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Diagnose Klimawandel – Therapie jetzt!

#KliMahnwache vor der Berliner Charité vom 07.11.18-11.11.18

Ich schäle mich aus dem klammen Schlafsack, während die Wärmefolie unter mir knistert. Mein Atem steigt in heißen, weißen Schwaden auf und verschwindet in der Dunkelheit. Die Autos rauschen an unserem Zelt vorbei, eine Straßenbahn klingelt. Warum bin ich aufgewacht? Vielleicht, weil meine Füße zwei kalten Steinen gleichen, vielleicht hat mich aber auch eines der vielen Geräusche der Berliner Nacht geweckt. Lutz neben mir schläft friedlich. Ich denke über die vergangenen Tage nach und vergesse für einen Moment die Kälte der Novembernacht.

Zwei Tage zuvor: „Klimawandel macht krank! Patientin Erde auf der Intensivstation“ Reinhard hebt das Banner an und dazu fragend die Augenbraue: „Passt das so? Weiter links?“ Wir sind dabei, die letzten Details unserer Mahnwache aufzubauen. Fünf Tage und Nächte lang werden wir mit der „kranken Patientin Erde“ in unmittelbarer Nähe zur Charité für besseren und schnelleren Klimaschutz mahnen. Wir ­ das ist die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. Wir ­ das ist unsere Steuerungsgruppe, bestehend aus Florian, Reinhard, Lutz und mir. Wir ­ das sind in den nächsten Tagen aber auch unzählige freiwillige, engagierte und interessierte Menschen, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen. Ein buntes Team aus Studierenden, Angestellten und pensionierten Menschen, die sich bereit erklären, die „kranke Patientin Erde“ für einige Stunden zu betreuen. AktivistInnen werden in diesen Tagen vorbeikommen, PolitikerInnen, KünsterInnen, JournalistInnen. Aber auch Menschen, die sich keiner bestimmten Gruppe zuordnen und sich spontan bereit erklären, Schichten zu übernehmen, Essen zu spenden oder Gespräche zu führen. Die Forderungen der Mahnwache sind simpel in ihrem Inhalt und herausfordernd in der Umsetzung: Der Klimawandel und dessen Folgen betreffen uns alle und stellen auch große gesundheitliche Gefahren dar. Der Gesundheitssektor argumentiert damit noch einmal aus einer anderen Perspektive für mehr Klimaschutz und nimmt explizit die eigene Branche in die Pflicht.

Tag Drei: Florians Augenringe haben in den letzten Tagen an verschiedenen grauen Schattierungen zugenommen. Glücklich nimmt er den mitgebrachten Glühwein entgegen „Mir geht es gut, ich hatte tolle Gespräche. Und die Menschen geben mir ganz viel Zuspruch, dass das, was wir hier machen, wichtig ist!“ Lutz kommt uns mit einem kleinen Jungen entgegen und rückt sich den Arztkittel zurecht: „Komm mal mit, ich zeige dir unsere Patientin Erde!“. Der Vater des Jungen lächelt freundlich und nimmt sich eines der taufeuchten Informationsblätter. Ich begrüße die Radfahrenden, die an der Ampel stehen geblieben sind und neugierig schauen „Hallo! Habt ihr Lust auf einen Krankenbesuch?“

Fragen ist das Motto unserer Mahnwache. Fragen, Zuhören und Anregen. Wir möchten die Menschen nicht mit Informationen überhäufen, Informationen sind heute überall und jederzeit verfügbar. Wir möchten Sie zum Nachdenken anregen und zum Aktiv-werden.

Tag Fünf: Es regnet in Strömen. Ich stelle mein Rad ab und öffne die triefende Zeltplane. Am letzten Tag hat sich unsere Mahnwache wieder auf die Kerngruppe reduziert. Dieter löst vorsichtig das angeklebte Blaulicht vom nassen Dach seines Autos. Der Wagen hatte in den letzten Tagen als Krankenwagen neben dem Patientinnenbett gestanden. „Danke euch allen!“, sagt Florian, „für euren Einsatz, aber vor allem auch für das schöne Miteinander. Ich bin hundemüde, aber es war eine tolle Aktion“. Wir lächeln einander mit kleinen Augen im strömenden Regen aufmunternd zu. Dann beginnt jedeR für sich mit einem Teil des Abbaus.

Wir haben viel diskutiert und viel debattiert. Wir haben generationenübergreifend verschiedene Standpunkte ausgetauscht, Perspektiven eröffnet und voneinander gelernt. Und manchmal haben wir auch einfach geschwiegen und die Sache für sich sprechen lassen. So geht sie zu Ende, unsere ambulante Intensivstation für die Patientin Erde. Und gibt gleichzeitig so viel Energie für das weitere Engagement im Klimaschutz. Auf dass Patientin Erde bald von der Intensivstation verlegt werden kann und langfristig ihre Genesung beginnt!

Unser nächstes Treffen mit Interessierten, Aktiven und solchen, die es werden wollen, findet am 20.11.2018. um 18 Uhr in der BUND Landesgeschäftsstelle in der Crellestraße 35, Berlin-Schöneberg, statt.

Wir freuen uns ausdrücklich über Mitstreitende aus allen Bereichen des Gesundheitssektors!

Die Mahnwache war eine Aktion der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Der BUND Berlin e.V. unterstützte die Aktion in der Organisation und Durchführung.

Mehr Informationen auf Twitter unter #KliMahnwache oder #KlimaGesundheit.

Informationen zu den BUND-Krankenhausprojekten unter www.Energiesparendes-Krankenhaus.de sowie www.KLIK-Krankenhaus.de.

Zur Autorin: Nora Schumann absolviert derzeit ein Fachpraktikum beim Berliner BUND im Bereich Klimaschutz im Gesundheitswesen.

3 Kommentare

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  1. Großartige Aktion!! Danke für die Tage und Nächte die Ihr für uns alle an der Seite der Patientin Erde wart .
    Höchste Zeit das neue Bilder in die Welt kommen um das Problem näher zu bringen , da wo Menschen noch immer den Klimawandel läugnen … denn Informationen haben wir eigentlich genug.
    Kraftvoll und berührend ist die Begegnung der Generationen um das Krankenbett.
    Macht so weiter und alles gute.

  2. Liebe Nora, Du warst ein Juwel in dieser Aktion! Menschlich so angenehm und mit so viel Energie und Klarheit. Unschätzbar: Deine Kompetenz in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und social media. Dein blog beweist es einmal mehr. Danke so sehr für alles! Bis hoffentlich bald, in anderem Kontext. Grüße aus der Projektstelle der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit.

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