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Wahl-Blog 5: Mit Mehrweg zur Zero Waste Hauptstadt

Kein Weg für Einweg

© by Susa Graue

Berlin will Zero Waste Hauptstadt werden. Das hat sich zumindest die Politik vorgenommen (1).  Doch aktuell sind wir eher Müllmetropole. Und Corona hat die Situation weiter verschärft: Vermüllte Parks und herumfliegender Fast Food-Müll, wo man auch hinschaut. Immer weiter wachsende Berge an Einwegverpackungen schaden der Umwelt und kosten die Stadt Millionen fürs Saubermachen und Entsorgen. Gegen die Müllflut kann nur helfen, die Vermeidung von Abfällen künftig zur obersten politischen Priorität zu machen. Deshalb fordern wir von der künftigen Berliner Regierungskoalition die konsequente und konkrete Weiterentwicklung und Umsetzung des Zero Waste Leitbildes in der Stadt. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Einführung einer Abgabe auf Einweg-To-Go-Verpackungen und die gezielte Förderung von Mehrwegalternativen.

Der Kaffee zum Mitnehmen und das Lieblingsessen schnell vom Lieferdienst gehören heute wie selbstverständlich zum Großstadtleben. Passend dazu gibt es in der Regel eine Einwegverpackung, die ohne Abwasch und auch unterwegs bequem entsorgt werden kann. Doch immer mehr Berliner*innen stören sich nicht nur an vollen Mülltonnen und verdreckten Parks. Auch die gedankenlose Ver(sch)wendung von Rohstoffen durch Verpackungen, die nur ein einziges Mal genutzt werden, wollen viele nicht mehr mitmachen.

Zum Glück gibt es bereits eine große Auswahl von langlebigen Mehrweglösungen, die Ressourcen für Verpackungen einsparen. Diese müssen dringend gefördert und Einwegalternativen als das sichtbar gemacht werden, was sie sind: Schädlich für Umwelt und Klima. Mit dem Ziel, “Zero-Waste-Hauptstadt“ zu sein, muss die Berliner Politik künftig entschlossen und mutig gegen den Einweg-Wahnsinn vorgehen. Eine Steuer auf Einweg-To-Go-Verpackungen wie sie auch andere Städte planen, kann ein Meilenstein auf diesem Weg sein.

Fast 400.000 Tonnen Verpackungsmüll landeten schon im Jahr 2019 in den Abfalleimern von Berliner Haushalten (2). Take-Away-Teller und –Boxen lassen nicht nur in Corona-Zeiten diesen Berg jährlich weiterwachsen und stellen unsere Verwertungssysteme vor immense Herausforderungen.

Verwertung bedeutet nicht gleich umweltfreundlich

Immerhin werden 96,9 % der Verpackungsabfälle in Deutschland verwertet. Doch Achtung: Verwertung bedeutet nicht gleich umweltfreundlich.

Besonders Plastikmüll stellt ein großes Problem dar. Über die Hälfte der deutschen Plastikabfälle wurde 2017 energetisch verwertet, also faktisch verbrannt. Dabei entsteht klimaschädliches CO2, ebenso wie bei der Produktion der Plastikprodukte.  Berechnungen zufolge könnten Kunststoffe alleine bis zu 13 Prozent des gesamten Kohlenstoffbudgets verbrauchen, das wir einhalten müssen, um die 1,5-Grad-Zielmarke zu erreichen (3).

Da Kunststoffe überwiegend aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt werden, trägt ihre Produktion zusätzlich zur Verknappung unserer Reserven bei. Dabei täuschen Kampagnen, die die Umweltfreundlichkeit von Verpackungen aus Recyclingmaterial hervorheben, darüber hinweg, dass aktuell grade mal rund 16% des Plastikmülls als sogenanntes Rezyklat wiederverwendet werden (3).

Doch auch Einweg-Artikel aus anderen Materialien wie Pappe oder Holz sind keineswegs besser. Dafür werden ebenfalls viele Rohstoffe umweltschädlich abgebaut und aufwendig zu Wegwerfprodukten verarbeitet. Oft landen diese über öffentliche Mülleimer oder die Restmülltonne letztlich in der Müllverbrennung.

Und nicht selten bleiben Becher, Boxen und Teller in Parks und auf der Straße liegen. Die Folge: Eine dreckige Stadt und hohe Kosten fürs Saubermachen. 14 Millionen Euro hat Berlins Landesregierung im Jahr 2021 zur Reinigung von Parks und Grünflächen investiert (4).

Daher sollte möglichst sofort etwas gegen die Einwegflut unternommen werden, bevor uns die Müllberge über den Kopf wachsen! Mit einer Verpackungssteuer und der Förderung von Mehrweglösungen aus ihren Einnahmen wird das Problem an der Wurzel gepackt.

Berlin braucht eine Verpackungssteuer

Das Thema Verpackungssteuer ist derzeit in aller Munde. Tübingen ist festentschlossen, sie zum 1. Januar 2022 einzuführen (5). Und auch andere Städte wie Gießen, Karlsruhe und Würzburg diskutieren über diese Möglichkeit zur Abfallvermeidung.

Wir wünschen uns, dass auch Berlin als Hauptstadt hier eine mutige Vorreiterrolle einnimmt, um Umwelt und Klima zu schützen! Die schnellstmögliche rechtssichere Einführung einer Berliner Verpackungssteuer muss daher für eine neue Berliner Regierung höchste Priorität haben. Mit unserer Kampagne „Berlin plastikfrei – Kein Weg für Einweg!“ setzen wir uns dafür ein! Damit die Gefahren von Einweg-To-Go-Produkten durch einen höheren Preis sichtbar gemacht und langlebige Mehrwegalternativen gestärkt werden.

Für Einweg-Verpackungen und -geschirr könnte eine Abgabe von 50 Cent pro Stück erhoben werden. Für Einmal-Besteck 20 Cent. Die Einnahmen stehen gleichzeitig für eine Förderung von wiederverwendbaren Alternativen zur Verfügung. So kann Berlin ein deutliches Zeichen zur Umsetzung der selbstgesteckten Ziele setzen, „Zero Waste-Haupstadt“ und bis 2050 klimaneutral zu werden.

 

Links:

Jetzt unterschreiben: Berlin Plastikfrei – Kein Weg für Einweg!

BUND-Abfallberatungskonzept
https://www.bund-berlin.de/service/publikationen/detail/publication/bund-abfallberatungskonzept/

BUND-Stellungnahme zum Abfallwirtschaftskonzept-Entwurf 2019
https://www.bund-berlin.de/service/publikationen/detail/publication/bund-stellungnahme-zum-abfallwirtschaftskonzept/

 

Quellen:

(1) Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses vom 21.10.2020
https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/vorgang/d18-3091.pdf

(2) Abfallbilanz des Lndes Berlin 2019
https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/abfall/bilanzen/download/Abfallbilanz_2019.pdf

(3) Plastikatlas 2019
Plastikatlas 2019. Daten und Fakten über eine Welt voller Kunststoff. Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

(4) Mitteilung Gesamtstrategie Saubere Stadt
https://www.parlament-berlin.de/ados/18/IIIPlen/vorgang/d18-3555.pdf

(5) Satzung der Universitätsstadt Tübingen über die Erhebung einer Verpackungssteuer (Verpackungssteuersatzung) 
https://www.tuebingen.de/verwaltung/uploads/satzung_verpackungssteuer.pdf

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