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Illegale Baumfällungen am Güterbahnhof Köpenick

Auf dem ehemaligen Güterbahnhof Köpenick wurden illegal mehrere Hektar Wald gerodet. Das Grundstück ist im Besitz des Bundeseisenbahnvermögens. Nicht nur, dass sich der Eigentümer nicht um eine Genehmigung zum Fällen der Bäume gekümmert hatte, auf der Bahnbrache gibt es auch noch Vorkommen der seltenen und streng geschützten Zauneidechse. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung stoppte die Untere Naturschutzbehörde die Fällarbeiten.

Der Fall wirft einige Fragen auf. Der Güterbahnhof Köpenick ist eines der zukünftigen Wohngebiete von gesamtstädtischer Bedeutung, 1.700 Wohnungen sollen dort entstehen. Aber es ist auch eine der Brachen auf ehemaligem Bahngelände, auf denen sich in der Vergangenheit wertvolle Stadtnatur ausbreiten konnte. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, Bauvorhaben zerstören in der Regel die dort vorhandene Natur. Damit diese Auswirkungen nicht ganz so gravierend ausfallen, gibt es geregelte Verfahren. Vorhandene Natur wird vorher untersucht und bestimmt, nach dem Bau soll diese dann nach Möglichkeit vor Ort ersetzt oder an anderer Stelle ausgeglichen werden. Ähnliche Verfahren gibt es nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für Lärmentwicklung, Verkehrsaufkommen oder die Auswirkungen der Neubauten auf vorhandene Häuser und Wohnungen.

Die vorbereitenden Untersuchungen für den Artenschutz waren in vollem Gange und sollten im Sommer diesen Jahres abgeschlossen sein, soweit lief alles nach Zeitplan. Warum ausgerechnet jetzt die Fläche geräumt wurde, obwohl der Eigentümer die etablierten Verfahren sehr gut kennen sollte, wird hoffentlich eines der anstehenden Ordnungswidrigkeitsverfahren ans Licht bringen.

Für die Stadtnatur war es ein schwerer Schlag, einer, der leider viel zu oft vorkommt. Oft wird sich von Bauherren darüber beschwert, dass der Schutz der Natur so viele Vorhaben behindert. Oft genug geschieht es aber auch, dass die Verfahren, die garantieren sollen, dass ein Vorhaben realisiert werden kann und trotzdem noch möglichst viel Natur dabei bewahrt bleibt, nur unzureichend oder gleich gar nicht beachtet werden. Dabei ist es gerade die Natur, die das Leben in der Stadt angenehm und lebenswert macht. Wer in eine neue Wohnung zieht, freut sich, wenn zwischen den ganzen Neubauten eine Wiese zum Liegen, Sträucher für die Vögel und alte Bäume zu finden sind. Es wird eine Aufgabe von allen sein, dazu beizutragen, dass in Berlin neue Wohnungen entstehen können und gleichzeitig die vielfältige Stadtnatur und mit ihr die Lebensqualität erhalten bleibt.

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