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Parks und Wälder zu Bauland?

URANIA-Podiumsdiskussion 10.4.2019: Stehen die Berliner Grünflächen vor dem Aus?

Wie hoch ist der Preis für den Erfolg einer Stadt? Berlin gilt als die grünste Metropole seiner Klasse – aber wie lange noch? Bei der Gründung der Großgemeinde 1920 hatte Berlin mehr Einwohner als heute – und das auf einem  Bruchteil des heutigen Siedlungsareals. Das aktuelle Wuchern von Baugebieten und Nachverdichtungen geht zumeist auf Kosten von Grün. Der Flächenfraß scheint unersättlich und Grünflächen rutschen in den Status einer Verfügungsmasse – doch wo sind die Grenzen?

Stadtnatur im Beute-Schema der Interessen

Bei ungenutzten Betonflächen oder Gewerbebauten herrscht oft seltsamer Appetitmangel. Grünflächen hingegen erscheinen per se als Bauland und Einsprüche als Quertreiberei. Gern wird eine Diskussion über den Wert von Grün X oder Y mit dem Ziel angezettelt, ökologische Bedenken zu kippen.

Kommunale Politik als Baulöwe: Ein über 1,7 ha großer arten- und biotopholzreicher Laubwald am Dahlemer Weg/Zehlendorf (siehe Titelfoto) hat für den Bezirk nur den Wert eines idealen Bauplatzes für Flüchtlingsunterkünfte. Allerdings fordern der Status einer öffentlichen Grünanlage und die Fachgutachten seinen Erhalt. Aber was zählen schon Bäume, Käfer, Weinbergschnecken, Fledermäuse und Piepmätze ?

Kleingarten am Westkreuz

Zielprojektion Neuer Park: In Fachbewertungen erhalten 100 Jahre alte naturnahe Kleingärten am Westkreuz den Stempel verzichtbar – wegen ihrer „fremdländischen“ Vegetation(!). Sie sind aber Heimat von Eidechsen, Kröten und reicher Insektenwelt. Hier die Planer dort Investoren, die das Paradies mit Sportanlagen oder Hochhäusern zupflastern wollen.
Übergeordnetes öffentliches Interesse ist mitunter hilfreich, um attraktive Wohnlagen für Gutsituierte zu erschliessen – Beispiel Marinapark Oberhavel in Spandau. Vorher regierten hier Biber, Eisvogel und Co.

Das falsche Spiel mit dem Wert von Grün

Wenn’s hoch hergeht, kommen sie daher mit „aber das ist doch gar nicht wirklich wertvoll…!“. Man nutzt eine rhetorische Anleihe aus längst überwundenen Anfängen des Naturschutzes aus dem 19. Jahrhundert als nur die ECHTE NATUR schützenswert galt,
also Moore, Flussauen, Urwälder, Hochgebirge. Davon haben wir in Berlin wenig – daher rechtfertigt diese Logik letztendlich eine Baupolitik nach dem Modell Hongkong.

Die moderne Stadtökologie hat indes eine „NATUR DER ZWEITEN ART“ definiert, einen spezifisch städtischen Landschaftskomplex. Dieser ist oft artenreicher als die agrartechnisierte Provinz, Rückzugsort bedrohter Arten und mitunter auch floristisch-faunistischer Schmelztiegel (Kowarik 1992).
Diese neue Sichtweise führte 1999 zur Ausweisung eines stillgelegten Rangierbahnhofs als LSchG/NSG – heute bekannt als Südgelände-Park. Und das Tempelhofer Feld war den Bürgern gar so viel wert, dass sie für seine Existenz das Abenteuer eines Volksbegehrens wagten.
Und würde jemand auf die Idee kommen, den Botanischen Garten oder Tierpark Friedrichsfelde auch nur teil- zu bebauen?

Eine CHARTA FÜR DAS BERLINER STADTGRÜN als Chance?

Der Berlin-Boom hat eine bekannt kritische Gemengelage verstärkt. Trotz Hauptstadt-Auftrag will eine klare Mehrheit der Berliner*innen auf keinen Fall, dass ihre Stadt unter Beton verschwindet wie weiland Brasilia oder Hongkong.
Um dies zu verhindern, hat die REgierungskoalition das Instrument CHARTA  FÜR DAS BERLINER STADTGRÜN aus der Taufe gehoben. Damit wird der Versuch gewagt, verbindliche Fundamente zum Schutz wertvollen Grüns zu entwickelt. Es ist zu hoffen, dass der Mut in den grauen Ebenen der Regierungsarbeit nicht bröckelt…

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Kommen Sie der PODIUMS-DISKUSSION in die URANIA Berlin:
Mittwoch, 10.4.2019, 17:30 Uhr – Eintritt frei !

Stehen die Berliner Grünflächen vor dem Aus?

Wenn wertvolles Grün Bauprojekten zum Opfer fällt

mit

Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer BUND Berlin e. V.

Dr. Hans-Hermann Bentrup, Staatssekretär a.D.,
Vorsitzender Lenné-Akademie

Dipl.-Ing. M. Arch. Andreas R. Becher
Vorstand Bund Deutscher Architekten Berlin

Henning Gerlach, Vorsitzender des Vereins Lebenswertes Lichterfelde e. V.

Moderation: Romanus Fuhrmann,
Schauspieler, Synchronsprecher und Regisseur Kultur, Reisen und Berlin

mehr unter:
www.urania.de/stehen-die-berliner-gruenflaechen-vor-dem-aus

In Zusammenarbeit mit dem Verein Lebenswertes Lichterfelde

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