Abfall/Ressourcen – Umweltzone Berlin https://umweltzoneberlin.de Umweltzone Berlin, Blog des BUND Berlin Tue, 14 Jul 2020 16:50:03 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.4 Einig in der Ratlosigkeit https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/ https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/#respond Tue, 14 Jul 2020 08:06:41 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5570 Wie verschafft man Abfallkonzepten eine hohe Verbindlichkeit im alltäglichen Regierungshandeln? Dass sie dafür keine Patentrezepte im Angebot haben, einte die umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen als Gäste beim Politischen Salon des BUND. Das bedeutet aber nicht, dass sie überhaupt keine Ideen rund um Müllvermeidung und Ressourcenschutz haben.

Wie derzeit üblich fand der Politische Salon des BUND am 24. Juni als Zoom-Konferenz statt. Das tat dem Interesse des abfallpolitisch interessierten Fachpublikums allerdings keinen Abbruch, nahezu alle 99 verfügbaren Zugänge waren vergeben. An Ideen, wie das Berliner Müllaufkommen zu reduzieren sei, fehlte es der von Kai Schächtele moderierten Runde der umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen nicht. Mehr Abfallaufklärung an den Schulen forderte Marion Platta (Linke), Georg Kössler(Grüne) schlug eine Abgabe auf To-go-Geschirr nach Tübinger Vorbild[1] vor („eine Abgabe auf Kaffeebecher wäre das Mindeste“) und Daniel Buchholz (SPD) mahnte Berichtspflichten und eine Schärfung der Zielvorgaben an.

Auf die Leitfrage des Abends, die BUND-Abfallreferent Tobias Quast gleich zu Beginn stellte, nämlich wie solche Vorgaben verbindlich in das Abfallwirtschaftskonzept 2020–2030 (AWK)[2] hineinkommen können, fiel den Fachpolitiker*innen der Koalition die Antwort jedoch schwer. Sie verwiesen lediglich darauf, dass das AWK nach der Sommerpause im Abgeordnetenhaus behandelt werde und Korrekturen somit noch möglich seien. Dies hätte eigentlich eine Steilvorlage für Danny Freymark sein können, der die oppositionelle CDU in der Runde vertrat. Doch der Christdemokrat zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit dem AWK, das besser als das vorherige (2010–2020) sei, lediglich für den Erhalt des Holsystems bei der haushaltsnahen Altglassammlung[3] forderte er konkrete Zeitpläne.

Im Laufe der zweistündigen Diskussion kamen aus dem Publikum deutlich mehr Fragen, als behandelt werden konnten (rein rechnerisch stellte jede*r vierte Zuschauer*in eine Frage – die Zero-Waste-Community ist ein sehr aktives Publikum!). Eine davon war, ob Mehrwegsysteme künftig gefördert werden sollen. Daniel Buchholz verwies darauf, dass das Land Berlin das Recup-System heute schon fördere. Auf Landesebene eine Abfallabgabe für Einwegprodukte einzuführen, könne er sich nicht vorstellen. Anders dagegen Danny Freymark, der das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt sehen wollte und mit Augenzwinkern anmerkte, als Christdemokrat könne er durchaus über Verbote diskutieren, und das nicht nur in der Innenpolitik. Zugleich wurde bei Freymark deutlich, dass er Abfallprobleme an erster Stelle mit der Vermüllung des öffentlichen Raums (Littering) zu verbinden scheint. Seinen Gegenspieler fand er an dieser Stelle in Georg Kössler, der sich überzeugt zeigte, die direkte Ansprache von auf frischer Tat ertappten Müllwegwerfer*innen durch das Ordnungsamt, wie es die Wiener „Waste Watcher“[4] praktizieren, funktioniere hier nicht – schließlich sei Berlin die Stadt der Freiheit. Betterworldcup, ein Erfolgsmodell? Diese Einschätzung von Daniel Buchholz wollte Tobias Quast so nicht stehenlassen. Die Initiative sei zu stark auf die private Nutzung von To-go-Bechern ausgerichtet und damit auf eine Zielgruppe, die man dadurch kaum erreiche. Daher fordere der BUND einen Mix nicht nur aus Verboten und Besteuerung, sondern auch aus Förderung von Mehrwegsystem.

Die zweite Stunde des Politischen Salons konzentrierte sich auf die Frage, wie die zahlreichen Zero-Waste-Initiativen Berlins – der BUND zählt über 200 von ihnen – besser geholfen werden könne. Einigkeit herrschte unter den Fachpolitiker*innen von Regierung und Opposition, dass der fehlende Raum das größte Problem der Initiativen sei. Marion Platta machte deutlich, man müsse die eingesetzten (finanziellen) Ressourcen sinnvoll bündeln, „sonst kommen wir von der Projekteritis nicht weg“. In welcher Dimension hier gedacht werden muss, machte Tobias Quast klar, als er 100 Umweltzentren forderte, also eines für jeden Berliner Ortsteil. Diese Umweltzentren, die neben Begegnungsstätte auch Repair-Café und Gebrauchtwarenkaufhaus sein sollen, könnten zum Teil in von Schließung betroffenen Einzelhandelsflächen untergebracht werden, lautete eine Anregung aus dem Publikum. Auch dies fand die Zustimmung der umweltpolitischen Sprecher*innen – freilich nur dann, wenn der Einzelhandel tatsächlich nicht mehr zu retten ist.

Welchen Schluss könnten Abfallexpert*innen und interessierte Lai*innen nun aus diesem Politischen Salon ziehen? Zum einen, dass die Fachpolitiker*innen durchaus ein Bewusstsein für die Probleme und Herausforderungen der Abfallpolitik haben und konstruktive Kritik interessiert aufnehmen. Zum anderen, dass sie in ihren eigenen Fraktionen noch einiges an Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten haben. Im Fall des noch zu verabschiedenden AWKs kann man sie dabei unterstützen, nämlich mit Verbesserungsvorschläge

Servicehinweis: Der BUND übernimmt gern die Aufgabe, die Anregungen zu bündeln und an die Fraktionen weiterzuleiten. Korrekturvorschläge am AWK bitte bis Ende August an zerowaste@BUND-Berlin.de

 

[1]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/111

[2]https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/abfall/konzept_berlin/download/AWKBerlin2020-2030.pdf

[3]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/114

[4]https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/strassenreinigung/wastewatcher.html

 

Aufzeichnung des politischen Salons

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Die entscheidenden Schrauben https://umweltzoneberlin.de/2020/06/04/die-entscheidenden-schrauben/ https://umweltzoneberlin.de/2020/06/04/die-entscheidenden-schrauben/#respond Thu, 04 Jun 2020 14:26:58 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5416 Aus ökologischer Sicht ist die Sache klar: Reparieren ist immer sinnvoller als neu kaufen. Für die Besitzer*innen kaputter Gegenstände scheinen Reparaturen häufig aber die ökonomisch falsche Entscheidung zu sein. Um das Reparieren wieder zu einer auch finanziell lohnenden Sache zu machen, müssen Hersteller zu mehr Kooperation gezwungen und professionelle wie auch ehrenamtliche Reparierende stärker unterstützt werden.

„Das lohnt sich doch nicht mehr“ – wie oft hört man diesen Satz schon von Fachleuten aller Zünfte, wenn ein Kostenvoranschlag für eine Reparatur gefragt ist. Wie der Markt bei der Reparatur von an und für sich gut reparierbaren Gegenständen versagt, haben wir hier unlängst am Beispiel eines Druckers mit Papierstau beschrieben.1 Meistens ist die Arbeitszeit der größte Kostentreiber, manchmal fehlt aber auch ein Ersatzteil, ein aktueller Treiber oder ein Bauplan.

Das Problem der fehlenden Ersatzteile und Reparaturanleitungen könnte im kommenden Jahr verschwinden, zumindest teilweise. Dank der neuen EU-Ökodesignrichtlinie muss die Industrie ab März 2021 bei bestimmten Warengruppen Ersatzteile und Anleitungen bereithalten, und zwar auch dann, wenn sie das Produkt nicht mehr herstellt. Diese Pflicht erlischt je nach Warengruppe sieben und zehn Jahre nach Inverkehrbringen des letzten Exemplars. Sie gilt für Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays, Lichtquellen, externe Netzteile, Elektromotoren, Kühlgeräte (inklusive Kühltheken in Supermärkten und Verkaufsautomaten für Getränke), Leistungstransformatoren und Schweißgeräte.2

Wer gilt als „fachlich kompetent“?

Allzu leicht möchten es die Herstellerfirmen den Besitzer*innen defekter Geräte aber nicht machen. Als gut vernetzte Interessengruppe konnten sie es durchsetzen, dass sie Material und Know-how nicht an ihre Kund*innen, sondern nur an „fachlich kompetente Reparateure“ abgeben müssen.3 Die Folge dieser Einschränkung ist, dass die EU-Mitgliedstaaten nun wohl Register dieser „fachlich kompetente Reparateure“ aufstellen müssen. Wichtig ist, dass sich auch ehrenamtliche Reparaturinitiativen wie zum Beispiel Repair-Cafés in dieses Register eintragen dürfen. Die erste, glücklicherweise noch veränderte Übersetzung des Verordnungstextes ins Deutsche wollte aus „fachlich kompetent“ nämlich „gewerblich“ machen.4

Sehr spannend wird auch, wie die Hersteller ihren anderen neuen Pflichten aus der Ökodesign-Verordnung nachkommen. Werden sie wirklich sicherstellen, „dass diese Ersatzteile mit allgemein verfügbaren Werkzeugen und ohne dauerhafte Beschädigung am Gerät ausgewechselt werden können“?5

Reparaturgutscheine statt Autoprämie

Doch auch das beste Ökodesign6 nutzt wenig, wenn die Reparatur gegenüber dem Neukauf die deutlich teurere Option ist. Hilfreich wäre sicherlich, die Hersteller an den Entsorgungskosten zu beteiligen, um weniger Anreize für die Produktion von kurzlebigen Gütern zu setzen.

Aber warum nicht den direkten Weg wählen und das Reparieren günstiger machen? Eine Möglichkeit wäre, dass Reparaturen den vergünstigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent erhalten oder ganz davon befreit werden. Eine andere Möglichkeit wird im Zuge der kommenden Rezession interessant: Statt mit einer Abwrackprämie den Absatz von stinkenden und lärmenden Blechkisten anzukurbeln, könnte der Staat genauso gut Reparaturgutscheine ausgeben, ganz egal ob damit Schuhe, Mobiltelefone oder Spülmaschinen wieder funktionsfähig gemacht werden.

Wertstoffhöfe sollten ihren Namen verdienen

Die größte Wirkung dürften allerdings die Maßnahmen entfalten, die das kostenlose Reparieren unterstützen. Das sollte zum einen die finanzielle oder organisatorische Förderung von Reparaturinitiativen wie Repair-Cafés oder DIY-Workshops sein – etwa indem Kommunen ihnen Räume zur Verfügung stellen. Zum anderen sollten Initiativen und einzelne Reparateur*innen endlich Zugang zu den wichtigsten Ersatzteillagern bekommen, die es überhaupt gibt: den Recyclinghöfen.

Momentan machen die Wertstoffhöfe ihrem Namen noch nicht alle Ehre, da es sich in erster Linie um Abfallabwurfstellen handelt. Die Trennung der verschiedenen Abfallfraktionen funktioniert dort zwar recht gut, aber Wiederverwendung von Dingen oder Stoffen steht nicht auf dem Programm. Für den Berliner BUND ist daher eine der wichtigsten Forderungen auf dem Weg zu einer Zero Waste-Stadt, die BSR-Recyclinghöfe für Reparateur*innen zu öffnen. Dabei geht es nicht nur um wiederverwendbare Gegenstände, sondern auch um Sekundärmaterialien, die vor der „thermischen Verwertung“ (sprich Verbrennung) gerettet werden sollen.7

Machen, nicht nur reden!

Die Zeit ist reif, um die Stoffströme in Richtung Wiederverwendung zu lenken. Das sieht – zumindest im Grundsatz – auch die BSR so. Denn während andere kommunale Entsorgungsunternehmen Mitarbeiter*innen, die wiederverwendbare Gegenstände heimlich vor der Vernichtung bewahren, wegen Diebstahls anzeigen,8 gestaltet die BSR ihre Wertstoffhöfe schon einmal zu „Nachhaltigkeits-Centern“ um. Zwar nur gedanklich, aber die Vision klingt gut. Die kieznahen „Nachhaltigkeits-Center“ sollen „Re-Use-Kaufhaus, Repair-Café und Wertstoff-Scanner unter einem Dach“ vereinigen.9

Unterstützung für diese „Nachhaltigkeits-Center“ durch die Umweltverbände wäre der BSR sicher. Sie müsste nur – machen. Dasselbe gilt für die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der schon seit Ende 2018 eine Machbarkeitsstudie zum Aufbau eines Reparaturnetzwerks in Berlin vorliegt.10 Wie so oft fehlt es nicht an Konzepten, sondern schlicht an der Umsetzung.

 

Erstveröffentlichung des Beitrags auf www.remap-berlin.de

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Und wenn ich doch mal was brauche? https://umweltzoneberlin.de/2020/04/15/und-wenn-ich-doch-mal-was-brauche/ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/15/und-wenn-ich-doch-mal-was-brauche/#comments Wed, 15 Apr 2020 17:49:02 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5275 Wir alle verbringen gerade viel mehr Zeit zu Hause als gewöhnlich. Außer Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Buchläden, Fahrradhandel und Baumärkten (Stand 11.4. für das Bundesland Berlin) haben alle Geschäfte bis auf unbesteimmte Zeit geschlossen. Wenn nun die Glühbirne oder der Drucker kaputt gehen, scheint es die einzige Möglichkeit, diese online zu bestellen. Weiterhin bringt uns die viele Zu-Hause-Zeit auf die Idee, lange geplante Hobbies nun endlich mal umzusetzen. Aber worauf sollten wir beim Online-Einkaufen achten, um auch hier nachhaltig zu handeln?

Die Zahlen des Onlinehandels vor Corona

Das Marktvolumen des deutschen Onlinehandels ist 2018 auf 53 Milliarden Euro gewachsen – Tendenz steigend! Immer mehr Menschen entdecken Online-Shopping für sich. Am beliebtesten waren dabei bisher Kleidung sowie Elektrogeräte [1]. In der Coronakrise ist Onlineshopping oft eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, um Produkte und Güter auf möglichst hygienischem Weg und trotz Ladenschließungen zu beschaffen.

Mehr Online-Shopping während Corona?

Dennoch verzeichnet auch der Onlinehandel einen Rückgang im Konsumverhalten bei den genannten Gütern [2]. Während im Supermarkt vor allem Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs nachgefragt werden, sind es im Onlinehandel derzeit Güter, die vielen den Alltag zu Hause erleichtern sollen: Tischtennisplatten, Fitnessgeräte oder Zubehör sowie Puzzle sind im Schnitt zwei bis  drei mal so gefragt wie vor der Krise[3].

Nachhaltig online einkaufen: Worauf kommt es an?

https://www.instagram.com/bundberlinklima/

Der Onlinehandel birgt erstmal viele nicht nachhaltige Praktiken: So werden Produkte oft aufwendig in Pappe, Plastik, Styropor oder Schutzfolien verpackt, um unversehrt angeliefert zu werden. Es entstehen darüber hinaus Transportkosten der Paketdienste. Hinzu kommen die zahlreichen Rücksendungen von Kundinnen und Kunden. Die zurück gesandten Waren, vor allem Bekleidung, werden oft vom Händler vernichtet. Jedes sechste Paket wird zurückgeschickt. Im Jahr 2018 waren das allein in Deutschland 532 Pakete pro Minute[4]! Geschätzte 20 Mio. Produkte wurden von den Händlern anschließend entsorgt – es entsteht unnötiger Müll durch Güter, die aufwendig produziert aber nie genutzt wurden[5]!

Doch online einkaufen kann auch nachhaltig geschehen: Es gibt bereits ein großes Angebot an Onlineshops, die mit nachhaltigen Produkten und Qualitätsstandards arbeiten. Die Ökobilanz kann sogar besser ausfallen beim Offlineshopping, wenn dadurch auf eine längere Autofahrt zum Fachhandel verzichtet wird. Das ist vor allem in ländlichen Regionen ein Argument für Auslieferungen per Paketbote.

Einige Auflistungen und Anregungen für nachhaltige Shops findet ihr z.B. bei WeGreen, oder Utopia. Dabei geht es nicht nur um nachhaltige und plastikfreie Produkte, sondern auch um deren Auslieferung und ob das Unternehmen eigene Nachhaltigkeitskriterien hat. Um nachhaltig online einzukaufen, solltet ihr deshalb folgende Fragen vor dem Kauf überprüfen: Brauche ich das Produkt wirklich? Vor dem Bestellen einfach mal eine Nacht drüber schlafen und erst dann entscheiden. So kann der eine oder andere Impulskauf vermieden werden.

  • Verkauft der Onlineshop Produkte mit Nachhaltigkeitssiegel?

Dazu gehören je nach Produktart z.B. der blaue Engel, das EU Ecolabel, GOTS oder FSC. Eine Übersicht zu Siegeln findet ihr  beim Umweltbundesamt oder auch sehr detailliert bei Stiftung Warentest.

  • Erfolgt der Versand CO2-neutral?

Viele nachhaltige Onlineshops gleichen die entstehenden Emissionen aus oder – noch besser – versuchen, einen möglichst emissionsarmen Versand zu ermöglichen – z.B. auch mit E-Autos oder Lastenrädern (DHL und DPD bieten dies derzeit an). Lagerkapazitäten und eine Herstellung in Deutschland/Europa sorgen außerdem für kürzere Lieferwege.

  • Achtet der Onlineshop auf wenig oder recyclebare Verpackung?

Statt Schutzfolien, Styropor und Co. gibt es viele Alternativen: recyclebare Verpackungen aus Pappe, Stroh oder auch Mehrweg-Systeme, die verwendet werden können. Informiert euch vorm Kauf darüber, wie der Onlineshop die Verpackung gestaltet.

  • Hat das Unternehmen auch sonst ein Nachhaltigkeitskonzept?

Um die Nachhaltigkeit vollständig zu denken, solltet ihr auch beachten, ob das Unternehmen, das die Produkte anbietet, z.B. mit Ökostrom arbeitet und auf seinen eigenen ökologischen Fußabdruck achtet. Auch hier gibt es ein Zertifikat für Unternehmen, das Umweltmanagement bestätigt: EMAS.

Und hier nochmal zusammengefasst fünf Tipps und Kriterien, um sowohl während als auch nach der Coronakrise nachhaltig einzukaufen:

  1. Ganz generell: Brauche ich das wirklich? Gibt es die Option, es vielleicht Second Hand zu kaufen?
  2. Mit Bedacht einkaufen und Retouren vermeiden
  3. Auf Siegel und Nachhaltigkeitsstandards achten
  4. Besonders in Corona Zeiten, aber immer sinnvoll: lokale Unternehmen unterstützen und somit auch Transportwege kürzen – gerade zur Zeit gibt es viele Angebote!
  5. Soziale Aspekte mitdenken: Paketdienste leisten gerade viel und werden oft schlecht bezahlt!

 

[1] Handelsverband Deutschland 2019: Online Monitor 2019 Internetadresse: https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=10168

[2] Spiegel 6 April 2020: Auch Onlinehandel klagt über sinkende Umsätze https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-krise-auch-online-handel-klagt-ueber-sinkende-umsaetze-a-5b0a62b5-c2fa-4a6a-872d-f4d27cd27dc5

[3] Check24 Presseportal 3 April 2020: https://www.presseportal.de/pm/73164/4563443

[4] Spiegel 12 März 2019: Die Retourenrepublik https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/amazon-zalando-otto-die-retouren-republik-deutschland-a-1271975.html

[5] Retourenforschung Uni Bamberg: http://www.retourenforschung.de/info-hintergruende-der-retourenentsorgung—studie-ausgewertet.html

 

Weitere Links:

BUND-Projekt “NKI: Klimafreundlicher Lieferverkehr für saubere und lebenswerte Städte“ www.BUND.net/lieferverkehr 

PM „In der Corona-Krise regionale Strukturen stärken – lokal einkaufen hilft Kleinunternehmen und Umwelt“ https://www.bund-berlin.de/service/presse/detail/news/in-der-corona-krise-regionale-strukturen-staerken-lokal-einkaufen-hilft-kleinunternehmen-und-umwelt/

Die Autorin ist Magdalena Bauer, Abfallberaterin des BUND

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Sieben Tonnen am Tag https://umweltzoneberlin.de/2020/01/29/sieben-tonnen-am-tag/ https://umweltzoneberlin.de/2020/01/29/sieben-tonnen-am-tag/#respond Wed, 29 Jan 2020 13:54:59 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5209 Laut Umweltbundesamt fielen in Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 18,72 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. Das entspricht dem Gewicht von 1.800 Eiffeltürmen, dem Wahrzeichen der Stadt der Liebe, Revolution und La Bohème. Seit gut vier Jahren steht die französische Hauptstadt auch für Hoffnung, denn im Dezember 2015 einigten sich 195 Länder erstmals auf ein allgemeines, rechtsverbindliches internationales Klimaschutzabkommen. Das Abkommen von Paris erwirkte auf EU-Ebene die Festlegung, Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Was viele nicht wissen: Verpackungen machen 1,5 – 2,0 Prozent des durchschnittlichen CO2-Fußabdrucks eines europäischen Konsumenten aus und können somit einen erheblichen Beitrag zum Kampf gegen klimaschädliche Emissionen leisten. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie nicht im Restmüll enden und stofflich verwertbar bleiben. Die guten Nachrichten vorweg: Seit 1990 sank die Restabfallmenge privater Haushalte um mehr als die Hälfte. Gleichzeitig stieg das Volumen an getrennt gesammelten Wertstoffen (Leichtverpackungen, Papier, Pappe und Karton, Glas) um beinahe das Vierfache. Zudem erfolgt sowohl im Privaten als auch im öffentlichen Sektor ein deutliches Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit. Doch die Verpackungswelle wächst stetig an und droht, solche Fortschritte wegzuschwemmen.

Warum Kliniken?

Mit 4,8 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr gelten Krankenhäuser als der fünftgrößte Müllproduzent in Deutschland und als der ressourcenintensivste Verbraucher im Sektor Dienstleistung. Pro Krankenhausbett und Patient fallen jeden Tag bis zu 20 Kilogramm Müll an – Das ergibt sieben bis acht Tonnen je Klinik. Allein in Berlin gibt es 83 Krankenhäuser, die jährlich bis zu 212.065 Tonnen Abfall produzieren. Damit entsteht in Kliniken eine besonders kritische Dimension, die ein effizientes und grünes Ressourcenmanagement verlangt.

Das Abfallspektrum in Kliniken

In Kliniken türmen sich nicht nur quantitativ, sondern auch stofflich wesentlich problematischere Müllberge als in Haushalten. In erster Linie unterscheidet Krankenhauspersonal zwischen infektiösem und nicht infektiösem Abfall.Eine Vereinbarung der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) benennt folgende fünf Abfallgruppen.

Verpackungen zählen in Kliniken zur mengenmäßig größten Abfallgruppe, dem Hausmüll, der erhebliches Einsparpotenzial besitzt. Sie interagieren mit einem breiten stofflichen Spektrum, bevor sie im Müll landen und öffnen Türen in alle Abfallbereiche.

Entsorgungswege

Abfallbeauftragte in Kliniken stehen vor der enormen Herausforderung, den Überblick über mindestens 100 Abfallarten zu behalten. Diese Materialien gehen komplizierte Entsorgungswege. Generell lassen sich jedoch drei grundsätzliche Ausgangspunkte für den weiteren Verlauf nennen: Die Entsorgung von krankenhausspezifischem Siedlungsabfall (1) und Sonderabfall (2) erfolgt entsprechend gültiger Richtlinien in Hochtemperaturverbrennungsanlagen. Um die normalen Hausmüllabfälle für die stoffliche Verwertung (3) kümmert sich ein Recyclingunternehmen.

Die folgenden Beispiele geben Einblick in die tägliche Abfallsammel- und Entsorgungsprozedur:

  • Verbände, Windeln, Atemschutzmasken, Aufwischtücher oder Einwegwäsche, an denen Spuren von Blut, Sekreten oder Exkreten haften, kommen als Siedlungsabfall in zugelassene Abfallverbrennungsanlagen.
  • Spitze und scharfe Gegenstände wie Kanülen und Skalpelle werden über den normalen Hausmüll entsorgt und zuvor in bruch- und stichsicheren Behältnissen gesammelt.
  • Abfälle mit Überwachungsbedarf wie Altmedikamente, Laborabfälle, Chemikalien, Altöle, Lösungsmittel oder Müll aus der Röntgenabteilung unterliegen gesetzlich besonderen Entsorgungsrichtlinien und ihre Entsorgung obliegt dafür zertifizierten Unternehmen.
  • Körper-, Organ- oder Gewebeabfall lagert in speziellen Behältern in einem Kühlraum und wird mitsamt ihrer Spezialbehälter verbrannt. Die Verbrennung muss dabei unter einer definierten Hochtemperatur und innerhalb eines definierten Zeitraums erfolgen.

Für Verpackungen inklusive Hausmüll fühlen sich bestenfalls Entsorger, Recyclingunternehmen, aber auch Hersteller und Vertreiber verantwortlich. Um die Recyclingquote deutlich zu verbessern, trat im Jahr 2019 in Deutschland ein Verpackungsgesetz (VerpackG) in Kraft, das auch in Kliniken Anwendung findet.

Rechtlicher Rahmen

Das Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die hochwertige Verwertung von Verpackungen soll in erster Linie die Umwelt schützen und einen fairen Wettbewerb ermöglichen. Das Verpackungsgesetz legt u.a. fest, dass Recycling von Kunststoffverpackungen höhere Quoten erreicht – zunächst 58,5 Prozent, ab 2022 dann 63 Prozent. Es löst die vorherige Verpackungsverordnung ab und soll auf Herstellerseite mehr Produktverantwortung erzeugen. Gemäß § 3 Abs. 8 VerpackG gehören zu den betroffenen Verpackungen mit Ware befüllte Verkaufs- sowie Umverpackungen, die nach Gebrauch als Abfall anfallen. Diese Art von Abfall und privatem Endverbrauch entsteht auch in Krankenhäusern, Kliniken, Alten- und Pflegeheimen. Dazu gehören Verpackungen für Verbandsmittel, für Produkte der Wundversorgung, Fertigspritzen oder Infusionslösungen. In welchem Umfang das Verpackungsgesetz für Krankenhäuser und Reha-Kliniken gilt, hängt davon ab, ob die Verpackungen für internen Verbrauch oder für Patienten zum Verbrauch zu Hause dienen.

Die damit angestrebte Recyclingquote unterstützt das Anliegen des Kreislaufwirtschafts-Abfallgesetz (KrWAbfG). Laut KrWAbfG sollen u.a. „die Emissionen von Luftschadstoffen und klimarelevanten Gasen so gering wie möglich gehalten werden“. Im Zentrum stehen die Schonung natürlicher Ressourcen und die Sicherstellung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen. Das Gesetz fordert explizit, dass Abfallvermeidung Priorität vor Verwertung und Beseitigung erhält. Dafür existiert eine gesetzliche Grundlage: Die im KrWAbfG verankerte Abfallhierarchie.Verpackungen zählen in Kliniken zur mengenmäßig größten Abfallgruppe, dem Hausmüll, der erhebliches Einsparpotenzial besitzt. Sie interagieren mit einem breiten stofflichen Spektrum, bevor sie im Müll landen und öffnen Türen in alle Abfallbereiche.


Quelle: https://www.abfallmanager-medizin.de/abfall-abc/abfallhierarchie/

Klimaschutz & Verpackungen in Kliniken

Das Sortieren und Verwerten von Wertstoffen reduziert CO2-Emissionen. Viel effizienter ist es allerdings, bestimmte Produkte und Verpackungen gar nicht erst in Umlauf zu bringen, sondern von vorherein darauf zu verzichten.

Wenn es Kliniken gelingt, dass Hersteller Verpackungsmaterial wieder zurücknehmen und Recyclingverpackungen prioritär behandeln, schonen sie Klima und Budget. Sie steigern den Effekt, wenn sie zum Beispiel

  • Arzneimittel als Schüttware oder in Großverpackungen verwenden.
  • auf Station und im OP-Saal bewusster mit Artikeln wie OP-Abdeckungen, Einmalhandschuhen und Verbandsmaterial umgehen
  • im OP Pinzetten, Skalpelle und Scheren als Mehrwegartikel einsetzen.

Praxisbeispiele

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) führt seit 1994 grüne Projekte durch. Eine konsequente Abfalltrennung hat unter anderem dafür gesorgt, dass im Jahr 2009 etwa 41 Prozent der gesamten Abfallmenge von 4.287 Tonnen einer weiteren Verwertung zugeführt wurden. Dadurch sparte das Klinikum insgesamt 130.000 Euro. Ende 2010 schloss das UKE darüber hinaus flächendeckend die Unit-Dose-Versorgung ein. Auf diese Weise können, je nach Verfügbarkeit von Arzneimitteln als Schüttware, jährlich etwa 50 Prozent Verpackungsmaterial – inklusive problematischer Aluminium-Kunststoff-Verbundmaterialien – vermieden werden. Die folgende Tabelle nennt die genauen Einsparungen je Material in Kilogramm.

In allen Ecken Deutschlands gedeihen gute Ideen. So verzichtet etwa das Caritas Klinikum Saarbrücken im Cafeteria-Bereich auf Einwegverpackungen von Getränkezubehör. Plastikbecher und schwer recycelbare Verpackungen gehören der Vergangenheit an. Ein löblicher Schritt, der auch eine positive Außenwirkung erzielt.

KLIK green

Um Kliniken bei einem grünen Management zu unterstützen, führt der BUND Berlin seit 2001 Projekte durch, die Gesundheitseinrichtungen zu Klimaschutz motivieren. Das aktuelle Projekt KLIK green verfolgt das Ziel, 250 Kliniken zu gewinnen und dort Beschäftigte zu Klimamanager*innen fortzubilden, um bis Projektende 2022 mindestens 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente zu vermeiden. KLIK green geht Klimaschutz als eine gemeinsame Aufgabe an, damit Ressourcenschonung auf allen Ebenen – von Management bis zur Station – stattfindet. Die teilnehmenden Häuser treten als Netzwerk auf, lernen voneinander und inspirieren weitere Einrichtungen zu Klimaschutz.

Fazit

Das Statistische Bundesamt gibt an, dass ca. 50.000 Kilogramm medizinische Implantate und chirurgische Einweginstrumente pro Jahr – samt Verpackungen – im Abfall landen. Diese Gesamtmenge entspricht dem Gewicht von fünf Eiffeltürmen. Und so schwer diese Zahlen wiegen, so schwerwiegend sind auch die Auswirkungen, sollten dem vielversprechenden Pariser Abkommen weiterhin keine drastischen Maßnahmen folgen. Krankenhäuser können, als soziale Einrichtungen und Begegnungsorte, Vorbild für die gesamte Gesellschaft sein. Schaffen es Kliniken, die Verpackungsflut in ihren Gemäuern zu stoppen, kann das auch in anderen öffentlichen Einrichtungen, erst recht in privaten Haushalten zu Reduzierung anregen – womöglich auch dabei helfen, die ambitionierten Gesetztes-Quoten zu erreichen.

 

Links zu weiterführende Informationen:

Heinrich Böll Stiftung: Chancen und Risiken nach dem Pariser Klimaabkommen

Broschüre: Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt

UBA Publikation: Recycling stoppt Treibhausgase

Abfallmanager Medizin: Onlinemagazin zum Thema medizinische Abfälle

Statistisches Bundesamt: Krankenhäuser

Recycling Magazin: Ethische Abfälle aus dem Krankenhaus

Verpackungsgesetz

Kreislaufwirtschafts-Abfallgesetz

Caritas Klinikum Saarbrücken: Nachhaltige Verpackungslösungen für mehr Verantwortung

BUND Berlin Projekt KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz

Erklärfilm: Projekt KLIK green

 

Literaturhinweis:
Alles grün…auch im Krankenhaus. Green Hospital – Wege zur effektiven Nachhaltigkeit. Stuttgart. New York: Georg Thieme Verlag, 2011.

Titelfoto: by Alexroma from pixabay

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https://umweltzoneberlin.de/2020/01/29/sieben-tonnen-am-tag/feed/ 0
Wenn der Weihnachtsengel mit dem Müllwagen vorfährt – auf dem Weg zur Zero Waste Weihnacht https://umweltzoneberlin.de/2019/12/06/wenn-der-weihnachtsengel-mit-dem-muellwagen-vorfaehrt-auf-dem-weg-zur-zero-waste-weihnacht/ https://umweltzoneberlin.de/2019/12/06/wenn-der-weihnachtsengel-mit-dem-muellwagen-vorfaehrt-auf-dem-weg-zur-zero-waste-weihnacht/#respond Fri, 06 Dec 2019 07:42:34 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5138 Alle Jahre wieder rollt an Heiligabend eine Lawine unaufhaltsam auf uns zu: Die mühevoll dekorierten und verzierten Geschenkeverpackungen sorgen bei der feierlichen Übergabe durch Weihnachtsfrau oder Mann noch für einiges Ah und Oh, aber wenn man sich die schöne Bescherung einmal anschaut, wenn das letzte Geschenk seiner bunten Hülle entrissen ist, könnte der Weihnachtsengel gleich mit dem Müllwagen statt mit Rudis Rentieren vorfahren. Auf dem Boden türmen sich riesige Berge aus Geschenkpapier, Bändern, Folien und Klebeband. Der familiäre Entsorgungsbeauftragte knüllt diesen Haufen meist zeitnah in einen großen blauen Sack, der dann gerade noch so irgendwie unter den Deckel der bereits überfüllten Restmülltonne gequetscht wird – wenn die Nachbarn nicht schneller waren. Damit wäre zumindest das kleinere Übel gewählt, denn in der Altpapiertonne wäre das beklebte, beschichtete und mit Plastikbändern verknotete Geschenkpapier wegen Recyclingnote mangelhaft oft nicht gut aufgehoben. Da bleibt dann nur der Müllofen zur sogenannten thermischen Verwertung. Für normales unbeschichtetes Geschenkpapier und Kartons führt der beste ökologische Weg ins Recycling nach wie vor über die blaue Tonne.

Kann man da nicht noch mehr tun, fragt sich der geneigte umweltbewegte Leser und auch der bisher unbefleckte Verfechter der Ein-Tonnen-Strategie – weil ich hab doch keinen Platz in der Küche für Mülltrennung – und kommt ins Grübeln…

Werfen wir doch einmal einen schnellen Blick ins Gesetzbuch. Was ist denn da für den deutschen Müll vorgeschrieben?

Vermeiden heißt es dort, ist das erste, größte und wichtigste Element, weil was gar nicht erst anfällt, muss auch nicht getrennt, recycelt oder verbrannt werden. Falls Sie sich fragen, „darf ich jetzt meine Geschenke nicht mehr einpacken oder besser noch überhaupt nichts mehr schenken?“ Das können Sie natürlich gern tun – die meisten Erwachsenen haben ja ohnehin eher ein Problem mit dem Zuviel als Zuwenig. Aber es geht vielmehr um bewusstes Schenken und Verpacken. Haben Sie schon einmal in Erwägung gezogen, dass sich der oder die Beschenkte auch über etwas Gebrauchtes freuen würde? Probieren Sie es doch einmal aus und holen die 20 Jahre alte Carrerabahn vom Dachboden, hübschen sie ein wenig auf und geben sie an Weihnachten an den eigenen Nachwuchs oder die Enkelkinder weiter. Wer jetzt den Kommentar erntet „Och Papa, ich wollte doch aber `ne nagelneue Autorennbahn“, der hat beim vorbildhaften Vorleben wohl nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Aber Rettung naht:

Zero Waste-Einpackservice

Um es allen Berliner*innen in diesem Jahr ein wenig leichter zu machen auf dem langen Weg zur Zero Waste-Hauptstadt Berlin ein Stück voranzukommen, hat der BUND pünktlich zum vorweihnachtlichen Geschenkeeinkaufsmarathon einen Upcycling-Geschenkeeinpackservice ins Leben gerufen. An den Ständen auf Weihnachtsmärkten und in Shoppingcentern geben wir den Berliner*innen die Möglichkeit, vor Ort tolle Upcyclingverpackungen für ihre Weihnachtsgeschenke herzustellen und auch Ideen und Anregungen für Zuhause mitzunehmen. An den Ständen des Zero Waste-Einpackservice können Besucher*innen aus vielen unterschiedlichen Gebrauchtmaterialien wählen und dabei ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Beispielsweise können aus abgelaufenen Fotokalendern oder alten Landkarten ansprechende und individuelle Geschenkverpackungen gebastelt werden. Aus bunten Stoffresten können auch zu Hause Geschenkesäckchen genäht oder gebunden werden, die jedes Jahr wieder verwendet werden können. Und wer sich beim Auspacken ein wenig vorsieht, kann auch normales Geschenkpapier wieder zusammenlegen und bei nächster Gelegenheit damit erneut Freude beim Beschenken verbreiten. Auch dem deutschen Müllgesetz und dessen zweitem wichtigem Element, nämlich der Wiederverwendung, wäre damit hinreichend Beachtung geschenkt.

Upcycling-Fotowettwewerb

Wenn Sie selbst tolle Upcycling-Verpackungsideen haben oder an unseren Ständen etwas Schönes gebastelt haben: Machen Sie ein Foto und laden das Bild bis zum 15. Dezember einfach unter dem Hashtag #xmas_zerowaste auf Instagram hoch. Die besten 3 Bilder werden mit köstlichem Honig und Apfelsaft von der BUND-Streuobstwiese in Stahnsdorf prämiert.

Termine der Aktionsstände:

  • 07. Dezember (14-21) Uhr:

Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt, Richardplatz 28 12055 Berlin
Stand mit Zero Waste-Einpackservice und Beratung vom Berliner Energie- und Abfallcheck

  • 09. Dezember (12-19 Uhr) und 10. Dezember (12-19 Uhr):

Ring Center I (im Untergeschoss), Frankfurter Allee 111, 10247 Berlin
Stand mit Zero Waste-Einpackservice

  • 14. Dezember (11-22 Uhr) und 15. Dezember (11-20 Uhr):

Spandauer Weihnachtsmarkt, Altstadt Spandau
Stand mit Zero Waste-Einpackservice
Standnummer 852, Standort: Breitestraße Höhe Hausnummer 50

Großes DANKESCHÖN:

An den Ständen des Zero Waste Einpackservice unterstützen uns die Upcycling Expert*innen vom Kunst-Stoffe Berlin e.V.  mit tollen Verpackungsideen und  Materialien aus dem Materiallager des Vereins: www.kunst-stoffe-berlin.de

Weitere Termine in Einkaufscentern und auf Weihnachtsmärkten sind derzeit in Planung und werden auf der Projektseite www.bund-berlin.de/zww bekanntgegeben.

Das Projekt „ALLE JAHRE WIEDERverwenden – Weihnachten zum Zero Waste-Fest machen“ wird durch die Stiftung Naturschutz Berlin gefördert.

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https://umweltzoneberlin.de/2019/12/06/wenn-der-weihnachtsengel-mit-dem-muellwagen-vorfaehrt-auf-dem-weg-zur-zero-waste-weihnacht/feed/ 0
Jubiläumsjahr im BUND-Repair Café https://umweltzoneberlin.de/2019/11/27/jubilaeumsjahr-im-bund-repair-cafe/ https://umweltzoneberlin.de/2019/11/27/jubilaeumsjahr-im-bund-repair-cafe/#respond Wed, 27 Nov 2019 15:20:31 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5118 Der Tisch steht im BUND-Laden in der Crellestraße am 3. Montag im September voller Kuchen. „Wir haben sogar die passende Kaffeemaschine dabei, aber sie muss erst noch repariert werden“, kommentiert eine Frau den Geburtstagtisch. Denn neben den Feierlichkeiten zum fünfjährigen Bestehen wird im Repair Café Schöneberg wie immer fleißig gearbeitet. In der Selbsthilfewerkstatt ist jeden 3. Montag im Monat reger Betrieb, weil viele Menschen ihre kaputten Haushaltsgeräte, Spielzeuge oder Möbelstücke nicht einfach wegwerfen wollen. Hier können sie sich von erfahrenen ehrenamtlichen Reparateur*innen helfen lassen.

Selbstreparieren ist Trend

Die alte Kulturtechnik des Reparierens wird in Repair Cafés aufgriffen und mit dem Aspekt des gemeinsamen Lernens verbunden. Antrieb erhielt die Idee, als 2009 eine niederländische Umweltjournalistin das Konzept ausformulierte. Seitdem sind Repair Cafés fester Bestandteil der sogenannten Sharing Economy und der Do-It-Yourself-Bewegung. 34 Einträge finden sich auf der interaktiven Karte zur Müllvermeidung „Remap Berlin“ unter dem Schlagwort Repair Café und rund 750 Initiativen sind beim Netzwerk Reparatur-Initiativen für Deutschland gelistet. Überall helfen sich Menschen gegenseitig in ihrer Freizeit bei der Reparatur defekter Gegenstände. Und dabei spart jedes reparierte Radio und jeder weiter genutzte Wasserkocher nicht nur Ressourcen, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Fünf Jahre BUND-Repair Café Schöneberg

Das Repair Café in der Crellestraße öffnet seit Juni 2014 einmal im Monat seine Türen und empfängt jeweils etwa 25 Gäste pro Abend. Neben dem fünfjährigen Geburtstag gab es 2019 noch ein anderes Jubiläum zu feiern: Bereits der 1000. Gast mit einem Reparaturgegenstand konnte begrüßt werden. Ehrengast Sebastian Körner strahlte freudig in die Kamera, als Daniel Affelt ihm eine Urkunde und eine Jahresmitgliedschaft beim BUND überreichte. „Das Konzept von Repair Cafés kannte ich schon lange, bin aber nun zum ersten Mal persönlich bei einem dabei“, berichtete er. Als neues BUND Mitglied freut er sich auf lokale Anregungen für sein Hobby. Als passionierter Vogelfotograf war er bisher meist im Ausland unterwegs und möchte nun mehr die heimische Vogelwelt entdecken.

Auch wer nicht das Glück hatte, als 1000er Gast durch die Tür des Repair Cafés zu treten, hatte bei einem Quiz zum Thema Abfalltrennung die Gelegenheit, kleine Preise zu gewinnen und dabei hilfreiche Tipps von einem Energie- und Abfallberater des BUND zu erhalten.
Bevor die Girlanden zur Wiederverwendung sorgfältig eingepackt wurden, bedankte sich der Gründer und Organisator des Repair Cafés, Daniel Affelt, mit einem Glas Honig von der BUND Steuobstwiese in Stahnsdorf bei den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen, die das Repair Café durch ihre Unterstützung erst ermöglichen. „Wir haben in den letzten 5 Jahren schon einen riesigen Berg kaputter Geräte erfolgreich repariert und der große Zulauf an Gästen und Ehrenamtlichen zeigt uns, dass das Repair Café auch in Zukunft gebraucht wird,“ resümiert Daniel Affelt.

Links:

BUND- Repair Café:

https://www.bund-berlin.de/themen/klima-ressourcen/abfall/repair-cafe/

Remap-Berlin: Reparieren, Tauschen, Leihen oder richtig Recycln, hier gibt es die richtigen Adressen.
https://www.remap-berlin.de/

Videos:

Repair Café Schöneberg- So schön kann reparieren sein!:

RepairCafé Schöneberg 17 10 2016:

 

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https://umweltzoneberlin.de/2019/11/27/jubilaeumsjahr-im-bund-repair-cafe/feed/ 0
Abfallarmes Baden https://umweltzoneberlin.de/2019/07/23/abfallarmes-baden/ https://umweltzoneberlin.de/2019/07/23/abfallarmes-baden/#comments Tue, 23 Jul 2019 15:07:26 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=4918 Wo sich Menschen längere Zeit aufhalten, verlangen sie nach Speise und Trank; vor allem dann, wenn sie schweißtreibenden Tätigkeiten wie in der Sonne liegen, Ball spielen, planschen und schwimmen nachgehen. Wie viele der Gäste in den Berliner Freibädern (allein in den Monaten Juli und August des Hitzesommers 2018 waren es 3,8 Millionen[1]) ihr eigenes Essen und Trinken mitbringen, ist nicht bekannt, allerdings macht der mitgebrachte Verpackungsmüll nach Angaben der Bäderbetriebe den größten Teil des Mülls in den Bädern aus.

Welche Möglichkeiten hat der landeseigene Badebetrieb selbst, Einfluss auf die Abfallmenge zu nehmen? Durchaus einige, wie die Senatsverwaltung für Inneres und Sport in ihrer Antwort auf eine Schriftliche Anfrage des grünen Abgeordneten Georg Kössler im Juli 2018 mitteilte.[2] In 36 Hallen- und Freibädern gibt es demnach gastronomische Einrichtungen, von denen 34 an externe Dienstleister vermietet oder verpachtet sind. Diesen Pächter*innen, so heißt es in der Antwort von Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki, sei „es nicht gestattet, Einweggeschirr und -besteck sowie Dosen und Einwegflaschen zu verwenden“.[3]

Zu schön um wahr zu sein

Das nennen wir einmal eine klare Ansage, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und tatsächlich ist sie auch nicht wahr, zumindest nicht ganz. Auf eine zweite Schriftliche Anfrage, die der Abgeordnete Kössler zur Präzisierung des Sachverhalts einreicht, antwortet die Senatsverwaltung vier Monate später deutlich zurückhaltender. Nun heißt es lediglich, die Verwendung von Einweggeschirr und -besteck sowie von Dosen und Einwegflaschen sei zu vermeiden.[4] Diese Formulierung wählt auch der Pressesprecher der Bäderbetriebe, Matthias Oloew. Man weise die Pächter*innen jährlich darauf hin. Die Kontrollen durch Mitarbeitende der Bäderbetriebe ergäben, dass sich die Pächter*innen weitgehend an die Vorgabe hielten, so Oloew weiter.

Davon wollen wir uns natürlich mit eigenen Augen überzeugen. Wo fangen wir an? Am besten im Internet. Auf dem Instagram-Account der Bäderbetriebe finden wir schnell den Freibadklassiker: Pommes rot-weiß, serviert auf Pappe mit Einweggabel aus Holz.[5] Daneben ein Bild von Limo im Plastikbecher – mit Plastikstrohhalm.[6] Genau diese Wegwerfplastikartikel hat das Europäische Parlament im Frühjahr unter gigantischem Beifall verboten.[7] Bis 2021 dürfen sie noch genutzt werden. Aber verträgt sich das Ausreizen dieser Frist mit der Vorgabe, Einwegprodukte zu vermeiden?

Kein Geld für eine Spülmaschine?

Beim Plastikbecher hingegen ist die Situation auf den ersten Instagram-Blick nicht so eindeutig wie beim Strohhalm. Theoretisch könnte es sich auch um einen Mehrwegbecher handeln, das müssen wir vor Ort klären. Also ab ins Sommerbad Humboldthain, in dem die besagten Fotos aufgenommen wurden. In der Kühlvitrine des Kiosks stehen sowohl Einweg- als auch Mehrwegflaschen. Bier und manche Limonaden gibt es in Mehrwegglasflaschen, Wasser dagegen ausschließlich in Plastikeinwegflaschen. Nun schiebt der Imbissverkäufer die georderte Limo in der Glasflasche aber nicht einfach über den Tresen, sondern füllt sie in einen Plastikbecher um. Aus Sicherheitsgründen. Wie schon befürchtet hält man nun also einen dünnwandigen Wegwerfbecher in der Hand. Aber nicht irgendeinen. Die Pächterin hat ihn mit ihrem Firmenlogo bedrucken lassen. Dafür war offensichtlich Geld übrig, für eine Spülmaschine aber nicht? Auf Nachfrage bestätigt der Verkäufer: Nein, es gibt kein Pfand auf den Becher, er ist nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen und danach zu entsorgen. Als er merkt, dass es uns um die Abfallreduzierung geht, kramt der freundliche junge Mann einen Mehrwegplastikbecher hervor. Ist das die Lösung: Mehrweg für hartnäckige Ökos, Einweg für die Masse?

Andere sind schon weiter

Diese erste Stichprobe fällt ernüchternd aus. Müßig zu erwähnen, dass auch Pommes, Wurst und Kuchen auf Einweggeschirr ausgegeben wird. Ausgerechnet die Gastronomie im Sommerbad Humboldthain, für die die Bäderbetriebe extra Werbung machen, ist quasi mehrwegfreie Zone. Das Sicherheitsargument mag an einigen Stellen gegen Glas und Porzellan sprechen, nicht aber gegen Mehrwegkunststoff. Im Kinderbad Monbijou, wo die Bäderbetriebe die Gastronomie selbst betreiben, gibt es Getränke ausschließlich in Mehrwegbechern gegen Pfand. Es geht also. Und warum soll in Freibädern nicht funktionieren, was sich in Fußballstadien und bei Straßenfesten seit Jahren bewährt?

Wie es wohl in den anderen Berliner Freibädern zugeht? Was habt ihr, liebe Leser*innen, dort in Sachen Mehrweg versus Einweg beobachtet? Postet eure Bilder auf [#einwegfreibad]!

Links:

[1] https://www.berlinerbaeder.de/fileadmin/user_upload/Geschaeftsberichte_BBB/Layout_GB_2018_07_2019_final_low.pdf

[2] https://www.stiftung-naturschutz.de/fileadmin/user_upload/pdf/Schriftliche_Anfragen/S18-15807.pdf

[3] https://www.stiftung-naturschutz.de/fileadmin/user_upload/pdf/Schriftliche_Anfragen/S18-15807.pdf

[4] https://www.stiftung-naturschutz.de/fileadmin/user_upload/pdf/Schriftliche_Anfragen/S18-17065.pdf

[5] https://www.instagram.com/p/By9uR-bogcc/

[6] https://www.instagram.com/p/BysfBWiIxtS/

[7] https://www.zeit.de/politik/2019-03/einweg-verbot-plastikmuell-meere-eu-parlament

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https://umweltzoneberlin.de/2019/07/23/abfallarmes-baden/feed/ 1
Gesundheitsschutz durch Klimaschutz https://umweltzoneberlin.de/2019/07/15/gesundheitsschutz-durch-klimaschutz/ https://umweltzoneberlin.de/2019/07/15/gesundheitsschutz-durch-klimaschutz/#comments Mon, 15 Jul 2019 13:56:18 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=4905 Seit einem halben Jahr erleben wir eine neue Art von Protest. Mit jungen, ebenso optimistischen wie alarmierten Gesichtern. Berechtigterweise beklagen kommende Generationen zu wenig Besorgnis. Ja, sie versäumen Schule. Doch was nützt Ihnen Bildung ohne Zukunft? Und wie oft verhindert letztlich Lehrermangel erfolgreichen Unterricht. Länder greifen zu Notlösungen, lassen Quereinsteiger und Pensionäre einspringen, damit vor Schulklassen ein Erwachsener steht. Junge Menschen benötigen einen gesunden Mix aus Wissen, Erfahrung, Mut und Begeisterungsfähigkeit, um später gute Taten zu vollbringen. Doch wenn die Welt zusehends aus den Fugen gerät, bleibt für Verzögerung keine Zeit. Dann bedarf es jetzt klarer Stimmen und konkreter Maßnahmen. Sonst schmelzen Perspektiven buchstäblich dahin.

Nicht nur die junge Generation

Ein Blick auf das Thermometer lässt trotz Wärme frösteln. Die Hitzewelle im Juni weckte Erinnerungen an den „Jahrhundertsommer 2018“ . Und schon jetzt machen sich Bedenken breit. Wiederholt sich das als selten beschriebene Dürredrama bereits im Folgejahr? Wir alle erinnern uns, dass 2018 eine extrem schlechte Ernte hervorbrachte. Doch nicht nur Landwirte beklagen Trockenheit und Hitze. Den Klimawandel bekommen noch weitere Berufsgruppen zu spüren. So merken zum Beispiel Beschäftigte in Kliniken in solchen Hitzejahren, dass die Gesundheit der Patienten unter der (Erd-)Erwärmung leidet.

Klimawandel als Gesundheitsrisiko

Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erwartet uns das Sechsfache an Hitzewellen. Immer mehr tropische Nächte rauben erholsamen Schlaf. In einer tropischen Nacht sinkt die Temperatur nicht unter 20° C. Das Waldbrandrisiko steigt und die bodennahe Ozonkonzentration erhöht sich. Mehr Pollen, Feinstaub und Sommersmog schaden den Atemwegen. Besonders Allergikern und Asthmatikern macht das ungesunde Luftgemisch zu schaffen. Hitze schädigt Organe, fördert chronische Erkrankungen und treibt auch die Sterbequote nach oben.

Erwiesenermaßen überleben Patienten in der Charité Transplantationen seltener, wenn Hitzeperioden eintreten. Daher gibt es in der Abteilung Pneumologie nun zwei Patientenzimmer mit Klimaanlagen, um OP-Patienten zu entlasten. Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Der Energieverbrauch wächst an, die Kosten ebenso – und der ohnehin große Druck auf das Gesundheitswesen eskaliert.

Neben Schülern demonstrieren auch Ärzt*innen

Skeptiker argumentieren, dass es Hitzewellen schon immer gab. Stimmt. Doch was die Widerrede außer Acht lässt: Niemals erwärmte sich die Erde so schnell. Und kontinuierlich heiße Tage und Nächte bedeuten für die Gesundheitsbranche letztlich einen immensen Andrang an Patienten. Sowohl alltägliche Krankenhauseinlieferungen als auch dauerhafte Erkrankungen nehmen zu. Deshalb stellen Menschen aus dem Gesundheitswesen nun selbst Klimaforderungen. Neben Schülerschaften und Studierenden demonstrieren auch Ärzt*innen.

Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG)

Mit der Aufschrift: „Klimawandel macht krank! – Patientin Erde auf der Intensivstation“ halten die engagierten Mitglieder der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) regelmäßig Mahnwachen ab – an der Charité, beim deutschen Ärztetag in Münster und auch bei Fridays for Future in Berlin. Gegründet im Oktober 2017 erfährt die KLUG durch die Fridays for Future Bewegung zunehmend Dynamik. „In letzter Zeit bekommen wir immer mehr Zulauf. Es hat sich richtig viel getan“, lobt Ludwig Brügmann, Regionalleiter von KLUG in Berlin, den spürbaren Effekt des jugendlichen Protests. KLUG will sich vergrößern und auch andere medizinische Berufe einbinden. „Pflegepersonal besitzt großes Potenzial“, so Brügmann, dem der Verein bisher zu „ärztelastig“ ist.

Marburger Bund fordert Begrenzung

Indes stößt Klimaschutz in der Ärztewelt auf offene Ohren. Der Marburger Bund, mit 118.000 Mitgliedern der größte deutsche Ärzteverband, forderte auf seiner Hauptversammlung in Münster eine Begrenzung des menschengemachten Klimawandels und dessen Folgen für die Gesundheit. Der nächste Ärztetag 2020 greift das Thema Klimawandel und Gesundheit erstmalig auf . Und seit Juni 2019 besetzt die Charité eine Professur für Klimawandel und Gesundheit.

Klimaneutrale Gesundheitswirtschaft – KLIK green qualifiziert Klimamanager*innen für Kliniken

Da in Europa fünf Prozent der Emissionen auf den Gesundheitssektor zurückgehen, versteht sich von selbst, dass wir eine klimaneutrale Gesundheitswirtschaft brauchen. Das soeben gestartete Projekt KLIK green leistet dazu einen wichtigen Beitrag, indem es Klimamanager*innen in Krankenhäusern qualifiziert und hilft, unnötige Energielecks zu stopfen.

Dass wir erst wiederholte Rekordtemperaturen, Trockenheit, Ernteausfälle, Gesundheitsprobleme und protestierende Schülerinnen und Schüler brauchen, damit Klimaschutz ins Bewusstsein tritt, ist traurig. Aber immerhin kommt nun Bewegung in den Kampf gegen die Zeit und für die Zukunft.

Links:

www.spektrum.de/news/steckt-der-klimawandel-hinter-dem-jahrhundertsommer-2018/1592074

www.zeit.de/wissen/umwelt/2017-05/klimawandel-erderwaermung-co2-meeresspiegel-fakten-beweise

www.zeit.de/wirtschaft/2018-07/landwirtschaft-deutschland-bauern-ernteausfaelle-duerre-trockenheit

www.klimawandel-gesundheit.de/wp-content/uploads/2018/11/Klima-Mahnwache-Aufruf.pdf

www.marburger-bund.de/sites/default/files/files/2019-05/Beschl%C3%BCsse_135_HV_.pdf

www.aerzteblatt.de/nachrichten/103540/Klimawandel-wird-ein-Schwerpunktthema-des-naechsten-Aerztetags

www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/erste_professur_fuer_klimawandel_und_gesundheit_in_deutschland/

www.bund-berlin.de/themen/klima-ressourcen/energie-klimaschutz/gesundheitswesen/

www.klik-krankenhaus.de/startseite/

 

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https://umweltzoneberlin.de/2019/07/15/gesundheitsschutz-durch-klimaschutz/feed/ 1
Pfand auf Zigaretten und Schachteln https://umweltzoneberlin.de/2019/07/09/pfand-auf-zigaretten-und-schachteln/ https://umweltzoneberlin.de/2019/07/09/pfand-auf-zigaretten-und-schachteln/#comments Tue, 09 Jul 2019 13:17:28 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=4896 Diskussionsbeitrag von Stephan von Orlow zur von ihm mit der Initiative „Die Aufheber“ gestarteten Online-Petition: http://chng.it/H8NZqrt4

Diskutieren Sie mit!

Jahrelang schon belasten unachtsame Mitbürger*innen ihre Umwelt mit Plastikmüll und Kippenresten. Die klassische Strategie der Behörden besteht im Wesentlichen aus:

  1. Bewusstseinsbildung
  2. mehr Papierkörbe
  3. nachhaltiger exekutierte Ordnungsmaßnahmen.

Alle drei Maßnahmen laufen seit Jahren, verursachen enorme Kosten und die positiven Veränderungen im Landschaftsbild sind eher mäßig, wie jeder unschwer beobachten kann.
Unsere Bürgerinitiative „die Aufheber“ startet nun einen ganz anderen Ansatz. Mit der Petition http://chng.it/H8NZqrt4 werben wir für Pfand auf Zigaretten und Schachteln, ganz konsequent.
Pro Zigarette fordern wir, 20 Cent Pfand zu entrichten. Sind die Kippen geraucht, werden sie in einem Taschenaschenbecher, der zum Pfandsystem gehört, hygienisch an den Point of Sale zurückgeführt und das Pfand wird wieder ausgezahlt. Neutral für die Guten, die ihre Kippen ordentlich entsorgen. Teuer für die Anderen, die ihre Kippen in die Umwelt werfen. Freie Sammler können die Kippen, die trotzdem in der Umwelt landen, auflesen und für etwa den halben Pfandwert zurückgeben.

Der besondere Mehrwert an unserem Vorschlag ist – das Pfand gibt es nur bei gleichzeitiger Rückgabe der Zigarettenschachtel zurück. Und nun wird es spannend, denn wir können die Zigarettenschachteln in einem Zuge rohstofflich in einen Kreislauf schicken. Da die Verpackung nicht mehr verloren geht (Verbrennung, Endlagerung, Entsorgung ins Ausland), können wir sie so konstruieren lassen, dass eine rohstoffliche Wiederverwertung überhaupt in Betracht gezogen werden kann. Aus einer alten Schachtel wird eine neue Schachtel. Wir bauen derzeit darauf, dass wir Schachteln sogar als Mehrwegprodukt produzieren können und so die Neuproduktion um einige Auslieferungszyklen aussetzen und gegen die ökologisch sinnvollere Aufreinigungen ersetzen können.

Wer das will, kommt nicht um Änderungen in den Standardprozessen der Hersteller herum. Wir haben diese Änderungen bereits in unserem Think-Tank, der Kanban-Initiative, versucht zu analysieren und ein Konzeptpapier unter http://www.kanban-initiative.org/Kanban-Initiative-Konzeptpapier.pdf bereitgestellt, das wir gerne im BUND zur Diskussion stellen möchten. Die Rückkehr der Verpackungen an einen spezifischen Hersteller ist zu teuer und wir fordern daher für die gesamte Branche einen einzigen Verpackungstyp. Was zunächst revolutionär klingt, ist einfach eine schiere Notwendigkeit zur Senkung der (Umwelt-)Prozesskosten, denn wir sparen an Logistik, Energie und CO2, wenn eine Packung nicht mehr zu einem spezifischen Hersteller zurückgebracht werden muss.

Aufklärungsbedarf und Ordnungsmaßnahmen erübrigen sich – das Littering aus Kippen reduziert sich nach unserer Schätzung zu mindestens 90%, vermutlich weit mehr. Ist der Effekt nicht ausreichend, wird das Pfand erhöht bis sich der angestrebte Reinigungseffekt einstellt. Die Kosten für die Raucher sind neutral, wenn sie ihre Kippen zurückführen. Die Branche ersetzt 72 Mio. Packungen pro Tag in Europa gegen eine entsprechende Anzahl zirkulierender Mehrwegschachteln, die wir allgemein als Kanban bezeichnen. Der Ressourceneinsatz für die Verpackung ist konstant, da die Masse der Verpackung im Wesentlichen konstant bleibt.
Die Natur wird es danken – Problem gelöst. Bitte stärkt unsere Petition, damit wir für das Modell in Politik und Industrie werben können.

Herzliche Grüße,
Stephan von Orlow

Titelfoto: cigarettes by Hebi B. from pixabay

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Plastik rund um die Welt – der Plastikatlas ist da! https://umweltzoneberlin.de/2019/07/01/plastik-rund-um-die-welt-der-plastikatlas-ist-da/ https://umweltzoneberlin.de/2019/07/01/plastik-rund-um-die-welt-der-plastikatlas-ist-da/#respond Mon, 01 Jul 2019 10:40:58 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=4881 Neben der Klimaerwärmung und dem Artensterben ist Plastikmüll die dritte große Herausforderung der Menschheit. Wie vielschichtig und global dieses Problem ist, zeigt der jetzt erschienene Plastikatlas, der die gegenwärtige Diskussion über Kunststoffe auf den Punkt bringt.

Erschreckende Zahlen und Daten

Hättet ihr gewusst, dass von den 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff, die zwischen 1950 und 2015 produziert wurden, 4,6 Milliarden Tonnen „entsorgt“ (deponiert, irgendwo hingeworfen) wurden, 2,5 Milliarden Tonnen noch in Gebrauch sind, 0,7 Milliarden Tonnen verbrannt und gerade einmal 0,5 Milliarden Tonnen recycelt wurden? Oder dass allein in Deutschland 9.696 Tonnen Mikroplastik jährlich als Bestandteil des Klärschlamms auf Äckern ausgebracht werden (Stand 2016)? Oder dass die durchschnittliche Nutzungsdauer von Plastik in Verpackungen bei einem halben Jahr, in Elektrogeräten bei acht Jahren, in Industriemaschinen dagegen bei 20 Jahren liegt?

Rundumschlag

Wie schon seine Vorgänger (Fleischatlas, Kohleatlas, Bodenatlas) setzt der Plastikatlas auf eine überzeugende Mischung von Fließtext, Schaubildern und Landkarten. Die Gemeinschaftsproduktion von BUND und Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert Zahlen und Fakten, die verständlich machen, wie die Plastikkrise ihren Lauf genommen hat, welche Akteur*innen involviert sind und welche Folgen die Kunststoffproduktion für Klima, Natur und menschliche Gesundheit zeitigt. Der 19 Kapitel umfassende Rundumschlag befasst sich mit einzelnen Sektoren wie Textilien, Ernährung und Tourismus, beleuchtet Genderaspekte und untersucht vermeintliche Alternativen wie sogenanntes Bio-Plastik und untaugliche Regulierungsversuche, die nur bei der Entsorgung, nicht aber bei der Produktion von Plastik ansetzen.

Wie es bei unerfreulichen Themen oft so ist, würde man das eine oder andere vielleicht lieber gar nicht so genau wissen. Etwa was das Fracking von Schiefergas in den USA mit der Plastikproduktion in Deutschland zu tun hat. Oder wem die EU-Kommission vor der Verabschiedung der Kunststoffstrategie 2018 mehr Audienzen gewährte – den Vertreter*innen der Umweltorganisationen oder denen der Plastikindustrie – es ist exakt so wie befürchtet, nur schlimmer.

Wege aus der Plastikkrise

Aber der Plastikatlas zeigt auch, was sich gegen die Plastikkrise tun lässt, wenn er das weltweite zivilgesellschaftliche Bündnis Break Free From Plastic und Kommunen auf vier Kontinenten vorstellt, die die unterschiedlichsten Maßnahmen ergreifen, um die Plastikflut zu stoppen.

Unsere Empfehlung: Lesen, darüber nachdenken und das Konsumverhalten ändern (falls nötig).

Der Plastikatlas ist im Juni 2019 erschienen: www.bund.net/plastikatlas

links:

https://www.breakfreefromplastic.org/

Der Beitrag wurde auch unter dem BUND-portal Remap.de veröffentlicht

Weiterer Lesetipp:
90% of plastic polluting our oceans comes from just 10 rivers

Titelfoto by djedj from Pixabay

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