Allgemein – Umweltzone Berlin https://umweltzoneberlin.de Umweltzone Berlin, Blog des BUND Berlin Wed, 16 Sep 2020 07:08:09 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.4 Das kann weg? Wir finden auch! https://umweltzoneberlin.de/2020/09/07/das-kann-weg-wir-finden-auch/ https://umweltzoneberlin.de/2020/09/07/das-kann-weg-wir-finden-auch/#comments Mon, 07 Sep 2020 11:12:53 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5649 Berlin zählt noch vor Hamburg und Bremen zu den Top 10 der am stärksten versiegelten Kommunen Deutschlands. Zwischen 2011 und 2016 verschwanden in Berlin durchschnittlich 5.000 m² Boden pro Tag (!) unter Asphalt und Beton. Obwohl sich der Senat zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 nur noch genauso viel zu versiegeln, was er an anderer Stelle entsiegelt wird, geht der Wohn-, Gewerbe- und Infrastrukturausbau ungebremst weiter. Begründet wird dies mit einer wachsenden Wohnungsnachfrage und einer hohen Investitionsbereitschaft.

Einerseits werden immer wieder Begehrlichkeiten geweckt, aus Platzmangel Flächen wie das Tempelhofer Feld zu bebauen, anderseits werden nach wie vor flächenzehrende einstöckige Neubauten für Supermärkte und Gewerbe mit großzügigen Parkplätzen und Einfamilienhäusern bewilligt. Wir vom BUND glauben aber, dass Berlin neben bezahlbarem Wohnraum dringend auch Flächen für die Anpassung an den Klimawandel, die Erholung und zum Schutz der Artenvielfalt benötigt. Offener Boden ist ein unverzichtbares Gut. Neben dem Lebensraum für Tiere und Pflanzen reguliert der Boden das Stadtklima und den Wasserhaushalt. Wussten Sie etwa, dass die Oberflächentemperatuten von Asphalt durchschnittlich doppelt so hoch sind wie die von Grünflächen? Zudem können versiegelte Flächen den (wenigen) Regen, der in Berlin fällt, weder aufnehmen und filtern noch Überschwemmungen durch Starkregen abfedern.

Deshalb setzen wir uns für eine Flächenkreislaufwirtschaft ein, die noch unbebaute Gebiete vorrangig für Natur und Erholung schont, Versiegelungen minimiert, ausgleicht, einen ressourcenschonenden Wohnungsbau im Bestand vorantreibt und die tatsächlichen Bedürfnisse der Bewohner*innen im Blick hat. Das sind in unseren Augen kürzeste Wege zu naturnahen Erholungsräumen, zur (Nah-)versorgung und zur Arbeit sowie bezahlbarer Wohnraum und ein verträgliches Stadtklima.

Alte Menschen, Menschen mit Gehbehinderung und größere Familien sind gerade für den Einkauf oftmals auf ihr Auto angewiesen. Häufig sind Parkplätze aber so überdimensioniert, dass selbst in Hochzeiten nur etwa die Hälfte der Plätze belegt ist. Hinzu kommt, dass Discounter auf wertvollem Bauland meistens nur einstöckig sind, obwohl die Parkfläche oder zusätzlicher Raum für Wohnen und Gewerbe sich auch sehr gut auf das  Dach verlagern ließe.

Kaum eine andere Stadt verfügt über ein so hohes Potential für Flächenrecycling, das eine Kombination aus Wohnen, Arbeiten, Naturschutz und Klimawandelanpassung ermöglicht, wie Berlin. Dazu zählen neben den überdimensionierte Parkplätzen und einstöckigen Discountern, Wohn- und Gewerbegebäuden auch großzügige asphaltierte Plätze, versiegeltes Brach- und überdimensioniertes Straßenland.

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dieses Potential zu dokumentieren und alle Berliner*innen dazu aufgerufen, uns Fotos von Flächen zuzuschicken, bei denen sie sich eine sozial und ökologisch nachhaltigere Nutzung vorstellen könnten.

Diesem Aufruf sind etliche gefolgt. Dafür möchten wir uns bei allen ganz herzlich bedanken!

Hier nun unser Best-of an versiegelten „Das-kann-weg!“-Flächen in Berlin:

Einstöckige Supermärkte und Einkaufscenter mit überdimensionierten Parkplätzen

  • Birkbuschstr_TiloSchuetz
    Birkbuschstr. (c) Tilo Schütz
  • Bornholmer2_TiloSchuetz
    Bornholmer Str. (c) Tilo Schütz
  • Durlach2_TiloSchuetz
    Durlacher Str. (c) Tilo Schütz
  • Eastgate_Marzahner_Promenade_AFT
    Marzahner Promenade (c) Andreas Faensen-Thiebes
  • EinstöckigeSupermärkteaufehemKleingartenkolonie_Dietrichinger_Str_Wittenau_AFT
    Supermarkt auf ehemaliger Kleingartenkolonie: Dietrichinger Str. (c) Andreas Faensen-Thiebes
  • ErichWeinertStr_TiloSchuetz
    Erich-Weinert-Str. (c) Tilo Schütz
  • HeinrHeine_TiloSchuetz
    Heinrich-Heine-Str. (c) Tilo Schütz
  • Herthastr_TiloSchuetz
    Herthastr. (c) Tilo Schütz
  • Hohenzollerndamm_TiloSchuetz
    Hohenzollerndamm (c) Tilo Schütz
  • Manteuffelstr_TiloSchuetz
    Manteuffelstr. (c) Tilo Schütz
  • MöllendorfStorkower_TiloSchuetz
    Storkower Str. / Möllendorffstr. (c) Tilo Schütz
  • Streustr_TiloSchuetz
    Streustr. (c) Tilo Schütz
  • Supermarktparkplatz_Greifswalderstr_Andrea_Geldner
    Greifswalder Str. (c) Andrea Geldner
  • TeDammWolffring_TiloSchuetz
    Tempelhofer Damm / Wolffring (c) Tilo Schütz
  • Werbelliner_Mainer_Str_am_Sudhaus_Holger_Einfinger
    Werbelliner Str. (c) Holger Einfinger

 

Sterile Plätze und überdimensioniertes Straßenland

  • Tilla-Durieux-Park2_PotsdamerPlatz_Edelgard_Achilles
    Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz (c) Edelgard Achilles
  • Tilla-Durieux-Park1_PotsdamerPlatz_Edelgard_Achilles
    Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz (c) Edelgard Achilles
  • Tilla-Durieux-Park_PotsdamerPlatz_Edelgard_Achilles
    Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz (c) Edelgard Achilles
  • SFriedrichstr_Richard_Karty
    S-Bhf. Friedrichstr. (c) Richard Karty
  • RotesRathaus_Andrea_Geldner
    Rotes Rathaus (c) Andrea Geldner
  • Nollendorfplatz2_Richard_Karty
    Nollendorfplatz (c) Richard Karty
  • Nollendorfplatz_Richard_Karty
    Nollendorfplatz (c) Richard Karty
  • IMG_20151123_154255-lines-S
    (c) Richard Karty
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    Kulturforum (c) Richard Karty
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    (c) Richard Karty
  • Mall_of_Berlin_Richard_Karty
    Leipziger Platz (c) Richard Karty
  • Marchlewskystr_Hildegard_Jadamowitz_Str_Carsten_Reetz
    Marchlewskystr. / Hildegard-Jadamowitzstr. (c) Carsten Reetz
  • Mendelsohn-Schaubuehne_Richard_Karty
    Mendelsohn-Bau, Schaubühne (c) Richard Karty
  • MosischEcke Kiefholzstrasse_ehemaliger_Schulhof_Baumschulenweg_Michaela_Pietrzik
    Ehemaliger Schulhof Baumschulenweg (c) Michaela Pietrzik
  • FU_Berlin_Sean_Nowak3
    FU Berlin (c) Sean Nowak
  • FU_Berlin_Sean_Nowak2
    FU Berlin (c) Sean Nowak
  • FU_Berlin_Sean_Nowak
    FU Berlin (c) Sean Nowak
  • Dreieck Kurfürstendamm_Damaschkestraße_Lehniner Platz_Philipp_Michael
    Dreieck Kurfürstendamm / Damaschkestraße / Lehniner Platz (c) Philipp Michael
  • Beitragsbild_Richard
    (c) Richard Karty
  • Antonplatz2_Pankow_AndreaGeldner
    Antonplatz (c) Andrea Geldner
  • 20200428_155257-lines-S
    (c) Richard Karty
  • 20200429_132259-lines-S
    (c) Richard Karty
  • Alexanderplatz_Richard_Karty
    Alexanderplatz (c) Richard Karty

Platz für Nachverdichtung

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    leer-stehendes Parkhaus in der Luxemburger Str. (c) Tilo Schütz
  • Platz_fuer_Wohnungsbau_LeinestrHermannstr_Holger_Einfinger
    Aufstockungspotential für Wohnungsbau in der Leinestr. (c) Holger Einfinger
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    Aufstockungspotential für Gewerbe in der Anulfstr. (c) Roman Grabert
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Bauscham statt Bauwahn https://umweltzoneberlin.de/2020/09/03/bauscham-statt-bauwahn/ https://umweltzoneberlin.de/2020/09/03/bauscham-statt-bauwahn/#comments Thu, 03 Sep 2020 12:44:10 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5642 In der Neuauflage seiner Streitschrift „Verbietet das Bauen“ legt Daniel Fuhrhop dar, warum Neubau nicht das Geringste am Wohnungsmangel ändert, und stellt 100 Instrumente vor, wie bezahlbarer Wohnraum zu organisieren und die Flächenversiegelung zu stoppen ist. Eine Buchempfehlung.

Wenn es um Wohnungsbau geht, scheinen sich in Deutschland alle einig zu sein. Von CDU/CSU bis zur Linken, von der Immobilienwirtschaft bis zu den Mieterverbänden fordert man unisono „bauen, bauen, bauen!“. Zwar schwören die einen auf die wundersamen Kräfte des Marktes, während die anderen staatliche Lenkung in Form von kommunalem Wohnungsbau bevorzugen – ob aber wirklich neu gebaut werden muss, stellt niemand infrage.

Wirklich niemand? Nun, richtig viele Neubaufans gab es in der Umweltszene noch nie. Der BUND etwa fordert seit Jahren null Hektar Neuversiegelung, dass also nur auf ohnehin schon versiegelten Flächen gebaut wird beziehungsweise dass für jeden neu versiegelten Quadratmeter ein Quadratmeter an anderer Stelle entsiegelt werden muss. Aber kaum jemand hat die Sache so konsequent weitergedacht wie Daniel Fuhrhop. „Verbietet das Bauen“ lautet der durchaus ernstgemeinte Titel seiner 2015 publizierten Streitschrift, die jetzt in deutlich erweiterter und aktualisierter Form neu erschienen ist.

Warum das Bauen verbieten? Dafür führt der ehemalige Architekturverleger und heutige Wohnforscher Fuhrhop im Wesentlichen zwei Gründe auf. Erstens ist das Bauen eine Anhäufung ökologischer Probleme: Flächenversiegelung, Grünlandverlust, längere Verkehrswege in die Neubaugebiete, jede Menge Müll beim Abriss, hoher Energie- und Ressourcenverbrauch beim Neubau … Das alles ist nicht unbedingt neu. Bemerkenswert strikt ist aber die Konsequenz, die Fuhrhop daraus zieht, eben das Bauen gänzlich zu unterlassen. Und zwar ohne Ausnahme. Denn auch die vermeintlich ökologisch vorteilhaften Niedrig- oder Passivenergiehäuser schneiden in seiner Gesamtbetrachtung schlecht ab – staatlich besiegelte Ineffizienz nennt er DGNB-Siegel und KfW-Effizienzhaus 70.

Das zweite Argument für den Baustopp lautet: Bauen lindert nicht die Wohnungsnot, statt Wohnungsmangel herrscht eine Überversorgung. Um das zu untermauern, führt Fuhrhop das Beispiel Hamburg an: Dort wurden 2018 etwa 10.000 neue Wohnungen gebaut, was etwa dem Bevölkerungszuwachs entspricht. Gleichzeitig leben zwei Menschen in einer Neubauwohnung. So gerechnet wurden 5.000 Wohnungen zu viel gebaut, dennoch ändert sich kaum etwas an der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt. Eine lokale Momentaufnahme? Über längere Zeit und auf Bundesebene sind die Zahlen noch deutlicher: Zwischen 1993 und 2018 wuchs die Einwohnerschaft um zwei Millionen, im gleichen Zeitraum entstanden sieben Millionen neue Wohnungen.

Wie kommt es zu diesem Überangebot an Wohnraum? Zunächst ziehen (vor allem junge) Menschen aus wirtschaftlich schwachen Regionen in die Boomstädte und hinterlassen in ihrer alten Heimat ungenutzten Wohnraum.  Auf dieses Problem reagieren die schrumpfenden Städte bizarrerweise mit Neubau, wie Fuhrhop an den Beispielen Wuppertal und Cottbus zeigt. Sie hoffen, mit neuen Wohnungen oder günstigem Bauland innerhalb der Stadtgrenzen Wegzugwillige umstimmen zu können – und verstärken damit Verödungstendenzen ihrer Innenstadtbereiche. Das gilt nicht nur für Wohn-, sondern auch für Büro- und Gewerbeflächen.

In den Schwarmstädten hingegen bringt auch jahrelang anhaltender Neubau nicht den lauthals versprochenen günstigen Wohnraum für alle. Im Gegenteil: Der von Niedrigzinsen angefeuerte Immobilienkauf und -bau macht für viele Alteingesessene das Wohnen unerschwinglich. Fuhrhop beschreibt diese Entwicklung mit dem Begriff der Investification, die der Gentrification gefolgt ist. Für ihn sind „heute weniger die wirklich zuziehenden Reichen das Problem. Schlimm sind die von Reichen gekauften Wohnungen, die diese gar nicht zum Wohnen brauchen und die deshalb meist leerstehen. […] Denn jetzt ziehen nicht allein andere Menschen in die Städte, das Geld zieht ein.“ Dieses Phänomen tritt auch in Berlin auf. Spaziert man beispielsweise durch die Neubauquartiere am Gleisdreieckpark oder an der Bundesdruckerei, so fällt auf, wie viele Balkone verwaist und wie wenig Wohnungen abends beleuchtet sind.

Wenn der Befund stimmt, dass das Bauen kein Grundrecht ist und mittlerweile genug Häuser gebaut wurden – wie stoppen wir dann den umweltschädlichen und unnötigen Neubau? Dazu bietet Daniel Fuhrhop einen Baukasten von nicht weniger als 100 Werkzeugen an. Einige richten sich an Politik und Verwaltung, manche an Architekt*innen und Eigentümer*innen, andere an Mieter*innen, einige an alle zusammen: Abriss verhindern, versteckte finanzielle und ökologische Kosten beim Neubau offenlegen, Leerstand erfassen und sinnvoll nutzen, berufliche und private Platzverschwendung beenden, vermeintliche Bausünden der Nachkriegszeit wertschätzen, – und natürlich die drei U fördern: Umbau, Untervermietung, Umzüge (in kleinere Wohnungen).

Wer aus der oben erwähnten großen Koalition für das Bauen sollte sich für einen Paradigmenwechsel starkmachen? Fuhrhop zufolge wäre das im Sinne aller relevanten politischen Parteien, denn: „Es ist weder links noch rechts, das Bauen zu verbieten, sondern eine Frage der Vernunft. Konservativ ist es, unsere Häuser und Städte zu bewahren, sozial ist, teuren Neubau abzulehnen, ökologisch, energieintensiven Neubau zu meiden, und liberal, die Freiheit auch für die Wenigverdiener und kommende Generationen zu erhalten.“

Daniel Fuhrhop: „Verbietet das Bauen! Streitschrift gegen Spekulation, Abriss und Flächenfraß“. Oekom, München 2020, 222 Seiten, 15 Euro, ISBN 978-3-96238-194-3

Das Blog zum Buch: www.verbietet-das-bauen.de

Daniel Fuhrhop im Interview mit der BUNDzeit: https://www.bund-berlin.de/service/meldungen/detail/news/wenn-neubau-alle-probleme-loeste-gaebe-es-in-berlin-laengst-keinen-wohnungsmangel-mehr/?tx_bundpoolnews_display%5Bfilter%5D%5Btopic%5D=61&cHash=271e2470845d6d3d6d8aa880d922c13a

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Zwischen nützlich und nostalgisch: Gebrauchtwaren für alle https://umweltzoneberlin.de/2020/08/20/zwischen-nuetzlich-und-nostalgisch-gebrauchtwaren-fuer-alle/ https://umweltzoneberlin.de/2020/08/20/zwischen-nuetzlich-und-nostalgisch-gebrauchtwaren-fuer-alle/#respond Thu, 20 Aug 2020 10:21:22 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5632 Vom Namen her reiht sie sich in den Bestand der Berliner Kaufhäuser wie „Mall of Berlin“ und „East Side Mall“ ein. Doch das Angebot in der „NochMall“[1] ist etwas anders. In dem neuen Gebrauchtwarenkaufhaus, das von der Berliner Stadtreinigung (BSR) betrieben wird, gibt es ausschließlich „altgediente“ Einzelstücke.

Alle Gegenstände, die die zahlreichen Besucher*innen am 8. August 2020, dem Eröffnungstag, in ihre orangefarbenen Trolleys legen, haben bereits ein Leben hinter sich. Sie stammen aus Berliner Haushalten und wurden von der BSR eingesammelt. Tatsächlich ist von der Bratpfanne über die Katzentransportbox bis zum antiken Schaukelstuhl alles dabei. Die Regale werden aus den Beständen der Wertstoffhöfe Lengeder Straße in Reinickendorf und Hegauer Weg in Zehlendorf gefüllt. Wer noch gut brauchbare Dinge loswerden, aber nicht der Tonne überlassen möchte, kann diese nun Montag bis Samstag zwischen 10 bis 18 Uhr in die Auguste-Viktoria-Allee 99 in 13403 Berlin-Reinickendorf bringen.

Wie viele – einst teuer gekaufte und dann vergessene – Dinge in manchen Kellern verstaut sind, ist manchen Berliner*innen besonders in diesem Frühjahr bewusst geworden. Von Schlangen vor Wertstoffhöfen war in den Nachrichten zu hören, da die Zeit in den eigenen vier Wänden für Aufräumarbeiten genutzt wurde. Unter dem abgegebenen „Sperrmüll“ und „Elektroschrott“ fanden sich sicherlich noch viele gebrauchsfähige Gegenstände, die einfach nicht mehr benötigt werden. Diese aufwändig produzierten Waren wurden bisher leider im besten Fall nur in ihre Einzelteile zerlegt und die Wertstoffe in den Stoffkreislauf zurückgeführt, um daraus neue Waren herzustellen[2]. Dabei können die Ressourcen und Energie, die für die neue Produktion und auch fürs Recycling noch nötig sind, gespart werden, wenn die intakten Gebrauchtwaren so wie sie sind weitergenutzt werden. Dies soll die NochMall ermöglichen.

Das Prinzip ist nicht neu, sondern von Flohmärkten und Second-Hand-Shops gut bekannt. Dennoch ist es ein beachtlicher Schritt, um den Kauf von gebrauchten Waren wirklich in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Der BUND fordert deshalb schon lange nicht nur ein Gebrauchtwarenkaufhaus, sondern auch, die Entsorgungsbetriebe verbindlich dazu zu verpflichten, Intaktes und Reparierbares vor der Schrottpresse zu bewahren.[3] Nun verwirklicht sich diese Idee in Berlin erstmals im Stadtteil Reinickendorf.

Der Geschäftsführer der NochMall, Frieder Söling, betont bei der Eröffnung, wie wichtig die Inspirationen durch andere Gebrauchtwarenkaufhäuser wie „Stilbruch“[4] in Hamburg und „Halle 2“[5] in München waren. Er sieht die NochMall auch für die bestehenden Berliner Gebrauchtwarenhäuser nicht als Konkurrenz, sondern möchte mit diesen kooperieren.[6] Insgesamt ist aber noch mehr geplant. Vereine und Initiativen aus dem Bereich Kreislaufwirtschaft sind eingeladen, die Räume zu nutzen, um mit Workshops oder Repair Cafés Nachhaltigkeit erlebbar zu machen. Dafür steht im oberen Geschoss der NochMall ein Werkstattbereich zur Verfügung. Zum Auftakt konnten interessierte Besucher*innen dort mit dem Verein Kunststoffe[7] aus kaputten Fahrradschläuchen Stempel herstellen. Ein vielversprechender Start für viele spannende Angebote, die in der Berliner Re-Use-Szene auf jeden Fall zu finden sind.

Einen eigenen Eindruck von der NochMall können sich sowohl Sparfüchse als auch Schatzsucher*innen künftig jeweils Montag bis Samstag zwischen 10 bis 18 Uhr machen.

Am Eröffnungstag zeigte sich bereits das große Interesse an dem neuen Gebrauchtwarenkaufhaus. Viele Besucher*innen gingen mit vollen Taschen Richtung Ausgang. Ein guter Schritt in Richtung Zero-Waste-Hauptstadt, der Potenzial zum Weiterdenken bietet: Immerhin gibt es in Berlin noch mehr Wertstoffhöfe in anderen Stadtteilen, an denen eine Abgabe noch verwendbarer Gegenstände bislang leider nicht möglich ist…

 

[1]    https://www.nochmall.de/

[2]    https://www.bsr.de/elektrogeraete-20292.php

[3]    https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/47

[4]    https://www.stilbruch.de/

[5]    https://www.awm-muenchen.de/abfallvermeidung/halle-2.html

[6]    https://youtu.be/3Hy1ww79r7c?t=1967

[7]    https://kunst-stoffe-berlin.de/

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Treffpunkt grüne Klinik: Ein Spaziergang durch Berlin https://umweltzoneberlin.de/2020/08/12/treffpunkt-gruene-klinik-ein-spaziergang-durch-berlin/ https://umweltzoneberlin.de/2020/08/12/treffpunkt-gruene-klinik-ein-spaziergang-durch-berlin/#comments Wed, 12 Aug 2020 08:40:14 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5581 Überall in Berlin gibt es Orte, die zum Spaziergang einladen. Besonders an heißen Tagen bieten zum Beispiel Friedhöfe oder Schlossgärten willkommene Abkühlung. Als grüne Rückzugsorte schützen sie gegen Hitzewellen, die der Klimawandel immer häufiger auslöst. Was bisher wohl kaum jemand wahrnimmt: Auch Kliniken tragen unlängst zum Stadtgrün bei und gehören nicht weniger zu den „festen Größen“ der Berliner Bezirke. Einige Kliniken gleichen regelrechten Oasen: Sie begrünen kreativ und verfügen über weiträumige, zumeist öffentlich zugängliche, Flächen. Manche Berliner Kliniken halten größentechnisch problemlos mit dem Volkspark Friedrichhain oder dem Schlossgarten Charlottenburg mit. Einige besitzen darüber hinaus nicht weniger Grün als diese bekannten Anlagen, die sowohl Berliner als auch Touristen anziehen. Auch wenn Kliniken sicherlich nicht als touristisches Massenausflugsziel in Frage kommen, steckt hinter der „medizinischen Fassade“ viel mehr. Kliniken öffnen in erster Linie als soziale Einrichtungen ihre Pforten – begrüßen also nicht nur Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden, Klinikpersonal oder Patientenbesuch. Als gesellschaftliche Treffpunkte mit naturnaher Gestaltung fördern sie vielmehr Durchmischung und leisten zudem wichtige Klimaanpassung in Zeiten zunehmender Wetterextreme.

Überzeugen Sie sich gerne selbst. Wir laden Sie ein, am Stadtspaziergang „Treffpunkt grüne Klinik“ teilzunehmen. Gemeinsam widerlegen wir Klischees, denn statt Sirenen lauschen wir Wildbienen und Vögeln. Anstelle steriler Gebäude stoßen wir auf satte Blumenwiesen und üppige Dachgärten. Da sich unsere Route bewusst nicht an bekannten Sehenswürdigkeiten orientiert, sparen wir uns die berühmte Charité und beginnen auch nicht im Zentrum, sondern starten in Lichtenberg.

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge – Eine Klinik im Landschaftspark

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge © Eva Loy
Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge © Eva Loy

Wer in Marzahn die Rhinstraße Richtung Allee der Kosmonauten verlässt, stößt vor den Toren Lichtenbergs auf das beinruckende Anwesen des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge im Landschaftspark Herzberge, der im 19. Jahrhundert zum Krankenhaus gehörte. Der Gegensatz zum industriell geprägten Umfeld versetzt sofort ins Staunen. Im Landschaftspark wechselt sich u.a. Wald mit offener Wiese ab. Auf dem Gelände des Krankenhauses besitzt anteilige Fläche ebenso den Status eines Landschaftsschutzgebietes. Hier sollen gezielt Lebensräume für Arten wie Feldhasen, Zauneidechsen oder Habichte erhalten werden. Das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge zeigt: Grüne Kliniken steigern Biodiversität. Übrigens besitzt die Klinik eine eigene Tramhaltestelle. Mit der M8 erreichen Sie das Areal sogar auf direkten Wege vom Berliner Hauptbahnhof.

Alexianer St. Joseph–Krankenhaus Berlin-Weißensee – Ehemaliger Bauernhof mit grünen Fassaden

© Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee
St. Joseph Berlin Weißensee © Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee

Vom Osten brechen wir in den Nordosten auf und statten als nächstes dem Alexianer St. Joseph-Krankenhaus in Weißensee einen Besuch ab. Dem Lärm der Berliner Allee entfliehend, befinden wir uns plötzlich auf einer ruhigen und ziervollen Parkanlage. Das Alexianer St. Joseph-Krankenhaus begrünt überall: Auf Stationsdächern wachsen u.a. Rosmarinweide, Heckenkirsche und Ginster. An den Fassaden des Haupt- und Verwaltungsgebäudes ranken sich wiederum wilder Wein, Klettergurke und Clematis empor. Vor dem Hauptgebäude des Krankenhauses schlagen Magnolienbäume und alte Douglasien ihre Wurzeln. Ursprünglich gründeten die Alexianer Brüder das Krankenhaus im Jahr 1893 und betrieben dort einen Bauernhof. Als Selbstversorger nutzten die Brüder ihre Ernte zum Beispiel für eine eigene Bäckerei. Es gelang ihnen damals, den Bedarf des Krankenhauses vollständig zu decken. Unsere zweite grüne Klinik verdeutlicht: Stadtgrün kann und sollte alle freien Flächen nutzen, um Gebäude zu kühlen und Raum für eigenen Anbau zu schaffen.

Evangelische Elisabeth Klinik – Historischer Grünblick inmitten urbaner Moderne

Elisabeth Klinik © Manuel Tennert
Elisabeth Klinik © Manuel Tennert

Und weiter geht es:  Nun machen wir einen Abstecher nach Berlin Mitte. Unweit vom Potsdamer Platz befindet sich dort die Evangelische Elisabeth Klinik am Reichpietschufer. Hier kommt Dachbegrünung sogar unmittelbar vor Patientenzimmern zum Einsatz. Erwiesenermaßen trägt der Blick ins Grüne zur Genesung bei. Die Evangelische Elisabeth Klinik – gegründet 1837 von Pastor Johannes Gossner – war das erste evangelische Krankenhaus in Berlin. Auf diesem historischen Gelände umsäumt naturnahe Bepflanzung alte und neue Gebäudestrukturen mit Lavendel, Blütensalbei, Sommerflieder und sibirische Schwertlilien. Wer das Anwesen betritt, passiert eine der besten öffentlichen Cafeterien der Stadt: Pauls Deli. Die Kantine widerlegt den schlechten Ruf von Krankenhausküche – bietet ausschließlich frische und gesunde Kost an.

Evangelisches Krankenhaus Hubertus – Ein Paradies für Wildbienen im grünen Süden

Evangelisches Krankenhaus Hubertus ©Johannesstift Diakonie gAG
Evangelisches Krankenhaus Hubertus © Johannesstift Diakonie gAG
Evangelisches Krankenhaus Hubertus © Johannesstift Diakonie gAG

Nun machen wir einen großen Satz nach Süden, um genau zu sein nach Zehlendorf, und legen die Strecke bequem mit der S-Bahn Linie 1 Richtung Wannsee zurück. Vor der im Jugendstil erbauten Haltestelle Mexikoplatz geraten sofort uralte Bäume, symmetrische Grünanlagen und zwei Springbrunnen in den Blick. Von dort lassen sich gleich zwei grüne Kliniken zu Fuß erreichen. Alleen und bunte Vorgärten passierend, rechnet man kaum damit, dass es noch grüner wird. Das Evangelische Krankenhaus Hubertus überzeugt vom Gegenteil. Das natürlich begrünte Gelände, durchzogen von vielen Wegen, beherbergt alte Ginkgobäume, Wildblumenwiese und sogar eigene Nordmanntannen für die hausinterne Weihnachtsdekoration. Auch wilde Bienenvölker leben auf dem Anwesen. Kein Wunder, finden sie doch viele Blütenpflanzen wie Sonnen- und Kornblumen, Palmenlilien, Königskerzen, Rhododendron und Rosen vor.

Krankenhaus Waldfriede – Ökologischer Baumbestand im Jugendstilpark

Krankenhaus Waldfriede © René Scheiner
Krankenhaus Waldfriede © René Scheiner

Unsere zweite Station im grünen Süden der Stadt, das Krankenhaus Waldfriede, erreichen wir in 30 Gehminuten. Am Schlachtensee gelegen, pflegt die Klinik auf nur vier Hektar einen umfassenden Baumbestand mit zwölf Arten, die sich in einem stilvoll angelegten Jugendstilpark aufreihen. Die zu Kegeln geformten Eiben gesellen sich u.a. zu Zirbelkiefern, Serbischen Fichten, Sandbirken, Scheinakazien, Edelzypressen und Blutbuchen. Letztere kommen in der Natur und auch auf so manchem Krankenhausgelände insbesondere als Rotbuchen vor, die in ihrer Lebenszeit eine enorme Leistung als Senke und Speicher von Kohlenstoff vollbringen. Ein ausgewachsenes Exemplar, das sich als Solitärbaum in Höhe und Breite ausreichend entfalten konnte, bindet bis zu 4,2 Tonnen. Bäume gehören zu den wirkungsvollsten natürlichen Schöpfungen gegen den Klimawandel. Allein deswegen gilt es, unnötige Baumfällungen in der Stadt unbedingt zu vermeiden.

Wiegmann Klinik – Blühender Garten über den Dächern Berlins

Wiegmann Klinik ©DRK Kliniken Berlin
Wiegmann Klinik © DRK Kliniken Berlin

Der Westen der Stadt darf auf unserem Spaziergang natürlich nicht fehlen. Am Spandauer Damm unweit des Schlosses Charlottenburg befindet sich die Wiegmann-Klinik. Gleich hinter der Eingangspforte beginnt eine Wiese mit Bänken zum Verweilen und Skulpturen mit therapeutischer Wirkung. Das gesamte Gelände gleicht einem Kunstwerk. Die Wiegmann-Klinik besitzt zudem einen der eindrucksvollsten Dachgärten Berlins, dessen abwechslungsreiche Blühfolge über das gesamte Jahr beglückt. Im Frühling sprießen dort beispielsweise Tulpen, Hyazinthen, Osterglocken und Vergissmeinnicht. Nach Maiglöckchen und Pfingstrosen liegt im Sommer ein Schwerpunkt auf bienenfreundlichen Pflanzen wie Lavendel, Malven, Ringelblumen, Margeriten, Löwenmaul und Lichtnelken. In einer Obstecke wachsen außerdem Johannisbeersträuchern, ein Apfelbaum, ein Kirschbaum sowie Himbeeren und Kräuter. Ein kleiner Schattenbereich ist mit Blauregen berankt. Der Dachgarten dient als Therapieort für Patienten und steht auch Mitarbeitern offen. Begrünung trägt nicht nur zur Gesundung bei, sondern steigert auch das Wohlbefinden des Personals.

Karl-Friedrich-Bonhoeffer Nervenklinik – Vom Krankenhaus zum Wald in der Stadt

Karl-Friedrich-Bonhoeffer Nervenklinik © Eva Loy
Karl-Friedrich Bonhoeffer Nervenklinik © BUND Berlin

Unser Spaziergang „Treffpunkt grüne Klinik“ endet im Norden Berlins. Die Route wäre auch unvollständig, würde die ehemalige Karl-Friedrich-Bonhoeffer Nervenklinik in Wittenau fehlen. Zuletzt als Vivantes-Humboldt-Klinikum bekannt, besitzt das Anwesen weiterhin eine eigene S-Bahn-Station, die an den ursprünglichen Namen der Klinik erinnert. Vom Bahnhof Friedrichstraße fährt die S-25 direkt vor die Haustür. Kaum setzt man einen Fuß auf das Gelände, bricht die urbane Atmosphäre unmittelbar ab und das historische, vollständig bewachsene Hauptgebäude gerät in die Perspektive von Besuchern. Sofort dominiert eine waldartige Bepflanzung mit überwucherten Bäumen. Nach dem Rückzug von Vivantes kamen diverse Nachnutzungsideen auf den Tisch. Derzeit dient das große Areal u.a. als Wohnraum für neu angekommene Asylsuchende. Doch auch viele bereits in Berlin Beheimatete finden ihren Weg dorthin und sollten sich auch weiterhin an der schönen Anlage erfreuen können. Die Karl-Friedrich-Bonhoeffer Nervenklinik ist ein gutes Beispiel für Durchmischung an einem grünen Ort. Lesen Sie dazu auch den Blogbeitrag „Bebauungsplan Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik“

 

Fazit: Grüne Stadtentwicklung bedeutet Gesundheitsschutz

In Berlin lädt gut die Hälfte von insgesamt 10.675 Hektar begrünter Stadtgebietsfläche zum Spaziergang ein. Unsere gemeinsame Route verdeutlichte den bemerkenswerten Beitrag, den Kliniken dazu bereits leisten. Um Berlin besser gegen Hitzewellen zu wappnen, brauchen wir zukünftig noch viel mehr. Ein hoher Begrünungsanteil sorgt schließlich dafür, dass die Temperatur im Sommer sinkt und zudem mehr Regen fällt. Anhaltende Werte über 30 Grad, geradezu tropische Nächte und Trockenheit scheinen sich aktuell zu einem bedrohlichen Regelfall mit verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen zu entwickeln. Allein im Sommer 2018 starben in Berlin laut Robert-Koch-Institut fast 500 Menschen in Folge von Hitzewellen. Begrünung sieht also nicht nur ansprechend aus und spendet Kühle: Sie rettet auch Leben und entlastet Kliniken. Denn Hitzeerkrankungen erfordern oft stationäre Behandlung und somit steigen an heißen Tagen die ohnehin hohen Versorgungsansprüche. Einige der insgesamt 85 Häuser in Berlin verbessern mit ihrem Engagement und Ihrer Kreativität bereits aktiv das urbane Mikroklima. Weitere Kliniken können diesen positiven Beispielen folgen und jetzt über neue Begrünungskonzepte nachdenken. In jedem Fall sollte sinnlose Bebauung und Bodenversiegelung auf ihrem Gelände ab sofort Tabu sein. Dabei benötigen Kliniken Unterstützung und zwar nicht nur als medizinische Dienstleister, sondern auch als grüne Begegnungsorte mit sozialer Mission. Kliniken erfüllen ihren Auftrag am Menschen zukünftig nur, wenn grüne Stadtentwicklung auch unter der Überschrift Gesundheitsschutz geschieht.

PS Einige der im Text erwähnten Kliniken nehmen an Projekten des BUND Berlins zu Klimaschutz im Gesundheitswesen teil.

Weiterführende Links

Webinformation des Senats zu Daten von öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen

Webinformation des Statistischen Bundesamtes zu Krankenhäusern nach Bundesländern

Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts zu hitzebedingten Sterbefällen im Sommer 2018

Blogbeitrag des BUND Berlin zur Karl-Friedrich-Bonhoeffer Nervenklinik als Ausflugtipp

Webinformation zum Förderprogramm des Senats GrünDachPlus

Artikel über die Geschichte des Alexianer St. Joseph Krankenhauses in Weißensee in der Berliner Woche

Broschüre des Umweltbundesamtes zu Hitze in der Stadt und Klimaanpassung

Webinar Aufzeichnung zur Veranstaltung „Grüner Plan für heiße Städte“ von Bündnis 90 die Grünen

Broschüre des Berufsverbandes für Pflegeberufe zum Umgang mit den Auswirkungen von Wetterextremen

Informationen über Klimawandel und Gesundheit auf der Webseite des Projektes KLIK green

Webinformation zu Klimaschutz im Gesundheitswesen beim BUND Berlin

Webinformation zur Dachbegrünung der Wiegmann-Klinik

Webseite der Krankenhaus-Cafeteria Pauls Deli

Webinformation zum Landschaftsschutzgebiet Herzberge

Webinformation von CO2-Online zur CO2 Bindung durch Buchen

Literatur

Ruheinsel inmitten der Stadt: Ein Interview mit Kurt Kastellan, einem ehemaligen Gärtner des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee (Quelle: Quelle: Jubiläumbroschüre des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses Berlin-Weißensee: Für die Menschen – mit den Menschen, 2018

Titel: St. Joseph Berlin Weißensee © Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee

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Einig in der Ratlosigkeit https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/ https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/#respond Tue, 14 Jul 2020 08:06:41 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5570 Wie verschafft man Abfallkonzepten eine hohe Verbindlichkeit im alltäglichen Regierungshandeln? Dass sie dafür keine Patentrezepte im Angebot haben, einte die umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen als Gäste beim Politischen Salon des BUND. Das bedeutet aber nicht, dass sie überhaupt keine Ideen rund um Müllvermeidung und Ressourcenschutz haben.

Wie derzeit üblich fand der Politische Salon des BUND am 24. Juni als Zoom-Konferenz statt. Das tat dem Interesse des abfallpolitisch interessierten Fachpublikums allerdings keinen Abbruch, nahezu alle 99 verfügbaren Zugänge waren vergeben. An Ideen, wie das Berliner Müllaufkommen zu reduzieren sei, fehlte es der von Kai Schächtele moderierten Runde der umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen nicht. Mehr Abfallaufklärung an den Schulen forderte Marion Platta (Linke), Georg Kössler(Grüne) schlug eine Abgabe auf To-go-Geschirr nach Tübinger Vorbild[1] vor („eine Abgabe auf Kaffeebecher wäre das Mindeste“) und Daniel Buchholz (SPD) mahnte Berichtspflichten und eine Schärfung der Zielvorgaben an.

Auf die Leitfrage des Abends, die BUND-Abfallreferent Tobias Quast gleich zu Beginn stellte, nämlich wie solche Vorgaben verbindlich in das Abfallwirtschaftskonzept 2020–2030 (AWK)[2] hineinkommen können, fiel den Fachpolitiker*innen der Koalition die Antwort jedoch schwer. Sie verwiesen lediglich darauf, dass das AWK nach der Sommerpause im Abgeordnetenhaus behandelt werde und Korrekturen somit noch möglich seien. Dies hätte eigentlich eine Steilvorlage für Danny Freymark sein können, der die oppositionelle CDU in der Runde vertrat. Doch der Christdemokrat zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit dem AWK, das besser als das vorherige (2010–2020) sei, lediglich für den Erhalt des Holsystems bei der haushaltsnahen Altglassammlung[3] forderte er konkrete Zeitpläne.

Im Laufe der zweistündigen Diskussion kamen aus dem Publikum deutlich mehr Fragen, als behandelt werden konnten (rein rechnerisch stellte jede*r vierte Zuschauer*in eine Frage – die Zero-Waste-Community ist ein sehr aktives Publikum!). Eine davon war, ob Mehrwegsysteme künftig gefördert werden sollen. Daniel Buchholz verwies darauf, dass das Land Berlin das Recup-System heute schon fördere. Auf Landesebene eine Abfallabgabe für Einwegprodukte einzuführen, könne er sich nicht vorstellen. Anders dagegen Danny Freymark, der das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt sehen wollte und mit Augenzwinkern anmerkte, als Christdemokrat könne er durchaus über Verbote diskutieren, und das nicht nur in der Innenpolitik. Zugleich wurde bei Freymark deutlich, dass er Abfallprobleme an erster Stelle mit der Vermüllung des öffentlichen Raums (Littering) zu verbinden scheint. Seinen Gegenspieler fand er an dieser Stelle in Georg Kössler, der sich überzeugt zeigte, die direkte Ansprache von auf frischer Tat ertappten Müllwegwerfer*innen durch das Ordnungsamt, wie es die Wiener „Waste Watcher“[4] praktizieren, funktioniere hier nicht – schließlich sei Berlin die Stadt der Freiheit. Betterworldcup, ein Erfolgsmodell? Diese Einschätzung von Daniel Buchholz wollte Tobias Quast so nicht stehenlassen. Die Initiative sei zu stark auf die private Nutzung von To-go-Bechern ausgerichtet und damit auf eine Zielgruppe, die man dadurch kaum erreiche. Daher fordere der BUND einen Mix nicht nur aus Verboten und Besteuerung, sondern auch aus Förderung von Mehrwegsystem.

Die zweite Stunde des Politischen Salons konzentrierte sich auf die Frage, wie die zahlreichen Zero-Waste-Initiativen Berlins – der BUND zählt über 200 von ihnen – besser geholfen werden könne. Einigkeit herrschte unter den Fachpolitiker*innen von Regierung und Opposition, dass der fehlende Raum das größte Problem der Initiativen sei. Marion Platta machte deutlich, man müsse die eingesetzten (finanziellen) Ressourcen sinnvoll bündeln, „sonst kommen wir von der Projekteritis nicht weg“. In welcher Dimension hier gedacht werden muss, machte Tobias Quast klar, als er 100 Umweltzentren forderte, also eines für jeden Berliner Ortsteil. Diese Umweltzentren, die neben Begegnungsstätte auch Repair-Café und Gebrauchtwarenkaufhaus sein sollen, könnten zum Teil in von Schließung betroffenen Einzelhandelsflächen untergebracht werden, lautete eine Anregung aus dem Publikum. Auch dies fand die Zustimmung der umweltpolitischen Sprecher*innen – freilich nur dann, wenn der Einzelhandel tatsächlich nicht mehr zu retten ist.

Welchen Schluss könnten Abfallexpert*innen und interessierte Lai*innen nun aus diesem Politischen Salon ziehen? Zum einen, dass die Fachpolitiker*innen durchaus ein Bewusstsein für die Probleme und Herausforderungen der Abfallpolitik haben und konstruktive Kritik interessiert aufnehmen. Zum anderen, dass sie in ihren eigenen Fraktionen noch einiges an Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten haben. Im Fall des noch zu verabschiedenden AWKs kann man sie dabei unterstützen, nämlich mit Verbesserungsvorschläge

Servicehinweis: Der BUND übernimmt gern die Aufgabe, die Anregungen zu bündeln und an die Fraktionen weiterzuleiten. Korrekturvorschläge am AWK bitte bis Ende August an zerowaste@BUND-Berlin.de

 

[1]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/111

[2]https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/abfall/konzept_berlin/download/AWKBerlin2020-2030.pdf

[3]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/114

[4]https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/strassenreinigung/wastewatcher.html

 

Aufzeichnung des politischen Salons

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Amazonien brennt und Brüssel entscheidet https://umweltzoneberlin.de/2020/07/09/amazonien-brennt-und-bruessel-entscheidet/ https://umweltzoneberlin.de/2020/07/09/amazonien-brennt-und-bruessel-entscheidet/#respond Thu, 09 Jul 2020 11:07:19 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5545 Die Bilder, die uns im Laufe des letzten Jahres aus dem Amazonasgebiet erreichten, haben verschreckt, verstört und frustriert. Der Amazonas stand in Flammen, denn große Teile des Regenwaldes fielen Brandstiftern zum Opfer, welche die Gebiete landwirtschaftlich nutzbar machen wollten. Besonders in Brasilien nahmen die Brandherde riesige Ausmaße an und anstatt diesen Prozessen mit entschiedenen Worten und Taten entgegenzuwirken, befeuerte die brasilianische Politik und damit insbesondere Präsident Bolsonaro die Menschen in ihrem Tun.

Wer nun denkt, dass es sich hierbei um ein nationales Problem handelt, dass Deutschland und man selber damit nichts zu tun haben, der liegt leider falsch. Denn genau zu jener Zeit, im Sommer 2019, als die Feuer am stärksten wüteten, wurde in Brüssel eine Entscheidung getroffen, die vielleicht folgenschwerer für das Amazonasgebiet nicht hätte sein können: die Überführung der Arbeiten am Mercosur-Abkommen in die Endphase.
Durch das Handelsabkommen Mercosur zwischen europäischen und südamerikanischen Ländern wie Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay soll eine Freihandelszone geschaffen werden. Diese soll die Wirtschaft der unterschiedlichen Staaten fördern, indem sie den Export in die jeweilig anderen Länder vereinfacht. Auf jeder Seite gibt es Güter, deren Export besonders vom Abkommen profitieren. Auf südamerikanischer Seite sind dies Agrarprodukte, auf europäischer Seite Maschinen, Chemikalien und Autos.

Seit dem Jahre 1995 werden die Bedingungen des Abkommens verhandelt. Obwohl seit dieser Zeit viel geschehen ist, scheinen die Vertragspartner an diesem Punkt stehen geblieben zu sein, denn anstatt Regulierungen zur Verbesserung der Bewirtschaftungsweise für landwirtschaftliche Produkte und der Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen bei der Produktion zu entwerfen, wurden keine verpflichtenden Umwelt-Auflagen im Abkommen beschlossen. Im Umkehrschluss bedeutet das Inkrafttreten des Abkommens also, dass Agrarprodukte ohne Herkunfts- und Anbauprüfung nach Europa exportiert werden können. Ihr niedriger Preis fußt sowohl auf der Ausbeutung von Arbeitskräften, als auch auf der Zerstörung der Umwelt, wie man am Beispiel Brasiliens gut erkennen kann.

Leider ist das nicht alles. Falls die Ware aus Südamerika den europäischen Markt erreicht, hätten europäische Produkte, welche unter zum Teil strengen Regulierungen produziert werden, keine Chance mehr gegenüber ihrem südamerikanischen Äquivalent im Wettbewerb zu bestehen. Das heißt, dass sich nicht nur die ökologischen Bedingungen in Brasilien verschlechtern könnten, sondern auch hier.

Kritiker*innen an Freihandelsabkommen werden immer wieder damit konfrontiert, Zusammenhänge nicht richtig zu erfassen und den gewinnbringenden Teil der Abkommen, der ja gerade für die weniger entwickelten Länder immens sein soll, außen vor zu lassen.

Ist das Abkommen also gut für die Menschen in den Mercosur-Staaten?
Das kommt wohl darauf an, wen man und wann man ihn fragt. 40% der Arbeiter*innen in Brasilien sind im landwirtschaftlichen Sektor tätig, das ist immens viel (im Vergleich Deutschland 1,4%!). Der Sektor erwirtschaftet 31% des BIPs, des Wirtschaftsvolumens des ganzen Landes, eine unvorstellbare Menge. Das Abkommen würde den Sektor weiter fördern, das würde von vielen als positiv bewertet werden: mehr Arbeitsplätze, mehr Lohn, mehr Sicherheit. Was vielen jedoch nicht klar ist: es ist nur eine Frage der Zeit bis sich dieser Aufschwung, in einen Abschwung verwandeln wird, der die Wirtschaft in eine große Krise stürzen könnte.
Diese Prophezeiung stützt sich auf zwei Thesen. Die erste ist, dass sich die gerodeten Böden des Amazonas schon bald nicht mehr für die landwirtschaftliche Nutzung eignen werden, sie werden erodieren und sich letztendlich in Wüste verwandeln. Die Farmer*innen, die dort arbeiteten, werden arbeitslos. Die zweite These ist, dass sich durch die Minimierung der Zölle auf Autos und Maschinenteilen aus Europa, welche durch das Abkommen geschaffen werden, der Mercosur-Markt für Hochprodukte aus Europa öffnet. Diese Hochprodukte, welche sich durch lange Produktionsketten auszeichnen, sind für die Wirtschaft besonders wichtig, da viele unterschiedliche Menschen an ihnen verdienen können. Was auf der europäischen Seite also von Vorteil erscheint, könnte in Südamerika dazu führen, dass durch den hohen Konkurrenzdruck der gewinnbringende Wirtschaftszweig zum Erliegen gebracht wird. In Kombination mit einer erhöhten Arbeitslosenquote im Agrarsektor und einer zerstörten Umwelt könnte dies zu unglaublich prekären Umständen in Südamerika führen.

Um dies zu verhindern, ist es wichtig, dass die Politik die Schwächen des Abkommens erkennt und behandelt. Falls dies nicht geschieht, gibt es nur einen Ausweg: Raus aus dem Mercosur-Abkommen.

PS Zur Deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli haben 60 zivilgesellschaftliche Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Landwirtschaft, Menschenrechte, Fairer Handel und Humanitäre Hilfe gegen das EU- Mercosur-Abkommen protestiert. Unter dem Motto „Zeit zum Umdenken: Kein Weiter so!“ haben sie einen gemeinsamen Aufruf veröffentlichen. Mehr dazu unter: www.stoppt-ttip-berlin.de

 

 

Die Autorin Laura Lange engagiert sich bei der BUNDjugend Berlin im Redaktionsteam

Links

BUND zu Wirtschaft und Handelpolitik

https://www.bund.net/ttip-ceta/

 

Das Netzwerk Gerechter Welthandel setzt sich ein für eine global gerechte, faire, nachhaltige und demokratische Außenwirtschaftspolitik. https://www.gerechter-welthandel.org/

Infos und Material zu Mercosur:

www.gerechter-welthandel.org/material/mercosur/

 

Gastbeitrag im Freitag „Welche Lehren die Handelspolitik aus der Coronakrise gerade im Hinblick auf den Klimawandel ziehen sollte“:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/weiter-so-1

 

Video:

 

Publikationen:

„Umwelt und Klimaschutz in Handelsverträge integrieren“

Abrufbar unter: https://power-shift.de/umwelt-und-klimaschutz-in-handelsvertraege-integrieren/

„Menschenrechte und Umweltschutz durch Rohstoffkapitel stärken“

Abrufbar unter: https://power-shift.de/menschenrechte-und-umweltschutz-durch-rohstoffkapitel-staerken/

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„Nutzungskonflikte“ – Berlin diskutiert die Frage nach genügend Raum zur Anpassung an den Klimawandel https://umweltzoneberlin.de/2020/06/15/nutzungskonflikte-berlin-diskutiert-die-frage-nach-genuegend-raum-zur-anpassung-an-den-klimawandel/ https://umweltzoneberlin.de/2020/06/15/nutzungskonflikte-berlin-diskutiert-die-frage-nach-genuegend-raum-zur-anpassung-an-den-klimawandel/#comments Mon, 15 Jun 2020 08:43:09 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5422 Zu behaupten, dass Berlin mit nicht genutzten versiegelten Flächen üppig und reichlich versorgt sei, wäre eine echte Untertreibung.

Wahrscheinlich hat keine andere Großstadt so viel versiegelte Flächen, die man anderweitig nutzen könnte, wie Berlin. Damit sind weder leerstehende versiegelte, aber bebaubare Grundstücke gemeint, noch Flächen mit nennenswertem Fußverkehr, oder Plätze, auf denen sich Menschen tummeln – nicht einmal die zahlreichen Parkplätze (auch wenn sie die Klimakrise verschärfen, weil sie das Autofahren fördern). Vielmehr angesprochen sind die vielen unerklärlich breiten Strecken entlang von Gebäuden und Straßenecken, auf denen nie jemand geht und steht; trostlose und für das Fußgängeraufkommen völlig überdimensionierte Bürgersteige; große Verkehrsinseln und nur mit Rasen bestandene Grünstreifen.

Stattdessen könnten diese Flächen für Bepflanzungen und kleine Beete oder idealerweise als Regengärten genutzt werden. Letztere sind eingefasste, Pflanzen-bestandene Grünflächen mit unterirdischen Schichten, durch die Regenwasser von den versiegelten Flächen der Umgebung gesammelt und versickert werden kann. So reichern Niederschläge das Grundwasser an, statt über die Abwasserkanalisation die Kläranlagen zu belasten oder Flüsse zu verschmutzen. Die Pflanzen und der Boden der Regengärten üben ihre natürliche Filterfunktion aus und sorgen dafür, dass verunreinigtes Wasser sauber in den Grundwasserkörper gelangt.

Damit reduzieren Regengärten auch die Auswirkungen von Starkregen, der oft ein Überlaufen der Kanalisation in die Oberflächengewässer verursacht. Gleichzeitig sorgen sie für eine angenehme Kühlung an heißen Tagen. Beides – sowohl Starkregen als auch langanhaltende Hitze – nehmen durch den Klimawandel zu. Oft haben Regengärten nur die Maße einer Baumscheibe (der Platz, der einem Straßenbaum zur Verfügung steht). Nicht zuletzt sind sie beträchtlich kostengünstiger als der Umbau der „grauen“ Infrastruktur, wie bspw. die Schaffung von Zwischenspeicherkapazitäten für Regenwasser in der Kanalisation.

Zweifelsohne, Berlin hätte den Platz für tausende von Regengärten ohne anderweitige Nutzungen in irgendeiner Form zu beeinträchtigen. Dennoch steht die Hauptstadt in Sachen Regenwassermanagement noch ganz am Anfang.

In zahlreichen Großstädten weltweit sieht das ganz anders aus. Obwohl diese dichter bebaut sind, gehören Regengärten dort immer öfter zum Straßenbild. Selbst in den USA (die nicht gerade federführend im Umweltschutz sind) spielen Regengärten eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Schäden durch Mischwasserkanalisation, Starkregen und Klimawandel. Oft werden dabei in Städten von der Große Berlins allein für den Umbau der Mischwasserkanalisation Summen zwischen ein bis fünf Milliarden Dollar in die Hand genommen. Zudem wird der Ausbau der grünen Infrastruktur z.B. in Form von Regengärten massiv vorangetrieben.

In New York stellte man zwischen 2011 und 2019 4.000 Regengärten fertig und gab 5.000 weitere in Planung. Zudem hat New York den Bau neuer grauer Regenwasserinfrastrukturen aufgegeben und sich stattdessen der grünen Infrastruktur verschrieben. Auf den folgenden Bildern sieht man, worum es überhaupt geht. Hier sind Regengärten in New York City und Syracuse, einer mittelgroßen US-amerikanischen Stadt, zu sehen. Hier wird auch deutlich, wie wenig leerer Raum sie umgibt.

Regengärten

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Auf den nächsten Bildern sind nun typische Berliner Straßenszenen zu sehen. Nicht genutzter Raum ist grün umrandet. Dieser könnte beispielsweise in Regengärten umgewandelt werden, ohne dabei den Fuß- und Fahrradverkehr zu beeinträchtigen. Dabei wurden die Markierungen noch zurückhaltend gesetzt, so dass sie mehr als genug Platz für Fuß- und Fahrradwege, Cafés, Märkte und diverse andere öffentliche Nutzungen, die sich in den meisten Fällen außerhalb des Bildes befinden, übrigließen. Eine Beeinträchtigung durch Regengärten ginge hiermit gegen null. Wer genau hinsieht, bemerkt vielleicht auf den Fotos ein paar Ausnahmen, auf denen Plätze zu sehen sind. Diese habe ich dokumentiert, weil sie extrem hässlich sind und kaum genutzt werden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der aufgegebene Plan für ein Bürgerforum angrenzend an den Platz der Republik zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus, über das ich einen eigenen Blogbeitrag geschrieben habe.

Potentielle Flächen für Regengärten in Berlin

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Hier sind weitere Beispiele, auf denen aber keine Markierungen eingezeichnet wurden. Die mit Gras-Monokulturen bedeckten Flächen könnten so umgewandelt werden, dass sie Regenwasserabflüsse der versiegelten Umgebung aufnehmen. Gleichzeitig könnte man sie mit Bestäuber-freundlichen, heimischen Pflanzen versehen.

Platz und noch mehr Platz...

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Dennoch gibt es Bedenken, ob die Stadt genug Platz und Geld für solche Maßnahmen hat, obwohl sie für die Anpassung an Starkregenereignisse und andere Auswirkungen des Klimawandels dringend nötig wären. Den städtischen Behörden, jahrzehntelang lahmgelegt durch die verbrannte-Erde Sparpolitik und Personalabbau, fehlen die notwendigen Mittel und ausreichend Personal. Das wiederum hat zum Beamten-Mikado geführt – nach dem Motto: wer sich zuerst bewegt, verliert.

Anlass für die Fotodokumentation ist die sehr kleine Anzahl von Regengärten in Berlin sowie einige Erfahrungen, die ich bei meinen Recherchen zu diesem Thema machen durfte. Da fällt mir beispielsweise eine Podiumsdiskussion zu grüner Infrastruktur ein, bei der ein prominenter Landschaftsarchitekt eine Frage über die Diskrepanz zwischen Berlins Mangel an grüner Regenwasserinfrastruktur und dessen Häufigkeit im Ausland herablassend abgetan hatte. Seine Antwort: „Die im Ausland sind meistens nur Hype“, während andere Zuhörer kopfschüttelnd über die Frechheit einer solchen Frage spotteten.

Oder ein Vortrag mit einer Abteilungsleiterin der Berliner Stadtverwaltung über die angebliche Rolle Berlins als Vorreiter grüner Innovation im Regenwassermanagement. Als Beispiel, welches die Gesamtheit des aktiven Berliner Regengartenprogramms aufzeigen sollte, wurde lediglich eine Anlage aus dem Jahr 1997 präsentiert. An einer anderen Stelle, an der es um ein geplantes Regenwasserprojekt ging, brach das aus Fachleuten bestehende Publikum – wie z.B. Wissenschaftler*innen,  Planer*innen und Ingenieure – wegen fehlender Plausibilität in Gelächter aus.

Oder eine Diskussion über Nutzungskonflikte in der Planung von Regengärten und ähnlichen Maßnahmen im Berliner Abgeordnetenhaus. Dabei ging es um die Konflikte, die Regengärten zwischen Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen und gegensätzlichen Ansprüchen in einem anscheinend „knappen“ Raum schüren können.  New York hat nur einen Bruchteil des verfügbaren Raumes Berlins; die Bevölkerungsdichte ist wesentlich höher; die Kulturen der Menschen, ihre Lebensweisen und Interessen sind unglaublich vielfältig (650 unterschiedliche Sprachen, wovon allein die städtische Gesundheitsverwaltung 190 bedienen muss). Nutzungskonflikte sollten hier eigentlich an der Tagesordnung sein. Dennoch stellen sie für die Planung von Regengärten weder wesentliche Hürden noch Verzögerungen dar. Diese Erfahrungen haben mich motiviert, ein wenig vom vorhandenen Raum in Berlin zu dokumentieren.

Für die grüne Regenwasserbewirtschaftung hat Berlin leider wenig Unterstützung aus der Politik und noch weniger Interesse und Bewusstsein seitens der Bevölkerung. Deshalb sollte es oberste Priorität haben, die verschiedenen Akteur*innen ins Boot holen. Ob es zielführend ist, eventuell auftretende Nutzungskonflikte heraufzubeschwören, bevor den jeweiligen Akteur*innen die Vorteile bewusst sind, ist fraglich. Warum nicht erst einmal die Vorteile kommunizieren? Oder, wenn es doch Probleme geben sollte, warum sich nicht mit den Menschen austauschen, die den Prozess schon einmal erfolgreich durchlaufen haben? Sicherlich kennen sich Städte, die schon fertig gestellte grüne Infrastrukturen haben, mit den Hürden und Schwierigkeiten gut aus.

Zum Thema Finanzierung – die Fülle verfügbaren Geldes für Pflanzenfilteranlagen ist augenfällig. In dem geplanten Flussbad an der Museumsinsel soll das Spreewasser des Spreekanals durch einen riesigen Pflanzen- und Sedimentfilter fließen. Hinter der Anlage können die Berliner*innen dann baden gehen, bevor das Wasser den Kanal wieder verlässt und ein Stück weiter flussabwärts zurück in die Spree fließt. Ohne dieses Projekt wäre ein Baden in der Spree unmöglich, es sei denn, man würde die Wasserqualität des gesamten Flusses verbessern. Für den gleichen Preis könnte man mithilfe von grüner und grauer Infrastruktur die Abwassereinleitungen bei allen vierzehn flussaufwärts gelegenen Einleitungspunkten auf null reduzieren. So würden massive Mengen Schadstoffe den Fluss nicht mehr erreichen. Deshalb ist sauberes Wasser eher eine Frage von Prioritäten als von Mittellosigkeit.

Zwar hat Berlin ein Programm für die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung inklusive Regengärten im Gange, aber nur für Neubauprojekte. Leider reduziert dieses Programm damit  keine Schäden. Lediglich sorgt es dafür, dass über neu versiegelte Flächen nicht noch zusätzlich anfallendes Regenwasser (was ja ohne das Neubauprojekt gar nicht angefallen wäre) in die Kanalisation eingeleitet werden muss – und das in einer Stadt, in der zwischen 2012 und 2017 alle 48 Stunden eine Fläche der Größe eines Fußballfeldes versiegelt wurde.

Weiterführende Informationen

Regengärten für Berlin – Mit bepflanzten Versickerungsflächen auf dem Weg zur Schwammstadt

Hinweisblatt: Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin (BReWa-BE)

Mitmachen

BUND Landesarbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg

Sie kennen auch versiegelte Flächen in Berlin, die man anderweitig nutzen könnte? Dann machen Sie bei unserer „Foto-Challange – das kann weg!“ mit.

Zum Autor

Richard Karty ist aktuell Berater für die Anpassung an das Stadtklima für den BUND Berlin und Mitglied im BUND Landesarbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg. In New York City lehrte und forschte er am Urban Systems Lab der New School über städtische Ökosysteme und arbeitete in einer Umweltplanungs- und Ingenieurberatungsfirma. Zuvor forschte er an der Yale University zum Thema Klimakommunikation.

Kontakt: Richard Karty, Ph. D. in Yale und BUND-Expert*in für Stadtökologie, mobil: 0163 27557720, E-Mail: karty@bund-berlin.de, www.richardkarty.org

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Die entscheidenden Schrauben https://umweltzoneberlin.de/2020/06/04/die-entscheidenden-schrauben/ https://umweltzoneberlin.de/2020/06/04/die-entscheidenden-schrauben/#respond Thu, 04 Jun 2020 14:26:58 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5416 Aus ökologischer Sicht ist die Sache klar: Reparieren ist immer sinnvoller als neu kaufen. Für die Besitzer*innen kaputter Gegenstände scheinen Reparaturen häufig aber die ökonomisch falsche Entscheidung zu sein. Um das Reparieren wieder zu einer auch finanziell lohnenden Sache zu machen, müssen Hersteller zu mehr Kooperation gezwungen und professionelle wie auch ehrenamtliche Reparierende stärker unterstützt werden.

„Das lohnt sich doch nicht mehr“ – wie oft hört man diesen Satz schon von Fachleuten aller Zünfte, wenn ein Kostenvoranschlag für eine Reparatur gefragt ist. Wie der Markt bei der Reparatur von an und für sich gut reparierbaren Gegenständen versagt, haben wir hier unlängst am Beispiel eines Druckers mit Papierstau beschrieben.1 Meistens ist die Arbeitszeit der größte Kostentreiber, manchmal fehlt aber auch ein Ersatzteil, ein aktueller Treiber oder ein Bauplan.

Das Problem der fehlenden Ersatzteile und Reparaturanleitungen könnte im kommenden Jahr verschwinden, zumindest teilweise. Dank der neuen EU-Ökodesignrichtlinie muss die Industrie ab März 2021 bei bestimmten Warengruppen Ersatzteile und Anleitungen bereithalten, und zwar auch dann, wenn sie das Produkt nicht mehr herstellt. Diese Pflicht erlischt je nach Warengruppe sieben und zehn Jahre nach Inverkehrbringen des letzten Exemplars. Sie gilt für Waschmaschinen, Geschirrspüler, elektronische Displays, Lichtquellen, externe Netzteile, Elektromotoren, Kühlgeräte (inklusive Kühltheken in Supermärkten und Verkaufsautomaten für Getränke), Leistungstransformatoren und Schweißgeräte.2

Wer gilt als „fachlich kompetent“?

Allzu leicht möchten es die Herstellerfirmen den Besitzer*innen defekter Geräte aber nicht machen. Als gut vernetzte Interessengruppe konnten sie es durchsetzen, dass sie Material und Know-how nicht an ihre Kund*innen, sondern nur an „fachlich kompetente Reparateure“ abgeben müssen.3 Die Folge dieser Einschränkung ist, dass die EU-Mitgliedstaaten nun wohl Register dieser „fachlich kompetente Reparateure“ aufstellen müssen. Wichtig ist, dass sich auch ehrenamtliche Reparaturinitiativen wie zum Beispiel Repair-Cafés in dieses Register eintragen dürfen. Die erste, glücklicherweise noch veränderte Übersetzung des Verordnungstextes ins Deutsche wollte aus „fachlich kompetent“ nämlich „gewerblich“ machen.4

Sehr spannend wird auch, wie die Hersteller ihren anderen neuen Pflichten aus der Ökodesign-Verordnung nachkommen. Werden sie wirklich sicherstellen, „dass diese Ersatzteile mit allgemein verfügbaren Werkzeugen und ohne dauerhafte Beschädigung am Gerät ausgewechselt werden können“?5

Reparaturgutscheine statt Autoprämie

Doch auch das beste Ökodesign6 nutzt wenig, wenn die Reparatur gegenüber dem Neukauf die deutlich teurere Option ist. Hilfreich wäre sicherlich, die Hersteller an den Entsorgungskosten zu beteiligen, um weniger Anreize für die Produktion von kurzlebigen Gütern zu setzen.

Aber warum nicht den direkten Weg wählen und das Reparieren günstiger machen? Eine Möglichkeit wäre, dass Reparaturen den vergünstigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent erhalten oder ganz davon befreit werden. Eine andere Möglichkeit wird im Zuge der kommenden Rezession interessant: Statt mit einer Abwrackprämie den Absatz von stinkenden und lärmenden Blechkisten anzukurbeln, könnte der Staat genauso gut Reparaturgutscheine ausgeben, ganz egal ob damit Schuhe, Mobiltelefone oder Spülmaschinen wieder funktionsfähig gemacht werden.

Wertstoffhöfe sollten ihren Namen verdienen

Die größte Wirkung dürften allerdings die Maßnahmen entfalten, die das kostenlose Reparieren unterstützen. Das sollte zum einen die finanzielle oder organisatorische Förderung von Reparaturinitiativen wie Repair-Cafés oder DIY-Workshops sein – etwa indem Kommunen ihnen Räume zur Verfügung stellen. Zum anderen sollten Initiativen und einzelne Reparateur*innen endlich Zugang zu den wichtigsten Ersatzteillagern bekommen, die es überhaupt gibt: den Recyclinghöfen.

Momentan machen die Wertstoffhöfe ihrem Namen noch nicht alle Ehre, da es sich in erster Linie um Abfallabwurfstellen handelt. Die Trennung der verschiedenen Abfallfraktionen funktioniert dort zwar recht gut, aber Wiederverwendung von Dingen oder Stoffen steht nicht auf dem Programm. Für den Berliner BUND ist daher eine der wichtigsten Forderungen auf dem Weg zu einer Zero Waste-Stadt, die BSR-Recyclinghöfe für Reparateur*innen zu öffnen. Dabei geht es nicht nur um wiederverwendbare Gegenstände, sondern auch um Sekundärmaterialien, die vor der „thermischen Verwertung“ (sprich Verbrennung) gerettet werden sollen.7

Machen, nicht nur reden!

Die Zeit ist reif, um die Stoffströme in Richtung Wiederverwendung zu lenken. Das sieht – zumindest im Grundsatz – auch die BSR so. Denn während andere kommunale Entsorgungsunternehmen Mitarbeiter*innen, die wiederverwendbare Gegenstände heimlich vor der Vernichtung bewahren, wegen Diebstahls anzeigen,8 gestaltet die BSR ihre Wertstoffhöfe schon einmal zu „Nachhaltigkeits-Centern“ um. Zwar nur gedanklich, aber die Vision klingt gut. Die kieznahen „Nachhaltigkeits-Center“ sollen „Re-Use-Kaufhaus, Repair-Café und Wertstoff-Scanner unter einem Dach“ vereinigen.9

Unterstützung für diese „Nachhaltigkeits-Center“ durch die Umweltverbände wäre der BSR sicher. Sie müsste nur – machen. Dasselbe gilt für die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der schon seit Ende 2018 eine Machbarkeitsstudie zum Aufbau eines Reparaturnetzwerks in Berlin vorliegt.10 Wie so oft fehlt es nicht an Konzepten, sondern schlicht an der Umsetzung.

 

Erstveröffentlichung des Beitrags auf www.remap-berlin.de

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https://umweltzoneberlin.de/2020/06/04/die-entscheidenden-schrauben/feed/ 0
Bosepark-Sanierung als Testobjekt: https://umweltzoneberlin.de/2020/05/28/bosepark-sanierung-als-testobjekt/ https://umweltzoneberlin.de/2020/05/28/bosepark-sanierung-als-testobjekt/#comments Thu, 28 May 2020 12:51:14 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5405 Die bauliche Umgestaltung dieses Tempelhofer Parks geht nach fast zwei Jahren höflicher Begleitung des BUND in die letzte Runde. Dank Rücksichtnahme auf Bürgerwillen aber ohne radikale Verheerungen wie sonst gern in dieser Stadt.
Der nächste Unterschied ist der Gebrauch spezieller Fördermittel mit der Maßgabe, an Ort und Stelle der urbanen Artenvielfalt aufzuhelfen. Dazu wäre zumindest eine detaillierte Ermittlung des Ausgangszustands und der Potentiale nötig gewesen. Dies ist nicht geschehen – wir nehmen daher ein Werk der Senatsverwaltung zur Hand:

Leitfaden zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen (2/2020)

Es ist dies ein Instrument, um Ausgleiche für Eingriffe bei Bauprojekten auf eine rechnerische Grundlage zu stellen – kaum bekannt ist es auch ein Zubehör für die Aufwertung von Parkanlagen, KGAs etc. (S. 41).
Fundament bildet eine furchterregende Tabelle mit 23.000 Zeilen(!) Biotoptypen in der alles Wertpunkte bekommt außer betonierte Parkplätze u. ä., bezogen auf 1.000 qm, Baum-Persönlichkeiten extra. Die Experten gründen darauf komplexe Rechenkunststücke, für uns dient sie als Kompass zur Einschätzung der Geschehnisse.

Ein Berliner Novum: Schlehe und Hartriegel für eine Parkanlage!

Üblicherweise finden in Grünanlagen hierzulande eher Strauchrodungen denn Neupflanzungen statt, Argumente „Sicherheit und Transparenz“. Und erst recht stoßen Naturschützer mit ihrem Verlangen nach Einbringen naturhafter Heckengehölze auf taube Ohren.
Im Bosepark sind wir nun Augenzeuge einer ersten Abkehr von der Fixierung auf modisches Zierstrauchinventar. Lob daher für das Einbringen von Schlehen (gezählte neun Exemplare), und Hartriegel (12). Das Potential für das Zehnfache wäre vorhanden… Lt. Biotoptypenliste rangieren solche Pflanzungen (Berlin-Code 07132621) mit hohen Biotopwert-Punkten von 16-24.

Die spurlos verschwundene Silberweide vom Bosepark…

Beim letzten Rundgang mit der Stadträtin war sie noch da: Stammumfang um die 350 cm,
hohl aber vital, Krone abgesetzt auf ca. 4 Meter. Paradies für allerlei Getier über und unterm Boden.
Laut Liste (Berlin-Code 0715 411) mit möglicher Gesamtpunktzahl 38 sehr hoch eingestuft. Dazu noch Prinzip Ordnung und Sauberkeit: Wurzelstock extra ausgefräßt (mit Fördermitteln?). Ein Affront gegen die Artenvielfalt….

Die Macht der Bodendecker im Kampf gegen die Wildnis

Die spottbilligen Lieblinge traditioneller Planung besitzen laut Werbung „unkrautunterdrückende Wirkung“. Zusammen mit als „Bio“ ausgerufenen Holzschnitzeln – temporär herbizid wirkend – ein formatiertes Bauteil zur Abschreckung störender Flora und Fauna – bei der Umgestaltung reichlich verwendet. Derartige Funktionsflora (Code 10272) wird lt. Liste mit Biotopwert-Punktzahl 2 gewertet – also wie ein agro-industrieller Acker…. Mais, Zuckerrüben.

Die gepflanzte Lonicera ligustrina var. pileata (Bild oben) stammt aus China und verbreitet sich in u. a. in Teilen der Schweiz und Nordamerika invasiv. Beeren ähnlich Blau-/Heidelbeeren aber giftig (keine Panik: schmeckt scheußlich).

Bodendecker Vinca minor. Zwar seit dem Mittelalter heimisch aber von Insekten gemieden u. a. wegen geringer Menge an Nektar und Pollen. Gut zu beobachten wie Biene und Co. einen Bogen drum fliegen. Aufwertung?
Zum Vergleich: artenreiche Staudensäume solch trockenwarmer Standorte (Code 051432) stehen in unserer Liste mit bis zu 16-fach höherer biologischer Wertigkeit.

Naturnahe Pflege in der Schwebe …

Von einem Pflege- und Entwicklungskonzept ist bislang nichts bekannt. Pessimistisch stimmt die Invasion der Ahornsämlinge quer durch den Park, die in diesem jungen Stadium gut beherrschbar wäre. Derselbe Arbeitsgang böte auch die Gelegenheit zur Förderung gewünschter Naturverjüngung (Liguster etc.), entsprechende Fachkenntnisse vorausgesetzt.

Hinein in das Abenteuer Artenvielfalt mit „gesteuerter Duldung“ von Wildkräutern und neuen Spatzenparadiesen. Testlauf Stadt-Natur in einer vielgenutzten Parkanlage mit kontrollierter Wildnis als Attraktion moderner Gartengestaltung. Begleiten wir das Gartenamt bei seiner Expedition in eine neu
formierte Parkpflege!

Links:

BUND zum Thema naturnahe Grünpflege:
https://www.bund-berlin.de/themen/stadtnatur/stadtgruen/oekologische-parkpflege/
Zur Senats-Seite: Leitfaden, Tabelle etc.:
https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/landschaftsplanung/bbe/

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https://umweltzoneberlin.de/2020/05/28/bosepark-sanierung-als-testobjekt/feed/ 1
Straßenbäume wässern https://umweltzoneberlin.de/2020/05/25/stassenbaeume-waessern/ https://umweltzoneberlin.de/2020/05/25/stassenbaeume-waessern/#comments Mon, 25 May 2020 12:12:04 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5389 In diesem Jahr sahen sich Politik und Umweltverbände genötigt, bereits Anfang Mai zum Wässern der Straßenbäume aufzurufen. Schon jetzt leidet das Grün Berlins unter Wassermangel. Es ist das dritte trockene Frühjahr in Folge, die Grundwasser­stände sind auf einem historischen Tiefstand – die Regenfälle der letzten Tage haben kaum eine Entlastung gebracht. Wir sind wohl endgültig in der Klimakrise angekommen. Aber woher kommt eigentlich das Wasser, das wir zum Wässern der Bäume verwenden sollen?

Wer zum Wässern keinen eigenen Brunnen auf seinem Grundstück oder einen Straßenbrunnen in seiner Nähe hat, benutzt dafür natürlich den Wasserhahn – und woher kommt das Wasser aus dem Wasserhahn?  Das liefern die Berliner Wasser­betriebe (BWB). Sie fördern es zu etwa einem Drittel aus dem Grundwasser und zu 2 Dritteln aus dem Uferfitrat von Spree und Havel. Nun liegen die Berliner Wasser­werke fast alle in den Wäldern und Naturgebieten der Stadt. Das Resultat dieser Wasserentnahme sind dort seit Jahrzehnten sinkende Grundwasserstände, die die Natur immer mehr schädigen.

Die Berliner Wasserbetriebe suggerieren uns mit Ihrer Werbung seit Jahr und Tag, dass mit dem Berliner Wasser alles klar wäre und präsentieren sich als ein ökolo­gisches Muster-Unternehmen. Leider stimmt das so nicht, denn das Geschäfts­modell der BWB beruht immer mehr auf Raubbau an den natürlichen Grundwasser-Ressourcen. Wir fördern und verbrauchen seit Jahrzehnten mehr Wasser, als der Landschaftswasserhaushalt hergibt. Hinzu kommt, dass Berlin schon immer in einem Trockengebiet liegt, geringe Jahres­niederschlagsmengen und geringe Zuflüsse von Havel und Spree sind nicht die besten Voraussetzungen, um eine Stadt mit 3,5 Mio. Einwohnern mit Wasser zu versorgen. Eine Großstadt am Rhein hat es da einfacher und die klimatischen Bedingungen werden nicht besser!

Der Autor dieser Zeilen möchte gewiss nicht, dass die Straßenbäume vertrocknen. Der BUND Berlin macht dazu beispielsweise auch Vorschläge, wie es gehen kann, Straßenbäume ohne oder mit möglichst wenig Trinkwasserverbrauch zu wässern. Es sollte uns aber allen klar sein, dass solange wir in steigendem Maße Trinkwasser verbrauchen, wiederum Waldbäume in den Trinkwasserfördergebieten an Wasser­mangel leiden sowie Moore und Kleingewässer austrocknen. Das belegt eindrücklich der von der Senats­ver­waltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz im Jahr 2019 vorgelegte Entwurf eines Managementplans für die Berliner Moore, die allesamt als Flora-Fauna Habitat-Gebiete (FFH) ausgewiesen sind. Darin werden akribisch die seit Jahren ständig fallenden Wasserstände durch die Trink­wasser­­­förderung dargestellt. Die Moore sind dadurch alle in ihrem Bestand bedroht. Niemand kann sagen, wie die FFH- Erhaltungsziele unter diesen Umständen noch erreicht werden können – ein klarer Verstoß gegen die FFH-Richtlinie. Dennoch schauen die zuständigen Behörden weg! Es sind aber inzwischen nicht nur die Moore, sondern auch die Berliner Wälder durch die zunehmende Trockenheit in ihrem Bestand bedroht. Diese sind jedoch in Berlin die „Geschäftsgrundlage“ für weiterhin sauberes Trinkwasser.

Wasserverbräuche im Jahresverlauf

Wie gerade die heißen Sommer den Wasserverbrauch in die Höhe schnellen lassen, kann man an der Grafik Tagesspitzen der Rohwasserförderung der Berliner Wasserwerke für die Jahre 2000, 2003 und 2005 aus dem „Wasserversorgungskonzept 2040“ gut sehen:

Hier sind die Tagesverbräuche in Kubikmetern der Jahre 2000, 2003 und 2004 aufgetragen. Daraus ist zu erkennen, dass der Wasserverbrauch zwischen Anfang September (Tag 253) bis etwa Mitte April (Tag 113) um die 550.000 m³/Tag beträgt. Im Sommerhalbjahr steigen die Spitzenverbrauchswerte bis auf 900.000 m³/Tag und  einmal sogar auf über 1 Mio. m³/Tag an. Das ist in den Sommer­monaten zeitweilig fast eine Verdoppelung des Verbrauchs. Diese immense Steigerung des Wasserverbrauchs erfolgt ausgerechnet in Zeiten des geringsten Niederschlags und des höchsten Wasserbedarfs der Vegetation in den Berliner Wäldern, in denen sich gleichzeitig die meisten Wasserwerke befinden. Dort sinken die Grundwasserstände immer mehr ab.

Warum steigt nun der Verbrauch im Sommer so stark an? Wird im Sommer mehr gewaschen, zur Toilette gegangen oder sonst im Haushalt mehr Wasser verbraucht? Vielleicht wird mehr geduscht? Dazu einige Zitate örtlicher Wasserwerksleiter von 2019 aus der WAZ online für die Region Wolfsburg zum Thema steigender Wasserverbrauch im Trockensommer 2019:

Die Gartenberegnung spielt die entscheidende Rolle bei den hohen Verbräuchen im Sommer“, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Wasserverbandes Gifhorn.

Sven-Erik Timm vom Wasserwerk Gifhorn: „Wir stellen auch fest, dass die Abnahme in der Nacht mehr und mehr ansteigt. Dies führen wir auf moderne Bewässerungssysteme zurück, welche zeitgesteuert in der Nacht betrieben werden.

Eine weitere Belastung für das Trinkwassernetz ist laut Wittemann zunehmend der Badespaß im heimischen Garten. „Zum Mehraufwand im Sommer kommen auch Poolbefüllungen, die binnen kurzer Zeit größere Mengen aus dem Netz abziehen.

Mehr Körperpflege macht laut Schmidt kaum etwas aus. „Würde jeder Kunde wegen der Hitze einmal mehr am Tag duschen und dabei 60 Liter verbrauchen, erhöhte sich die Abgabemenge beim Verband nur um etwa 8000 Kubikmeter.“ Eine noch geringere Rolle spielt das Trinken: „Zwei Liter mehr am Tag würde die Abgabe lediglich um zirka 260 Kubikmeter vergrößern.

So ist denn zu vermuten, dass auch in Berlin der sommerliche Mehrverbrauch vor allem durch das Sprengwasser für Rasen und Gärten und Wasser für die Füllung des Swimmingpools in der Luxus- oder Aufblasvariante verursacht wird. Um es klar zu sagen: damit der Rasen auch im Sommer schön grün bleibt, verdorren in den Wäldern die Bäume und die Moore trocknen aus! Dazu kommt natürlich auch die im Vergleich zum Sprengwasser für Rasen und Gärten eher minimale Menge für das Wässern der Straßenbäume, die aber zukünftig mehr und mehr zunehmen wird.

Wege aus dem Dilemma

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Eigentlich waren wir in der Diskussion schon mal viel weiter. Noch um das Jahr 2000 herum war das Thema Wassersparen in Berlin viel präsenter als heute. Dann verwirrten die Berliner Wasserbetriebe die Bürger mit angeblich immer mehr verstopften Abwasserkanälen und Keimbildung in nicht mehr ausreichend durchflossenen Rohrleitungen. Vermutlich hatten die BWB-Oberen dabei nur Angst vor Umsatzeinbußen. Im Internet und in der Presse vor dem Jahr 2017 finden sich dazu tausende von Artikeln, die sich über Aufrufe zum Wassersparen lustig machten. Die meisten davon hatten nur die manchmal tatsächlich vorhandenen Probleme des Leitungsnetzes im Blickfeld und nicht die Auswirkungen auf die Fördergebiete und den Landschafts­wasserhaushalt – der generelle Tenor war: Deutschland hat Wasser im Überfluss – wir können es verschwenden.

Inzwischen kann man auch hier wieder ein Umdenken feststellen. Das Nieder­schlags­defizit der letzten Jahre und die dadurch verursachte reduzierte Grund­wasser­neu­bildungs­rate wird uns das Wasser­sparen wieder näher bringen. So geht z.B. Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung von einer bis 2040-2050 um 40 % verringer­ten Grund­wasser­neubildungsrate in Brandenburg aus. Dazu kommt noch die zunehmende Versiege­lung im Speckgürtel, die höhere Verdunstung aus den Oberflächengewässern usw. Und was nicht versickert, kann auch nicht mehr gefördert werden.

Um effektiv Wasser zu sparen, müsste z.B. dringend der Wasserverbrauch im Sanitär­bereich minimiert werden. Hier muss endlich die Nutzung von Grau- und auch Regenwasser wenigstens in Neubauten vorgeschrieben werden. Eigentlich ist es unbegreiflich, dass wir nach wie vor frisches, sauberes Trinkwasser zum Spülen der Toilette verwenden, das ist doch ein Sakrileg!  Dazu wird es in Trockensommern ein Rasenspreng- und Schwimmbad-Füll-Verbot geben müssen. Für die Garten­bewässerung kann Regenwasser in Zisternen gesammelt werden. Das hätte auch noch den Vorteil, dass dabei keine Gebühren anfallen.

Wenn wir gedankenlos so weiter machen, werden wir nach ein paar weiteren Hitze- Sommern die Grundwasservorräte so abgesenkt haben, dass wir Wasser per Fernwasserleitung aus anderen Regionen beziehen müssten. Aber wo könnte man Wasser sonst noch herbekommen – aus dem Harz oder den Alpen? Von den immer weniger Wasser führenden Flüssen Spree, Havel, Elbe und Oder?? Überall sind die Claims schon abge­steckt. Im Übrigen zeigt ein Blick ins Internet, dass andere Regionen die gleichen Prob­leme haben. Dort rufen sogar die Wasserwerke selbst schon zum Wassersparen auf.

Um nun auf die Straßenbäume zurückzukommen:  Wenn wir sie retten wollen und unsere Wälder dazu, brauchen wir höhere Grundwasserstände überall im Stadt­gebiet. Dazu  müssen wir möglichst viel Regenwasser zur Versickerung bringen und unseren immensen Wasserverbrauch einschränken. Hier sind die Verbraucher gefordert: Wir müssen das Gießwasser für die Straßenbäume bei unserem täglichen Verbrauch einsparen!

Was tut die Berliner Politik?

Die Politik tickt noch immer völlig in die falsche Richtung. Einerseits wurde inzwischen lobenswerterweise eine Regenwasseragentur gegründet, die das Versickern von Regenwasser zur Grundwasseranreicherung im Stadtgebiet voranbringen soll (Schwammstadt). Andererseits wird immer noch über ein Grund­wasser-Management diskutiert, bei dem zum Schutz von stadtweit einigen tausend Gebäuden mit undichten Kellern großflächig Grundwasser abgepumpt werden soll (siehe dazu die kleine Anfrage eines CDU-Abgeordneten).

Mehrere Jahre lang hat sich der Umweltausschuss mit großem Aufwand mit dem Thema „nasse Keller“ beschäftigt – das Ergebnis einer geschickten Lobbykampagne von Haus- und Grundbesitzern und IHK. Bemerkenswert zu lesen – das abgepumpte Wasser wird in den Regenwasserkanal geleitet. Gleichzeitig sollen die Anwohner mit Trinkwasser aus den Wäldern die Stadt-Bäume gießen! Dass der verschwenderische Umgang mit unserem Trinkwasser auch einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Hintergrund hat, zeigt der erst kürzlich geschlossene Unternehmensvertrag zwischen dem Senat von Berlin und den BWB (Siehe dazu auch den Tages­spiegel vom 10.1.2020).

Unter anderem sind in der Vereinbarung folgende Punkte für das Thema Wasse­r­sparen von Bedeutung:

  • Die Wasserbetriebe sind auf möglichst hohe Einnahmen aus dem Wasser­verkauf zur Deckung ihrer Fixkosten angewiesen – verursacht durch Wasserwerke, Leitungsnetz und Energie. Ein deutlich sinkender Verbrauch würde höhere Preise pro m³ Wasser zur Deckung der Fixkosten notwendig machen. Aus politischen Gründen soll aber der Wasserpreis möglichst nicht steigen.
  • Zugleich sollen die BWB auch weiterhin „die Ausschüttungserwartung des Landes“ erfüllen, also Millionengewinne erwirtschaften. Parallel müssen sie weiter die 1,21 Milliarden Euro für den 2013 erfolgten Rückkauf der Anteile von RWE und Veolia refinanzieren.
  • Zudem übernehmen sie Betrieb und Unterhaltung der Zierbrunnen in Straßenland und Parks sowie von öffentlichen Trinkbrunnen.

Nachdem ich diesen Vertrag gelesen hatte, wurde mir klar: An diesem Felsen zerschellt alle Hoffnung, dass die Politik, auch noch in Zeiten der Milliarden-Corona-Schulden, Initiativen zum Wassersparen ergreifen wird. So geht halt der Krug so lange zum Brunnen, bis dort kein Wasser mehr zu finden ist!

Zukunftsfähigkeit geht anders.

 

Mitmachen

Setzen Sie sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser ein: BUND-Arbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg

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