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Lasst den Hahn laufen!

Die Ökobilanz von Leitungswasser ist unschlagbar

Niemand muss mehr Wasserkästen in der Landesgeschäftsstelle des BUND schleppen. Das gesamte Team trinkt im Büro nun konsequent nur noch Leitungswasser. Dies freut nicht nur den Berliner Verein a:tiptap, der die Geschäftsstelle nun als „leitungswasserfreundlich“ ausgezeichnet hat, sondern spart auch Ressourcen. Die Ökobilanz von Leitungswasser ist unschlagbar.

Leitungswasser ist der ökologischste Durstlöscher

Im Bund-Projekt „Berliner Abfallcheck“ berät der BUND Berliner Bürgerinnen und Bürger in ihren Haushalten zu Abfalltrennung und Abfallvermeidung. Da war es nun längst überfällig, in den eigenen vier Wänden auf die umweltfreundlichste Trinkwasserversorgung umzustellen.

„Wir hatten zuvor Flaschenwasser aus regionaler Befüllung und Produktion in Glas-Mehrwegflaschen gekauft. Denn diese haben im Vergleich zu anderem Flaschenwasser die beste Ökobilanz“, weiß Daniel Affelt, Abfallreferent des BUND, zu berichten. Die mit Abstand geringste CO2-Belastung hat allerdings ein Glas Leitungswasser! „Der Energieverbrauch und die Ökobilanz von Leitungswasser ist um Längen besser als Flaschenwasser, da kann auch keine regional befüllte Mehrwegflasche mithalten“ so der Abfallreferent.
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Mehrere Kisten Wasserflaschen wurden monatlich über viele Jahre in das Büro des BUND Berlin in Schöneberg geliefert und wieder abgeholt. Die Kisten mit den Wasserflaschen aus Glas lagerten im Keller und wurden von einem Mitarbeiter in die Büros getragen. Eine kräftezehrende, schweißtreibende Angelegenheit, von der der Mitarbeiter nun endlich erlöst ist.

 

 

 

Flasche ist nicht gleich Flasche

Tatsächlich gibt es große Unterschiede in den Ökobilanzen verschiedener Wasserflaschen. Eine Ökobilanz ist das Umweltprotokoll eines Produktes. Von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung werden die Umweltauswirkungen erfasst – sozusagen „von der Wiege bis zur Bahre“.

wasserflaschenBei einer Wasserflasche sind es die Rohstoffgewinnung, Verpackungserstellung, Abfüllung, Transport zum Handel, Transport zur Entsorgung und die Entsorgung, die allesamt die Ökobilanz einer Flasche ausmachen. Derzeit gibt es im Handel folgende Flaschentypen für Mineralwasser:

  • PET – Einwegflasche
  • PET – Mehrweg
  • Glas – Mehrweg

Vier von fünf Wasserflaschen im Handel sind heute aus PET.

 

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Um ein Liter Trinkwasser zu fördern und in die Haushalte zu bringen, setzen die Berliner Wasserbetriebe durchschnittlich 0,35 Gramm Kohlendioxid frei. Flaschenwasser kann dagegen mehr als das tausend-fache an CO2 verursachen. Wie viel klimaschädliche Gase anfallen, hängt vom Produktionsort und vom Flaschentyp ab.

 

 

Fünf Fakten zu Wasser und Flaschen

  1. Die Mehrwegquote bei Flaschenwasser in Deutschland ist in den Letzten Jahren stark gesunken. Lag sie im Jahr 2000 noch bei 81% so liegt sie heute bei 30%. Dies erklärt sich unter anderem mit der gestiegenen Marktmacht der Discounter, die nur die PET Einwegflaschen im Sortiment haben. Zur schlechten Ökobilanz der Discounterwässerchen führt, dass Discounter zentral ihr Wasser abfüllen. Die großen Marktriesen werden insgesamt von nur ca. 5 Mineralbrunnen beliefert. Die billigen PET-Wasserflaschen haben also meist mehrere Hundert Kilometer auf dem Buckel, was sich negativ auf die ohnehin schon miese Ökobilanz der Einweg-Plastik Flasche auswirkt.
  2. Getränke in Mehrwegflaschen haben die beste Ökobilanz. PET und Glas liegen dabei sogar gleichauf, wenn sie von regionalen Anbietern kommen. Je länger die Transportwege zwischen Befüllung, Verkauf, Rücknahme, Reinigung und Wiederbefüllung liegen, je schlechter wird die Ökobilanz von Glas-Mehrweg. Das liegt vor allem am Gewicht des Glases. Der Marktanteil von Glas-Mehrweg liegt bei 16 Prozent, der von PET-Mehrweg bei 15.
  3. Eine Glas-Mehrwegflasche kann  bis zu 50 mal wieder befüllt werden und ist damit um Längen klimafreundlicher als Einweg-Plastikflaschen.
  4. Eine PET-Mehrwegflasche wird bis zu 15 mal wieder befüllt. Das „Alter“ einer Mehrwegflasche kann man sehr gut an den Abreibungen an den Flaschenaußenkanten erkennen.
  5. Weltweit wird nur eine von zehn Wasserflaschen recycelt. Der Rest landet im Meer oder auf einer Müllkippe oder wird verbrannt.

Keine Angst vor Leitungswasser

Viele Berlinerinnen und Berliner zweifeln an der Qualität des Berliner Trinkwassers. Dabei ist Leitungswasser dank der Trinkwasserverordnung eines der sichersten Lebensmittel in Deutschland. Das Berliner Trinkwasser wird regelmäßig kontrolliert und hält alle Grenzwerte der Trinkwasserverordnung deutlich ein. Die Wasserwerke führen täglich Kontrollen zur Feststellung der chemischen und biologischen Zusammensetzung des aufbereiteten Trinkwassers durch. Leitungswasser wird damit auf mehr Inhaltsstoffe geprüft als Mineralwasser in Flaschen.

Die häufigsten Sorgen betreffen die „Härte“ des Leitungswassers. Diese Sorgen räumt Andrea Müller vom Verein a tip: tap aus: „Die sogenannte Härte des Berliner Wassers liegt an einem hohen Calcium- und Magnesiumgehalt. Beides sind wichtige Mineralien, die der menschliche Körper benötigt.“

Eine weitere Sorge dreht sich um mögliche Schwermetalle im Leitungswasser. Für die Schwermetallkonzentrationen im Berliner Trinkwasser ist allein das für die Hausinstallation verwendete Leitungsmaterial ausschlaggebend.

Um ganz sicher zu gehen, wurde das Leitungswasser der Büros des BUND von einem unabhängigen Institut getestet. Gerade weil die Geschäftsstelle in einem alten Gebäude untergebracht ist, vermutete man Blei- und Kupfer-Belastungen des Leitungswassers aufgrund der alten Rohre des Hauses.
Die Sorgen des BUND-Teams konnten jedoch durch eine Wasseranalyse entkräftet werden, durchgeführt vom Messzelle e.V. Getestet wurden jeweils zwei Proben: Eine Standprobe (die ersten Tropfen Wasser am Montagmorgen, nachdem der Wasserhahn ganze 2 Tage still stand) und eine Fließprobe (Wasserprobe nach einigen Sekunden laufen lassen, bis sich ein gleichmäßig kalter Wasserfluss einstellte).
Die Analyse ergab, dass alle Grenzwerte für Metalle in beiden Proben weit unterschritten wurden.

Lasst den Hahn laufen!

Für die beste Trinkwasserqualität empfiehlt der BUND Berlin und a tip: tap, den Wasserhahn immer solange laufen zu lassen, bis aus ihm gleichmäßig kaltes Wasser fließt.  Dann ist man/frau auf der sicheren Seite. Die Kosten des so „umsonst“ geflossenen Wassers belaufen sich auf 10tel Cent-Beträge und insgesamt ist das Leitungswasser auch so noch um das Vielfache günstiger als das billigste  Flaschenwasser, gerade mal 1,70 Euro kosten 1000 Liter.

wasserkaraffe

Am besten ist es, man füllt sich regelmäßig Leitungswasser in eine Glaskaraffe oder Flasche und stellt diese im Kühlschrank kühl. So muss nicht jedes Mal aufs Neue am Hahn gewartet werden.

Der BUND Berlin und a:tiptap hoffen, das andere Unternehmen und Organisationen nachziehen und auch auf Leitungswasser umstellen. Mit dem Berliner Leitungswasser steht uns ein sicheres, gesundes und kostengünstiges Lebensmittel frei Haus zur Verfügung, ohne dass dafür eine Verpackung erforderlich wäre. Mineralwasser in Plastikflaschen ist ein komplett unnützes Konsumprodukt und lässt sich einfach aus dem Alltag verbannen. Würden alle Berliner auf Leitungswasser umsteigen, könnten viele Tonnen CO2 eingespart werden. Hier sollten Unternehmen, Organisationen und vor allem öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Verwaltungen und Behörden mit gutem Beispiel voran gehen.

Service:

Sie wollen ihr Büro auch auf Leitungswasser umstellen?
Der Verein a:tiptap berät Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu den Vorteilen von Leitungswasser.
Anfragen an:  info@atiptap.org
Weitere Infos unter: http://www.atiptap.org/

 

Links:

Warum ist das Wasser hart?

https://www.umweltbundesamt.de/themen/hartes-wasser-weiches-wasser

 

Information zum Leitungswasser der Berliner Wasserbetriebe:
http://www.bwb.de/content/language1/mobile/150.php#s_12507

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