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Weidelandschaft „Lichterfelde Süd“

Auf einer ca. 100 ha große Fläche am südlichen Stadtrand finden Sie eine Landschaft mit Weiden, Gebüschen, offenen Flächen und kleinen Wäldern: Das ist nicht nur das Ideal des Landschaftsparks, so ist die Wirklichkeit hier in der Weidelandschaft Lichterfelde Süd. Diese wird gebildet aus einer Fülle von Pflanzen- und Tierarten, von denen viele als seltene und gefährdete Arten auf den „Roten Listen“ der bedrohten Arten stehen oder durch deutsches und europäisches Recht besonders geschützt sind.
Wir wollen, dass Artenvielfalt und Weidelandschaft erhalten bleiben, auch wenn Teile der Fläche bebaut werden. Diese Qualitäten, aber auch seine Empfindlichkeiten sind aus der speziellen Geschichte zu verstehen.

Wie ist diese Landschaft entstanden?
Das Gebiet ist etwas ganz Besonderes: Nach dem Abzug des Militärs von „Parks Range“ begann die Natur mit der Rückeroberung: gebietstypische Kräuter und Pioniergehölze breiteten sich aus, und die zwischen Parks Range und Gewerbegebiet siedelnde Reitgemeinschaft Holderhof entwickelte durch vorsichtige Ausritte und tägliches Müllsammeln eine enge Beziehung zu dem ungewöhnlichen Gebiet. So entstand ein gewagtes Pionierprojekt: Mit lenkenden manuellen Pflegemaßnahmen und dem gezielten Einsatz der Holderhof-Pferde formte Anne Loba behutsam die Spontanvegetation zur halboffenen „Lichterfelder Weidelandschaft“ mit einem kleinteiligen Mosaik unterschiedlichster Biotope.

Es entstanden Lebensräume für ca. 500 Pflanzenarten, 52 Brutvogelarten, 7 Amphibienarten dazu Zauneidechsen, Fledermäuse und viele Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Wildbienen, die noch gar nicht vollständig erfasst wurden – aber von denen, die erfasst sind, sind wiederum viele in Deutschland selten und gefährdet.
Alle diese Arten sind nicht gezielt gepflanzt oder eingebracht worden, sondern haben sich von alleine angesiedelt, weil die spezielle Beweidung ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnete, die sie in unserer sonstigen ausgeräumten Agrarlandschaft nicht mehr haben.

 

Wie ist die Zukunft des Geländes?
Das Gelände fiel nach dem Abzug der Amerikaner 1994 zurück an die Bahn. Verschiedene Bebauungsideen scheiterten, aber die jetzige Eigentümerin, die Groth-Gruppe, will hier nun Wohnungen bauen. Ein vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf beauftragtes Gutachten weist einen Großteil der Fläche jedoch als so wertvoll aus, dass es als Landschaftsschutzgebiet geschützt werden müsste: Das Gutachten empfiehlt 80 ha Landschaftsschutzgebiet und 27 ha als Baugebiet, davon 11 ha nur bedingt bebaubar.
Diese grundsätzliche Bewertung teilt der Landesbeauftragten für Naturschutz.

Der Bezirk hat sich zwar im Januar 2013 verpflichtet, das Gutachten als Grundlage für seine Planungen zu verwenden, vereinbarte im April 2013 mit der Grothgruppe aber in einem „Letter of Intent“ eine Baufläche von 39 ha, ohne dass hier naturschutzfachliche oder sonstige Abwägungen erfolgten. Diese Abwägung ist jedoch eigentlich wesentlicher Bestandteil der Bauleitplanung und durch dieses Verfahren der voreiligen Flächenaufteilung wird die spätere formelle Bauleitplanung mit ihren Elementen von Bürgerbeteiligung und sachlicher Abwägung konterkariert.

Diesen Mangel an Planungskultur konnten auch nicht die Bürgerversammlung vom 15.10.2013 und die Werkstatt vom 23.11.13 beheben, die dann in ihrer Durchführung bei den Anwohnern auf viel Kritik stieß. Dabei setzt sich hier seit 2010 das Aktionsbündnis „Landschaftspark Lichterfelde-Süd“ für eine nachhaltige Entwicklung des Südens von Lichterfelde ein.

Die wertvolle Weidelandschaft wird nicht nur durch zu weit greifende Bebauung bedroht. Selbst da, wo nicht gebaut werden soll, kann die Natur durch Bezirk und Senat nicht gesichert werden, denn Berlin ist schon lange nicht mehr in der Lage, seine Hausaufgaben in Sachen Naturschutz zu machen. So kann der Senat mangels Personal keine Schutzgebietsausweisung erarbeiten und der Bezirk kann die Fläche weder erwerben noch sonst langfristig für seine Pflege aufkommen.

Was machen wir als BUND?
Aus diesem Grund haben wir uns in Anbetracht des einmaligen Wertes dieser Landschaft als BUND auch gegenüber dem Bezirk bereit erklärt, hier aktiv zu werden, wobei wir vor allem zwei wichtige Aufgaben sehen:

  1. Die Aufteilung zwischen künftiger Baufläche und Weidelandschaft muss den Erhalt dieser einmaligen Natur sicher stellen: die Fläche muss groß genug bleiben, um die Vielfalt zu sichern und sie muss deren wesentliche Strukturen erhalten, wie Laichbiotope, offene Sandflächen, wertvolle Biotope etc. Hierfür werden wir uns weiterhin einsetzen.
  2. Ein Pflege- und Nutzungskonzept muss entwickelt werden, das die Fortführung dieser Beweidung und den Erhalt der Biotop- und Artenvielfalt sichert.
    Grundzüge für ein solches Pflege- und Nutzungskonzept lassen sich schon jetzt aufzeigen, auch wenn die meisten Details noch erarbeitet werden müssen. Langfristig soll das Gelände zwar geschützt und gesichert, aber auch für alle Menschen erlebbar werden: Wege sollen durch das Gelände führen, Ausblickpunkte und Ruheplätze geschaffen werden, Hinweistafeln auf Besonderheiten aufmerksam machen.

In der jetzigen schwierigen Übergangsphase bietet die Reitgemeinschaft Führungen an, die im Umweltkalender angekündigt werden: www.umweltkalender-berlin.de

Erster formeller Schritt zur Bebauung: Änderung des Flächennutzungsplans
Wichtiger Schritt zur späteren Erteilung einer Bauerlaubnis ist die Schaffung der planungsrechtlichen Voraussetzung: dies ist der Bebauungsplan, den der Bezirk aufstellt. Dieser muss sich aber in die gesamtstädtische Planung einfügen, und dafür gibt es den Flächennutzungsplan (FNP), der von der Senatsverwaltung aufgestellt und vom Abgeordnetenhaus beschlossen wird. Dieser sieht für Lichterfelde Süd noch die alte Planungskonzeption der Bebauung auch im Bereich der jetzigen Weidelandschaft vor und muss dementsprechend geändert werden. Dabei gibt es – wie auch beim Bebauungsplan (B-Plan) – eine öffentliche Auslegung der Pläne und wichtiger Unterlagen dazu. Bürger, Verbände, Initiativen hatten die Gelegenheit, offiziell Stellung zu dieser Planung zu nehmen. Dies haben wir gemacht, wobei wir als BUND in der Regel unsere Stellungnahme zusammen mit den anderen Naturschutzverbänden über die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) machen.
 Der Änderungsentwurf des FNP ist hier zu sehen:

FNP-Änderung-Lichterfelde-Süd
Stellungnahme_FNP_Aenderung_LichterfeldeSued_BUND_AFT

Wesentlicher Kritikpunkt von uns ist, dass durch die Ausschreibung des städtebaulichen Wettbewerbs und auf Basis des Siegerentwurfs viel zu viel Doppelhaushälften und Reihenhäuser geplant sind, die zu viel der wertvollen Biotope und Lebensräume geschützter Arten zerstören und so dem Gebot widersprechen, die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten. Den Wohnraum kann man im Geschosswohnungsbau weniger Fläche verbrauchend schaffen! Gut geplant könnte man auch auf das Bauquartier an der Süd-Ost-Ecke, an der Osdorfer Straße verzichten und somit viel der Qualität von Artenschutz und Landschaftsbild erhalten.
 Dazu kommt, dass der Streifen entlang der Bahn zu breit ist und so das Baugebiet zu weit in die wertvolle Weidelandschaft reinragt.

Aktuell hat der Senat die Änderung im Flächennutzungsplan beschlossen, die nun durchs Abgeordnetenhaus muss. Die Änderung folgt immer noch dem Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs, welcher die Vorstellungen des Investors übernahm. Die Hauptkritikpunkte des BUND wurden nicht ausgeräumt: Die Planung des Investors eine Baufläche von 39 ha für 2.500 Wohnungen ist flächen-verschwendend. 650 Wohnungen sollen in Ein- und Zwei-Familienhäuser entstehen. Bei einer Mehrgeschossigen Bauweise, würden 9 ha weniger bebaut werden müssen. Diese wären dringend nötig, um die Weidelandschaft in ihrer hohen Qualität zu erhalten, das Fachgutachten empfielt sogar 80 ha für die „grüne Mitte“.
Nun hängt es an den Abgeordneten, ob sie den Investoren-Wünschen folgen oder eine Alternative, die Wohnungsbau und Weidelandschaft ermöglichen, noch durchsetzen.

Reitgemeinschaft Holderhof
c/o Anne Loba
Reaumurstr.17-19
12207 Berlin
E-Mail: rg.holderhof [at]web.de

Weiteres zur Weidelandschaft Lichterfelde Süd steht weiteres auf unserer Internetseite. http://www.bund-berlin.de/bund_berlinde/home/naturschutz/weidelandschaft_lichterfelde.html

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