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Temporäre Spielstraße trotz Corona – Geht das überhaupt?

Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, was möglich ist, wenn man nur will

Ist es möglich, in Zeiten von Corona temporäre Spielstraßen durchzuführen? Ja! Es ist nicht nur möglich, sondern gerade jetzt besonders nötig, wenn alle viel mehr zu Hause sind als sonst.
Aber kann man temporäre Spielstraßen kurzfristig einrichten? Ja, es geht, wenn man will! Friedrichshain-Kreuzberg zeigt, wie.
Kinder brauchen Platz, um sich zu bewegen. In Corona-Zeiten, in denen Abstandsregeln eingehalten werden müssen, ist der Platzbedarf besonders groß.

Seit Anfang Mai hat deshalb der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg binnen kürzester Zeit zahlreiche neue temporäre Spielstraßen ermöglicht. Diese stehen jetzt jeden Sonntag Nachmittag für Spiel und Begegnung (mit Corona-Abstand) zur Verfügung. Das Verfahren ist unkompliziert. Die Idee dahinter ist, dass einfach nicht genug Platz auf den Spielplätzen ist, die wieder geöffnet sind, damit die Kinder genug Abstand zueinander halten können.
Kurzfristig wurden 19 Straßenabschnitte benannt, für deren Betreuung sich spontan zahlreiche Unterstützer*innen aus der Nachbarschaft gefunden haben. Die Infrastruktur wie Schilder, Absperrungen und Infomaterial wurden vom Amt zur Verfügung gestellt. Für die Betreuung vor Ort sind Anwohner*innen verantwortlich.
Link Friedrichshain-Kreuzberg: https://fixmyberlin.de/friedrichshain-kreuzberg/spielstrassen

Der Bezirk mit seinem Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes Felix Weisbrich hat einmal mehr gezeigt, dass man etwas umsetzen kann, wenn man nur will. Auch kurzfristig! Ohne Felix Weisbrich und Olaf Rabe vom Straßen- und Grünflächenamt in Friedrichshain- Kreuzberg, wäre alles nicht so gekommen. Nur durch ihre Initiative konnten die Spielstraßen eingerichtet und dauerhaft etabliert werden.

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Böckhstraße jeden Mittwoch Nachmittag zur ersten temporären Spielstraße im Bezirk. In diesem Jahr ging es wegen Corona erst am 6. Mai für fast alle ein wenig überraschend und nach einiger Diskussion wieder los. Am ersten Termin wurden alle gleich mit tollem Sonnenschein belohnt, als die Spielstraße um 14 Uhr startete. Und dann war es genau wie im letzten Jahr: Menschen, die sich lange nicht mehr gesehen haben, begrüßten sich, leider ohne Umarmungen, stellten Sperrungen und hängten Wimpel auf und das Wichtigste: die Kinder, die sich ausgelassen auf der Straße bewegen konnten.

Dieselben Ärgernisse wie im letzten Jahr waren auch wieder da: parkende Autos und Radfahrer*innen, die nicht bereit waren abzusteigen und durch spielende Kinder fahren „mussten“. Den Auflagen, Abstand halten und dass e s nicht so voll werden darf (unter 50 Menschen), konnten die Initiative um 14 Uhr noch gelassen entgegenblicken, da kaum Menschen da waren. Für viele war es eine Überraschung, als sie zwischen 14 und 18 Uhr in der Böckhstraße vorbeikamen. Denn die Straße war gesperrt und sie füllte sich, nicht nur mit Kindern. Auch den Eltern, Anwohner*innen und Passant*innen sah man an, wie schön es war, und wie gut etwas Normalität und Beisammensein tat. Sich austauschen, einfach quatschen ohne Telefon und Videokonferenz. Während die Erwachsenen ihren Kaffee und die Gesellschaft anderer Menschen genossen, tobten, pflanzten, malten und musizierten die Kinder. Eine Pause von der Krise tut jedem gut. Die Straße füllte sich, Kinder und Erwachsene verteilten sich über die gesamte Fläche.

Unser Fazit, nach der ersten Woche Temporäre Spielstraßen ist, dass sie nicht nur möglich, sondern gerade jetzt nötig sind, damit Kinder genug Platz haben, um sich zu bewegen und Sicherheitsabstände eingehalten werden können.

Der nächste Bezirk, der das Thema aufgreift, ist Neukölln. Hier sollen ab Pfingsten sechs temporäre Spielstraßen entstehen.
Link Neukölln: https://mein.berlin.de/projects/temporare-spielstrassen-in-neukolln/

Andere Bezirke tun sich mit dem Thema schwerer, so kämpfen Initiativen zum Teil schon seit Jahren für ihre temporäre Spiel- und Nachbarschaftsstraße.

In Berlin setzt sich das Bündnis temporäre Spielstraßen für das Thema ein, dem der BUND angehört. Das Bündnis fordert:

• Temporäre Spielstraßen in Berlin als gängiges Instrument zu etablieren
• ein einfaches Antrags- und Genehmi­gungs­verfahren zur Einrichtung von temporären Spielstraßen
• eine aktive Unter­stützung von Initiativen durch die Ver­waltung, mit festen und kompetenten Anprechpartner*innen

Link http://spielstraßen.de/

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