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Was Nachverdichtung bedeuten kann

Diana Böhme berichtet aus der Perspektive als Anwohnerin:

2013 bin ich aus Hellersdorf nach Friedrichshain gezogen. Gebiet südlich der Landsberger Allee. Ich gab in Hellersdorf natürlich Frischluft und grüne Umgebung auf, aber auch die einheitlichen Fassaden und Wohntürme.
Mein Grund hier einzuziehen war nicht das Haus, es ist grau, ein Altneubau.
Es war die Oase hinter dem Haus. Eine wirkliche Oase, mit weißen Bänken, gepflegter Grünanlage. Unter den Bäumen gibt es Efeuranken, ein Rondell aus einer Hecke, ein Sitzplatz für die Anwohner, Wäschestangen, die noch genutzt werden. Wenn man nicht gerade die reichlichen Abgase der Petersburgerstraße riecht, hat man den Duft frisch gewaschener Wäsche in der Nase.

Ich dachte so etwas gibt es heute gar nicht mehr, mitten in Berlin. Ein Garten Eden. Unten pflegen die Mieter kleine Beete liebevoll. Ein Vater sprengt mit seinem kleinen Sohn, die von diesem heißen Sommer in Mitleidenschaft gezogenen Pflanzen.
Seltene Großstadtidylle. Im Sommer spenden die großen Bäume Schatten. Ein grüner Vorhang schließt sich vor den Balkonen im Frühling. Im Winter freie Sicht bis zur „Petersburger Kirche“, die Sonne scheint durch unsere großen Fenster und erhellt die Wohnungen.
Vogelgezwitscher, Blätterrauschen von riesigen Pappeln übertönen den Lärm der Fahrzeuge und der Straßenbahn. In der Abenddämmerung gehen Fledermäuse auf die Jagd. Was habe ich mit meinem Hof schon angegeben.

Ach ja, Thema Nachverdichtung. Die kommt auf Friedrichshain zu. Wohnungen müssen gebaut werden. Ich war ja auch nach langem Suchen, endlich froh eine ergattert zu haben. Warum egoistisch sein? Bin offen für Neues.
Vor zwei Jahren dann ein Schreiben eines besorgten Mieters im Briefkasten. Es steht Nachverdichtung an, aber es ist nichts Konkretes geplant. Dann war es erst mal ruhig.
Im Sommer 2018 ein Aushang im Treppenhaus. Es wird gebaut! Aber wie, wann? Keine Auskunft.
Die Mieter sind unruhig. Ich denke positiv, das sind doch Profis, Architekten, die gut überlegen. Im September 2018 kam die Einladungskarte und da war er, der Schock! Zu positiv gedacht.

Was ist das? Ein Lückenschluss ist das nicht mehr. Fast alle Bäume müssen gefällt werden, das Rondell der Hecke verschwindet und das Haus wird in einem wirklich sehr fragwürdigen geringen Abstand direkt vor die Balkone und Fenster der Kochhannstr. 7-8 gesetzt. So zu sehen auf der Website der WBM, Neubau Pintschstraße neben 9 und Landsberger Allee 65b.
Licht im Winter, insbesondere in den unteren Wohnungen, Fehlanzeige.
Nach der heutigen Informationsveranstaltung schreckliche Gewissheit.

Warum erfolgte nicht die viel gepriesene Partizipation? Mieter fragten nach, baten die Sprecher der WBM um Auskunft. Können wir jetzt noch etwas an der Bauplanung ändern? Nein. Der Plan steht.
Was ist mit der Schallbelastung, Abgasbelastung? Bäume liefern Sauerstoff!
Jetzt versuchen wir natürlich, bis zum Baubeginn im April 2020 Schlimmeres zu verhindern. Unser Prozess ist noch am Anfang. Viele Mieter hätten nicht grundsätzlich etwas gegen einen Bau. So eng und naturzerstörend, ist er aber eher fragwürdig. Wir nehmen Kontakt zu Politikern auf, sammeln Unterschriften für einen Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg. Es geht uns um die Auswirkungen des Baus auf Natur und Umwelt. Oder rettet uns ein B-Planverfahren, wie das in Friedrichshain-West?

Unser Hof und unsere Gesundheit sind es uns wert. Wir müssen etwas tun!
Ansonsten streichen Sie einfach die Natur aus dem oberen Text.
Dann sehen sie was übrigbleibt: Abgase und Straßenlärm.

Titelfoto von B.Müller

Ein Kommentar

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  1. Hallo Frau Diana Böhme,
    danke für Ihren Bericht. Das Gefühlt dieser Ohnmacht kennen nun auch meine Nachbarn und ich, da uns das gleiche Schicksal in nur ca. 40 Meter Entfernung an der Pintschstr.9, verursacht durch die WBM und dem Bezirksamt Friedrichshain Kreuzberg, wiederfährt. Wir haben eine Petition bzgl. Ihrer und unserer Baumrodung gestartet und hoffen auf eine hohe Resonanz und viele Unterschriften.

    E-Petition:
    https://secure.avaaz.org/de/petition/Bezirksamt_FriedrichshainKreuzberg_von_Berlin_Vorsteherin_Kristine_Jaath_Baeume_statt_Beton/

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