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Vogelschutz an Glas in Berliner Grünanlagen

Der Britzer Garten rüstet nach

© by Claudia Wegworth

Auf den Betonplatten vor dem Fenster der Britzer Seeterrassen liegt ein blau schillernder Vogel. Er ist gegen das Glas geflogen und hat den Aufprall nicht überlebt. Nur eine winzige Feder an der Scheibe gibt einen Hinweis auf die tödliche Kollision. Hätte nicht ein Gast den toten Vogel gefunden, wäre der Vorfall unbemerkt geblieben.

Anprallspur

So etwas passiert jeden Tag bei uns in der Stadt, nicht nur im Britzer Garten. Auf diese Weise, so schätzt die Landesregierung, kommen allein in Berlin vier Millionen Vögel pro Jahr ums Leben. Die meisten von ihnen werden nicht gefunden. Die Kadaver sind eine willkommene Beute für Krähen, Füchse, Katzen und andere Beutegreifer und werden schnell entsorgt.

Der Eisvogel im Britzer Garten war auf dem Weg von einem See zum anderen, er konnte nicht wissen, dass sein Ziel nur eine Spiegelung war. Damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert, stattet die Grün Berlin GmbH in diesen Tagen zahlreiche Bauten auf dem Gelände mit Vogelschutzfolie aus. Dabei sehen die meisten von ihnen gar nicht so aus, wie man sich einen typischen Vogelkiller vorstellt. Keine funkelnde Glasfassade, keine überdimensionalen Fensterfronten.

Der Maulwurfshügel, wie die Britzer Seeterrassen von den Berlinern liebevoll genannt werden, erinnert eher an eine interessante  Hobbit-Behausung. Der organische Bau, der anlässlich der Bundesgartenschau 1985 errichtet wurde, hat vier halbrunde, bodentiefe Fensteröffnungen, nicht besonders groß und zudem vielfach fächerartig unterteilt. Auf der Terrasse rund um das Lokal herrscht am Tag geschäftiger Trubel. Kaum zu glauben, dass hier regelmäßig Vögel gegen die Scheiben fliegen.

„Maulwurfshügel“ im Britzer Garten
Hier wird mit Vogelschutzfolie nachgerüstet

 

 

 

 

 

 

 

Betrachtet man den Ort jedoch mit den Augen eines Vogels wird schnell klar, was für die Tiere hier so attraktiv ist: im Glas spiegeln sich die üppige Vegetation des Parks und der große See. Vögel können diese Spiegelung von der Realität nicht unterscheiden. Das zeigt sich im Britzer Garten auch am Umweltbildungszentrum. Die Fensterfronten des Pavillons liegen hinter einem Laubengang aus schräg angeordneten Holzstäben. Der nachhaltige Holzbau fügt sich architektonisch perfekt in die umgebende Vegetation ein und ist trotzdem als Gebäude deutlich erkennbar. Auch für einen Vogel, würde man denken. Ist er tatsächlich auch.

Umweltbildungszentrum im Britzer Garten

Vögel sind jedoch in der Lage in Höchstgeschwindigkeit geschickt durch dichtes Buschwerk zu fliegen, ohne irgendwo anzustoßen. Um an ihr Ziel zu kommen, reicht ihnen eine winzige Lücke, die kaum größer ist als sie selbst. Und so wenig das Geäst der umliegenden Bäume für  einen Vogel im Flug ein Hindernis bedeutet, so leicht navigiert er auch zwischen den Balken des Pavillons hindurch, um in das vermeintliche Grün dahinter zu gelangen. Stoppen können ihn nur engmaschige Strukturen, wie die Streifen, die jetzt nachträglich auf die Fenster aufgebracht werden.

Vom Britzer Garten lernen

Die Bauten im Britzer Garten zeigen, dass es nicht unbedingt großformatige Glasfassaden oder meterhohe Panoramafenster sind, die zu einer tödlichen Falle für Vögel werden. Entscheidend ist vor allem der Standort. In vegetationsreicher Umgebung mit einer hohen Vogeldichte ist manchmal auch ein ganz normales Wohnzimmerfenster schon eine tödliche Falle. (Diese Erfahrung haben sicherlich die meisten von uns schon mal gemacht.)

Die Gebäude im Britzer Garten erscheinen jedoch nur wie eine Miniaturversion von dem, was derzeit im Großen Tiergarten geplant und gebaut wird. Für die Architekten war Vogelschutz dort bislang kein Thema. Das Café am Neuen See wird umgebaut und erweitert und laut Webseite des Betreibers freut man sich dort schon auf den „Umzug in den Neubau mit großen Glasfronten“. Maßnahmen gegen Vogelkollisionen? Bislang scheinbar Fehlanzeige.

Auch das zukünftige Besucherzentrum des Bundestages entsteht auf dem Gelände des Großen Tiergartens. Der Entwurf zeigt einen gläsernen Bau mit einer umlaufenden Trägerstruktur. Für wirksame Maßnahmen liegt auch hier noch kein Konzept vor.

Ähnlich wie beim Turm des zukünftigen neuen Bauhausarchivs am grünen Spreeufer. Zwar ist man hier immerhin mit den zuständigen Behörden im Gespräch, um eine wirklich zufriedenstellende Lösung für den Vogelschutz wird jedoch noch gerungen.

Bleibt die Frage, warum es für Bauherren und Architekten so schwer ist, sich hier ihrer Verantwortung der Natur gegenüber zu stellen? Fragt man sie, kommen als Antworten meist ästhetische Vorbehalte. Fragt man jedoch die Gäste in den Britzer Seeterrassen, stören sie sich gar nicht an den neuen Streifen.  Im Gegenteil. Sie begrüßen diesen Schutz für Vögel. Denn niemand trinkt gerne seinen Kaffee, wenn ein Eisvogel gegen die Scheibe fliegt.

 

Erfahren Sie mehr zum Thema Vogelschutz an Glas in unserer Broschüre:

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