Nöte auszutauschen, ist erst einmal positiv zu bewerten. Klar ist aber auch, dass der BUND Berlin dokumentieren wird, ob zumindest die wenigen Zusagen in Bezug auf den bevorstehenden Strauchschnitt des Grünanlagenleiters tatsächlich auch umgesetzt werden.

Sie möchten mehr über die Arbeitsgruppe Strauchschutz erfahren? Dann wenden Sie sich an fehlenberg[at]bund-berlin.de

5 Kommentare

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  1. Nun – inzwischen is dort alles ratzekahl wech……….und die Holunder haben ihr „Neuköllner Mass“ bekommen – also das abgesägte Besen-Stiel-Format – nun herrscht Ordnung und die Piepmätze müssen sich eben was Anderes suchen !

  2. In Treptow in Nähe des Chriss Gueffroy Denkmals am Mauerweg wurde gerade beim Trimmen des Reitgrases an vielen bodennahen Stellen die Sandornstrauchrinde verletzt. Das kann es doch nicht sein. Wir brauchen auch in Treptow-Köpenick ein Monitoring für Pflegemaßnahmen! Wozu gibt es das Handbuch der guten Pflege?

  3. Danke für den Einsatz, aber ohne dass verdeutlicht wird, dass sich grade öffentliche Auftraggeber an Naturschutzgesetze zu halten haben, gibt es ja offenbar keine Bereitschaft zu Änderungen in der Pflege. Die Aktivierung der Naturschutzgesetze auf öffentlichen Flächen ist Teil des Koalitionsvertrags. Warum geht es um Gesetze (BNatSchG §44) ? Auch STANDORTTREUE Amseln u.a. nutzen Sträucher und Hecken als Lebensstätten wiederkehrend bzw dauerhaft. Die ersatzlose Zerstörung solcher Lebensstätten ist gesetzeswidrig.

    Man kann auf Grund der Zerstörung von Biotopen und vielen anderen beschädigenden Eingriffen bei Umgestaltungen, wie zB Weigandufer, davon ausgehen, dass es kaum oder keine adäquaten Ausweichmöglichkeiten für die betroffenen Arten mehr gibt. Vögel brauchen keine durchsichtigen Gehölze, sondern dichte zum Brüten und Verstecken.

    Lösbar ist das Problem, wie es durch das Grünflächenamt dargestellt wird, mit mehr Ressourcen für Nachpflanzungen und fachgerechte regelmäßige Pflege. Es geht darum, einen Kompromiss zu finden, sodass Arten immer noch genügend Rückzugsmöglichkeiten finden und damit auch Natur erlebbar bleibt. Die meisten Bezirke haben derzeit eine sehr gute finanzielle Ausstattung. Aber nur wenn es Druck gibt, werden Ressourcen so verteilt, dass auch die Grünflächenämter besser ausgestattet werden, letztens erst gehört.

    Schließlich geht es primär darum, dass auch Kinder und Jugendliche noch in ihrem Lebensumfeld in der verdichteten Stadt Natur und Wildtiere erleben können, ohne dass man mit dem Auto in entfernte Schutzgebiete fahren muss. Solch ein Passus steht übrigens sinngemäß auch im Koalitionsvertrag.

    Was den Müll angeht, da sieht man unzählige Bsp., wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht, dass grade der Müll in den runtergeschnittenen Anlagen besonders gut deponierbar ist und sichtbar. Das ist kein Argument, im Gegenteil. Auch beim Sicherheitsargument wäre es interessant zu erfahren, ob es hier Statistiken gibt oder es mehr um subjektive Angstprojektionen auf Büsche geht. Momentan hat man ja mehr den Eindruck, die Gefahr ist da groß, wo es keine Büsche gibt, wie zB an Bahnhöfen und in Zügen.

  4. Ich kann Frau Seige da nur in jedem Punkt zustimmen.
    Imübrigen ist das Argument, Totholz würde von spielenden Kindern verschleppt wohl ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
    Wer mal einen anständigen Totoholzhaufen gesehen hat nach einem umfangreichen Pflegeschnitt, wird nicht ernsthaft glauben, dass da irgendwer irgendetwas wieder rauszieht – zumindest nicht ohne maschinelle Hilfe.

    Was das „Sicherheitsargument“ anbelangt: es gibt zahlreiche ökologisch extrem wertvolle, standortheimische Knickgehölze,die stark bedornt sind.
    In mit solchen Dornensträuchern durchsetzten Knicks und Gebüschen versteckt sich niemand – und Müll lässt sich da auch eher schwer drin versenken.
    Ich spreche da aus Erfahrung, denn der Knick mit dornigen Gehölzen um mein Grundstück hat mich nach zwei Einbrüchen und mehreren Einbruchsversuchen endlich endgültig von weiteren Einbruchsversuchen befreit – etwas, was durch zusätzliche technische Sicherungen am Haus nicht zum Erfolg führte.
    Im übrigen ist es mir absolut unverständlich, warum immer noch und immer wieder alle paar Jahre absolut alles komplett dem Erdboden gleich gemacht wird.
    Warum werden nicht sämtliche begrünten Flächen immer vor Ort in mindestens 3 Pflegeabschnitte eingeteilt, wo jedes Jahr praktisch immer nur ein Drittel auf den Stock gesetzt wird, so dass die Minibiotope immer 3 Entwicklungsstufen vorhalten können.
    Dass dies mangels Personals nicht möglich sein soll halte ich für eine sehr flache AUsrede.
    Das ist einzig und allein eine Frage der Organisation.
    Vielleicht sollte man mal vorschlagen, dass Aktive der jeweiligen Umweltschutzorganisationen und Freiwillige, die sich mit ökologischem landschaftsbau auskennen bei solchen Pflegeaktionen ehrenamtlich zugegen sind und die Beauftragten anleiten.
    So lernen jene, die die Arbeiten ausführen sollen dazu und werden dadurch in die Lage versetzt, irgendwann auch selbständig umweltfreundliche Pflegemaßnahmen durchzuführen.
    Last not least könnte man auch die Bürger noch mit einbinden und vor solchen Maßnahmen über die lokalen Medien dazu aufrufen, ob Freiwillige bereit sind, aus dem durch die Pflegemaßnahme entstehenden Schnittgut direkt vor Ort z.B. eine Benjeshecke oder einen dekorativen Reisighaufen anzulegen – einen, den man z.B.mit Efeu überrankt.
    Dann nützt der Pflegeschnitt nicht nur dem Erhalt des Gebüsches, er schafft sogar noch zusätzlichen, wertvollen Lebensraum insbesondere für Insekten, deren Rückgang ja wirklich bedrohliche Ausmaße angenommen hat.

  5. Ich muss mich meinen Vorrednerinnen anschließen. Die teilweisen vorgebrachten Arguemente sind ein Witz !
    Ich bin Anwohnerin am Akazienwäldchen. Und ich musste vor Wochen entsetzt mit ansehen, wie die ganzen Gehölze und Büsche regelrecht niedergemetzelt wurden. Seitdem ist es hier sehr still geworden. Für Berliner Verhältnisse wohnen wir hier noch wirklich im Grünen. Dementsprechend war, die Betonung liegt hier eindeutig auf war ! die Artenvielfalt. Und die Artenvielfalt hatten wir das ganze Jahr über. Füchse, Marder, Igel, Eichhörnchen, Mäuse. Wir hatten hier sogar schon Waschbären. Und dann die ganzen Wildvögel. Amseln, Spatzen, Erlenzeisige, Wintergoldhähnchen, Stieglitze, Grünfinken, Eichelhäher, Kernbeißer, Schwanzmeisen, Grünspecht, Kohlmeisen, Buchfinken, Buntspechte, Sperber und nachts hörte man hier sogar Waldkauze. Aber seit vor Wochen im Akazienwäldchen Kahlschlag betrieben wurde, sieht man von den erwähnten Vögeln nur noch ein paar Spatzen, vereinzelt mal eine Kohl -und Blaumeise oder hier und da mal eine Amsel. Den Eichelhäher hörte man täglich, wenn man ihn nicht sah, weil er vor dem Sperber warnte. Aber auch der Sperber ist nicht mehr da, weil es ja keine Beute mehr für ihn gibt. Auch hatten wir hier jedes Jahr Nachtigallen. Aber die werden wohl hier nicht mehr zum Brüten kommen, es gibt ja keine Rückzugsorte mehr !

    Die Argumente, dass das Totholz verlockend für Kinder wäre, ist lachhaft. Kleiner Hinweis : Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Blaschkoallee ist der Blaschkopark mit einem riesigen Abenteuerspielplatz ! Da werden Kinder mit Garantie nicht auf Totholzhecken warten ! Nun zu den sogenannten Angsträumen. Welche Angsträume ? Geht es um die Dealer ? Nun, da müssen wohl ganz andere Maßnahmen ergriffen werden, anstatt die Natur dafür „bluten“ zu lassen. Zumal, die Dealer werden sich davon auch nicht abhalten lassen, weiterhin ihre Ware im Park anzubieten. Da ist es eher Aufgabe der Polizei, der Lage Herr zu werden. Wenn man die Dealer hat, werden auch die Junkies weniger. So schlägt man 2 Fliegen mit einer Klappe und muss nicht alles auf den Stock setzen ! Das Einzige, was sich vermehrt, sind die Ratten, weil die Müllkörbe nicht regelmäßig geleert werden. Das hatte schon zur Folge, dass Anwohner in ihrer Freizeit den Park gesäubert haben und die BSR den Müll Tage später abholte. Es geht also !
    Alle Argumente, wieso weshalb warum sind für mich keine Argumente. Fakt ist, hier herrscht eher ein stückweit Bequemlichkeit und die Tatsache, dass man sich scheut, neue Wege zu gehen.
    Ich las in einem der Kommentare, dass die Aktivierung der Naturschutzgesetze Teil des Koalitionsvertrag sind. Da frage ich mich allen Ernstes, wieso ausgerechnet von öffentlicher Seite das nicht eingehalten wird ? Wieso ist es nicht möglich, endlich mal umzudenken ? Wieso können die öffentlichen Auftraggeber, wie das Grünflächenamt nicht mal mit gutem Beispiel voran gehen ? Wieso kommt in den Köpfen nicht an, dass wir nur diesen einen Planeten haben ? Das Grünflächenamt hat im Akazienwäldchen ganze Arbeit geleistet ! Aber im negativen Sinne ! Es ist erschreckend, wie wenig Wildvögel hier übrig geblieben sind seit dem Kahlschlag. Es war noch nie so wenig, wie jetzt. Und ich wohne hier mittlerweile seit 16 Jahren.

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