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Schock im Kleistpark

Vermutlich rechtswidrige Baumfällungen

Mindestens acht dicke Buchen, drei Weißdorne sowie eine seltene schlitzblättrige Buche fielen heute im Schöneberger Kleistpark der Säge zum Opfer. Die Fällarbeiten dauerten zum Zeitpunkt der Zählung noch an. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Bäume abgesägt werden.

Fällungen in der Vegetationsperiode

Die Gründe dafür sind dem BUND Berlin noch nicht bekannt. Ganz unabhängig von der Begründung erfolgten die Fällungen nach Ansicht des BUND rechtswidrig in der geschützten Vegetationszeit. Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz gilt bis zum 1. Oktober ein Fällverbot für Bäume, sofern von ihnen nicht eine unmittelbar bevorstehende Gefahr ausgeht, wie z.B. herabfallende Äste oder wenn Bäume drohen umzukippen. Aber selbst in solchen Situationen ist vor einer Fällung in der geschützten Vegetationsperiode zu prüfen, ob die erkannte Gefahr nicht auch auf andere Weise entschärft werden kann, etwa durch eine baumschonendere Entnahme einzelner Äste oder einer Entlastung der Krone. Auch eine Wegesperrung ist einer Fällung in der Vegetationsperiode vorzuziehen.

Der rechtliche Rahmen der Vegetationsperiode sollte dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg bekannt sein. Der BUND Berlin hatte im Sommer 2013 Klage gegen die bevorstehende Fällung von drei Straßenbäumen in der Schöneberger Crellestraße eingelegt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin hatte daraufhin die Fällungen innerhalb der Vegetationsperiode untersagt. Bei einer telefonischen Nachfrage zu den Fällungen im Kleistpark zeigte sich das Bezirksamt zwar irritiert, unternahm jedoch keine weiteren Anstrengungen, die anhaltenden Fällungen zu stoppen.

Die Vegetationsperiode ist geschützt, um Tieren und Pflanzen in der für sie so wichtigen Zeit die Möglichkeit zu geben, ihren Fortbestand zu sichern. Selbst wenn das Brutgeschäft jetzt schon abgeschlossen ist, suchen gerade Vögel im hereinbrechenden Herbst noch Nahrung für den Winter. Auch reicht es in der Vegetationsperiode nicht, den Baum vor der Fällung nach bewohnten Nestern oder Höhlen abzusuchen. Die Zweige der heruntergeschnittenen Weißdorne waren voller Beeren, die jetzt noch eine sichere Nahrungsquelle gewesen wären.

Bäume einfach vertrocknet, trotz höchster Pflegestufe?

Anhand der liegengebliebenen Holzabschnitte und des allgemeinen Zustandes der Bäume in dem Park ließe sich darauf schließen, dass zumindest ein Teil der gefällten Bäume durch die seit zwei Jahren anhaltende Trockenheit geschädigt waren. In ganz Berlin litten gerade die Buchen unter Hitze und Wassermangel. Der Kleistpark gehört jedoch zu den Schöneberger Grünanlagen mit der höchsten Pflegestufe und hat damit deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als andere Parkanlagen. Die repräsentative Grünanlage befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen historischen botanischen Gartens (vor dem Umzug an den jetzigen Standort) und umgibt das Oberlandesgericht Berlin. Ein Ort, der angemessen gepflegt werden würde, möchte man meinen. Wie konnte es passieren, dass dort die Bäume in so großer Zahl vertrockneten und nicht rechtzeitig Alarm geschlagen oder rettende Maßnahmen unternommen wurden? Jetzt scheint die Notsituation mit einem finalen Pflegeschnitt endgültig entschärft worden zu sein.

Wie können andere Parkanlagen/Bäume besser gepflegt werden?

Das Bezirksamt und der Umweltausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wären gut beraten, die Ursachen, die zu der Fällung geführt haben, aufzuklären. In Tempelhof steht eine umfangreiche Sanierung der drei Grünanlagen Bosepark, Lehnepark und Alter Park an. Auch dort wird es zu starken Rückschnitten des Baum- und Strauchbestandes kommen. Die Sanierungsmaßnahmen werden unter anderem mit einer angestrebten Verbesserung der Pflegequalität begründet. Grundsätzlich fehlt es in so gut wie allen Berliner Grünflächenämtern an Geld und Personal, um die Straßenbäume und Parks ausreichend zu pflegen. Dabei vergeht gerade in diesen heißen Sommern kaum ein Tag, an dem nicht die Bedeutung von Bäumen und Parks für die Stadt gelobt wird. Der Bezirk und die Stadt werden lernen müssen, ihrem Grün und der Natur mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sie so zu pflegen, dass sie uns möglichst lange erhalten bleiben.

 

14 Kommentare

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    • Lieber BUND ist das die Art von Kommentierung, die Sie für richtig halten und stehen auch dahinter? Wohl kaum oder? Vorverurteilungen ohne das Ganze zu kennen liefern nur einen Bärendienst bei der Rettung der Bäume.

      • Lieber @Martin Richter, was heißt, ob wir die Art von Kommentierung „richtig“ halten? Es ist ein Diskussionsbeitrag des Users @Martin. Den kann man gut finden, den kann man auch als „der Sache nicht dienlich“ einordnen. Letztlich ist es aber eine Meinungsäußerung, die zunächst niemanden persönlich beleidigt und die sicherlich aus einer gewissen Emotion heraus erfolgt ist. Wir sind der Meinung, dass eine Diskussion das aushalten muss und unter Erwachsenen auch ein vernünftiger Umgang mit solchen Meinungsäußerungen möglich ist.

    • Ein Pilzbefall alleine reicht als Begründung nicht aus. Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt selbstverständlich auch in der Vegetationsperiode Bäume zu fällen wenn von diesen eine Gefahr ausgeht. Aber nur dann wenn die Fällung nicht auch zu anderer Zeit möglich gewesen wäre. Das bedeutet wenn der Baum noch drei Wochen hätte stehen können ohne umzukippen, dann hätten sie erst in drei Wochen fällen dürfen. Die PM liest sich für mich als hätte man da mit Gewalt eine Begründung herangezogen. Ich lasse mich gerne mit den entsprechenden eingehenden Untersuchungen, die das unmittelbar bevorstehende Versagen aller[!] dieser Bäume vom Gegenteil überzeugen

      • Lieber Herr Hönig, die inhaltliche Essenz Ihres Beitrages erschöpft sich in der Aussage, dass die Bäume drei Wochen zu früh gefällt wurden. Ganz ehrlich, worin liegt der gravierende Mehrwert für die Tiere, der es rechtfertigt die Aussagen anderer derart in Frage zu stellen. Zudem wie wollen Sie nachhaltig unseren alten Baumbestand in Berlin mit 430.000 Bäumen vor dem Vertrocknen bewahren, wenn es dauerhaft so wenig regnet wie in den vergangenen 2 Jahren. Lassen Sie es mich wissen.

      • Hallo Herr Richter,

        die im Bundesnaturschutz Gesetz verankerte Vegetationsperiode hat die Funktion nicht nur Bäume und Sträucher an sich zu schützen, sondern diese Bäume und Sträucher auch für die vielen Tiere zu schützen, die sich in diesen aufhalten, an, in und von diesen ernähren und sie als Orte für ihr Sozialverhalten (Singwarten, Flucht- und Schutzräume, etc) benötigen. Auch soll diese Regelung bewirken, dass die vielen kleinen und großen ökologischen Prozesse in der Natur nach Möglichkeit ungestört von statten gehen.

        Die Vegetationsperiode und der Schutz der Lebensstätten gehören zu den in der Bevölkerung bekanntesten Naturschutzregelungen. Die Menschen vertrauen darauf, dass diese eingehalten werden, es gibt schließlich gute – nicht ausschließlich ökologische – Gründe dafür. Gerade wenn der öffentliche Dienst solche weithin bekannten Regelungen nicht beachtet erodiert das Vertrauen der Menschen in den Wert der Natur, in den Auftrag der Verwaltung diese Werte zu erhalten und die Rechtsnormen, die diese Werte schützen sollen. Ich war im Park und habe mit angehört wie der Vater seinen Kindern versucht hat zu erklären, dass die Bäume jetzt eigentlich geschützt sein sollten und er nicht weiß warum sie jetzt umgesägt werden.

  1. Zu Fällen einen schönen.Baum
    brauchts eine halbe Stunde kaum.
    Zu wachsen eh man ihn bewundert,
    braucht er, bedenk es,
    ein Jahrhundert.

    Ich kann mich nur fragen, wer verantwortet so etwas?
    Ständig hört und liest man, dass hier und dort zig Bäume gefällt werden und die Anwohner wissen nicht warum, oder die angegebenen Gründe sind nicht nachvollziehbar. Auch in Lankwitz demonstrierten die Anwohner erfolglos, als im Park zig gesunde Bäume gefält wurden, um einen Container für Flüchtlinge in den Park zu stellen. Dabei sind im Hausvaterweg in Hohenschönhausen die Container so gut wie leer.

  2. Es könnte sein, dass gerade Sie sich der nun sichtbaren Katastrophe die unseren Berliner Bäumen bevorsteht irgendwie tiefer bewusst sind. Sie wissen schon, keiner hätte gedacht, dasss es so schnell geht mit dem Klimawandel. Halten Sie inne und einen Moment lang Ihre eigene Hilflosigkeit dem Problem gegenüber aus. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. 1. Sie verabschieden sich in Ruhe von einer Reihe bekannter Baumarten in den Grünanlagen und vor allem auf den Straßen Berlins und den Grünen Bildern dieser Stadt. Irgendeiner muss ja die Reste früher oder später wegräumen. 2. Sie beschäftigen sich inhaltlich, pragmatisch, operativ oder auch konzeptionell speziell mit dem akuten Problem unserer Berliner Bäume, insbesondere der Strassenbäume, und entwickeln eine Lösung. Mal sehen , ob Ihnen mittelfristig, unter Berücksichtigung der Kernfaktoren zur Bestandserhaltung der Hauptbaumarten dieser Stadt was besseres einfällt als absägen.

    • Wenn Sie so gut Bescheid wissen, dann erklären Sie doch wie es richtig geht. Dabei müssen Sie auch Herkunft und Umfang der erforderlichen Mittel darlegen und dafür Sorge tragen, dass Sie zur Verfügung stehen. Wissen Sie bereits heute welche Arten in 20 oder 50 Jahren funktionieren und dem dann herrschenden Klima gut zurecht kommen? Bitte lassen Sie die armen unwissenden an Ihrer allumfassenden Kenntnis teilhaben!

  3. Insgesamt wirkt der Blogeintrag des BUND wie die Auffrischung einer langjährigen Fehde zwischen dem BUND und dem FB Grün. Eine Frage muss vor dem Hintergrund der Art des Beitrages erlaubt sein. Die in 2013 gefällten Bäume dürften vermutlich gesunde lebende Bäume gewesen sein richtig? In diesem Fall handelte es sich um ABGESTORBENE Bäume. Eine Gegenüberstellung von dieser unterschiedliche Tatsachen suggeriert in diesem Falle, dass der Bezirk vorsätzlich lebende Bäume gefällt hat so nach dem Motto wo hauen wir die nächsten Bäume um. Es waren aber tote Bäume, die vielleicht 3 Wochen zu früh gefällt wurden. Das wars, nicht mehr und nicht weniger.

    Zur Rettung der Bäume hätte 1 Mitarbeiter ab April im Kleistpark mit wässern beschäftigt sein müssen. Das können sie ja mal für Berlin und seine Bäume und Parks hochrechnen. War es absehbar? Ich glaube nicht. Jeder hat gehofft, dass es diesem Jahr mehr regnet und es War tragischerweise nicht so! Oder War es Ihnen klar? Dann hätten Sie sich ja zum Wässern im Kleistpark melden können.

    Der letzte Satz ,Bezirk wird lernen müssen, suggeriert, dass der Bezirk zu blöd, desinterssiert oder sonst etwas ist um mit dem Grün in seiner Verantwortung umzugehen. Dass ist eine bodenlose Frechheit und ist ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeiter im Bezirk, die sich tagtäglich für das Grün im Bezirk mit Leib und Seele einsetzen!

    Die Verfasser haben sich mit dem Blogeintrag selbst disqualifiziert fachlich wie auch menschlich.

    • Es gibt ein hinlänglich bekanntes Bundesgesetz, das die Fällung von Bäumen in der Zeit zwischen dem 01. März und dem 30. September untersagt [§ 39 (5) 2 BNatSchG]. In begründeten Einzelfällen können Ausnahmen von den Regelungen dieses Gesetzes genehmigt werden. Die Voraussetzungen dafür sind im entsprechenden Gesetz dargelegt. Im Fall Kleistpark waren die Voraussetzungen nicht erfüllt. Es bezeichnet eine gravierende Schieflage, wenn die schon einmal eingeklagte und gerichtlich bestätigte Einhaltung dieser Rechtsnorm versucht wird als ‚Fehde‘ darzustellen. Die Bezirksämter sind Teil der Exekutive und sollten als solche mit gutem Beispiel voran gehen. Wenn sich nicht einmal die Verwaltung an Gesetze halten sollte, wer sollte sich dann überhaupt noch daran halten? Zum Glück sehen es viele Bürgerinnen und Bürger genauso, wie wir anhand der Zuschriften und Anrufe, die uns auf diesen Beitrag hin erreichten erkennen können. Lediglich von einem Mitarbeiter des Bezirksamt erhielten wir E-Mails, in denen eine ähnliche Position wie die des Herrn Martin Richter vertreten wurde.

      Im übrigen hat der BUND Berlin seit April regelmäßig öffentlich auf die anhaltende Trockenheit hingewiesen. Auch gab es die wöchentlich aktualisierte Bewässerungsempfehlung des Berliner Pflanzenschutzamtes, anhand derer die Notwendigkeit zu gießen leicht abgelesen werden konnte. Bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz konnten die Bezirksämter auch in diesem Jahr wieder Sondermittel für das Wässern der Bäume abrufen.

      Der BUND Berlin hat es auch nicht nur bei Appellen belassen. Wir haben regelmäßig sieben Straßenbäume vor unserer Geschäftsstelle in der Crellestraße gegossen, darunter auch eine im Vorjahr durch den Eichenprozessionsspinner schwer geschädigte Eiche. Hoffentlich packen es diese und auch alle anderen Bäume und treiben im nächsten Jahr wieder aus.

  4. Als ich beim Gang durch den Kleistpark an dem Torso der Rotbuche an der Seite des Kammergerichts, der tags zuvor noch ein prachtvoller, schattenspendender Baum war, vorbeiging, musste ich an ein Gedicht von Robert Gernhardt denken, in dem es um den Trost des Baumes geht.

    “ Wie geht der Trost des Baumes denn?
    Des Baumes Trost geht so:

    Ich habe Wurzeln gefasst vor Jahren. Ich habe
    vom Keim zum Baum mich entwickelt in Jahren.
    Ich habe
    mir Zeit gelassen die Jahre des Reifens. Ich habe
    Ring um Ring angesetzt mit den Jahren. Ich habe
    all die Jahre mich streckend ausgebreitet. Ich habe
    all die Jahre hindurch beschirmt und beschattet. Ich
    habe
    es stillschweigend getan durch die Jahre. Ich habe
    nun meinen Platz in der Welt. Alle Zeit der Welt. Ich
    habe
    nicht die Absicht, Mensch dich zu belehrn. Ich habe
    nur dies noch zu sagen: Sein geht vor Haben. Ich
    habe
    gesprochen.

    Und ich, sagt der Mensch, ich habe
    die Säge. „

  5. Liebe Grünfreunde,
    leider ist es nicht neu,dass Bäume noch mitten in der Brutpflegeschutzeit gefällt werden. In Berlin Marzahn sind im September 2018 und 20019 z.B. massenweise Bäume gefällt worden.
    Auch ganze Büsche wurden entfernt und Beschneidungen von Zweigen in der Schutzzeit sind zu beklagen. Nicht immer liegen Begründungen vor,wie z.B.die Straßensichert und ähnliches.
    Ich könnte hier noch SEHR viel darüber schreiben!—
    Leider fallen über die Jahre hinweg meine und die Bemühumgen anderer Anwohner, dies zu verändern, in’s
    Leere.
    Auch die zuständigen Stellen sind überfordert oder zeigen sich uninteressiert.
    Ungern schreibe ich hier auch, dass ich besonders von der
    Inaktivität unseres Herrn A. von der Partei der Grünen mehr
    als entteuscht bin. Das bezieht sich aber nur auf das
    o.b. Thema. Viele Bürger fühlen sich alleine gelassen!

    M.f.G.
    N.N.

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