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Südgelände No. 2 und Klein-Amazonien in Zehlendorf: Zwei Schwergewichte der Stadtnatur für den neuen Senat!

© by BUND Berlin

Durch den BUND 2019 „wieder-entdeckt“, wartet in Tempelhof ein 10 Hektar großes fachlich anerkanntes Naturrefugium auf praktische und rechtliche Absicherung. Mit dem Fernstreckenbau am Südkreuz (2006) faktisch eingemauert, verschwand das Areal aus der sichtbaren Welt.

Gottesanbeterin auf dem Bahngelände. Bild: Angela von Lürthe

So entstand in kompletter Ungestörtheit ein Original der Eisenbahn-Stadtwildnis  („Natur der Vierten Art“ Prof. Dr. Kowarik). Eidechsen, Gottesanbeterinnen, Grashüpfer und Fledermäuse übernahmen die Regentschaft. Es ist die letzte verbliebene Fläche dieser Größe und Art, nachdem in den letzten Jahrzehnten 320 Hektar an Stadtwildnis verschwunden sind. Aufgrund seiner Lage für eine Bebauung höchst ungeeignet, könnte die Politik hier großzügige Wahl-Versprechen („Schutz der Natur“) verwirklichen und eine Oase für das Stadtklima bewahren.

„Kinderstube der Lurche“: unbekanntes Amphibien-Wunderland  

Gelände der „Spinne Zehlendorf“

Dank eines Hinweises von Dr. Achim Förster (BUND-BG Südwest) im August aus dem Vergessen geholt, ist das einstmalige Naturschutz-Projekt obigen Werktitels, mit erstaunlichem Erfolg bis in unsere Tage. Schauplatz: ein unzugängliches 6 Hektar-Terrain am Teltowkanal mit sieben Absetzbecken und über 11.000 qm Wasserfläche als Tummelplatz für Frosch & Co. Die Fläche ist eine Hinterlassenschaft der einstigen Textilfabrik „Spinne Zehlendorf“, die seinerzeit berüchtigt war als Hort von Umweltsünden. Jahrzehntelang wurde sie sich selbst überlassen, aber – und das ist das große Glück – wird sie mit Wasserversorgung bis heute betrieben! „Man wartet, dass damit irgendwann mal was passiert…“, so aus dem Bezirksamt über die landeseigene Fläche mit der Festlegung Grün.

Ungestörtes Amphibienhabitat in „Klein-Amazonien“ Zehlendorfs

Vor dem Hintergrund der Meldungen aus der Stiftung Naturschutz über den rapiden Schwund der Amphibienbestände ist das ein Stück Hoffnung und Chance. Die teilweise maroden Anlagen halten jedoch nicht ewig und die Zeit drängt für eine umfängliche Bestandsaufnahme insbesondere der Technik, mit dem Ziel der Konsolidierung. Es geht hier um die Perspektive eines aussergewöhnlichen Feuchtbiotops mit berlinweiter Bedeutung!

Über den Wahltag hinaus….

Schienenstränge richten sich am Südgelände in Nord-Süd-Richtung, die Welt der Pflanzen und Tiere dem Lauf der Sonne, aber nicht nach der parlamentarischen Geographie. Ihre Ökologie funktioniert anders als Lieferdienste, Wahlprogramme oder Optimierungskonzepte.

Der BUND sieht seine Rolle in der Unterstützung von Politik und Verwaltung, damit diese über die täglichen Aufgeregtheiten den Blick für das Wesentliche behalten. Nämlich die größtmögliche Förderung der Stadtnatur abzuverlangen, als gesetzlicher Auftrag und kulturelles Gebot bis hin zur Denkmalpflege. Die dunkle Seite unserer Arbeit: der Antagonismus von Ignoranz und Unwissenheit „zivilisierter“ Städter und es ist keineswegs förderlich, dass so wenige Aktive in Parteien und Parlamenten sich wirklich für den Zauber der Stadtnatur interessieren…

Trotz aller Widerstände: mit Fakten argumentieren und Verbündete finden und nicht selten sogar mit Erfolg. Der Mensch hat zerstört und – wie oben – neue Paradiese hinterlassen: Motivation und Verantwortung zugleich!

 

Mehr zum Thema Flächenschutz bitte hier:
Wahl-Blog 2: Flächenschutz Now /Christian Hönig: Ziel einer ausgeglichenen Fächen-Bilanz ab 2030 ist zu spät

Ein Kommentar

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  1. Als aufmerksamer Beobachter der Aktivitäten zur Stadtnatur frage ich mich, was hindert den BUND Berlin an einer vollständigen Berichterstattung über die wichtigsten Projekte in Steglitz-Zehlendorf?
    Die ehemalige Parks Range ist sicherlich noch kein Ruhmesblatt, aber wenn sich der BUND auf seine Grundsätze besinnt, kann das noch werden, vor der Auslegung des B-Plan 6-30.

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