Bäume – Umweltzone Berlin https://umweltzoneberlin.de Umweltzone Berlin, Blog des BUND Berlin Thu, 28 May 2020 10:07:39 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.4 Straßenbäume wässern https://umweltzoneberlin.de/2020/05/25/stassenbaeume-waessern/ https://umweltzoneberlin.de/2020/05/25/stassenbaeume-waessern/#comments Mon, 25 May 2020 12:12:04 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5389 In diesem Jahr sahen sich Politik und Umweltverbände genötigt, bereits Anfang Mai zum Wässern der Straßenbäume aufzurufen. Schon jetzt leidet das Grün Berlins unter Wassermangel. Es ist das dritte trockene Frühjahr in Folge, die Grundwasser­stände sind auf einem historischen Tiefstand – die Regenfälle der letzten Tage haben kaum eine Entlastung gebracht. Wir sind wohl endgültig in der Klimakrise angekommen. Aber woher kommt eigentlich das Wasser, das wir zum Wässern der Bäume verwenden sollen?

Wer zum Wässern keinen eigenen Brunnen auf seinem Grundstück oder einen Straßenbrunnen in seiner Nähe hat, benutzt dafür natürlich den Wasserhahn – und woher kommt das Wasser aus dem Wasserhahn?  Das liefern die Berliner Wasser­betriebe (BWB). Sie fördern es zu etwa einem Drittel aus dem Grundwasser und zu 2 Dritteln aus dem Uferfitrat von Spree und Havel. Nun liegen die Berliner Wasser­werke fast alle in den Wäldern und Naturgebieten der Stadt. Das Resultat dieser Wasserentnahme sind dort seit Jahrzehnten sinkende Grundwasserstände, die die Natur immer mehr schädigen.

Die Berliner Wasserbetriebe suggerieren uns mit Ihrer Werbung seit Jahr und Tag, dass mit dem Berliner Wasser alles klar wäre und präsentieren sich als ein ökolo­gisches Muster-Unternehmen. Leider stimmt das so nicht, denn das Geschäfts­modell der BWB beruht immer mehr auf Raubbau an den natürlichen Grundwasser-Ressourcen. Wir fördern und verbrauchen seit Jahrzehnten mehr Wasser, als der Landschaftswasserhaushalt hergibt. Hinzu kommt, dass Berlin schon immer in einem Trockengebiet liegt, geringe Jahres­niederschlagsmengen und geringe Zuflüsse von Havel und Spree sind nicht die besten Voraussetzungen, um eine Stadt mit 3,5 Mio. Einwohnern mit Wasser zu versorgen. Eine Großstadt am Rhein hat es da einfacher und die klimatischen Bedingungen werden nicht besser!

Der Autor dieser Zeilen möchte gewiss nicht, dass die Straßenbäume vertrocknen. Der BUND Berlin macht dazu beispielsweise auch Vorschläge, wie es gehen kann, Straßenbäume ohne oder mit möglichst wenig Trinkwasserverbrauch zu wässern. Es sollte uns aber allen klar sein, dass solange wir in steigendem Maße Trinkwasser verbrauchen, wiederum Waldbäume in den Trinkwasserfördergebieten an Wasser­mangel leiden sowie Moore und Kleingewässer austrocknen. Das belegt eindrücklich der von der Senats­ver­waltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz im Jahr 2019 vorgelegte Entwurf eines Managementplans für die Berliner Moore, die allesamt als Flora-Fauna Habitat-Gebiete (FFH) ausgewiesen sind. Darin werden akribisch die seit Jahren ständig fallenden Wasserstände durch die Trink­wasser­­­förderung dargestellt. Die Moore sind dadurch alle in ihrem Bestand bedroht. Niemand kann sagen, wie die FFH- Erhaltungsziele unter diesen Umständen noch erreicht werden können – ein klarer Verstoß gegen die FFH-Richtlinie. Dennoch schauen die zuständigen Behörden weg! Es sind aber inzwischen nicht nur die Moore, sondern auch die Berliner Wälder durch die zunehmende Trockenheit in ihrem Bestand bedroht. Diese sind jedoch in Berlin die „Geschäftsgrundlage“ für weiterhin sauberes Trinkwasser.

Wasserverbräuche im Jahresverlauf

Wie gerade die heißen Sommer den Wasserverbrauch in die Höhe schnellen lassen, kann man an der Grafik Tagesspitzen der Rohwasserförderung der Berliner Wasserwerke für die Jahre 2000, 2003 und 2005 aus dem „Wasserversorgungskonzept 2040“ gut sehen:

Hier sind die Tagesverbräuche in Kubikmetern der Jahre 2000, 2003 und 2004 aufgetragen. Daraus ist zu erkennen, dass der Wasserverbrauch zwischen Anfang September (Tag 253) bis etwa Mitte April (Tag 113) um die 550.000 m³/Tag beträgt. Im Sommerhalbjahr steigen die Spitzenverbrauchswerte bis auf 900.000 m³/Tag und  einmal sogar auf über 1 Mio. m³/Tag an. Das ist in den Sommer­monaten zeitweilig fast eine Verdoppelung des Verbrauchs. Diese immense Steigerung des Wasserverbrauchs erfolgt ausgerechnet in Zeiten des geringsten Niederschlags und des höchsten Wasserbedarfs der Vegetation in den Berliner Wäldern, in denen sich gleichzeitig die meisten Wasserwerke befinden. Dort sinken die Grundwasserstände immer mehr ab.

Warum steigt nun der Verbrauch im Sommer so stark an? Wird im Sommer mehr gewaschen, zur Toilette gegangen oder sonst im Haushalt mehr Wasser verbraucht? Vielleicht wird mehr geduscht? Dazu einige Zitate örtlicher Wasserwerksleiter von 2019 aus der WAZ online für die Region Wolfsburg zum Thema steigender Wasserverbrauch im Trockensommer 2019:

Die Gartenberegnung spielt die entscheidende Rolle bei den hohen Verbräuchen im Sommer“, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Wasserverbandes Gifhorn.

Sven-Erik Timm vom Wasserwerk Gifhorn: „Wir stellen auch fest, dass die Abnahme in der Nacht mehr und mehr ansteigt. Dies führen wir auf moderne Bewässerungssysteme zurück, welche zeitgesteuert in der Nacht betrieben werden.

Eine weitere Belastung für das Trinkwassernetz ist laut Wittemann zunehmend der Badespaß im heimischen Garten. „Zum Mehraufwand im Sommer kommen auch Poolbefüllungen, die binnen kurzer Zeit größere Mengen aus dem Netz abziehen.

Mehr Körperpflege macht laut Schmidt kaum etwas aus. „Würde jeder Kunde wegen der Hitze einmal mehr am Tag duschen und dabei 60 Liter verbrauchen, erhöhte sich die Abgabemenge beim Verband nur um etwa 8000 Kubikmeter.“ Eine noch geringere Rolle spielt das Trinken: „Zwei Liter mehr am Tag würde die Abgabe lediglich um zirka 260 Kubikmeter vergrößern.

So ist denn zu vermuten, dass auch in Berlin der sommerliche Mehrverbrauch vor allem durch das Sprengwasser für Rasen und Gärten und Wasser für die Füllung des Swimmingpools in der Luxus- oder Aufblasvariante verursacht wird. Um es klar zu sagen: damit der Rasen auch im Sommer schön grün bleibt, verdorren in den Wäldern die Bäume und die Moore trocknen aus! Dazu kommt natürlich auch die im Vergleich zum Sprengwasser für Rasen und Gärten eher minimale Menge für das Wässern der Straßenbäume, die aber zukünftig mehr und mehr zunehmen wird.

Wege aus dem Dilemma

Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Eigentlich waren wir in der Diskussion schon mal viel weiter. Noch um das Jahr 2000 herum war das Thema Wassersparen in Berlin viel präsenter als heute. Dann verwirrten die Berliner Wasserbetriebe die Bürger mit angeblich immer mehr verstopften Abwasserkanälen und Keimbildung in nicht mehr ausreichend durchflossenen Rohrleitungen. Vermutlich hatten die BWB-Oberen dabei nur Angst vor Umsatzeinbußen. Im Internet und in der Presse vor dem Jahr 2017 finden sich dazu tausende von Artikeln, die sich über Aufrufe zum Wassersparen lustig machten. Die meisten davon hatten nur die manchmal tatsächlich vorhandenen Probleme des Leitungsnetzes im Blickfeld und nicht die Auswirkungen auf die Fördergebiete und den Landschafts­wasserhaushalt – der generelle Tenor war: Deutschland hat Wasser im Überfluss – wir können es verschwenden.

Inzwischen kann man auch hier wieder ein Umdenken feststellen. Das Nieder­schlags­defizit der letzten Jahre und die dadurch verursachte reduzierte Grund­wasser­neu­bildungs­rate wird uns das Wasser­sparen wieder näher bringen. So geht z.B. Manfred Stock vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung von einer bis 2040-2050 um 40 % verringer­ten Grund­wasser­neubildungsrate in Brandenburg aus. Dazu kommt noch die zunehmende Versiege­lung im Speckgürtel, die höhere Verdunstung aus den Oberflächengewässern usw. Und was nicht versickert, kann auch nicht mehr gefördert werden.

Um effektiv Wasser zu sparen, müsste z.B. dringend der Wasserverbrauch im Sanitär­bereich minimiert werden. Hier muss endlich die Nutzung von Grau- und auch Regenwasser wenigstens in Neubauten vorgeschrieben werden. Eigentlich ist es unbegreiflich, dass wir nach wie vor frisches, sauberes Trinkwasser zum Spülen der Toilette verwenden, das ist doch ein Sakrileg!  Dazu wird es in Trockensommern ein Rasenspreng- und Schwimmbad-Füll-Verbot geben müssen. Für die Garten­bewässerung kann Regenwasser in Zisternen gesammelt werden. Das hätte auch noch den Vorteil, dass dabei keine Gebühren anfallen.

Wenn wir gedankenlos so weiter machen, werden wir nach ein paar weiteren Hitze- Sommern die Grundwasservorräte so abgesenkt haben, dass wir Wasser per Fernwasserleitung aus anderen Regionen beziehen müssten. Aber wo könnte man Wasser sonst noch herbekommen – aus dem Harz oder den Alpen? Von den immer weniger Wasser führenden Flüssen Spree, Havel, Elbe und Oder?? Überall sind die Claims schon abge­steckt. Im Übrigen zeigt ein Blick ins Internet, dass andere Regionen die gleichen Prob­leme haben. Dort rufen sogar die Wasserwerke selbst schon zum Wassersparen auf.

Um nun auf die Straßenbäume zurückzukommen:  Wenn wir sie retten wollen und unsere Wälder dazu, brauchen wir höhere Grundwasserstände überall im Stadt­gebiet. Dazu  müssen wir möglichst viel Regenwasser zur Versickerung bringen und unseren immensen Wasserverbrauch einschränken. Hier sind die Verbraucher gefordert: Wir müssen das Gießwasser für die Straßenbäume bei unserem täglichen Verbrauch einsparen!

Was tut die Berliner Politik?

Die Politik tickt noch immer völlig in die falsche Richtung. Einerseits wurde inzwischen lobenswerterweise eine Regenwasseragentur gegründet, die das Versickern von Regenwasser zur Grundwasseranreicherung im Stadtgebiet voranbringen soll (Schwammstadt). Andererseits wird immer noch über ein Grund­wasser-Management diskutiert, bei dem zum Schutz von stadtweit einigen tausend Gebäuden mit undichten Kellern großflächig Grundwasser abgepumpt werden soll (siehe dazu die kleine Anfrage eines CDU-Abgeordneten).

Mehrere Jahre lang hat sich der Umweltausschuss mit großem Aufwand mit dem Thema „nasse Keller“ beschäftigt – das Ergebnis einer geschickten Lobbykampagne von Haus- und Grundbesitzern und IHK. Bemerkenswert zu lesen – das abgepumpte Wasser wird in den Regenwasserkanal geleitet. Gleichzeitig sollen die Anwohner mit Trinkwasser aus den Wäldern die Stadt-Bäume gießen! Dass der verschwenderische Umgang mit unserem Trinkwasser auch einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Hintergrund hat, zeigt der erst kürzlich geschlossene Unternehmensvertrag zwischen dem Senat von Berlin und den BWB (Siehe dazu auch den Tages­spiegel vom 10.1.2020).

Unter anderem sind in der Vereinbarung folgende Punkte für das Thema Wasse­r­sparen von Bedeutung:

  • Die Wasserbetriebe sind auf möglichst hohe Einnahmen aus dem Wasser­verkauf zur Deckung ihrer Fixkosten angewiesen – verursacht durch Wasserwerke, Leitungsnetz und Energie. Ein deutlich sinkender Verbrauch würde höhere Preise pro m³ Wasser zur Deckung der Fixkosten notwendig machen. Aus politischen Gründen soll aber der Wasserpreis möglichst nicht steigen.
  • Zugleich sollen die BWB auch weiterhin „die Ausschüttungserwartung des Landes“ erfüllen, also Millionengewinne erwirtschaften. Parallel müssen sie weiter die 1,21 Milliarden Euro für den 2013 erfolgten Rückkauf der Anteile von RWE und Veolia refinanzieren.
  • Zudem übernehmen sie Betrieb und Unterhaltung der Zierbrunnen in Straßenland und Parks sowie von öffentlichen Trinkbrunnen.

Nachdem ich diesen Vertrag gelesen hatte, wurde mir klar: An diesem Felsen zerschellt alle Hoffnung, dass die Politik, auch noch in Zeiten der Milliarden-Corona-Schulden, Initiativen zum Wassersparen ergreifen wird. So geht halt der Krug so lange zum Brunnen, bis dort kein Wasser mehr zu finden ist!

Zukunftsfähigkeit geht anders.

 

Mitmachen

Setzen Sie sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser ein: BUND-Arbeitskreis Wasser Berlin-Brandenburg

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Baumzuwachs dank des BUND Berlin-Südwest https://umweltzoneberlin.de/2020/05/05/baumzuwachs-dank-des-bund-suedwest/ https://umweltzoneberlin.de/2020/05/05/baumzuwachs-dank-des-bund-suedwest/#comments Tue, 05 May 2020 13:58:38 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5328 Seit Jahren häuften sich Klagen über den Zustand des Guernica Platzes in Berlin-Zehlendorf zwischen der Spanischen Allee und der Breisgauer Straße. Dank des Vorschlags des BUND Berlin-Südwest an das Grünflächenamt und die Zehlendorfer Grünen wurzeln dort seit ein paar Tagen sechs Schwarz-Kiefern (Pinus nigra ssp. nigra), deren Kosten zur Hälfte der BUND übernimmt.

Warum Schwarz-Kiefern?

Der Guernica Platz erinnert seit seiner Ernennung 1998 an eine der vielen schrecklichen Bombardierungen, die Nazideutschland während des zweiten Weltkriegs durchführte. Angefangen hatte am 26. April 1937 alles mit Guernica, einer baskischen Stadt in Nord-Spanien. Durch den Einsatz von Spreng-, Splitter- und Brandbomben kamen mehrere Hundert Menschen zu Tode. Nachdem die Stadt völlig zerstört wurde, folgten Luftangriffe auf Warschau 1939, Rotterdam und Coventry 1940 und schließlich auf Belgrad im Jahr 1941.

Um dem Entsetzen über dieses erste Flächenbombardement der Geschichte zum Ausdruck zu bringen, eignet sich kaum ein Baum besser als eine ausgewachsene Schwarz-Kiefer, die dem Betrachter mit ihrem dunkleren und damit etwas düsteren Erscheinungsbild gleich ins Auge fällt. Darüber hinaus gibt es einen regionalen Bezug zu Guernica, da sich das natürliche Verbreitungsgebiet der Schwarz-Kiefer unter anderem über Nord-Spanien erstreckt. Aber auch ökologisch macht diese Auswahl Sinn, denn diese Kiefernart wächst noch mal etwas leichter an als die im Bezirk soweit verbreitete Wald-Kiefer, die übrigens auch das Zehlendorfer Wappen ziert. Dabei wählte der BUND Berlin-Südwest vor allem kleine Bäume aus, weil diese schneller anwachsen und so den Vorsprung der größeren besser aufholen können.

Neupflanzung schön und gut, aber…

Der Platz ist ringsherum von Wald- und Schwarz-Kiefern bestanden, deren unteres Stockwerk einst Rosen und dekorative Sträucher schmückte. Durch mangelnde Pflege wurden diese jedoch mehr und mehr überwuchert. Auf der Seite der Tewsstraße kamen zudem immer wieder kleine Wald-Kiefern hoch, die allerdings als unerwünschter Naturaufwuchs durch das Grünflächenamt kontinuierlich entfernt wurden.

Ein Fehler, denn gerade der natürliche Aufwuchs – auch unter dem Begriff „Naturverjüngung“ bekannt –  ist aus fachlicher Sicht nicht nur bei der Wald-Kiefer besonders wertvoll. Im Gegensatz zur Pflanzung können bei der Naturverjüngung die natürlichen Wirkmechanismen der Auslese greifen und diese machen sich in den Überlebenschancen der jungen Bäume bemerkbar. Beispielsweise findet die Wurzelentwicklung deutlich besser und vor allem ungestört statt, so dass Nährstoffe und Wasser ausgiebiger erschlossen werden können. Zudem weisen gekaufte Setzlinge durch die Beschränkung auf nur wenige Saatquellen eine genetische Verengung auf, die die Anpassungsfähigkeit von Bäumen zum Beispiel an Trockenheit beeinträchtigen kann.

Damit nicht genug

Im Gegensetz zum Naturaufwuchs müssen die kleinen Schwarz-Kiefern nun regelmäßig gewässert werden. Für diesen Zweck konnte der BUND Berlin-Südwest erreichen, dass das Tiefbauamt die Wasserpumpe am Platz reaktivierte. Weitere Arbeiten, wie den Rückschnitt von Sträuchern um die Pflanzstelle, die Beseitigung von konkurrierenden Robinien und Brombeeren und die Pflege der vernachlässigten Rosen, teilen sich Grüne und BUND. Wer dabei unterstützen möchte, ist herzlich willkommen!

Mitmachen beim BUND Berlin-Südwest

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Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Bäume in den Straßen und den Parks aus? https://umweltzoneberlin.de/2020/04/28/wie-wirkt-sich-die-trockenheit-auf-die-baeume-in-den-strassen-und-den-parks-aus/ https://umweltzoneberlin.de/2020/04/28/wie-wirkt-sich-die-trockenheit-auf-die-baeume-in-den-strassen-und-den-parks-aus/#respond Tue, 28 Apr 2020 11:31:33 +0000 https://umweltzoneberlin.de/?p=5297 Die Trockenheit wirkt sich verheerend auf die Stadtvegetation aus. Die Straßenbäume haben in der Regel nur einen sehr begrenzten Wurzelraum zur Verfügung, in diesen Pflanzgruben kann Wasser ohnehin nur begrenzt gespeichert werden. Die Grundwasserstände in den Städten sind zumeist abgesenkt und werden niedrig gehalten. Eine Versorgung von Baumwurzeln über den Kapillarsaum des Grundwassers ist daher nur in wenigen Siedlungsgebieten möglich. In Berlin kommt dies nur in Teilen des Urstromtals entlang der Havel und der Spree vor.

Bäumen in Grünanlagen geht es da schon ein wenig besser. Der Boden ist dort meistens tiefgründiger als im Straßenland und leichter zu durchwurzeln. In einer großen, zusammenhängenden Grünfläche kann auch Wasser aus zurückliegenden (Stark-)Regen wesentlich besser gespeichert werden, zumindest in der Theorie, denn auch diese letzten Niederschläge liegen nun einmal schon eine Weile zurück. Wir mussten leider letztes Jahr beobachten, dass (zumindest in Berlin) nicht alle öffentlichen Grünanlagen so gewässert wurden, wie es notwendig gewesen wäre. Einerseits fehlte es an Personalkapazitäten dafür, andererseits waren die notwendigen Wasseranschlüsse dafür in den zurückliegenden Jahren wegrationalisiert worden oder so vernachlässigt, dass sie nicht verwendet werden konnten. Das Sterben der Buchen in den Parks hätte vielerorts verhindert werden können, wenn diese rechtzeitig gegossen worden wären.

Welche Funktionen übernehmen Bäume in der Stadt und welche Folgen hat die Trockenheit für Mensch und Natur?

Eine der wichtigsten Funktionen von Bäumen ist ihre regulierende Wirkung auf das Stadtklima. Mit ihrer Krone beschatten Straßenbäume Asphaltflächen und Häuserfassaden. Diese heizen sich dadurch weniger schnell auf (Der Temperaturunterschied kann unter Bäumen bis zu 10° C betragen), kühlen damit auch schneller ab und geben nachts weniger Hitze ab. Die Zunahme von Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20° C sinkt, gilt als eines der größten Gesundheitsrisiken, die der Klimawandel mit sich bringt. Besonders alte und geschwächte Menschen sind dadurch gefährdet. Asthma, Herzinsuffizienz, Hautkrebs und der Graue Star treten dann beispielsweise häufiger auf. Bewohner*innen von Städten bekommen den Temperaturanstieg besonders zu spüren, denn dort bilden sich durch die hohe Bebauungsdichte Wärmeinseln. Über die Spaltöffnungen in den Blättern geben Bäume auch während der Photosynthese Wasser ab und befeuchten und erfrischen damit die Luft. In und über Grünanlagen entsteht wichtige Kalt- und Frischluft, von der die umliegenden Quartiere profitieren. An diesem Prozess sind Bäume wesentlich beteiligt.

Ein völliger Verlust der Bäume in den Grünanlagen würde auch zu einem stärkeren Verschleiß der kurzgehaltenen Rasenflächen führen. Schon jetzt sind die uneingeschränkt der Sonne ausgesetzten grünen Sport-, Spiel- und Bewegungsflächen ab ca. Juni nur noch Staub, da hat der Sommer gerade erst angefangen (Naturnahe Trockenrasen- und Wiesenflächen kommen mit der vielen Sonne übrigens viel besser zurecht, werden dann aber auch viel seltener gemäht und sind daher auch nur eingeschränkt für Freizeitaktivitäten geeignet).

Bäume in der Stadt bieten wertvolle Lebensräume für viele andere Tiere. Zwischen Ästen und in Baumhöhlen leben Vögel und Fledermäuse. Unter der Borke und an den Blättern halten sich viele Insekten auf, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse sind. Auch für nektarsuchende Insekten wie z.B. Wild- und Honigbienen bieten Bäume in der Stadt einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Nahrungsgrundlage. Gerade Insekten sind häufig auf ganz bestimmte Pflanzenarten spezialisiert, an deren Blättern ihre Raupen fressen und unter deren Rinde sie ihre Eier legen können. Ein voranschreitender Verlust der vorhandenen Altbäume kann das Insektensterben in der Stadt beschleunigen. Den spezialisierten Baumbewohnern unter ihnen würde die Lebensgrundlage entzogen.

Welche Bäume sollen nachgepflanzt werden?

An den Verlust der Alt-Bäume schließt sich die Frage an, welche Bäume nachgepflanzt werden sollen. Häufig werden dafür nichtheimische Baumarten aus trockenen Regionen favorisiert. Das birgt jedoch ein gewisses Risiko. Die spezialisierte Fauna und Flora Mitteleuropas ist auf diese (noch) nicht eingestellt. Der Anpassungsprozess kann sofern er überhaupt stattfindet Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Vermehrte Anpflanzungen nichtheimischer Baumarten können dann auch als Trittsteine für bisher fremde Arten wirken, deren Verbreitung und Auswirkung auf die vorhandene Fauna und Flora noch völlig unklar ist. Wanderungsbewegungen der Arten aufgrund wechselnder klimatischer Bedingungen haben schon immer stattgefunden und auch einen nicht unerheblichen Beitrag zur Entstehung der Artenvielfalt geleistet. Das Problem ist, dass durch den menschlichen Anteil am Klimawandel diese Prozesse jetzt so schnell ablaufen, dass weite Teile der Natur da nicht mehr mithalten können. Erst recht nicht so langsame Lebewesen wie Bäume.

Kann man von einem Baumsterben in den Städten sprechen?

Ja, die Situation spitzt sich dramatisch zu. Bäume können einiges aushalten, in der Regel erliegen sie dann aber sogenannten Komplexkrankheiten. Damit werden eine Häufung von verschiedenen Schadfaktoren bezeichnet, die jeder für sich genommen gar nicht mal so schlimm sein müssen. In der Summe jedoch können sie den Bäumen so zusetzen, dass sie absterben oder Schwächeparasiten (wie z.B. Pilzerkrankungen) erliegen. Der nun schon langanhaltende Trockenstress schwächt die Bäume zunehmend und macht sie anfällig. Baumkrankheiten wie Rußrindenkrankheit an Berg- und Spitzahorn oder auch Pseudomonas an der Roßkastanie nehmen zu und verlaufen schwerwiegender.

Bäume benötigen Wasser um Photosynthese betreiben zu können. Wenn Wasser knapp wird, reagieren viele Baumarten auf die Situation, in dem sie die Blattfläche durch einrollen oder abwerfen verringern, um so auch die Photosynthese-Leistung zu reduzieren. Es ist eine der wenigen Stellschrauben, über die sie verfügen, um den Wasserverbrauch zu drosseln. Eine geringere Photosynthese-Leistung bedeutet geringere Widerstandskraft, weniger Zuwachs, um z.B. Holzzersetzung auszugleichen oder wasserführende Gefäße auszubilden. Ab Sommer und Herbst kommt es dann zu einer verringerten Knospenbildung (in denen die Blätter fürs nächste Jahr angelegt werden) und auch weniger Reservestoffen, die den Winter über eingelagert werden können. Hier zeigt sich schließlich auch eine der fatalen Auswirkungen der anhaltenden und wiederkehrenden Trockenheit: Sie schwächt langlebige Lebewesen wie Bäume schleichend. Besonders stark sind ringporige Baumarten wie z.B. Eichen, Ulmen und Eschen betroffen. Diese Baumarten bilden ihre wasserführenden Gefäße hauptsächlich mit dem im Frühjahr gebildeten sogenannten Frühholz aus. Jedes trockene Frühjahr mit geringen Zuwächsen bedeutet für diese Baumarten eine geringere Neubildung wasserführender Gefäße. Bei mehreren Trockenjahren in Folge kumulieren diese Defizite.

Die warme und trockene Witterung im Winter und Frühjahr begünstigt auch die Massenvermehrung von bestimmten baumschädigenden Insekten. Solche Gradationen kommen in der Natur immer wieder vor und gehören an sich zum natürlichen Kreislauf. Für die geschwächten Bäume kann aber eine Massenvermehrung von Fraßschädlingen fatale Konsequenzen haben.

Was erwarten wir von der Politik in Kommunen, Ländern und Städten?

Wir fordern, dass man sich aufgrund ihrer Bedeutung für das Stadtklima und den Natur- und Artenschutz vielmehr um die bestehenden Bäume kümmern sollte. Neupflanzungen sind wichtig und dürfen auch nicht vernachlässigt werden, aber ich beobachte immer wieder, dass die Frage welche Baumarten jetzt gepflanzt werden (auch aufgrund des exotischen Charakters der diskutierten Baumarten) die eigentlich dringende Frage völlig überlagert: Wie bekommen wir, welches Wasser an welche Bäume?

Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass sich da auch eine Mentalität breit gemacht hat, die den Altbestand schon längst abgeschrieben hat und lieber auf einen Neustart mit neuen Teilnehmern setzen möchte. Das führt in die falsche Richtung. Die Städte und Gemeinden müssen sich wohl oder übel darauf einstellen, regelmäßig ihre Bäume, die Parks und die weiteren Freiflächen, also die grüne Infrastruktur der Stadt, mit Wasser versorgen zu können.

Eine vitale Stadtvegetation hilft aber auch, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Neben dem Schutz der Freiflächen und der Vegetationsbestände muss das Management von Regen- und Grundwasser neu angegangen werden. Viele – auch urbane – Ökosysteme benötigen bestimmte Mindeststände des Grundwasserspiegels, um überleben zu können. Mit dem Klimawandel wird nicht nur die Trockenheit zunehmen, sondern insgesamt die Extremwetterereignisse. Starkregen fließen in Städten häufig noch in die Kanalisation ab, ein modernes Regenwassermanagement speichert dieses Wasser und nutzt es dann in den trockenen Perioden.

Was kann man gegen die Trockenheit tun?

Die wiederkehrende und anhaltende Trockenheit entspricht den Projektionen der Klimaforschung für die Folgen einer zunehmenden Erderwärmung. Frühling und Herbst werden kürzer, die Sommer trockener, Niederschläge werden vermehrt im Winter und dann auch zunehmend als Extremwetterereignisse ausfallen. Die Städte und Gemeinden werden sich darauf vorbereiten und anpassen müssen. Mindestens genauso wichtig ist es aber den Klimawandel aufzuhalten, die Energiewende so rasch wie möglich umzusetzen und die Emissionen klimawirksamer Gase dauerhaft zu begrenzen.

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Aktuell: Der BUND hat alle Bezirke angeschrieben, um konkret zu ermitteln, wo und wie gegossen wird und so mehr Transparenz herzustellen, wo die Unterstützung von den Bürger*innen nötig ist. BUND-Brief an die Bezirksämter

 

Aktiv werden für Bäume

Aktion „Bäume gießen“

Unterschriftenaktion: Stadt braucht Grün

Foto Challenge: Das kann weg!

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BUND: Keine Baumfällungen an der Urania https://umweltzoneberlin.de/2019/02/14/bund-keine-baumfaellungen-an-der-urania/ https://umweltzoneberlin.de/2019/02/14/bund-keine-baumfaellungen-an-der-urania/#comments Thu, 14 Feb 2019 15:22:58 +0000 http://umweltzoneberlin.de/?p=4670 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bezirksverordnete,

wir möchten Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass die Bäume auf dem Mittelstreifen vor der Urania erhalten bleiben. Wenn diese Bäume das Erlebnis des Kunstwerks „Arc de 124,5°“ stören sollten, bitten wir Sie sich dafür einzusetzen den Mittelstreifen so zu gestalten, dass das Monument wieder erlebbar gemacht wird und gleichzeitig alle Bäume erhalten bleiben. Der Handlungsbedarf ist auf keinen Fall so akut, dass in den nächsten zwei Wochen gefällt werden muss.

Die Kreuzung vor der Urania ist eine der am stärksten befahrenen und auch einer der unwirtlichsten Orte in der Stadt. Gerade an einer solchen Stelle wird jedes Stück Natur dringend gebraucht. Die Bäume kühlen die Luft und beschatten den sich aufheizenden Asphalt. Je größer und älter sie werden, desto wertvoller ist ihr Beitrag für die Anpassung der Stadt an den Klimawandel. Es geht hier aber nicht nur um den praktischen Nutzen, den Bäume für die Stadtluft haben, sondern auch um ihre symbolische Bedeutung.

Das Land Berlin und auch der Bezirk Tempelhof-Schöneberg verlieren jedes Jahr konstant Straßenbäume, weil nicht für jeden aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällten Baum auch wieder ein neuer nachgepflanzt wird. Dazu kommen noch die tausenden Bäume, die dem Sturm Xavier und der andauernden Dürre des vergangenen Sommers zum Opfer fielen. So verschwanden im Jahr 2017, alle Neupflanzungen mit eingerechnet, in Berlin 6.106 Straßenbäume davon allein 270 in Tempelhof-Schöneberg. Die Jahre davor sahen nicht viel besser aus. Die 2012 vom damaligen Senator für Stadtentwicklung Michael Müller ins Leben gerufene Stadtbaumkampagne ist da nur ein Tropfen auf den (in diesem Fall wörtlich zu nehmenden) heißen Stein. Es ist schwer zu vermitteln, dass angesichts einer solchen Situation acht gesunde Bäume gefällt werden sollen, weil sie den Blick auf ein Kunstwerk einschränken. Selbst wenn diese Bäume durch Neupflanzungen ersetzt werden, würde damit doch ein fatales Signal ausgesendet.

Das Kunstwerk „Arc de 124,5°“ war nicht nur ein Geburtstagsgeschenk an Berlin, sondern ist auch ein Symbol für die deutsch-französische Freundschaft. Dieser über Jahrzehnte gewachsene Zusammenhalt von Frankreich und Deutschland wurde gerade erst in dem Vertrag von Aachen erneuert. In diesem bekannten sich beide Länder in Artikel 18 unter anderem zur Stärkung des Umwelt- und Klimaschutzes und insbesondere zu dem Übereinkommen der UN-Klimakonferenz in Paris.

Der bevorstehende Klimawandel ist eine Bedrohung, die auch, wenn sie sich immer wieder spürbar macht, uns dennoch abstrakt erscheint. Die Instrumente, den schädlichen Emissionsausstoß zu reduzieren und Schlimmeres abzuwenden, sind für die Bevölkerung noch schwerer zu fassen. Angesichts der Anstrengungen, die den Menschen abverlangt werden, wirkt die Fällung gesunder Bäume in Zeiten des Klimawandels absurd. Wenn Politik glaubhaft sein soll, muss, was sich im Großen gut und richtig anhört, auch im Kleinen wieder zu finden sein. Ein solcher heraufbeschworener Konflikt zwischen Kunst und Natur, zwischen Stahl und Baum muss gestalterisch lösbar sein ohne gleich zur Säge greifen zu müssen.

Wenn wir Berlin fit machen wollen für die Herausforderungen des Klimawandels, dann brauchen wir große und gesunde Bäume und wir brauchen sie überall in der Stadt und wir brauchen sie jetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Hönig

(BUND-Referent für Baumschutz)

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Achtung am Montag, 18. 2., 17.30 Uhr

Kundgebung zum Erhalt der Platanen an der Urania

Gesunde Platanen, die seit 40 Jahren an der Urania stehen, sollen gefällt werden, damit eine Skulptur besser sichtbar wird. Mit der Kundgebung am Mo., 18.2., von 17:30 – 18 Uhr sprechen wir uns an der „Arc de 124,5°“- Skulptur An der Urania in 10787 Berlin für den Erhalt der Bäume aus. Natur und Kunst gehören an diesem Ort zusammen!

Wir freuen uns über Redebeiträge von Bertram von Boxberg (grüner Vorsitzender Kulturausschuss BVV Tempelhof-Schöneberg), Christian Hönig (BUND-Berlin, Fachreferent Baumschutz), Notker Schweikhardt (MdA) und Renate Künast (MdB).

Sagt es weiter und kommt dazu!

https://www.facebook.com/events/829665107375905/

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Petition von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Tempelhof-Schöneberg:  Zur Petition „Keine Baumfällungen an der Urania“

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Was für ein Pfosten! https://umweltzoneberlin.de/2018/08/29/was-fuer-ein-pfosten/ https://umweltzoneberlin.de/2018/08/29/was-fuer-ein-pfosten/#respond Wed, 29 Aug 2018 13:14:17 +0000 http://umweltzoneberlin.de/?p=4483 Wir sind Naturschützer, wir mögen Bäume. Damit stehen wir nicht alleine da, auch sehr viele andere Menschen, die sich nicht ehrenamtlich oder beruflich für den Naturschutz einsetzen, finden Bäume toll und wir wissen auch, dass es einen kleinen Teil der Menschheit gibt, der mit Bäumen nicht ganz so viel anfangen kann wie wir.

Leider gibt es aber auch immer wieder Vorfälle, die uns völlig zur Verzweiflung treiben und bei denen wir uns wünschen würden, ein gefühlloser Klotz ohne Augen und ohne Ohren zu sein. Einer dieser Vorfälle ist uns letztens über den Weg gelaufen. An einem Grundstück sollte wohl ein Zaun errichtet werden und damit die gegossenen Betonpfeiler auch schön in Reih und Glied stehen, wurde kurzerhand der Stamm einer an der Grundstücksgrenze stehenden Ulme längs angesägt. Dabei hätten die Pfeiler nur um wenige Zentimeter versetzt werden müssen. Die jetzt dabei entstandene ca. einen Meter hohe Schnittfläche wird über kurz oder lang das Ende des Baumes darstellen. Die Wunde ist so groß, dass der Baum diese unmöglich vor Infektionen durch Fäuleerreger abschotten kann. Deswegen sind solche gravierenden Schnitte auch verboten. Das zuständige Bezirksamt wurde über den Fall informiert.

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Bäume gießen! https://umweltzoneberlin.de/2018/06/28/baeume-giessen/ https://umweltzoneberlin.de/2018/06/28/baeume-giessen/#comments Thu, 28 Jun 2018 13:02:02 +0000 http://umweltzoneberlin.de/?p=4383 Im Sommer gehört es zu den schönsten Dingen, unter dem Schatten eines Baumes zu liegen. Im Schutz der Krone ist es angenehm kühl, die Gluthitze der Betonstadt rückt dann in weite Ferne. Damit die Bäume aber den ganzen Sommer über eine schöne, schattenspendende Krone ausbilden können, brauchen sie Wasser. Sie benötigen es, um Photosynthese zu betreiben, oder auch um Assimilate und Nährstoffe zwischen Wurzeln und Blättern zu transportieren.

In Berlin ist es zurzeit so trocken wie schon lange nicht mehr, und langsam geht den Bäumen das Wasser aus. Das im Boden gespeicherte Wasser von den ausgiebigen Niederschlägen im März ist jetzt endgültig aufgebraucht. Wenn Sie den Bäumen helfen wollen, dann können Sie sie einmal die Woche mit 8 bis 10 Eimern Wasser gießen. An vielen Orten der Stadt gibt es noch große Pumpen, an denen Sie Wasser entnehmen können, ohne Treppen steigen zu müssen.

Wenn Sie wissen wollen, welche Bäume derzeit am dringendsten Wasser brauchen, dann schauen Sie sich die Bäume in Ihrer Gegend genau an. Wenn Bäume Trockenstress haben, dann kann man diesen zu allererst ganz oben im Wipfel sehen. Dem Baum fehlt das Wasser, um es bis ganz nach oben zu pumpen. Werden die Blätter dort kleiner und dürr und zeigen sich in der Spitze die ersten Lücken, dann ist der Baum richtig durstig.

Auf dem Foto kann man den Unterschied gut erkennen. Der hintere Baum steht in einem Vorgarten und wurde regelmäßig gegossen, der vordere steht an der Straße und hat einen guten Guss dringend nötig. Bleibt es weiterhin so trocken, dann werden die Schäden im Wipfel immer größer und die Blätter fallen ab.

 

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Dauerregen lässt Bäume kippen https://umweltzoneberlin.de/2017/07/27/dauerregen-laesst-baeume-kippen/ https://umweltzoneberlin.de/2017/07/27/dauerregen-laesst-baeume-kippen/#respond Thu, 27 Jul 2017 11:14:59 +0000 http://umweltzoneberlin.de/?p=4021 Jeden Sommer schauen wir beim BUND immer mit ein wenig Sorge in die Baumwipfel und auf den Wetterbericht. Sind die Blätter noch frisch grün oder schon dürr geworden? Wird es regnen? Werden die Stadtbäume genug Wasser abbekommen oder müssen wir wieder den Gießalarm herausgeben? Mehrere der zurückliegenden Sommer waren viel zu trocken, oft sind es auch die Spätfolgen eines trockenen Frühjahrs nach einem schneelosen Winter. Im Boden ist dann überhaupt kein Wasser mehr gespeichert und den Bäumen fehlt es genau dann, wenn sie es dringend benötigen würden.

Dieser Sommer ist anders. Es regnet und regnet, immer wieder, ohne Ende und nach der ersten Erleichterung, dass Bäume, Sträucher, Blumen und Gewässer dieses Jahr ausreichend mit Wasser versorgt zu sein scheinen, kamen auch schon wieder diese Sorgen: Viel Wasser ist auch nicht gut für die Pflanzen und die Tiere, sie leiden auch darunter. Für Straßenbäume kann so viel Regen richtig gefährlich sein. Das Wasser weicht den Boden auf und die wenigen Wurzeln, die die Bäume in dem bisschen Erde, die wir ihnen zugestehen, ausgebildet haben, können das Gewicht von Stamm und Ästen sowie regennasser Blattmasse nicht mehr halten. Dazu kommen auch noch versteckte Schäden an den Wurzeln von zurückliegenden Arbeiten an den Strom-, Gas-, Wasser-, Internet-Leitungen unter dem Asphalt, wenn wieder keine Zeit für Wurzelschutz war und der Minibagger einfach in die Grube griff. Zwei Bäume sind schon umgekippt, einige gefährdete, die schon länger unter Beobachtung standen, wurden vorsorglich gefällt.

Erst zu trocken, dann wieder zu nass, das Wetter wird es wohl nie allen recht machen können, unstet und unbeständig wie es ist, wandelt es sich immer wieder und unversehens steht auf einmal wieder dieses Schreckgespenst namens Klimawandel vor der Tür. In der noblen Absicht keine Panik verbreiten zu wollen und weil es auch einfach noch zu früh ist, um wissenschaftlich fundiert aus lokalen Wettergegebenheiten – seien sie noch so unangenehm – auf ein globales Klima rückschließen zu können, kommen wir trotzdem nicht umhin festzustellen, dass sich die Wetterphänomene der letzten Jahre leider in die Richtung entwickeln, die uns von Klimaforschern in Aussicht gestellt werden. Die Übergangszeiten Frühling und Herbst sollen sich bis zur Unbemerkbarkeit verkürzen, die extremen Wetterereignisse sollen häufiger auftreten und intensiver ausfallen.

Den Klimawandel aufhalten zu wollen, ist das eine, das andere ist es, sich auf die Auswirkungen vorzubereiten. Gerade die Bäume in den Straßen können dabei behilflich sein. Ihre Blätter erfrischen die Luft, beschatten Wohnungen und Asphalt, damit sich diese nicht so aufheizen können. So wie die Bäume uns helfen, müssen auch wir ein bisschen was für sie tun, damit sie Trockenheit und Dauerregen auch immer gut überstehen. In der Straße haben sie es ohnehin nicht leicht. Wichtig wäre es, ihren Wurzeln mehr Raum zu geben, dort wo es geht die Baumscheiben zu vergrößern, den Boden durch (baumschonende) Bepflanzung zu verbessern und bei den unvermeidlichen Baustellen besser auf die Baumwurzeln zu achten.

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UPDATE: Böswillige Gewalt gegen Bäume in Friedrichshain https://umweltzoneberlin.de/2017/03/16/boeswillige-gewalt-gegen-baeume-in-friedrichshain/ https://umweltzoneberlin.de/2017/03/16/boeswillige-gewalt-gegen-baeume-in-friedrichshain/#comments Thu, 16 Mar 2017 08:29:43 +0000 http://umweltzoneberlin.de/?p=3817 In Friedrichshain treibt ein Baummörder sein Unwesen. Auf Hinweis einer Anwohnerin wurde das Baumschutz-Team des BUND Berlin in die Grünberger Straße gerufen. Dort sollten mehrere Straßenbäume mutwillig beschädigt worden sein. Vor Ort bot sich den Baumschützern dann leider tatsächlich ein furchtbares Bild. Bei einem Baum war im gesamten unteren Stammbereich die Rinde fast vollständig zerstört und abgezogen. Aber auch bei allen anderen Bäumen auf dieser Seite der Grünberger Straße waren großflächige Verletzungen der Rinde zu erkennen. Auf jeden Baum war mutwillig eingehackt worden. Ein einziger Baum, der zufälligerweise komplett von einem Bauzaun umgeben war, blieb verschont. Auf Verdacht untersuchten die Mitarbeiter des BUND noch die Bäume in den umliegenden Straßen und waren geschockt.

Von den 227 untersuchten Bäumen auf dem Mittelstreifen Warschauer/Petersburger Straße bis hoch zum Bersarinplatz, sowie in der Grünberger Straße zwischen Warschauer und Simon-Dach Straße waren 102 Bäume beschädigt, mindestens 4 davon so schwer, dass sie nur geringe oder gar keine Überlebenschancen mehr haben werden.

 

Dieser Baum wird es nicht überleben An den Wundrändern kann man erkennen, dass dieser schwere Schaden mindestens ein Jahr alt ist Mit kleinen aber tiefen Kratzern fängt es an... ...die Verletzungen werden größer ...und flächig ...oft wird versucht die Rinde abzuziehen ältere Verletzungen, die aber das typische Schlagmuster aufweisen Der Täter arbeitet sich von Baum zu Baum vor Der Versuch einen vermutlich alten Schaden zu erweitern
(Hinweis: Die Fotogallerie funktioniert u.U. in der Anzeige mit Mozilla Firefox nicht richtig – bitte in dem Fall ggf. auch mit anderen Web-Browsern ausprobieren)

 

An manchen Bäumen sind es nur einzelne tiefe Kratzer, die auf den ersten Blick nicht auffallen mögen. Folgt man aber den Baumreihen erkennt man, dass sich der Täter oder die Täterin von Baum zu Baum in eine Art Rausch steigert, mit der Zeit versucht tiefe umlaufende Furchen in das lebensnotwendige Kambium zu reißen, die Rinde flächig abzuschlagen oder gar lange Rindenstreifen abzuziehen. Es wird vermutet, dass immer den Baumreihen entlang gegangen wird. So ist in der Grünberger Str. die südliche Straßenseite komplett geschädigt, auf der nördlichen waren keine Verletzungen zu erkennen. Auf dem Mittelstreifen in der Warschauer Straße sind beide Baumreihen betroffen. In der Petersburger alle vier Reihen auf dem Mittelstreifen und an den Straßenrändern.

Die meisten Bäume sind erst vor kurzem attackiert worden. Anhand des von manchen Bäumen gebildeten Wundgewebes gehen die Baumexperten aber davon aus, dass der Täter seit mindestens einem Jahr sein Unwesen treibt. An vielen Bäumen mit alten Schäden lässt sich beobachten, dass gezielt von den alten Wunden ausgehend weitergearbeitet wurde. Es besteht kein Zweifel, wer auch immer hinter den Angriffen steckt, hat die Absicht die Bäume zu töten.

Der BUND Berlin bittet darum, in Friedrichshain-Kreuzberg die Augen offen zu halten und verdächtige Aktivitäten an den Bäumen zu melden. Auch ist noch nicht bekannt, ob nicht auch in anderen Bezirken die Bäume vorsätzlich geschädigt werden. Der BUND Berlin hat Anzeige bei der Umweltkripo erstattet und die Berliner Naturschutzbehörden und Gartenämter informiert.

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Die Hinweise verdichten sich, dass es auch Hundebesitzer sein könnten, die ihre Tiere auf die Bäume hetzen. Ähnliche Schadbilder wurden schon mal vereinzelt in Berliner Parks gesehen und konnten Hundehaltern zugewiesen werden, die ihre Tiere an den Bäumen scharf gemacht haben. In diesem Ausmaß war es bisher jedoch unbekannt.

 

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