Klimaschutz/Energie – Umweltzone Berlin https://umweltzoneberlin.de Umweltzone Berlin, Blog des BUND Berlin Tue, 14 Jul 2020 16:50:03 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.4 Einig in der Ratlosigkeit https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/ https://umweltzoneberlin.de/2020/07/14/einig-in-der-ratlosigkeit/#respond Tue, 14 Jul 2020 08:06:41 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5570 Wie verschafft man Abfallkonzepten eine hohe Verbindlichkeit im alltäglichen Regierungshandeln? Dass sie dafür keine Patentrezepte im Angebot haben, einte die umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen als Gäste beim Politischen Salon des BUND. Das bedeutet aber nicht, dass sie überhaupt keine Ideen rund um Müllvermeidung und Ressourcenschutz haben.

Wie derzeit üblich fand der Politische Salon des BUND am 24. Juni als Zoom-Konferenz statt. Das tat dem Interesse des abfallpolitisch interessierten Fachpublikums allerdings keinen Abbruch, nahezu alle 99 verfügbaren Zugänge waren vergeben. An Ideen, wie das Berliner Müllaufkommen zu reduzieren sei, fehlte es der von Kai Schächtele moderierten Runde der umweltpolitischen Sprecher*innen der Abgeordnetenhausfraktionen nicht. Mehr Abfallaufklärung an den Schulen forderte Marion Platta (Linke), Georg Kössler(Grüne) schlug eine Abgabe auf To-go-Geschirr nach Tübinger Vorbild[1] vor („eine Abgabe auf Kaffeebecher wäre das Mindeste“) und Daniel Buchholz (SPD) mahnte Berichtspflichten und eine Schärfung der Zielvorgaben an.

Auf die Leitfrage des Abends, die BUND-Abfallreferent Tobias Quast gleich zu Beginn stellte, nämlich wie solche Vorgaben verbindlich in das Abfallwirtschaftskonzept 2020–2030 (AWK)[2] hineinkommen können, fiel den Fachpolitiker*innen der Koalition die Antwort jedoch schwer. Sie verwiesen lediglich darauf, dass das AWK nach der Sommerpause im Abgeordnetenhaus behandelt werde und Korrekturen somit noch möglich seien. Dies hätte eigentlich eine Steilvorlage für Danny Freymark sein können, der die oppositionelle CDU in der Runde vertrat. Doch der Christdemokrat zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit dem AWK, das besser als das vorherige (2010–2020) sei, lediglich für den Erhalt des Holsystems bei der haushaltsnahen Altglassammlung[3] forderte er konkrete Zeitpläne.

Im Laufe der zweistündigen Diskussion kamen aus dem Publikum deutlich mehr Fragen, als behandelt werden konnten (rein rechnerisch stellte jede*r vierte Zuschauer*in eine Frage – die Zero-Waste-Community ist ein sehr aktives Publikum!). Eine davon war, ob Mehrwegsysteme künftig gefördert werden sollen. Daniel Buchholz verwies darauf, dass das Land Berlin das Recup-System heute schon fördere. Auf Landesebene eine Abfallabgabe für Einwegprodukte einzuführen, könne er sich nicht vorstellen. Anders dagegen Danny Freymark, der das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt sehen wollte und mit Augenzwinkern anmerkte, als Christdemokrat könne er durchaus über Verbote diskutieren, und das nicht nur in der Innenpolitik. Zugleich wurde bei Freymark deutlich, dass er Abfallprobleme an erster Stelle mit der Vermüllung des öffentlichen Raums (Littering) zu verbinden scheint. Seinen Gegenspieler fand er an dieser Stelle in Georg Kössler, der sich überzeugt zeigte, die direkte Ansprache von auf frischer Tat ertappten Müllwegwerfer*innen durch das Ordnungsamt, wie es die Wiener „Waste Watcher“[4] praktizieren, funktioniere hier nicht – schließlich sei Berlin die Stadt der Freiheit. Betterworldcup, ein Erfolgsmodell? Diese Einschätzung von Daniel Buchholz wollte Tobias Quast so nicht stehenlassen. Die Initiative sei zu stark auf die private Nutzung von To-go-Bechern ausgerichtet und damit auf eine Zielgruppe, die man dadurch kaum erreiche. Daher fordere der BUND einen Mix nicht nur aus Verboten und Besteuerung, sondern auch aus Förderung von Mehrwegsystem.

Die zweite Stunde des Politischen Salons konzentrierte sich auf die Frage, wie die zahlreichen Zero-Waste-Initiativen Berlins – der BUND zählt über 200 von ihnen – besser geholfen werden könne. Einigkeit herrschte unter den Fachpolitiker*innen von Regierung und Opposition, dass der fehlende Raum das größte Problem der Initiativen sei. Marion Platta machte deutlich, man müsse die eingesetzten (finanziellen) Ressourcen sinnvoll bündeln, „sonst kommen wir von der Projekteritis nicht weg“. In welcher Dimension hier gedacht werden muss, machte Tobias Quast klar, als er 100 Umweltzentren forderte, also eines für jeden Berliner Ortsteil. Diese Umweltzentren, die neben Begegnungsstätte auch Repair-Café und Gebrauchtwarenkaufhaus sein sollen, könnten zum Teil in von Schließung betroffenen Einzelhandelsflächen untergebracht werden, lautete eine Anregung aus dem Publikum. Auch dies fand die Zustimmung der umweltpolitischen Sprecher*innen – freilich nur dann, wenn der Einzelhandel tatsächlich nicht mehr zu retten ist.

Welchen Schluss könnten Abfallexpert*innen und interessierte Lai*innen nun aus diesem Politischen Salon ziehen? Zum einen, dass die Fachpolitiker*innen durchaus ein Bewusstsein für die Probleme und Herausforderungen der Abfallpolitik haben und konstruktive Kritik interessiert aufnehmen. Zum anderen, dass sie in ihren eigenen Fraktionen noch einiges an Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten haben. Im Fall des noch zu verabschiedenden AWKs kann man sie dabei unterstützen, nämlich mit Verbesserungsvorschläge

Servicehinweis: Der BUND übernimmt gern die Aufgabe, die Anregungen zu bündeln und an die Fraktionen weiterzuleiten. Korrekturvorschläge am AWK bitte bis Ende August an zerowaste@BUND-Berlin.de

 

[1]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/111

[2]https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/abfall/konzept_berlin/download/AWKBerlin2020-2030.pdf

[3]https://www.remap-berlin.de/blog/zero-waste-blog/114

[4]https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/strassenreinigung/wastewatcher.html

 

Aufzeichnung des politischen Salons

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Amazonien brennt und Brüssel entscheidet https://umweltzoneberlin.de/2020/07/09/amazonien-brennt-und-bruessel-entscheidet/ https://umweltzoneberlin.de/2020/07/09/amazonien-brennt-und-bruessel-entscheidet/#respond Thu, 09 Jul 2020 11:07:19 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5545 Die Bilder, die uns im Laufe des letzten Jahres aus dem Amazonasgebiet erreichten, haben verschreckt, verstört und frustriert. Der Amazonas stand in Flammen, denn große Teile des Regenwaldes fielen Brandstiftern zum Opfer, welche die Gebiete landwirtschaftlich nutzbar machen wollten. Besonders in Brasilien nahmen die Brandherde riesige Ausmaße an und anstatt diesen Prozessen mit entschiedenen Worten und Taten entgegenzuwirken, befeuerte die brasilianische Politik und damit insbesondere Präsident Bolsonaro die Menschen in ihrem Tun.

Wer nun denkt, dass es sich hierbei um ein nationales Problem handelt, dass Deutschland und man selber damit nichts zu tun haben, der liegt leider falsch. Denn genau zu jener Zeit, im Sommer 2019, als die Feuer am stärksten wüteten, wurde in Brüssel eine Entscheidung getroffen, die vielleicht folgenschwerer für das Amazonasgebiet nicht hätte sein können: die Überführung der Arbeiten am Mercosur-Abkommen in die Endphase.
Durch das Handelsabkommen Mercosur zwischen europäischen und südamerikanischen Ländern wie Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay soll eine Freihandelszone geschaffen werden. Diese soll die Wirtschaft der unterschiedlichen Staaten fördern, indem sie den Export in die jeweilig anderen Länder vereinfacht. Auf jeder Seite gibt es Güter, deren Export besonders vom Abkommen profitieren. Auf südamerikanischer Seite sind dies Agrarprodukte, auf europäischer Seite Maschinen, Chemikalien und Autos.

Seit dem Jahre 1995 werden die Bedingungen des Abkommens verhandelt. Obwohl seit dieser Zeit viel geschehen ist, scheinen die Vertragspartner an diesem Punkt stehen geblieben zu sein, denn anstatt Regulierungen zur Verbesserung der Bewirtschaftungsweise für landwirtschaftliche Produkte und der Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen bei der Produktion zu entwerfen, wurden keine verpflichtenden Umwelt-Auflagen im Abkommen beschlossen. Im Umkehrschluss bedeutet das Inkrafttreten des Abkommens also, dass Agrarprodukte ohne Herkunfts- und Anbauprüfung nach Europa exportiert werden können. Ihr niedriger Preis fußt sowohl auf der Ausbeutung von Arbeitskräften, als auch auf der Zerstörung der Umwelt, wie man am Beispiel Brasiliens gut erkennen kann.

Leider ist das nicht alles. Falls die Ware aus Südamerika den europäischen Markt erreicht, hätten europäische Produkte, welche unter zum Teil strengen Regulierungen produziert werden, keine Chance mehr gegenüber ihrem südamerikanischen Äquivalent im Wettbewerb zu bestehen. Das heißt, dass sich nicht nur die ökologischen Bedingungen in Brasilien verschlechtern könnten, sondern auch hier.

Kritiker*innen an Freihandelsabkommen werden immer wieder damit konfrontiert, Zusammenhänge nicht richtig zu erfassen und den gewinnbringenden Teil der Abkommen, der ja gerade für die weniger entwickelten Länder immens sein soll, außen vor zu lassen.

Ist das Abkommen also gut für die Menschen in den Mercosur-Staaten?
Das kommt wohl darauf an, wen man und wann man ihn fragt. 40% der Arbeiter*innen in Brasilien sind im landwirtschaftlichen Sektor tätig, das ist immens viel (im Vergleich Deutschland 1,4%!). Der Sektor erwirtschaftet 31% des BIPs, des Wirtschaftsvolumens des ganzen Landes, eine unvorstellbare Menge. Das Abkommen würde den Sektor weiter fördern, das würde von vielen als positiv bewertet werden: mehr Arbeitsplätze, mehr Lohn, mehr Sicherheit. Was vielen jedoch nicht klar ist: es ist nur eine Frage der Zeit bis sich dieser Aufschwung, in einen Abschwung verwandeln wird, der die Wirtschaft in eine große Krise stürzen könnte.
Diese Prophezeiung stützt sich auf zwei Thesen. Die erste ist, dass sich die gerodeten Böden des Amazonas schon bald nicht mehr für die landwirtschaftliche Nutzung eignen werden, sie werden erodieren und sich letztendlich in Wüste verwandeln. Die Farmer*innen, die dort arbeiteten, werden arbeitslos. Die zweite These ist, dass sich durch die Minimierung der Zölle auf Autos und Maschinenteilen aus Europa, welche durch das Abkommen geschaffen werden, der Mercosur-Markt für Hochprodukte aus Europa öffnet. Diese Hochprodukte, welche sich durch lange Produktionsketten auszeichnen, sind für die Wirtschaft besonders wichtig, da viele unterschiedliche Menschen an ihnen verdienen können. Was auf der europäischen Seite also von Vorteil erscheint, könnte in Südamerika dazu führen, dass durch den hohen Konkurrenzdruck der gewinnbringende Wirtschaftszweig zum Erliegen gebracht wird. In Kombination mit einer erhöhten Arbeitslosenquote im Agrarsektor und einer zerstörten Umwelt könnte dies zu unglaublich prekären Umständen in Südamerika führen.

Um dies zu verhindern, ist es wichtig, dass die Politik die Schwächen des Abkommens erkennt und behandelt. Falls dies nicht geschieht, gibt es nur einen Ausweg: Raus aus dem Mercosur-Abkommen.

PS Zur Deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli haben 60 zivilgesellschaftliche Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Landwirtschaft, Menschenrechte, Fairer Handel und Humanitäre Hilfe gegen das EU- Mercosur-Abkommen protestiert. Unter dem Motto „Zeit zum Umdenken: Kein Weiter so!“ haben sie einen gemeinsamen Aufruf veröffentlichen. Mehr dazu unter: www.stoppt-ttip-berlin.de

 

 

Die Autorin Laura Lange engagiert sich bei der BUNDjugend Berlin im Redaktionsteam

Links

BUND zu Wirtschaft und Handelpolitik

https://www.bund.net/ttip-ceta/

 

Das Netzwerk Gerechter Welthandel setzt sich ein für eine global gerechte, faire, nachhaltige und demokratische Außenwirtschaftspolitik. https://www.gerechter-welthandel.org/

Infos und Material zu Mercosur:

www.gerechter-welthandel.org/material/mercosur/

 

Gastbeitrag im Freitag „Welche Lehren die Handelspolitik aus der Coronakrise gerade im Hinblick auf den Klimawandel ziehen sollte“:

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/weiter-so-1

 

Video:

 

Publikationen:

„Umwelt und Klimaschutz in Handelsverträge integrieren“

Abrufbar unter: https://power-shift.de/umwelt-und-klimaschutz-in-handelsvertraege-integrieren/

„Menschenrechte und Umweltschutz durch Rohstoffkapitel stärken“

Abrufbar unter: https://power-shift.de/menschenrechte-und-umweltschutz-durch-rohstoffkapitel-staerken/

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„Nutzungskonflikte“ – Berlin diskutiert die Frage nach genügend Raum zur Anpassung an den Klimawandel https://umweltzoneberlin.de/2020/06/15/nutzungskonflikte-berlin-diskutiert-die-frage-nach-genuegend-raum-zur-anpassung-an-den-klimawandel/ https://umweltzoneberlin.de/2020/06/15/nutzungskonflikte-berlin-diskutiert-die-frage-nach-genuegend-raum-zur-anpassung-an-den-klimawandel/#comments Mon, 15 Jun 2020 08:43:09 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5422 Zu behaupten, dass Berlin mit nicht genutzten versiegelten Flächen üppig und reichlich versorgt sei, wäre eine echte Untertreibung.

Wahrscheinlich hat keine andere Großstadt so viel versiegelte Flächen, die man anderweitig nutzen könnte, wie Berlin. Damit sind weder leerstehende versiegelte, aber bebaubare Grundstücke gemeint, noch Flächen mit nennenswertem Fußverkehr, oder Plätze, auf denen sich Menschen tummeln – nicht einmal die zahlreichen Parkplätze (auch wenn sie die Klimakrise verschärfen, weil sie das Autofahren fördern). Vielmehr angesprochen sind die vielen unerklärlich breiten Strecken entlang von Gebäuden und Straßenecken, auf denen nie jemand geht und steht; trostlose und für das Fußgängeraufkommen völlig überdimensionierte Bürgersteige; große Verkehrsinseln und nur mit Rasen bestandene Grünstreifen.

Stattdessen könnten diese Flächen für Bepflanzungen und kleine Beete oder idealerweise als Regengärten genutzt werden. Letztere sind eingefasste, Pflanzen-bestandene Grünflächen mit unterirdischen Schichten, durch die Regenwasser von den versiegelten Flächen der Umgebung gesammelt und versickert werden kann. So reichern Niederschläge das Grundwasser an, statt über die Abwasserkanalisation die Kläranlagen zu belasten oder Flüsse zu verschmutzen. Die Pflanzen und der Boden der Regengärten üben ihre natürliche Filterfunktion aus und sorgen dafür, dass verunreinigtes Wasser sauber in den Grundwasserkörper gelangt.

Damit reduzieren Regengärten auch die Auswirkungen von Starkregen, der oft ein Überlaufen der Kanalisation in die Oberflächengewässer verursacht. Gleichzeitig sorgen sie für eine angenehme Kühlung an heißen Tagen. Beides – sowohl Starkregen als auch langanhaltende Hitze – nehmen durch den Klimawandel zu. Oft haben Regengärten nur die Maße einer Baumscheibe (der Platz, der einem Straßenbaum zur Verfügung steht). Nicht zuletzt sind sie beträchtlich kostengünstiger als der Umbau der „grauen“ Infrastruktur, wie bspw. die Schaffung von Zwischenspeicherkapazitäten für Regenwasser in der Kanalisation.

Zweifelsohne, Berlin hätte den Platz für tausende von Regengärten ohne anderweitige Nutzungen in irgendeiner Form zu beeinträchtigen. Dennoch steht die Hauptstadt in Sachen Regenwassermanagement noch ganz am Anfang.

In zahlreichen Großstädten weltweit sieht das ganz anders aus. Obwohl diese dichter bebaut sind, gehören Regengärten dort immer öfter zum Straßenbild. Selbst in den USA (die nicht gerade federführend im Umweltschutz sind) spielen Regengärten eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Schäden durch Mischwasserkanalisation, Starkregen und Klimawandel. Oft werden dabei in Städten von der Große Berlins allein für den Umbau der Mischwasserkanalisation Summen zwischen ein bis fünf Milliarden Dollar in die Hand genommen. Zudem wird der Ausbau der grünen Infrastruktur z.B. in Form von Regengärten massiv vorangetrieben.

In New York stellte man zwischen 2011 und 2019 4.000 Regengärten fertig und gab 5.000 weitere in Planung. Zudem hat New York den Bau neuer grauer Regenwasserinfrastrukturen aufgegeben und sich stattdessen der grünen Infrastruktur verschrieben. Auf den folgenden Bildern sieht man, worum es überhaupt geht. Hier sind Regengärten in New York City und Syracuse, einer mittelgroßen US-amerikanischen Stadt, zu sehen. Hier wird auch deutlich, wie wenig leerer Raum sie umgibt.

Regengärten

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Auf den nächsten Bildern sind nun typische Berliner Straßenszenen zu sehen. Nicht genutzter Raum ist grün umrandet. Dieser könnte beispielsweise in Regengärten umgewandelt werden, ohne dabei den Fuß- und Fahrradverkehr zu beeinträchtigen. Dabei wurden die Markierungen noch zurückhaltend gesetzt, so dass sie mehr als genug Platz für Fuß- und Fahrradwege, Cafés, Märkte und diverse andere öffentliche Nutzungen, die sich in den meisten Fällen außerhalb des Bildes befinden, übrigließen. Eine Beeinträchtigung durch Regengärten ginge hiermit gegen null. Wer genau hinsieht, bemerkt vielleicht auf den Fotos ein paar Ausnahmen, auf denen Plätze zu sehen sind. Diese habe ich dokumentiert, weil sie extrem hässlich sind und kaum genutzt werden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der aufgegebene Plan für ein Bürgerforum angrenzend an den Platz der Republik zwischen dem Kanzleramt und dem Paul-Löbe-Haus, über das ich einen eigenen Blogbeitrag geschrieben habe.

Potentielle Flächen für Regengärten in Berlin

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Hier sind weitere Beispiele, auf denen aber keine Markierungen eingezeichnet wurden. Die mit Gras-Monokulturen bedeckten Flächen könnten so umgewandelt werden, dass sie Regenwasserabflüsse der versiegelten Umgebung aufnehmen. Gleichzeitig könnte man sie mit Bestäuber-freundlichen, heimischen Pflanzen versehen.

Platz und noch mehr Platz...

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Dennoch gibt es Bedenken, ob die Stadt genug Platz und Geld für solche Maßnahmen hat, obwohl sie für die Anpassung an Starkregenereignisse und andere Auswirkungen des Klimawandels dringend nötig wären. Den städtischen Behörden, jahrzehntelang lahmgelegt durch die verbrannte-Erde Sparpolitik und Personalabbau, fehlen die notwendigen Mittel und ausreichend Personal. Das wiederum hat zum Beamten-Mikado geführt – nach dem Motto: wer sich zuerst bewegt, verliert.

Anlass für die Fotodokumentation ist die sehr kleine Anzahl von Regengärten in Berlin sowie einige Erfahrungen, die ich bei meinen Recherchen zu diesem Thema machen durfte. Da fällt mir beispielsweise eine Podiumsdiskussion zu grüner Infrastruktur ein, bei der ein prominenter Landschaftsarchitekt eine Frage über die Diskrepanz zwischen Berlins Mangel an grüner Regenwasserinfrastruktur und dessen Häufigkeit im Ausland herablassend abgetan hatte. Seine Antwort: „Die im Ausland sind meistens nur Hype“, während andere Zuhörer kopfschüttelnd über die Frechheit einer solchen Frage spotteten.

Oder ein Vortrag mit einer Abteilungsleiterin der Berliner Stadtverwaltung über die angebliche Rolle Berlins als Vorreiter grüner Innovation im Regenwassermanagement. Als Beispiel, welches die Gesamtheit des aktiven Berliner Regengartenprogramms aufzeigen sollte, wurde lediglich eine Anlage aus dem Jahr 1997 präsentiert. An einer anderen Stelle, an der es um ein geplantes Regenwasserprojekt ging, brach das aus Fachleuten bestehende Publikum – wie z.B. Wissenschaftler*innen,  Planer*innen und Ingenieure – wegen fehlender Plausibilität in Gelächter aus.

Oder eine Diskussion über Nutzungskonflikte in der Planung von Regengärten und ähnlichen Maßnahmen im Berliner Abgeordnetenhaus. Dabei ging es um die Konflikte, die Regengärten zwischen Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen und gegensätzlichen Ansprüchen in einem anscheinend „knappen“ Raum schüren können.  New York hat nur einen Bruchteil des verfügbaren Raumes Berlins; die Bevölkerungsdichte ist wesentlich höher; die Kulturen der Menschen, ihre Lebensweisen und Interessen sind unglaublich vielfältig (650 unterschiedliche Sprachen, wovon allein die städtische Gesundheitsverwaltung 190 bedienen muss). Nutzungskonflikte sollten hier eigentlich an der Tagesordnung sein. Dennoch stellen sie für die Planung von Regengärten weder wesentliche Hürden noch Verzögerungen dar. Diese Erfahrungen haben mich motiviert, ein wenig vom vorhandenen Raum in Berlin zu dokumentieren.

Für die grüne Regenwasserbewirtschaftung hat Berlin leider wenig Unterstützung aus der Politik und noch weniger Interesse und Bewusstsein seitens der Bevölkerung. Deshalb sollte es oberste Priorität haben, die verschiedenen Akteur*innen ins Boot holen. Ob es zielführend ist, eventuell auftretende Nutzungskonflikte heraufzubeschwören, bevor den jeweiligen Akteur*innen die Vorteile bewusst sind, ist fraglich. Warum nicht erst einmal die Vorteile kommunizieren? Oder, wenn es doch Probleme geben sollte, warum sich nicht mit den Menschen austauschen, die den Prozess schon einmal erfolgreich durchlaufen haben? Sicherlich kennen sich Städte, die schon fertig gestellte grüne Infrastrukturen haben, mit den Hürden und Schwierigkeiten gut aus.

Zum Thema Finanzierung – die Fülle verfügbaren Geldes für Pflanzenfilteranlagen ist augenfällig. In dem geplanten Flussbad an der Museumsinsel soll das Spreewasser des Spreekanals durch einen riesigen Pflanzen- und Sedimentfilter fließen. Hinter der Anlage können die Berliner*innen dann baden gehen, bevor das Wasser den Kanal wieder verlässt und ein Stück weiter flussabwärts zurück in die Spree fließt. Ohne dieses Projekt wäre ein Baden in der Spree unmöglich, es sei denn, man würde die Wasserqualität des gesamten Flusses verbessern. Für den gleichen Preis könnte man mithilfe von grüner und grauer Infrastruktur die Abwassereinleitungen bei allen vierzehn flussaufwärts gelegenen Einleitungspunkten auf null reduzieren. So würden massive Mengen Schadstoffe den Fluss nicht mehr erreichen. Deshalb ist sauberes Wasser eher eine Frage von Prioritäten als von Mittellosigkeit.

Zwar hat Berlin ein Programm für die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung inklusive Regengärten im Gange, aber nur für Neubauprojekte. Leider reduziert dieses Programm damit  keine Schäden. Lediglich sorgt es dafür, dass über neu versiegelte Flächen nicht noch zusätzlich anfallendes Regenwasser (was ja ohne das Neubauprojekt gar nicht angefallen wäre) in die Kanalisation eingeleitet werden muss – und das in einer Stadt, in der zwischen 2012 und 2017 alle 48 Stunden eine Fläche der Größe eines Fußballfeldes versiegelt wurde.

Weiterführende Informationen

Regengärten für Berlin – Mit bepflanzten Versickerungsflächen auf dem Weg zur Schwammstadt

Hinweisblatt: Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin (BReWa-BE)

Mitmachen

BUND Landesarbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg

Sie kennen auch versiegelte Flächen in Berlin, die man anderweitig nutzen könnte? Dann machen Sie bei unserer „Foto-Challange – das kann weg!“ mit.

Zum Autor

Richard Karty ist aktuell Berater für die Anpassung an das Stadtklima für den BUND Berlin und Mitglied im BUND Landesarbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg. In New York City lehrte und forschte er am Urban Systems Lab der New School über städtische Ökosysteme und arbeitete in einer Umweltplanungs- und Ingenieurberatungsfirma. Zuvor forschte er an der Yale University zum Thema Klimakommunikation.

Kontakt: Richard Karty, Ph. D. in Yale und BUND-Expert*in für Stadtökologie, mobil: 0163 27557720, E-Mail: karty@bund-berlin.de, www.richardkarty.org

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„Klimaschutz bringt Freude und Freunde“ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/29/klimaschutz-bringt-freude-und-freunde/ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/29/klimaschutz-bringt-freude-und-freunde/#respond Wed, 29 Apr 2020 16:13:29 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5304 Zurzeit steht unser Gesundheitswesen im Fokus der Öffentlichkeit. Kliniken und Klinikbeschäftigte erfahren – endlich – mehr Wertschätzung, denn wir würdigen ihre enormen Leistungen in der Corona-Krise. Was bisher kaum bekannt ist: Viele Kliniken engagieren sich auch für Klimaschutz. Denn gerade Mitarbeiter*innen aus dem Gesundheitswesen erleben, wie der Klimawandel zusehends gesundheitliche Risiken steigert. Eine von Ihnen ist Laura-Marie Strützke, Pflegekraft am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin, die sich auch privat für eine nachhaltig lebenswerte Welt einsetzt. Im Interview mit Projektmitarbeiterin Eva Loy sprach sie über ihre Erfahrungen, ihre Funktion und ihre Begeisterung für „die gute Sache“. Wie funktioniert Klimaschutz in der alltäglichen Praxis einer Klinik – sogar trotz Covid-19?

1) Was hat Sie motiviert, neben Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit, zusätzlich die Aufgabe der Klimamanagerin zu übernehmen?

Ich bin Mutter und habe einen 2,5 Jahre alten Sohn. Nach seiner Geburt habe ich mich verstärkt mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz beschäftigt. Es fing mit Pflegeprodukten für Babys an. Ich war erschrocken, dass in diesen teilweise doch Schadstoffe enthalten sind und begann nach besseren Alternativen zu recherchieren. So bin ich dann generell auf den Dreh gekommen und habe mit der Nachhaltigkeitslupe auf alle Lebensbereiche geschaut: Ernährung, Energie, Kleidung – Mir wurde klar, dass alles mit allem zusammenhängt und daraus entwickelte sich ein ganzheitliches Umdenken zum Minimalismus. Bei allen Anschaffungen fragte ich: Muss das wirklich sein? Dafür bin ich bei meinen Kolleg*innen auch schon länger bekannt und erfahre als Klimamanagerin sehr viel Zustimmung. Neben meiner Teilzeitstelle als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation des Ev. Krankenhaus Hubertus und meiner Rolle als Mutter möchte ich die Aufgabe des Klimamanagements gerne dauerhaft in mein berufliches und privates Leben integrieren.

2) Gab es einen Moment in Ihrem Leben, der Ihnen klar zeigte: Der Klimawandel hat etwas mit mir persönlich zu tun?

Abgesehen von meinem kleinen Sohn waren zwei Dokumentarfilme von entscheidender Bedeutung. Vor einiger Zeit bin ich mit einer Freundin ins Kino gegangen, um den Film „An den Rändern des Horizonts“ von Greenpeace-Aktivist Markus Mauthe anzuschauen. Sein Portrait indigener Völker in 13 Ländern hat mich zutiefst berührt. Die Lebensräume dieser Völker sind massiv durch unseren Konsum bedroht, der mit Abholzung, Überfischung und viele anderen Ausbeuten der Natur verbunden ist. Etwas später lernte ich im Film „The True Cost“ von Andrew Morgan, was sich hinter den billigen Textilien in unseren Kleiderschränken verbirgt. Zwar habe ich zu diesem Zeitpunkt schon umweltbewusst gelebt und zum Beispiel Bio-Lebensmittel gekauft. Aber das war eben noch nicht in allen Lebensberei-chen der Fall. Danach habe ich den Ursprung von allem, was ich einkaufte, hinterfragt. Warum kostet ein T-Shirt nur zwei Euro? Den wahren Preis zahlen Menschen in Entwicklungsländern und die Natur. Seither stellen wir als Familie vieles einfach selbst her oder kaufen gebraucht.

3) Hat das Ihre Berufswahl und vor allem Entscheidung, Klimamanagerin zu werden, beeinflusst?

Die Berufswahl der Krankenpflege erfolgte ja schon vor meinem nachhaltigen Sinneswandel, aber ich erkenne sowohl im Klimaschutz als auch in der Pflege einige Parallelen. In beiden Bereichen kann ich allein das Leid der Welt bzw. das Leid der Pflegebedürftigen nicht beenden. Aber ich kann im Rahmen meiner ganz persönlichen Möglichkeiten mein Bestes geben, um die Dinge zum Guten zu wenden.
Soziale und ökologische Nachhaltigkeit sind nicht voneinander zu trennen. Genauso wie ich Klimaschutz voranbringe, indem ich im Hier und Jetzt ressourcenschonend lebe, investiere ich auch in jeder Dienstschicht meine ganze Energie. Ich will in der Gegenwart helfen und achtsam sein. Ich möchte meinen Enkelkindern später sagen können, dass ich nicht untätig zugeschaut habe, sondern mich dafür eingesetzt habe, für kommende Generationen eine lebenswerte Welt zu erhalten.

4) Seit wann nehmen Sie den Umweltschutz als persönliche Aufgabe war?

Das können wir am Alter meines Sohnes Theo festmachen: Seit 2,5 Jahren. Davor war mir schlichtweg nicht bewusst, wie schlimm der Zustand unserer Erde wirklich ist. Für uns als Familie wirkte der Sinneswandel hin zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz aber als große Bereicherung. Wir haben heute durch das Konzentrieren aufs Wesentliche mehr Zeit und Ressourcen füreinander.

5) Sie arbeiten seit sechs Jahren am Evangelischen Krankenhaus Hubertus. Wie hat sich Ihr beruflicher Alltag verändert, seitdem Sie Klimamanagerin sind?

Auf der Intensivstation hat sich meine Schicht nicht verändert. Aber die Kolleginnen und Kollegen reagieren auf meine neue Tätigkeit, sprechen mich häufig darauf an und wollen meine Meinung zu verschiedenen Umweltthemen hören. Ansonsten nehme ich nun zusätzliche Termine wahr, arbeite eng mit unserem Geschäftsführer Herrn Dr. med. Albrecht zusammen und richte wöchentlich einen Arbeitstag als Klimatag aus.

6) Das Evangelische Krankenhaus Hubertus engagiert sich seit gut 20 Jahren für den Schutz des Klimas. Wie fügt sich Ihre Rolle als Klimamanagerin in das gesamte Engagement ein bzw. ergänzt dieses?

Mit meiner Funktion bekommen die jahrzehntelangen Klimaschutzinitiativen am Hubertus im wahrsten Sinne, ein Gesicht. Es wird deutlicher, dass Klimaschutz im Krankenhaus die Aufgabe aller Beschäftigten ist und nicht nur als einzelne Maßnahme funktioniert. Die bisherigen Maßnahmen werden gebündelt, kommuniziert und vom Kollegium noch stärker wahrgenommen als zuvor.

7) Welche bisherige Maßnahme am Hubertus in Sachen Klimaschutz hat Sie am meisten beeindruckt, möglicherweise sogar motiviert, Klimamanagerin zu werden?

Es gibt natürlich die großen Umweltschutz-Projekte des Hauses, die den Mitarbeitenden bekannt sind, wie zum Beispiel der Öltank, in dem wir Regenwasser sammeln. In meiner neuen Position habe ich jedoch erst erfahren, wie umfassend das Engagement darüber hinaus schon ist. Das hat mich sehr beeindruckt. Als Klimamanagerin möchte ich diese Maßnahmen jetzt nach vorne bringen und noch sichtbarer machen. Was mich besonders motiviert: Das ist die familiäre Atmosphäre im Hubertus. Wir sind ein kleines Haus mit kurzen Wegen. Ich erhalte viel Unterstützung von Geschäftsführung und Kollegen. So lässt sich wirklich etwas bewirken.

8) Sie haben bereits im vergangenen Jahr Ende November am regionalen Auftaktworkshop des BUND-Projekts KLIK green teilgenommen. Wie ist Ihnen danach der Einstieg ins Projekt gelungen?

Man könnte sagen, dass meine Stelle als Klimamanagerin im Evangelischen Krankenhaus Hubertus zeitgleich mit dem KLIK green Auftaktworkshop begann. Zuerst musste ich mich dann in das Management des Krankenhauses einarbeiten, habe viel recherchiert und andere Bereiche kennengelernt. Den KLIK green Auftaktworkshop fand ich sehr hilfreich, denn ich kann mich nun mit anderen Klimamanager*innen, die am Projekt teilnehmen, in Verbindung setzen und habe Ideen für mögliche Maßnahmen gesammelt.

9) Momentan beherrscht vielerorts Corona den Alltag in Kliniken. Konnten Sie vor dem Ausbruch der Pandemie bereits erste Ideen entwickeln und/oder Maßnahmen umsetzen?

Ja, denn quasi parallel zur Einarbeitung in die Strukturen des Krankenhauses begannen die Geschäftsführung und ich gleich mit der Planung von Optimierungsmaßnahmen. Gemeinsam haben wir festgestellt, dass es trotz unseres grünen Daumens noch reichlich Optimierungsbedarf gibt und definiert, was wir zuerst umsetzen wollen.

10) Welche waren das?

Insbesondere richteten sich erste Aktivitäten auf das Interne Catering. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden nun klimafreundliche und gesunde Speisen bei Sitzungen oder Festlichkeiten serviert. Darüber hinaus wurde bereits der Anteil an Recyclingpapier deutlich erhöht.

11) Corona, Krankenpflege, Klimamanagement. Wie passt das aktuell – auch zeitlich – zusammen? Wie hat sich Ihr Alltag als Krankenpflegerin und Klimamanagerin seither verändert?

Nach dem Behandlungskonzept des Berliner Senats zur Behandlung von Covid-19-Patient*innen, gilt das Evangelische Krankenhaus Hubertus als Level-3-Notfallkrankenhaus. Von daher gestaltet sich mein Pflegealltag bisher noch wie gewohnt.
Geändert hat sich, dass ich meine Stelle als Klimamanagerin nun im Home-Office erledige und an Weiterbildungen online teilnehme wie das zuletzt zur KLIK green Schulung der Fall war.

12) Welche Ideen und/oder Maßnahmen für den Klimaschutz im Krankenhaus stehen an, wenn COVID-19 eingedämmt werden konnte?

Viele Klimaschutzmaßnahmen sind auch ohne persönlichen Kontakt möglich. Das heißt: Technische Optimierungen und weitere Erhöhung des Anteils an Recyclingpapiers können auch weiter geplant und umgesetzt werden. Parallel bereite ich die Optimierung der Abfallentsorgung, die als nächstes ansteht, vor. Solche Maßnahmen können erst beginnen, wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen persönlich direkt vor Ort arbeiten kann. Ich hoffe, dass dies die Situation bald wieder zulässt.

13) Was kann man von Corona möglicherweise lernen, was den Arbeitsabläufen in der Klinik und dem Klimamanagement zu Gute kommt?

Aktuell merke ich, dass auch im Klinikumfeld Menschen solidarischer miteinander umgehen. Das betrifft PatientInnen genauso wie das Team. KollegInnen unterstützen sich und tauschen sich aus. Das ist gut für die Arbeit und auch für den menschlichen Zusammenhalt.

14) Corona bewirkt unter anderem, dass Kliniken verstärkt wahrgenommen und geschätzt werden. Wie prägt die öffentliche Aufmerksamkeit, Ihre eigene Selbstwahrnehmung als Pflegekraft?

Es freut mich sehr, dass mir in meinem privaten Umfeld noch mehr Dankbarkeit und Interesse zuteil wird als das vorher der Fall war. Außerdem ist es ein schönes Gefühl, Corona direkt die Stirn bieten zu können, sozusagen an der Quelle mitzuhelfen, während viele Menschen gerne mehr helfen würden, aber eben ebenso dankenswerterweise, zu Hause bleiben müssen. Die Anerkennung für meine Arbeit macht mich stolz.

15) Derzeit wird bereits diskutiert, was der Kampf gegen den Klimawandel aus dem jetzigen Umgang mit der Corona-Krise lernen könnte. Wie könnten, Ihrer Ansicht nach, die stärkere Akzeptanz von Maßnahmen in Kliniken auch für Klimaschutzmaßnahmen erreicht werden?

Ich schätze beide Entwicklungen, Klimawandel und Corona, als zu unterschiedlich ein, um aus der einen etwas Konkretes für die andere zu übernehmen. Sie haben mich zu Beginn gefragt: Gab es in meinem Leben einen Moment, der mir zeigte, dass der Klimawandel etwas mit mir zu tun hat? Ich denke, genau diese Erkenntnis braucht man zuerst, um den eigenen Lebensstil zu Gunsten des Klimas in Frage zu stellen und Veränderungen schrittweise umzusetzen. Die Auswirkungen des Klimawandels – etwa auf die Gesundheit – zeigen sich langsamer. Und die nachhaltigen Folgen für uns und den Planeten hängen auf komplexe, manchmal schwer verständliche Weise, zusammen.
Bei Corona ist das ganz anders. Die Pandemie ist sichtbarer, allein durch die Medien, und es ist für jeden leicht zu verstehen, welche Konsequenzen das Virus für den einzelnen Menschen haben kann.
Die Basis für eine stärkere Akzeptanz sind meiner Meinung nach Aufklärung und Information, ohne die Moralkeule zu schwingen oder mit strengen Regeln zu drohen. Auch wenn es mir, zugegeben, manchmal schwer fällt mich auf mich zu konzentrieren. Es zahlt sich aus „nur“ mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt zu ermahnen. Ich packe beispielsweise dann die Tupperbox an der Frischetheke aus und habe meinen Mehrwegbecher dabei. So möchte ich Menschen im Alltag, als Pflegekraft und als Klimamanagerin inspirieren.

16) Es bleibt zu hoffen, dass positive Nebeneffekte, etwa in Hinblick auf soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz, Wertschätzung von Krankenhäusern, auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Was nehmen Sie aus heutiger Sicht persönlich mit?

Generell würde ich sagen, dass aus jeder Krise auch etwas Gutes entsteht. Dazu möchte ich persönlich meinen Teil beitragen und merke derzeit noch mehr als sonst, dass ich den Menschen und dem Planeten helfen will. Natürlich hoffe ich, dass die bereits sichtbaren positiven Nebeneffekte des sozialeren Miteinanders und der Anerkennung zu Konstanten werden. Auch wenn mir jeden Tag bewusst ist, dass ich nicht die Welt retten kann und auf der Intensivstation immer die Bedrohung durch Krankheit und Ängste erlebe: Ich bin von Hause aus ein optimistischer Mensch und werde es bleiben. Jetzt erst recht.

17) Ihre Tipps zum Schluss: Wie gewinnen wir Menschen für den Klimaschutz?

Wir müssen betonen, dass Klimaschutz kein Verzicht ist, sondern Gewinn bedeutet. Wir müssen einfach irgendwo anfangen und selbst testen, wie Klimaschutz im Alltag funktionieren kann. Wenn Sie vier Wochen auf Plastik verzichten, werden Sie schnell merken, dass man nicht vollständig auf Plastik verzichten kann. Aber darum geht es nicht. Der Prozess ist entscheidend und macht großen Spaß. Nach vier Wochen Experimentierphase hat man bereits einen Teil seines Lebens umgestellt und das fühlt sich gut an. Bei mir fing alles mit Babyshampoo an, daraus wurde Schritt für Schritt ein neuer Lebensstil und nun bin ich Klimamanagerin im Evangelischen Krankenhaus Hubertus. Also: Klimaschutz bringt Freude und Freunde, wenn wir locker rangehen und andere inspirieren, anstatt Kritik zu üben.

 

Vielen Dank. Wir freuen uns sehr, dass Sie auch in der aktuellen Situation so viel Zeit für KLIK green und den Klimaschutz finden.

Titelfoto: Klimamanagerin Laura-Marie Strützke vor dem Haupteingang des Evangelischen Krankenhauses Hubertus in Berlin-Zehlendorf. (Fotonachweis: Frederic Schweizer)

 

Der BUND Berlin, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und das Universitätsklinikum Jena unterstützen mit dem Projekt „KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz“ seit Mai 2019 ein klimaneutrales Gesundheitswesen im Sinne des Klimaschutzplanes 2050 der Bundesregierung. Im Projekt erhalten Klinikbeschäftigte die Möglichkeit, im Rahmen eines kostenlosen Qualifizierungsangebots zu lernen, wie insbesondere gering-investive Maßnahmen hohe Einsparungen an Energie, Material und Ressourcen bewirken. Insgesamt sollen bundesweit 250 Krankenhäuser und Reha-Kliniken teilnehmen und, bis zum Projektende im April 2022, als „Kliniknetzwerk für Klimaschutz“ 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente vermeiden. KLIK green erhält finanzielle Förderung aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums (BMU).

www.klik-krankenhaus.de

Weitere Infos zu Klimaschutz im Gesundheitswesen: https://www.bund-berlin.de/themen/klima-ressourcen/energie-klimaschutz/gesundheitswesen/

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https://umweltzoneberlin.de/2020/04/29/klimaschutz-bringt-freude-und-freunde/feed/ 0
Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Bäume in den Straßen und den Parks aus? https://umweltzoneberlin.de/2020/04/28/wie-wirkt-sich-die-trockenheit-auf-die-baeume-in-den-strassen-und-den-parks-aus/ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/28/wie-wirkt-sich-die-trockenheit-auf-die-baeume-in-den-strassen-und-den-parks-aus/#respond Tue, 28 Apr 2020 11:31:33 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5297 Die Trockenheit wirkt sich verheerend auf die Stadtvegetation aus. Die Straßenbäume haben in der Regel nur einen sehr begrenzten Wurzelraum zur Verfügung, in diesen Pflanzgruben kann Wasser ohnehin nur begrenzt gespeichert werden. Die Grundwasserstände in den Städten sind zumeist abgesenkt und werden niedrig gehalten. Eine Versorgung von Baumwurzeln über den Kapillarsaum des Grundwassers ist daher nur in wenigen Siedlungsgebieten möglich. In Berlin kommt dies nur in Teilen des Urstromtals entlang der Havel und der Spree vor.

Bäumen in Grünanlagen geht es da schon ein wenig besser. Der Boden ist dort meistens tiefgründiger als im Straßenland und leichter zu durchwurzeln. In einer großen, zusammenhängenden Grünfläche kann auch Wasser aus zurückliegenden (Stark-)Regen wesentlich besser gespeichert werden, zumindest in der Theorie, denn auch diese letzten Niederschläge liegen nun einmal schon eine Weile zurück. Wir mussten leider letztes Jahr beobachten, dass (zumindest in Berlin) nicht alle öffentlichen Grünanlagen so gewässert wurden, wie es notwendig gewesen wäre. Einerseits fehlte es an Personalkapazitäten dafür, andererseits waren die notwendigen Wasseranschlüsse dafür in den zurückliegenden Jahren wegrationalisiert worden oder so vernachlässigt, dass sie nicht verwendet werden konnten. Das Sterben der Buchen in den Parks hätte vielerorts verhindert werden können, wenn diese rechtzeitig gegossen worden wären.

Welche Funktionen übernehmen Bäume in der Stadt und welche Folgen hat die Trockenheit für Mensch und Natur?

Eine der wichtigsten Funktionen von Bäumen ist ihre regulierende Wirkung auf das Stadtklima. Mit ihrer Krone beschatten Straßenbäume Asphaltflächen und Häuserfassaden. Diese heizen sich dadurch weniger schnell auf (Der Temperaturunterschied kann unter Bäumen bis zu 10° C betragen), kühlen damit auch schneller ab und geben nachts weniger Hitze ab. Die Zunahme von Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20° C sinkt, gilt als eines der größten Gesundheitsrisiken, die der Klimawandel mit sich bringt. Besonders alte und geschwächte Menschen sind dadurch gefährdet. Asthma, Herzinsuffizienz, Hautkrebs und der Graue Star treten dann beispielsweise häufiger auf. Bewohner*innen von Städten bekommen den Temperaturanstieg besonders zu spüren, denn dort bilden sich durch die hohe Bebauungsdichte Wärmeinseln. Über die Spaltöffnungen in den Blättern geben Bäume auch während der Photosynthese Wasser ab und befeuchten und erfrischen damit die Luft. In und über Grünanlagen entsteht wichtige Kalt- und Frischluft, von der die umliegenden Quartiere profitieren. An diesem Prozess sind Bäume wesentlich beteiligt.

Ein völliger Verlust der Bäume in den Grünanlagen würde auch zu einem stärkeren Verschleiß der kurzgehaltenen Rasenflächen führen. Schon jetzt sind die uneingeschränkt der Sonne ausgesetzten grünen Sport-, Spiel- und Bewegungsflächen ab ca. Juni nur noch Staub, da hat der Sommer gerade erst angefangen (Naturnahe Trockenrasen- und Wiesenflächen kommen mit der vielen Sonne übrigens viel besser zurecht, werden dann aber auch viel seltener gemäht und sind daher auch nur eingeschränkt für Freizeitaktivitäten geeignet).

Bäume in der Stadt bieten wertvolle Lebensräume für viele andere Tiere. Zwischen Ästen und in Baumhöhlen leben Vögel und Fledermäuse. Unter der Borke und an den Blättern halten sich viele Insekten auf, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse sind. Auch für nektarsuchende Insekten wie z.B. Wild- und Honigbienen bieten Bäume in der Stadt einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Nahrungsgrundlage. Gerade Insekten sind häufig auf ganz bestimmte Pflanzenarten spezialisiert, an deren Blättern ihre Raupen fressen und unter deren Rinde sie ihre Eier legen können. Ein voranschreitender Verlust der vorhandenen Altbäume kann das Insektensterben in der Stadt beschleunigen. Den spezialisierten Baumbewohnern unter ihnen würde die Lebensgrundlage entzogen.

Welche Bäume sollen nachgepflanzt werden?

An den Verlust der Alt-Bäume schließt sich die Frage an, welche Bäume nachgepflanzt werden sollen. Häufig werden dafür nichtheimische Baumarten aus trockenen Regionen favorisiert. Das birgt jedoch ein gewisses Risiko. Die spezialisierte Fauna und Flora Mitteleuropas ist auf diese (noch) nicht eingestellt. Der Anpassungsprozess kann sofern er überhaupt stattfindet Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Vermehrte Anpflanzungen nichtheimischer Baumarten können dann auch als Trittsteine für bisher fremde Arten wirken, deren Verbreitung und Auswirkung auf die vorhandene Fauna und Flora noch völlig unklar ist. Wanderungsbewegungen der Arten aufgrund wechselnder klimatischer Bedingungen haben schon immer stattgefunden und auch einen nicht unerheblichen Beitrag zur Entstehung der Artenvielfalt geleistet. Das Problem ist, dass durch den menschlichen Anteil am Klimawandel diese Prozesse jetzt so schnell ablaufen, dass weite Teile der Natur da nicht mehr mithalten können. Erst recht nicht so langsame Lebewesen wie Bäume.

Kann man von einem Baumsterben in den Städten sprechen?

Ja, die Situation spitzt sich dramatisch zu. Bäume können einiges aushalten, in der Regel erliegen sie dann aber sogenannten Komplexkrankheiten. Damit werden eine Häufung von verschiedenen Schadfaktoren bezeichnet, die jeder für sich genommen gar nicht mal so schlimm sein müssen. In der Summe jedoch können sie den Bäumen so zusetzen, dass sie absterben oder Schwächeparasiten (wie z.B. Pilzerkrankungen) erliegen. Der nun schon langanhaltende Trockenstress schwächt die Bäume zunehmend und macht sie anfällig. Baumkrankheiten wie Rußrindenkrankheit an Berg- und Spitzahorn oder auch Pseudomonas an der Roßkastanie nehmen zu und verlaufen schwerwiegender.

Bäume benötigen Wasser um Photosynthese betreiben zu können. Wenn Wasser knapp wird, reagieren viele Baumarten auf die Situation, in dem sie die Blattfläche durch einrollen oder abwerfen verringern, um so auch die Photosynthese-Leistung zu reduzieren. Es ist eine der wenigen Stellschrauben, über die sie verfügen, um den Wasserverbrauch zu drosseln. Eine geringere Photosynthese-Leistung bedeutet geringere Widerstandskraft, weniger Zuwachs, um z.B. Holzzersetzung auszugleichen oder wasserführende Gefäße auszubilden. Ab Sommer und Herbst kommt es dann zu einer verringerten Knospenbildung (in denen die Blätter fürs nächste Jahr angelegt werden) und auch weniger Reservestoffen, die den Winter über eingelagert werden können. Hier zeigt sich schließlich auch eine der fatalen Auswirkungen der anhaltenden und wiederkehrenden Trockenheit: Sie schwächt langlebige Lebewesen wie Bäume schleichend. Besonders stark sind ringporige Baumarten wie z.B. Eichen, Ulmen und Eschen betroffen. Diese Baumarten bilden ihre wasserführenden Gefäße hauptsächlich mit dem im Frühjahr gebildeten sogenannten Frühholz aus. Jedes trockene Frühjahr mit geringen Zuwächsen bedeutet für diese Baumarten eine geringere Neubildung wasserführender Gefäße. Bei mehreren Trockenjahren in Folge kumulieren diese Defizite.

Die warme und trockene Witterung im Winter und Frühjahr begünstigt auch die Massenvermehrung von bestimmten baumschädigenden Insekten. Solche Gradationen kommen in der Natur immer wieder vor und gehören an sich zum natürlichen Kreislauf. Für die geschwächten Bäume kann aber eine Massenvermehrung von Fraßschädlingen fatale Konsequenzen haben.

Was erwarten wir von der Politik in Kommunen, Ländern und Städten?

Wir fordern, dass man sich aufgrund ihrer Bedeutung für das Stadtklima und den Natur- und Artenschutz vielmehr um die bestehenden Bäume kümmern sollte. Neupflanzungen sind wichtig und dürfen auch nicht vernachlässigt werden, aber ich beobachte immer wieder, dass die Frage welche Baumarten jetzt gepflanzt werden (auch aufgrund des exotischen Charakters der diskutierten Baumarten) die eigentlich dringende Frage völlig überlagert: Wie bekommen wir, welches Wasser an welche Bäume?

Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass sich da auch eine Mentalität breit gemacht hat, die den Altbestand schon längst abgeschrieben hat und lieber auf einen Neustart mit neuen Teilnehmern setzen möchte. Das führt in die falsche Richtung. Die Städte und Gemeinden müssen sich wohl oder übel darauf einstellen, regelmäßig ihre Bäume, die Parks und die weiteren Freiflächen, also die grüne Infrastruktur der Stadt, mit Wasser versorgen zu können.

Eine vitale Stadtvegetation hilft aber auch, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Neben dem Schutz der Freiflächen und der Vegetationsbestände muss das Management von Regen- und Grundwasser neu angegangen werden. Viele – auch urbane – Ökosysteme benötigen bestimmte Mindeststände des Grundwasserspiegels, um überleben zu können. Mit dem Klimawandel wird nicht nur die Trockenheit zunehmen, sondern insgesamt die Extremwetterereignisse. Starkregen fließen in Städten häufig noch in die Kanalisation ab, ein modernes Regenwassermanagement speichert dieses Wasser und nutzt es dann in den trockenen Perioden.

Was kann man gegen die Trockenheit tun?

Die wiederkehrende und anhaltende Trockenheit entspricht den Projektionen der Klimaforschung für die Folgen einer zunehmenden Erderwärmung. Frühling und Herbst werden kürzer, die Sommer trockener, Niederschläge werden vermehrt im Winter und dann auch zunehmend als Extremwetterereignisse ausfallen. Die Städte und Gemeinden werden sich darauf vorbereiten und anpassen müssen. Mindestens genauso wichtig ist es aber den Klimawandel aufzuhalten, die Energiewende so rasch wie möglich umzusetzen und die Emissionen klimawirksamer Gase dauerhaft zu begrenzen.

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Aktuell: Der BUND hat alle Bezirke angeschrieben, um konkret zu ermitteln, wo und wie gegossen wird und so mehr Transparenz herzustellen, wo die Unterstützung von den Bürger*innen nötig ist. BUND-Brief an die Bezirksämter

 

Aktiv werden für Bäume

Aktion „Bäume gießen“

Unterschriftenaktion: Stadt braucht Grün

Foto Challenge: Das kann weg!

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Und wenn ich doch mal was brauche? https://umweltzoneberlin.de/2020/04/15/und-wenn-ich-doch-mal-was-brauche/ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/15/und-wenn-ich-doch-mal-was-brauche/#comments Wed, 15 Apr 2020 17:49:02 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5275 Wir alle verbringen gerade viel mehr Zeit zu Hause als gewöhnlich. Außer Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Buchläden, Fahrradhandel und Baumärkten (Stand 11.4. für das Bundesland Berlin) haben alle Geschäfte bis auf unbesteimmte Zeit geschlossen. Wenn nun die Glühbirne oder der Drucker kaputt gehen, scheint es die einzige Möglichkeit, diese online zu bestellen. Weiterhin bringt uns die viele Zu-Hause-Zeit auf die Idee, lange geplante Hobbies nun endlich mal umzusetzen. Aber worauf sollten wir beim Online-Einkaufen achten, um auch hier nachhaltig zu handeln?

Die Zahlen des Onlinehandels vor Corona

Das Marktvolumen des deutschen Onlinehandels ist 2018 auf 53 Milliarden Euro gewachsen – Tendenz steigend! Immer mehr Menschen entdecken Online-Shopping für sich. Am beliebtesten waren dabei bisher Kleidung sowie Elektrogeräte [1]. In der Coronakrise ist Onlineshopping oft eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, um Produkte und Güter auf möglichst hygienischem Weg und trotz Ladenschließungen zu beschaffen.

Mehr Online-Shopping während Corona?

Dennoch verzeichnet auch der Onlinehandel einen Rückgang im Konsumverhalten bei den genannten Gütern [2]. Während im Supermarkt vor allem Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs nachgefragt werden, sind es im Onlinehandel derzeit Güter, die vielen den Alltag zu Hause erleichtern sollen: Tischtennisplatten, Fitnessgeräte oder Zubehör sowie Puzzle sind im Schnitt zwei bis  drei mal so gefragt wie vor der Krise[3].

Nachhaltig online einkaufen: Worauf kommt es an?

https://www.instagram.com/bundberlinklima/

Der Onlinehandel birgt erstmal viele nicht nachhaltige Praktiken: So werden Produkte oft aufwendig in Pappe, Plastik, Styropor oder Schutzfolien verpackt, um unversehrt angeliefert zu werden. Es entstehen darüber hinaus Transportkosten der Paketdienste. Hinzu kommen die zahlreichen Rücksendungen von Kundinnen und Kunden. Die zurück gesandten Waren, vor allem Bekleidung, werden oft vom Händler vernichtet. Jedes sechste Paket wird zurückgeschickt. Im Jahr 2018 waren das allein in Deutschland 532 Pakete pro Minute[4]! Geschätzte 20 Mio. Produkte wurden von den Händlern anschließend entsorgt – es entsteht unnötiger Müll durch Güter, die aufwendig produziert aber nie genutzt wurden[5]!

Doch online einkaufen kann auch nachhaltig geschehen: Es gibt bereits ein großes Angebot an Onlineshops, die mit nachhaltigen Produkten und Qualitätsstandards arbeiten. Die Ökobilanz kann sogar besser ausfallen beim Offlineshopping, wenn dadurch auf eine längere Autofahrt zum Fachhandel verzichtet wird. Das ist vor allem in ländlichen Regionen ein Argument für Auslieferungen per Paketbote.

Einige Auflistungen und Anregungen für nachhaltige Shops findet ihr z.B. bei WeGreen, oder Utopia. Dabei geht es nicht nur um nachhaltige und plastikfreie Produkte, sondern auch um deren Auslieferung und ob das Unternehmen eigene Nachhaltigkeitskriterien hat. Um nachhaltig online einzukaufen, solltet ihr deshalb folgende Fragen vor dem Kauf überprüfen: Brauche ich das Produkt wirklich? Vor dem Bestellen einfach mal eine Nacht drüber schlafen und erst dann entscheiden. So kann der eine oder andere Impulskauf vermieden werden.

  • Verkauft der Onlineshop Produkte mit Nachhaltigkeitssiegel?

Dazu gehören je nach Produktart z.B. der blaue Engel, das EU Ecolabel, GOTS oder FSC. Eine Übersicht zu Siegeln findet ihr  beim Umweltbundesamt oder auch sehr detailliert bei Stiftung Warentest.

  • Erfolgt der Versand CO2-neutral?

Viele nachhaltige Onlineshops gleichen die entstehenden Emissionen aus oder – noch besser – versuchen, einen möglichst emissionsarmen Versand zu ermöglichen – z.B. auch mit E-Autos oder Lastenrädern (DHL und DPD bieten dies derzeit an). Lagerkapazitäten und eine Herstellung in Deutschland/Europa sorgen außerdem für kürzere Lieferwege.

  • Achtet der Onlineshop auf wenig oder recyclebare Verpackung?

Statt Schutzfolien, Styropor und Co. gibt es viele Alternativen: recyclebare Verpackungen aus Pappe, Stroh oder auch Mehrweg-Systeme, die verwendet werden können. Informiert euch vorm Kauf darüber, wie der Onlineshop die Verpackung gestaltet.

  • Hat das Unternehmen auch sonst ein Nachhaltigkeitskonzept?

Um die Nachhaltigkeit vollständig zu denken, solltet ihr auch beachten, ob das Unternehmen, das die Produkte anbietet, z.B. mit Ökostrom arbeitet und auf seinen eigenen ökologischen Fußabdruck achtet. Auch hier gibt es ein Zertifikat für Unternehmen, das Umweltmanagement bestätigt: EMAS.

Und hier nochmal zusammengefasst fünf Tipps und Kriterien, um sowohl während als auch nach der Coronakrise nachhaltig einzukaufen:

  1. Ganz generell: Brauche ich das wirklich? Gibt es die Option, es vielleicht Second Hand zu kaufen?
  2. Mit Bedacht einkaufen und Retouren vermeiden
  3. Auf Siegel und Nachhaltigkeitsstandards achten
  4. Besonders in Corona Zeiten, aber immer sinnvoll: lokale Unternehmen unterstützen und somit auch Transportwege kürzen – gerade zur Zeit gibt es viele Angebote!
  5. Soziale Aspekte mitdenken: Paketdienste leisten gerade viel und werden oft schlecht bezahlt!

 

[1] Handelsverband Deutschland 2019: Online Monitor 2019 Internetadresse: https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=10168

[2] Spiegel 6 April 2020: Auch Onlinehandel klagt über sinkende Umsätze https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-krise-auch-online-handel-klagt-ueber-sinkende-umsaetze-a-5b0a62b5-c2fa-4a6a-872d-f4d27cd27dc5

[3] Check24 Presseportal 3 April 2020: https://www.presseportal.de/pm/73164/4563443

[4] Spiegel 12 März 2019: Die Retourenrepublik https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/amazon-zalando-otto-die-retouren-republik-deutschland-a-1271975.html

[5] Retourenforschung Uni Bamberg: http://www.retourenforschung.de/info-hintergruende-der-retourenentsorgung—studie-ausgewertet.html

 

Weitere Links:

BUND-Projekt “NKI: Klimafreundlicher Lieferverkehr für saubere und lebenswerte Städte“ www.BUND.net/lieferverkehr 

PM „In der Corona-Krise regionale Strukturen stärken – lokal einkaufen hilft Kleinunternehmen und Umwelt“ https://www.bund-berlin.de/service/presse/detail/news/in-der-corona-krise-regionale-strukturen-staerken-lokal-einkaufen-hilft-kleinunternehmen-und-umwelt/

Die Autorin ist Magdalena Bauer, Abfallberaterin des BUND

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Sieben Tonnen am Tag https://umweltzoneberlin.de/2020/01/29/sieben-tonnen-am-tag/ https://umweltzoneberlin.de/2020/01/29/sieben-tonnen-am-tag/#respond Wed, 29 Jan 2020 13:54:59 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5209 Laut Umweltbundesamt fielen in Deutschland im Jahr 2017 insgesamt 18,72 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. Das entspricht dem Gewicht von 1.800 Eiffeltürmen, dem Wahrzeichen der Stadt der Liebe, Revolution und La Bohème. Seit gut vier Jahren steht die französische Hauptstadt auch für Hoffnung, denn im Dezember 2015 einigten sich 195 Länder erstmals auf ein allgemeines, rechtsverbindliches internationales Klimaschutzabkommen. Das Abkommen von Paris erwirkte auf EU-Ebene die Festlegung, Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Was viele nicht wissen: Verpackungen machen 1,5 – 2,0 Prozent des durchschnittlichen CO2-Fußabdrucks eines europäischen Konsumenten aus und können somit einen erheblichen Beitrag zum Kampf gegen klimaschädliche Emissionen leisten. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie nicht im Restmüll enden und stofflich verwertbar bleiben. Die guten Nachrichten vorweg: Seit 1990 sank die Restabfallmenge privater Haushalte um mehr als die Hälfte. Gleichzeitig stieg das Volumen an getrennt gesammelten Wertstoffen (Leichtverpackungen, Papier, Pappe und Karton, Glas) um beinahe das Vierfache. Zudem erfolgt sowohl im Privaten als auch im öffentlichen Sektor ein deutliches Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit. Doch die Verpackungswelle wächst stetig an und droht, solche Fortschritte wegzuschwemmen.

Warum Kliniken?

Mit 4,8 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr gelten Krankenhäuser als der fünftgrößte Müllproduzent in Deutschland und als der ressourcenintensivste Verbraucher im Sektor Dienstleistung. Pro Krankenhausbett und Patient fallen jeden Tag bis zu 20 Kilogramm Müll an – Das ergibt sieben bis acht Tonnen je Klinik. Allein in Berlin gibt es 83 Krankenhäuser, die jährlich bis zu 212.065 Tonnen Abfall produzieren. Damit entsteht in Kliniken eine besonders kritische Dimension, die ein effizientes und grünes Ressourcenmanagement verlangt.

Das Abfallspektrum in Kliniken

In Kliniken türmen sich nicht nur quantitativ, sondern auch stofflich wesentlich problematischere Müllberge als in Haushalten. In erster Linie unterscheidet Krankenhauspersonal zwischen infektiösem und nicht infektiösem Abfall.Eine Vereinbarung der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) benennt folgende fünf Abfallgruppen.

Verpackungen zählen in Kliniken zur mengenmäßig größten Abfallgruppe, dem Hausmüll, der erhebliches Einsparpotenzial besitzt. Sie interagieren mit einem breiten stofflichen Spektrum, bevor sie im Müll landen und öffnen Türen in alle Abfallbereiche.

Entsorgungswege

Abfallbeauftragte in Kliniken stehen vor der enormen Herausforderung, den Überblick über mindestens 100 Abfallarten zu behalten. Diese Materialien gehen komplizierte Entsorgungswege. Generell lassen sich jedoch drei grundsätzliche Ausgangspunkte für den weiteren Verlauf nennen: Die Entsorgung von krankenhausspezifischem Siedlungsabfall (1) und Sonderabfall (2) erfolgt entsprechend gültiger Richtlinien in Hochtemperaturverbrennungsanlagen. Um die normalen Hausmüllabfälle für die stoffliche Verwertung (3) kümmert sich ein Recyclingunternehmen.

Die folgenden Beispiele geben Einblick in die tägliche Abfallsammel- und Entsorgungsprozedur:

  • Verbände, Windeln, Atemschutzmasken, Aufwischtücher oder Einwegwäsche, an denen Spuren von Blut, Sekreten oder Exkreten haften, kommen als Siedlungsabfall in zugelassene Abfallverbrennungsanlagen.
  • Spitze und scharfe Gegenstände wie Kanülen und Skalpelle werden über den normalen Hausmüll entsorgt und zuvor in bruch- und stichsicheren Behältnissen gesammelt.
  • Abfälle mit Überwachungsbedarf wie Altmedikamente, Laborabfälle, Chemikalien, Altöle, Lösungsmittel oder Müll aus der Röntgenabteilung unterliegen gesetzlich besonderen Entsorgungsrichtlinien und ihre Entsorgung obliegt dafür zertifizierten Unternehmen.
  • Körper-, Organ- oder Gewebeabfall lagert in speziellen Behältern in einem Kühlraum und wird mitsamt ihrer Spezialbehälter verbrannt. Die Verbrennung muss dabei unter einer definierten Hochtemperatur und innerhalb eines definierten Zeitraums erfolgen.

Für Verpackungen inklusive Hausmüll fühlen sich bestenfalls Entsorger, Recyclingunternehmen, aber auch Hersteller und Vertreiber verantwortlich. Um die Recyclingquote deutlich zu verbessern, trat im Jahr 2019 in Deutschland ein Verpackungsgesetz (VerpackG) in Kraft, das auch in Kliniken Anwendung findet.

Rechtlicher Rahmen

Das Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die hochwertige Verwertung von Verpackungen soll in erster Linie die Umwelt schützen und einen fairen Wettbewerb ermöglichen. Das Verpackungsgesetz legt u.a. fest, dass Recycling von Kunststoffverpackungen höhere Quoten erreicht – zunächst 58,5 Prozent, ab 2022 dann 63 Prozent. Es löst die vorherige Verpackungsverordnung ab und soll auf Herstellerseite mehr Produktverantwortung erzeugen. Gemäß § 3 Abs. 8 VerpackG gehören zu den betroffenen Verpackungen mit Ware befüllte Verkaufs- sowie Umverpackungen, die nach Gebrauch als Abfall anfallen. Diese Art von Abfall und privatem Endverbrauch entsteht auch in Krankenhäusern, Kliniken, Alten- und Pflegeheimen. Dazu gehören Verpackungen für Verbandsmittel, für Produkte der Wundversorgung, Fertigspritzen oder Infusionslösungen. In welchem Umfang das Verpackungsgesetz für Krankenhäuser und Reha-Kliniken gilt, hängt davon ab, ob die Verpackungen für internen Verbrauch oder für Patienten zum Verbrauch zu Hause dienen.

Die damit angestrebte Recyclingquote unterstützt das Anliegen des Kreislaufwirtschafts-Abfallgesetz (KrWAbfG). Laut KrWAbfG sollen u.a. „die Emissionen von Luftschadstoffen und klimarelevanten Gasen so gering wie möglich gehalten werden“. Im Zentrum stehen die Schonung natürlicher Ressourcen und die Sicherstellung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen. Das Gesetz fordert explizit, dass Abfallvermeidung Priorität vor Verwertung und Beseitigung erhält. Dafür existiert eine gesetzliche Grundlage: Die im KrWAbfG verankerte Abfallhierarchie.Verpackungen zählen in Kliniken zur mengenmäßig größten Abfallgruppe, dem Hausmüll, der erhebliches Einsparpotenzial besitzt. Sie interagieren mit einem breiten stofflichen Spektrum, bevor sie im Müll landen und öffnen Türen in alle Abfallbereiche.


Quelle: https://www.abfallmanager-medizin.de/abfall-abc/abfallhierarchie/

Klimaschutz & Verpackungen in Kliniken

Das Sortieren und Verwerten von Wertstoffen reduziert CO2-Emissionen. Viel effizienter ist es allerdings, bestimmte Produkte und Verpackungen gar nicht erst in Umlauf zu bringen, sondern von vorherein darauf zu verzichten.

Wenn es Kliniken gelingt, dass Hersteller Verpackungsmaterial wieder zurücknehmen und Recyclingverpackungen prioritär behandeln, schonen sie Klima und Budget. Sie steigern den Effekt, wenn sie zum Beispiel

  • Arzneimittel als Schüttware oder in Großverpackungen verwenden.
  • auf Station und im OP-Saal bewusster mit Artikeln wie OP-Abdeckungen, Einmalhandschuhen und Verbandsmaterial umgehen
  • im OP Pinzetten, Skalpelle und Scheren als Mehrwegartikel einsetzen.

Praxisbeispiele

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) führt seit 1994 grüne Projekte durch. Eine konsequente Abfalltrennung hat unter anderem dafür gesorgt, dass im Jahr 2009 etwa 41 Prozent der gesamten Abfallmenge von 4.287 Tonnen einer weiteren Verwertung zugeführt wurden. Dadurch sparte das Klinikum insgesamt 130.000 Euro. Ende 2010 schloss das UKE darüber hinaus flächendeckend die Unit-Dose-Versorgung ein. Auf diese Weise können, je nach Verfügbarkeit von Arzneimitteln als Schüttware, jährlich etwa 50 Prozent Verpackungsmaterial – inklusive problematischer Aluminium-Kunststoff-Verbundmaterialien – vermieden werden. Die folgende Tabelle nennt die genauen Einsparungen je Material in Kilogramm.

In allen Ecken Deutschlands gedeihen gute Ideen. So verzichtet etwa das Caritas Klinikum Saarbrücken im Cafeteria-Bereich auf Einwegverpackungen von Getränkezubehör. Plastikbecher und schwer recycelbare Verpackungen gehören der Vergangenheit an. Ein löblicher Schritt, der auch eine positive Außenwirkung erzielt.

KLIK green

Um Kliniken bei einem grünen Management zu unterstützen, führt der BUND Berlin seit 2001 Projekte durch, die Gesundheitseinrichtungen zu Klimaschutz motivieren. Das aktuelle Projekt KLIK green verfolgt das Ziel, 250 Kliniken zu gewinnen und dort Beschäftigte zu Klimamanager*innen fortzubilden, um bis Projektende 2022 mindestens 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente zu vermeiden. KLIK green geht Klimaschutz als eine gemeinsame Aufgabe an, damit Ressourcenschonung auf allen Ebenen – von Management bis zur Station – stattfindet. Die teilnehmenden Häuser treten als Netzwerk auf, lernen voneinander und inspirieren weitere Einrichtungen zu Klimaschutz.

Fazit

Das Statistische Bundesamt gibt an, dass ca. 50.000 Kilogramm medizinische Implantate und chirurgische Einweginstrumente pro Jahr – samt Verpackungen – im Abfall landen. Diese Gesamtmenge entspricht dem Gewicht von fünf Eiffeltürmen. Und so schwer diese Zahlen wiegen, so schwerwiegend sind auch die Auswirkungen, sollten dem vielversprechenden Pariser Abkommen weiterhin keine drastischen Maßnahmen folgen. Krankenhäuser können, als soziale Einrichtungen und Begegnungsorte, Vorbild für die gesamte Gesellschaft sein. Schaffen es Kliniken, die Verpackungsflut in ihren Gemäuern zu stoppen, kann das auch in anderen öffentlichen Einrichtungen, erst recht in privaten Haushalten zu Reduzierung anregen – womöglich auch dabei helfen, die ambitionierten Gesetztes-Quoten zu erreichen.

 

Links zu weiterführende Informationen:

Heinrich Böll Stiftung: Chancen und Risiken nach dem Pariser Klimaabkommen

Broschüre: Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt

UBA Publikation: Recycling stoppt Treibhausgase

Abfallmanager Medizin: Onlinemagazin zum Thema medizinische Abfälle

Statistisches Bundesamt: Krankenhäuser

Recycling Magazin: Ethische Abfälle aus dem Krankenhaus

Verpackungsgesetz

Kreislaufwirtschafts-Abfallgesetz

Caritas Klinikum Saarbrücken: Nachhaltige Verpackungslösungen für mehr Verantwortung

BUND Berlin Projekt KLIK green – Krankenhaus trifft Klimaschutz

Erklärfilm: Projekt KLIK green

 

Literaturhinweis:
Alles grün…auch im Krankenhaus. Green Hospital – Wege zur effektiven Nachhaltigkeit. Stuttgart. New York: Georg Thieme Verlag, 2011.

Titelfoto: by Alexroma from pixabay

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Erste temporäre Spielstraße in Berlin https://umweltzoneberlin.de/2019/12/16/erste-temporaere-spielstrasse-in-berlin/ https://umweltzoneberlin.de/2019/12/16/erste-temporaere-spielstrasse-in-berlin/#comments Mon, 16 Dec 2019 12:30:18 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5106 Das gab es in Berlin noch nie: In Kreuzberg konnten Kinder die erste Temporäre Spielstraße erleben. Jeden Mittwoch von August bis September wurde die Böckhstraße zum „Spielraum“. Was braucht Mensch dazu? Zwei Absperrungen, evtl. ein paar Kreiden und ganz viele Kinder und Erwachsene. Das Ergebnis ist unglaublich: spielende Kinder, die die Straßen zu ihrem Raum machen – ausgelassen und die Freiheit genießend. Und auch entspannte Erwachsene sind da, vor allem Eltern, aber auch Anwohner*innen, die sich gerne auf die Bordsteinkante setzen und mit ihren Nachbarn auf der Straße unterhalten. Die Anonymität der Großstadt ist wie weggeblasen – Spielstraßen fördern ganz aktiv Nachbarschaft und Zusammenleben.

Jede Woche stieg die Spannung

Vorgegeben ist hier nichts: heute der Seifenblasenkünstler, Ballspielen, Zirkus, Stricken, Häkeln, Kuchen essen, Musik…?

Wenn das Bezirksamt mitmacht, so wie in Friedrichhain-Kreuzberg, ist die Umsetzung einfach: eine offizielle Beschilderung vom Amt (Einfahrt verboten und ein Parkverbot für die Dauer der Spielstraße). Eine Initiative kümmert sich um die Absperrung und dass die Regeln eingehalten werden. Dann können die Anwohner*innen die Straße nach ihren Wünschen nutzen.

Was bei uns eine absolute Neuheit ist, wird in London schon alltäglich gelebt. Dort werden an mehreren Orten Straßen zum Spielen gesperrt. Der Unterschied ist, dass die Autos stehen bleiben und trotzdem gab es noch keine Beschwerden, wegen Kratzern. Der Effekt auf die Kinder ist ähnlich, sie spielen ausgelassen und befreit: https://playingout.net/ .

Ab April geht es wieder los

Gerade ist die „Temporäre Spielstraße“ Böckhstraße im Winterschlaf, aber ab April ist die Straße wieder jeden Mittwoch von 14- 18h zum Spielen da und dann auch nicht nur in Kreuzberg. Sondern auch nach jahrelangem Hin und Her im Prenzlauer Berg. Im nächsten Jahr dürfen sich die Anwohner*innen und auch alle anderen Spielinteressierten jeden ersten Mittwoch in der Gudvanger Straße treffen. Und weitere Initiativen sind in Vorbereitung.

Jetzt planen und im Frühjahr loslegen

Nutzen auch Sie die Winterzeit und erkunden Sie, wo bei Ihnen auch eine Straße ist, die das Potential zur Spielstraße hat. Tun sie sich mit andern zusammen und lassen Sie sich vom Bündnis Temporäre Spielstraßen beraten.

PS Wer in Pankow lebt kann sich freuen, dort kann jeder laut Website des Bezirksamt Pankow jetzt direkt und offiziell die Einrichtung einer Temporären Spielstraße beantragen:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/aktuelles/artikel.851085.php

 

Für mehr Informationen und Kontakt: http://www.spielstrassen.de/
Cornelia Dittrich: (030) 700 94 25 – 90 (Do 9–12 Uhr) info@spielstrassen.de

 

Das Bündnis „Temporäre Spielstraßen“ geht vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS), vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V. (dkhw), vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Junge Menschen und Mobilität e.V. (JuMo), autofrei leben! und Drachenreiter gGmbH aus.

 

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Jubiläumsjahr im BUND-Repair Café https://umweltzoneberlin.de/2019/11/27/jubilaeumsjahr-im-bund-repair-cafe/ https://umweltzoneberlin.de/2019/11/27/jubilaeumsjahr-im-bund-repair-cafe/#respond Wed, 27 Nov 2019 15:20:31 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5118 Der Tisch steht im BUND-Laden in der Crellestraße am 3. Montag im September voller Kuchen. „Wir haben sogar die passende Kaffeemaschine dabei, aber sie muss erst noch repariert werden“, kommentiert eine Frau den Geburtstagtisch. Denn neben den Feierlichkeiten zum fünfjährigen Bestehen wird im Repair Café Schöneberg wie immer fleißig gearbeitet. In der Selbsthilfewerkstatt ist jeden 3. Montag im Monat reger Betrieb, weil viele Menschen ihre kaputten Haushaltsgeräte, Spielzeuge oder Möbelstücke nicht einfach wegwerfen wollen. Hier können sie sich von erfahrenen ehrenamtlichen Reparateur*innen helfen lassen.

Selbstreparieren ist Trend

Die alte Kulturtechnik des Reparierens wird in Repair Cafés aufgriffen und mit dem Aspekt des gemeinsamen Lernens verbunden. Antrieb erhielt die Idee, als 2009 eine niederländische Umweltjournalistin das Konzept ausformulierte. Seitdem sind Repair Cafés fester Bestandteil der sogenannten Sharing Economy und der Do-It-Yourself-Bewegung. 34 Einträge finden sich auf der interaktiven Karte zur Müllvermeidung „Remap Berlin“ unter dem Schlagwort Repair Café und rund 750 Initiativen sind beim Netzwerk Reparatur-Initiativen für Deutschland gelistet. Überall helfen sich Menschen gegenseitig in ihrer Freizeit bei der Reparatur defekter Gegenstände. Und dabei spart jedes reparierte Radio und jeder weiter genutzte Wasserkocher nicht nur Ressourcen, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Fünf Jahre BUND-Repair Café Schöneberg

Das Repair Café in der Crellestraße öffnet seit Juni 2014 einmal im Monat seine Türen und empfängt jeweils etwa 25 Gäste pro Abend. Neben dem fünfjährigen Geburtstag gab es 2019 noch ein anderes Jubiläum zu feiern: Bereits der 1000. Gast mit einem Reparaturgegenstand konnte begrüßt werden. Ehrengast Sebastian Körner strahlte freudig in die Kamera, als Daniel Affelt ihm eine Urkunde und eine Jahresmitgliedschaft beim BUND überreichte. „Das Konzept von Repair Cafés kannte ich schon lange, bin aber nun zum ersten Mal persönlich bei einem dabei“, berichtete er. Als neues BUND Mitglied freut er sich auf lokale Anregungen für sein Hobby. Als passionierter Vogelfotograf war er bisher meist im Ausland unterwegs und möchte nun mehr die heimische Vogelwelt entdecken.

Auch wer nicht das Glück hatte, als 1000er Gast durch die Tür des Repair Cafés zu treten, hatte bei einem Quiz zum Thema Abfalltrennung die Gelegenheit, kleine Preise zu gewinnen und dabei hilfreiche Tipps von einem Energie- und Abfallberater des BUND zu erhalten.
Bevor die Girlanden zur Wiederverwendung sorgfältig eingepackt wurden, bedankte sich der Gründer und Organisator des Repair Cafés, Daniel Affelt, mit einem Glas Honig von der BUND Steuobstwiese in Stahnsdorf bei den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen, die das Repair Café durch ihre Unterstützung erst ermöglichen. „Wir haben in den letzten 5 Jahren schon einen riesigen Berg kaputter Geräte erfolgreich repariert und der große Zulauf an Gästen und Ehrenamtlichen zeigt uns, dass das Repair Café auch in Zukunft gebraucht wird,“ resümiert Daniel Affelt.

Links:

BUND- Repair Café:

https://www.bund-berlin.de/themen/klima-ressourcen/abfall/repair-cafe/

Remap-Berlin: Reparieren, Tauschen, Leihen oder richtig Recycln, hier gibt es die richtigen Adressen.
https://www.remap-berlin.de/

Videos:

Repair Café Schöneberg- So schön kann reparieren sein!:

RepairCafé Schöneberg 17 10 2016:

 

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Schock im Kleistpark https://umweltzoneberlin.de/2019/09/11/schock-im-kleistpark/ https://umweltzoneberlin.de/2019/09/11/schock-im-kleistpark/#comments Wed, 11 Sep 2019 15:48:04 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5013 Mindestens acht dicke Buchen, drei Weißdorne sowie eine seltene schlitzblättrige Buche fielen heute im Schöneberger Kleistpark der Säge zum Opfer. Die Fällarbeiten dauerten zum Zeitpunkt der Zählung noch an. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Bäume abgesägt werden.

Fällungen in der Vegetationsperiode

Die Gründe dafür sind dem BUND Berlin noch nicht bekannt. Ganz unabhängig von der Begründung erfolgten die Fällungen nach Ansicht des BUND rechtswidrig in der geschützten Vegetationszeit. Gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz gilt bis zum 1. Oktober ein Fällverbot für Bäume, sofern von ihnen nicht eine unmittelbar bevorstehende Gefahr ausgeht, wie z.B. herabfallende Äste oder wenn Bäume drohen umzukippen. Aber selbst in solchen Situationen ist vor einer Fällung in der geschützten Vegetationsperiode zu prüfen, ob die erkannte Gefahr nicht auch auf andere Weise entschärft werden kann, etwa durch eine baumschonendere Entnahme einzelner Äste oder einer Entlastung der Krone. Auch eine Wegesperrung ist einer Fällung in der Vegetationsperiode vorzuziehen.

Der rechtliche Rahmen der Vegetationsperiode sollte dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg bekannt sein. Der BUND Berlin hatte im Sommer 2013 Klage gegen die bevorstehende Fällung von drei Straßenbäumen in der Schöneberger Crellestraße eingelegt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin hatte daraufhin die Fällungen innerhalb der Vegetationsperiode untersagt. Bei einer telefonischen Nachfrage zu den Fällungen im Kleistpark zeigte sich das Bezirksamt zwar irritiert, unternahm jedoch keine weiteren Anstrengungen, die anhaltenden Fällungen zu stoppen.

Die Vegetationsperiode ist geschützt, um Tieren und Pflanzen in der für sie so wichtigen Zeit die Möglichkeit zu geben, ihren Fortbestand zu sichern. Selbst wenn das Brutgeschäft jetzt schon abgeschlossen ist, suchen gerade Vögel im hereinbrechenden Herbst noch Nahrung für den Winter. Auch reicht es in der Vegetationsperiode nicht, den Baum vor der Fällung nach bewohnten Nestern oder Höhlen abzusuchen. Die Zweige der heruntergeschnittenen Weißdorne waren voller Beeren, die jetzt noch eine sichere Nahrungsquelle gewesen wären.

Bäume einfach vertrocknet, trotz höchster Pflegestufe?

Anhand der liegengebliebenen Holzabschnitte und des allgemeinen Zustandes der Bäume in dem Park ließe sich darauf schließen, dass zumindest ein Teil der gefällten Bäume durch die seit zwei Jahren anhaltende Trockenheit geschädigt waren. In ganz Berlin litten gerade die Buchen unter Hitze und Wassermangel. Der Kleistpark gehört jedoch zu den Schöneberger Grünanlagen mit der höchsten Pflegestufe und hat damit deutlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als andere Parkanlagen. Die repräsentative Grünanlage befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen historischen botanischen Gartens (vor dem Umzug an den jetzigen Standort) und umgibt das Oberlandesgericht Berlin. Ein Ort, der angemessen gepflegt werden würde, möchte man meinen. Wie konnte es passieren, dass dort die Bäume in so großer Zahl vertrockneten und nicht rechtzeitig Alarm geschlagen oder rettende Maßnahmen unternommen wurden? Jetzt scheint die Notsituation mit einem finalen Pflegeschnitt endgültig entschärft worden zu sein.

Wie können andere Parkanlagen/Bäume besser gepflegt werden?

Das Bezirksamt und der Umweltausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg wären gut beraten, die Ursachen, die zu der Fällung geführt haben, aufzuklären. In Tempelhof steht eine umfangreiche Sanierung der drei Grünanlagen Bosepark, Lehnepark und Alter Park an. Auch dort wird es zu starken Rückschnitten des Baum- und Strauchbestandes kommen. Die Sanierungsmaßnahmen werden unter anderem mit einer angestrebten Verbesserung der Pflegequalität begründet. Grundsätzlich fehlt es in so gut wie allen Berliner Grünflächenämtern an Geld und Personal, um die Straßenbäume und Parks ausreichend zu pflegen. Dabei vergeht gerade in diesen heißen Sommern kaum ein Tag, an dem nicht die Bedeutung von Bäumen und Parks für die Stadt gelobt wird. Der Bezirk und die Stadt werden lernen müssen, ihrem Grün und der Natur mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sie so zu pflegen, dass sie uns möglichst lange erhalten bleiben.

 

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