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STRAUCHSCHNITT: Ein Ärgernis (nicht nur) für Berliner Parkanlagen

Immer wieder und gern kurz vor Beginn der gesetzlich geschützten Vegetationsperiode am 1. März werden Sträucher und Hecken so stark eingekürzt, dass von ihnen oft nur ein paar kahle Stängel übrig bleiben. Wenn dann die Brutsaison beginnt, sind die Sträucher noch lange nicht wieder nachgewachsen. Viele Vögel können dann in ihrer angestammten Parkanlage nicht mehr die notwendige Deckung oder Material für den Nestbau finden. Die Piepmätze nutzen dicht zugewachsene Hecken gern als gesellige Zusammenkünfte, Witterungsschutz und Ruhezone vor hungrigen Beutegreifern.

AG Strauchschutz nimmt die Arbeit auf

Beim BUND Berlin hat sich eine Arbeitsgruppe Strauchschutz gegründet – mit einem Ziel:
für eine ökologische Pflege der Sträucher und Hecken in den Parkanlagen einzutreten. Denn jenseits mondäner Grün-Designs aus für Bienen wertlosen Zucht-Exoten besitzt Berlin bisher kaum beachtete Schätze. Es sind diese Bänder und Linien aus naturnahen Sträuchern, die sich durch jede gute Grünanlage ziehen oder gruppieren. Oft unbemerkte Tummelplätze für Igel, Vögel, Insekten und gar Amphibien. Letzte Refugien an Wildkräutern inmitten konventionell-aufgeräumter Parkanlagen.

Paradox vielleicht: so ganz ohne Schnitt würde dieser Lebensraum an Wertigkeit verlieren. Viele Sträucher bilden im Laufe der Zeit altes Holz, das an Wuchskraft und Blühfähigkeit nachlässt. Es ist daher notwendig, in regelmäßigen Abständen abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen und damit den Neuaustrieb zu fördern. Allerdings gilt es beim Strauchschnitt ein Gleichgewicht zu finden, bei dem immer ein ausreichendes Maß an Deckung für Tiere verbleiben kann. Und auch die Förderung wertvoller Sträucher mittels selektiver Eindämmung unerwünschten Baumwuchses wäre erstrebenswert.

Die Arbeitsgruppe Strauchschutz will „ran“ an diese Defizite in der Stadt und die Heckenpflege ökologischer machen. Für den Start haben die Aktiven der Arbeitsgruppe Parkanlagen in den drei Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln ausgewählt und das jeweilige Bezirksamt gefragt, welche Pflegearbeiten dort in diesem Winter geplant sind. Leider erhielt die Arbeitsgruppe nur aus Tempelhof-Schöneberg eine Antwort – der Rest hüllte sich in Schweigen. Wir sind noch immer gespannt auf eine Rückmeldung der anderen beiden Bezirke. Dann gilt es abzuwarten, wie die Pflegetrupps mit den Strauchbeständen verfahren. Eines ist jedoch sicher, wie auch immer das Ergebnis bis zum 1. März ausfallen wird, die Arbeitsgruppe Strauchschutz wird die zuständigen Behörden damit konfrontieren.

Sie möchten mehr über die Arbeitsgruppe Strauchschutz erfahren? Dann wenden Sie sich an fehlenberg[at]bund-berlin.de

5 Kommentare

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  1. In meinen Augen ist der unsinnig starke Strauchschnitt nicht nur ein Unding, er scheint gerade „In“, also „modern“ zu sein, sowohl in öffentlichen Bereichen als auch auf privaten Flächen. Zwischenzeitlich fällt ein normal gewachsener Strauch bereits als Sonderfall auf. Ein ungutes Beispiel bieten hier auch Wohnungsbaugesellschaften, kommunale wie private.

    Nicht zu vergessen wäre in diesem Zusammenhang der Umstand, dass Sträucher nicht nur vielen Vögeln Schutz bieten, wichtige Lebensbereiche für Insekten sind, einfach zum Stadtbild gehören. Sie helfen uns – genau wie die Bäume – im Kampf gegen den Klimawandel und sind damit gerade für Städte wichtig.

    Ich wünsche mir hier eine breite öffentliche Debatte und natürlich eine möglichst schnelle Änderung.

  2. Ich schließe mich der Vorrednerin an: Grade in Wohngebieten wird in den letzten Jahren rücksichtslos stockgesetzt, Saumschichten rausgerissen, Wildblumenwiesen totgemäht und Gehölze verschnitten. Ein naturnahes Wohnumfeld hat jedoch eine entscheidende Funktion für die spätere Kenntnis von Arten und ökol. Zusammenhängen. Hier findet die erste Begegnung von Heranwachsenden mit Natur statt – oder eben auch nicht.

    Sinnvoll wäre auch, den gesetzlichen Lebensstättenschutz (§44 BNatSchG) ganzjährig genutzter Rückzugsräume gebietsheimischer Arten (zB Amseln, Igel, Haussperlinge) als Kriterium in die Sanierungskonzepte von Parks und Plätzen aufzunehmen. Es verschwinden in großem Umfang Hecken- und Strauchzonen, und weichen Sichtschneisen zur Strasse. Es nützt den Arten nichts, wenn das im Winter passiert, wenn der Lebensraum ganzjährig genutzt wird.
    Außerdem muß man heute davon ausgehen, dass auch für weniger standorttreue wildlebende Arten auf Grund der Eingriffe immer weniger Ausweichmöglichkeiten zum Siedeln bestehen.

    Gut wenn Ihr daran erinnert: Kommunen sollten sich entspr. Koalitionsvertrag (Förd. Biolog. Vielfalt) endlich in der Pflicht sehen, durch gezielte Nachpflanzungen von Sträuchern Flächen ökologisch aufzuwerten, Lebensräume zu optimieren und naturnahe Pflegekonzepte abzusichern. Das ist wichtig, grade weil immer mehr Flächen für Erholung und Naturbildung durch Versiegelung und Bebauung verschwinden.

  3. In Neukölln ist aktuell ein radikaler Strauchschnitt im Carl-Weder-Park zu besichtigen. Toll, dass es diese neue Arbeitsgruppe gibt. Ich wünsche alles Gute!

  4. Auch bei uns in Friedrichshain wurden jetzt noch schnell im Februar in einer öffentlichen Grünanlage ein starker Strauchschnitt vorgenommen. Auch von unserer Hausverwaltung wurde eine Firma mit Strauchschnitt beauftragt. Büsche und Sträucher werden teilweise kniehoch mit der Motorsäge abgesägt. Und auch das ganze Laub (Überwinterungsmöglichkeit für viele Insekten und Bodenschutz) wurde entfernt. Als ich mich darüber beschwerte, wurde mir nur gesagt, dass das ja bis Juni wieder nachwachsen würde und sie damit endlich die Ratten loswerden würden.
    Leider bin ich die einzige Mieterin, die sich beschwert und das abholzen ging fleißig weiter.
    Werden denn die Landschaftsgärtner nicht ordentlich ausgebildet?

  5. Neukölln: Rodung der Sträucher am Kanal, Weigandufer zwischen Wildenbruchstr. bis Innstraße.
    – Argumente sind Kriminalität und Müllabladen und wohl zu viel Geld im Bezirk.
    – Kriminalität ist Quatsch, weil auf den Kanalwegen keine ist, die findet eher Nachts auf den Spielplätzen statt.
    – Müllabladen hauptsächlich durch Kleingewerbe geht nach der Rodung noch viel besser, weil jetzt mehr Platz dafür da ist.
    – Naturschutzmäßig ist es ein Verbrechen solche großen würdigen Büsche und Bäumchen, die Jahrzehnte gebraucht haben, zu roden.
    – Die Stadt braucht etwas „Wildnis“ – schon rein optisch ! und für die Tiere die ja dort leben.
    – Wildenbruchpark und Weichselplatz wurden die letzten Jahre sehr aufwendig umgestaltet und waren dadurch lange nicht nutzbar – es wurden auch dort sinnlos riesige Büsche Plattgemacht, um dann etwas kleines langweiliges Zeugs, aber auch nur teilweise, zu ersetzen.
    – Warum wird die Stadt so zwanghaft und aufwendig teuer „saubergemacht“ ? Es gibt doch schon genug geordnete langweilige Anlagen mit Blumenrabatten, wo sich die Beamten, die so etwas beschließen, reinsetzen können.
    Ich ärger mich jeden Tag, wenn ich am Weigandufer langradel, über die neuen gerodeten langweilgen Bereiche.
    Die Argumente für den Kahlschlag (siehe oben) sind jedenfalls Schwachsinn !

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