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Wohin führen die Entscheidungen der Abteilungen Bau und Grün im Bezirk Steglitz-Zehlendorf?

Eine Tour durch Schlachtensee 2022

Mitglieder der BUND-Bezirksgruppe Süd-West, die sich seit Jahrzehnten für den Bezirk Zehlendorf-Steglitz engagieren, sehen durch das Baugeschehen nicht nur starke Verluste für Fauna und Flora, sondern beklagen auch, dass der besondere Charakter der Bebauung verloren geht bzw. zu wenig beachtet wird.

So wurde die Genehmigung für den Abriss der „ältesten Apotheke in Schlachtensee“ erteilt. Für die BUND-Mitglieder scheint die Sorgfaltspflicht hier keine große Rolle gespielt zu haben, so dass das Holzgebäude nicht unter Denkmalschutz gestellt und auch nicht darauf geachtet wurde, dass es ein ganz besonderes Gebäude ist.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist ein Teil der Stadt Berlin, in dem es sehr viele Hinweise über die kulturelle und historische Entwicklung gibt. Es war einst dieser Weg von Berlin-Mitte nach Potsdam, der den geistigen und auch politischen Einfluss deutlich werden ließ.

Deshalb sehen die BUND-Mitglieder die Entwicklung im Baugeschehen besonders kritisch. Denn bei der Bauverwaltung wird zu wenig Rücksicht auf diese historischen Wurzeln und das umgebende und begleitende – über viele Jahre gewachsene – Grün genommen. Ob auf der Straße oder auf dem Baugelände wird mit Zustimmung des Bezirksamtes zu oft ohne angemessene Prüfung vieles entfernt, was dem Bauablauf oder den Vorstellungen von Architekt und Bauherren im Wege steht. So mussten auch viele Bäume weichen.

Wurden am Gebäudebestand kleine Veränderungen vorgenommen, wird auch der Abbruch hingenommen, weil doch die Grundlage für den Denkmalschutz entfallen ist – so einfach ist das.

Die engagierten Bürger*innen möchten, dass die Erinnerungskultur erhalten bleibt. Präzise Beurteilung der Sachlage sollte das Maß aller Dinge sein. Ein Auslöser für diese Betrachtung war aktuell der geplante und genehmigte Austausch der ältesten Apotheke in Schlachtensee gegen ein völlig unsensibel dem Stadtbild und hier dem Ortskern entgegen stehendes, schmuckloses, praktisches und in jedem Fall ökonomisches Gebäude.

Foto: Baujahr 1927. Das heißt, dass dies unscheinbare kleine Gebäude – dies so spezielle Holzhaus – so alt ist wie das Zehlendorfer Rathaus.

Die Apotheke Schlachtensee ist Teil dieses kleingliedrigen Bestandes, der bis jetzt den ökonomischen Begierden trotzen konnte. Die Anwohner lieben dies kleine Ensemble. Dieser Ortskern Schlachtensee mit seiner doch immer wieder vergessenen Stadtbildpflege ist nicht aus einem Guss. Doch im Gegensatz zur vorliegenden Neuplanung gibt es doch immer wieder diese kleinen Neugierden, die diesen Ortsteil so bewohnbar erscheinen lassen.

Einige Ansichten:

Das wurde in den letzten Jahren nur zu häufig vergessen, indem nur funktionell praktische Bauten zugelassen wurden, die der ökonomischen Bautendenz Rechnung tragen. Es ist unverzeihlich, dass Stadt- und Ortsbildpflege außer Acht gelassen werden.

Es geht auch anders

Dass es den Ensembleschutz in der Vergangenheit einmal gegeben hat, zeigen Beispiele des modernen Bauens z.B: in Berlin-Dahlem.

Dies Haus wurde abgerissen, weil es sich auf Grund der Konstruktionsmerkmale der dreißiger Jahre nicht zeitgemäß anpassen ließ (barrierefrei, geeignet auch für den auch mobil eingeschränkten Einsatz).

 

 

Das ist der Neubau aus dem Bezugsjahr 2013. Es geht also auch sensibel. Vor allem aber lässt sich so der Ensembleschutz – die Stadtbildpflege – realisieren.

Im Folgenden werden einige Beispiele der jüngsten Geschichte aufgezeigt.

Mit wenig Sorgfalt und Rücksichtnahme auf das bauliche Umfeld wie auch die historischen Einflüsse für Entscheidungen des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf von Berlin wurden diese Genehmigungen erteilt. Die Anwohner gehen kopfschüttelnd an diesen Objekten vorüber. Es soll nicht vergessen werden, dass diese Bauvorhaben in wirklich historisch geprägter Umgebung stehen, die sich vor allem im Hinblick auf die baulichen Ausmaße nur durch die ökonomische Entwicklung erklären lassen.

Im Elvirasteig – sprachlos

Das Bauvorhaben in der Schopenhauerstraße ist noch in der Entstehung.

Nicht weit entfernt in der Kaiserstuhlstr. wird das Baugelände so vollgestellt, sodass man von dem ursprünglichen Charakter der Bebauung um ca.1920 nichts mehr spüren wird.

Und es bleibt in dem Zusammenhang offen, was mit dieser Villa geschehen in der Kaiserstuhlstraße geschehen ist, an der doch schon so viele Jahre instandgesetzt wurde? War der Abbruch denn auch hier genehmigungs- bzw. verfahrensfrei? Lohnte sich das Hinsehen für den Denkmalschutz nicht?

Fazit:

Für die Mitglieder der BUND-Bezirksgruppe ist es unverständlich, warum es so schwer fällt, diese Kultur und den Charakter der Ortsteile zu bewahren. Sowohl in Steglitz-Zehlendorf als auch im Ortsteil Schlachtensee schwinden diese prägenden Stadtbilder zunehmend.

Autor*innen: Dr. Evelyn Kersten und Reinhardt Löwe von der BUND-Bezirksgruppe Berlin-Südwest 

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