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Hirngespinst U-Bahnbau – zu teuer und zu langsam

Berlin muss Prioritäten auf Tram-, Rad- und Fußwegeausbau setzen

Der öffentliche Nahverkehr in Berlin platzt aus allen Nähten. Volle Busse und Bahnen bringen die Berliner*innen und Berlinbesucher*innen nicht selten an den Rand des Erträglichen. Und wer ernsthaft eine Verkehrswende bewirken will, kann nicht nur den Ausbau von Rad- und Fußwegen forcieren. Ein Kernstück für die ökologische Mobilität ist der öffentliche Verkehr, und es ist richtig, dass das Angebot ausgebaut und verbessert werden muss. Aber es ist ganz wichtig, dabei die richtigen Prioritäten zu setzen, dazu gehören momentan kein Neubau von U-Bahn-Strecken. Wer das immer wieder fordert, scheint die Berliner „Verkehrs“-wirklichkeit nicht zu kennen.

Auf den ersten Blick – auf den Netzplänen – sehen die Vorschläge für diverse U-Bahnverlängerungen, die durch die Öffentlichkeit geistern, sinnvoll aus: U1 zum Adenauerplatz und in der anderen Richtung zum Ostkreuz, U3 zum Mexikoplatz, U7 zum „Fluchhafen“ BER, U9 nach Pankow.

Das Problem an diesen Ideen ist, dass sie völlig unrealistisch sind. Neue U-Bahnstrecken sind schlicht zu teuer und dauern im Bau viel zu lang. Das zeigt das einzige aktuelle Bauvorhaben, die U5-Verlängerungen vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Seit 2012 ist die 2,2 Kilometer kurze Strecke in Bau, die Kosten haben die Marke von einer halben Milliarde Euro längst überschritten, frühestens Ende 2020 werden hier die ersten Züge fahren. Zum Vergleich: Die 2,3 Kilometer lange Straßenbahnneubaustrecke zwischen Nordbahnhof und Hauptbahnhof kostete gerade einmal 27 Millionen Euro.

Das heißt allerdings nicht, dass nicht in das Verkehrsmittel U-Bahn investiert werden soll: Immer noch sind etliche Bahnhöfe nicht barrierefrei zu erreichen, es fehlen Rampen oder Fahrstühle. Zudem müssen Langsamfahrstrecken saniert werden. Vor allem aber gilt es, mehr neue Züge zu beschaffen, damit die Takte entsprechend der gewachsenen Nachfrage verdichtet werden können.

Berlin muss seine finanziellen und personellen Ressourcen intelligent einsetzen, damit wirklich etwas dabei herauskommt. So werden Sanierung, mehr Personal und Fahrzeuge, sowie Straßenbahn- und Radwegebau viel mehr bewirken und vor allem sind die auch in absehbarer Zeit realisierbar.

Der Berliner Landesverband des BUND hat die U-Bahn-Projekte geprüft und seine Position dazu der Senatsverwaltung mitgeteilt.

Brief an die Senatsverwaltung

Weitere Infos des BUND zur Mobilität

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