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Neukölln: ein Grünflächenamt versus Naturschutz!

Wertvolle Heckensträucher in Britz großflächig abgeholzt

Ortskundige wissen um das bezirkliche Nord-Süd-Gefälle in der Behandlung von Grünanlagen. In dieser Rangordnung fungiert der U-Bhf. Britz-Süd als eine Art Meridian. Während es im Norden dem Strauchwerk gern radikal an den Kragen geht, um sogenannte Sichtbeziehungen bspw. zu bestimmten Bauwerken herzustellen oder „Angsträume“ zu beseitigen, so duldete man südwärts kleine Wildnis-Paradiese oder gar Naturheckenpartien wie im Rudower Nordpark.

Vor dem Hintergrund millionenschwerer „Aufwertungs“-Maßnahmen des BBR-Grünzuges, so wie der längste Grünzug Neuköllns zwischen Britz, Buckow und Rudow genannt wird, verschieben sich wohl die Gewichte. Hier werden im Rahmen des Förderprogramms „Zukunft Stadtgrün“ insgesamt 7,5 Mio. Euro investiert, unterdessen fielen jetzt an der Britzer Gutschmidtstraße auf über 13.000 qm überwiegend wertvolle heimische Sträucher der Säge zum Opfer.

Mit anderen Worten – was woanders als Ersatzmaßnahme mit viel Geld mühselig aufpäppelt wird, räumt man in Neukölln einfach ab…

Wie gut geschulte Gärtner*innen vorgegangen wären

Als moderner Standard gärtnerischen Wissens gilt seit 2016 das Handbuch Gute Pflege. Hauptziel dieses vom Berliner Senat herausgegebenen Werks ist es, praxisorientierte Möglichkeiten für einen die Biodiversität fördernden Unterhalt von Grünanlagen aufzuzeigen. Im Fall Britz-Süd hätte man folgendes Verfahren erwarten können:

++ Eine Bestandsaufnahme von Gehölzarten und Zonierung per formloser Auflistung. Nachdenken: was können und wollen wir hier erreichen? An diesem günstigen Umfeld hätte sich die Priorität Naturschutz geradezu aufgedrängt (siehe auch Biotoptypen-Wertekarte im Umweltatlas);

++ In den nun abgeräumten Bereichen wäre erkannt worden, dass sich ein hierzulande selten artenreicher Bestand wertvoller heimischer Straucharten von alleine angesiedelt hat, mit reichlich Schlehen, Hartriegel, Hasel, Holunder, Liguster, Rotdorn und dergleichen;

++ Vogelschutzhecken wären ein guter Plan gewesen, um den hoffnungsvollen Gewächsen die Konkurrenz von Spitzahorn & Co. mit ihrem Schattenwurf und Nährstoffhunger vom Halse zu schaffen. Demnach hätte ein pfleglicher Formschnitt in Einzelfällen den Kandidaten in die Zukunft geholfen.

Das alles ist leider nicht passiert!

Klagen gegen Zerstörung naturschutzfachlicher Werte bisher aussichtslos

Aufgrund solcher Aktionen werden Naturschutzverbände zunehmend bedrängt, diese Eingriffe juristisch zu stoppen – aber ihnen fehlen die „harten“ Mittel. Es gibt zum aktuellen Stand keine Aussicht auf eine erfolgreiche Musterklage beim Verwaltungsgericht. So bleiben nur Appelle und Proteste, womit wir bei manch Grünregenten als Störenfried oder Witzfigur rangieren.

Uns stärkt die Gewissheit, dass sich in der Gärtnergilde die Stimmen mehren, mit Stadtgrün anders umzugehen. Das „Handbuch Gute Pflege“ ist ein gelungener Versuch, alte Denkmuster fachlich fundiert zu überwinden.

Was wir fordern

  1. Eine Qualifizierung des Grünflächenpflege-Personals, womit die Naturschutzförderung überhaupt erst möglich wird!
  2. Das Handbuch Gute Pflege als dienstinterne Richtlinie einführen!

 

Hintergrundinformationen:

www.bund-berlin.de

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