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Blau vor allem auf dem Papier

Der Hönower Weiherkette fehlt eine existenzielle Zutat: das Wasser

Text: Mathea Lange

Nicht allzuviele Berliner*innen verschlägt es wohl an den Endbahnhof Hönow der U5, direkt an der Grenze zu Brandenburg. Doch BUND-Kleingewässerexperte Norbert Prauser hat an diesem Oktobersonntag eine kleine Schar von naturbegeisterten Ausflüglern versammelt.

Vor Start der Exkursion verteilt er kleine Stadtplanausschnitte der Gegend. Ein grünes Band zieht sich von dort nördlich der Hellersdorfer Plattenbauten rund 2,5 Kilometer Richtung Westen, direkt an der schon auf Brandenburger Territorium liegende Berliner Straße. Meist nur etwas über 200 Meter breit ist das Landschaftsschutzgebiet Hönower Weiherkette.

Auf der Karte reihen sich blaue Flächen wie an einer Perlenkette aneinander, wie man sich so eine Wasserlandschaft eben vorstellt. Doch schnell wird auf der Exkursion klar: Hier stimmt etwas nicht.

„Hier links ist der erste Pfuhl“, sagt Norbert Prauser. Doch alles trocken. Grün wuchert in der Vertiefung, in der man auf schimmerndes Nass hoffte. Warum kein Wasser mehr da ist, weiß niemand so genau. Vermutlich liegt es an der Klimakrise mit zunehmender Trockenheit. „Ein Grund könnte auch die Bebauung rund um das Landschaftsschutzgebiet sein“, so der BUND-Experte. Die Weiherkette hat Norbert Prauser auch im aktuellen Kleingewässerreport begutachtet. Der BUND Berlin fordert ein Sofortprogramm.

Wasser ist in den Pfuhlen nicht zu sehen. Foto: Mathea Lange

Am Rand des Landschaftsschutzgebiets stehen vereinzelt Zäune, Relikte einstiger Pläne des Bezirksamts, auf dem rund zwölf Hektar großen Gelände Rinder zu halten. Experten konnten jedoch den Bezirk von seinem Vorhaben abhalten. Ein Tier benötigt schon etwa vier Hektar Fläche – und Rinder fühlen sich nur in Gruppen wohl. Ganz abgesehen von den vermoorten Ex-Seen, die ein Problem für die Tiere darstellen.

Seit 2022 engagiert sich die Bürgerinitiative „Schutzgemeinschaft Hönower Weiherkette“ für das Gebiet. Sie wollen vor allem den Ausbau der Berliner Straße, der L33 stoppen. Die komplette Erhaltung des Gebietes liegt der Bürgerinitiative sehr am Herzen – ebenso wie die Wiedervernässung der Teiche.

Weiter geht‘s über eine kleine Brücke, die zu ihrer Bauzeit einen kleinen Wasserlauf überspannte. Doch auch hier ist kein See, kein Tümpel und auch kein Bach in Sicht. Alles ausgetrocknet.

Hin und wieder sind Pappeln zu sehen. „Pappeln sind in Nordamerika und Eurasien heimisch, man hat sie in diesem Landschaftsgebiet gepflanzt, weil sie sich schnell vermehren, so entsteht eine schnelle Begrünung“, erläutert Norbert Prauser.

Laut Karte ist die Gruppe am nächsten Pfuhl angekommen. Doch viel Wasser ist nicht zu sehen, eher viele Gräser. „Auch hier kümmert sich niemand darum. Aber warum sollten wir den Pfuhl wiederverwässern, wenn die Natur ihn zuwachsen lässt?“ fragt Prauser.

Mehr intakte Gewässer wären ein Lebensraum für mehr Amphibien, darunter viele bedrohte Arten. Naturschützer Prauser würde sich das sehr wünschen: „Knoblauchkröten könnten sich wunderbar vermehren, aber auch viele Insekten sind auf Gewässer angewiesen.“ Die sind wiederum Nahrung für die allgemein deutlich beliebteren Vögel und viele weitere Tiere. „Doch Geld in Schulen zu investieren, als in mehr Mücken und laute Kröten, scheint für Menschen, die keine Ahnung von Naturschutz haben, wichtiger“, beklagt er.

Doch auch wenn die Pfuhle ausgetrocknet sind, bietet das Landschutzgebiet Hönower Weiherkette viele dichte Grünflächen, die es so nur noch selten in Berlin zu finden gibt. Das liegt am sogenannten Bindigen Boden. Der Boden ist prima geeignet, um Feuchtigkeit aufzunehmen, so kann sich das Grün gut ausbreiten.

Ein kleiner Weg führt zu einer Wiese mit Obstbäumen. Der Naturschützer stolz: „Man hat hier etwas, was man in Berlin so auch nicht mehr oft sieht.“ Auf der Wiese wachsen Wildapfelbäume, die kaum durch Menschen beschädigt sind. Denn viele wissen nicht, dass Klettern auf Bäumen sie dauerhaft beschädigen kann.

Foto: Mathea Lange

Schließlich sagt der BUND-Experte: „Das müsste der Beerenpfuhl sein, er befindet sich im westlichen Teil der Weiherkette.“ Wieder ein toter Teich. Prauser wünscht sich eine Wiedervernässung. „Um den Teich könnte man dann ein Zaun bauen.“

Wofür wäre der Zaun sinnvoll? Nun, ohne ihn würde der Pfuhl schnell zu einer Badestelle für Hunde werden. Große Teiche können für Hunde und Amphibien funktionieren. Die badenden Vierbeiner wirbeln die Nährstoffe auf, was dem Amphibien-Nachwuchs hilft. Bei kleinen Teichen ist der Schaden jedoch ohne Zaun schnell groß.

Doch wie kommen schließlich die Amphibien hierher, muss man sie erneut ansiedeln? „Nein, die würden von allein kommen, die können das Wasser riechen“ erklärt Norbert Prauser. Wir gelangen nun zu einer kleinen Bank, sitzt man drauf, sieht man besonders gut eine vertrocknete Fläche. „Von hier aus schicke ich gerne ein Berliner Urlaubsfotos“, scherzt Prauser. Einfach mit der U-Bahn zu erreichen.

Die Gruppe gönnt sich eine kurze Verschnaufpause auf der Bank. „Hier ist der Fischteich“, sagt Prauser. Das klingt ein bisschen ironisch, denn Wasser ist wieder nicht zu sehen. Doch der Naturforscher freut sich über den Schilfgürtel, der hier wächst. „Hier ist bestimmt ein kleiner Lebensraum“.

Ein Kommentar

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  1. Lieber Norbert, Wanderer zu allen Teichen und Tümpeln- nass wie trocken-, es wäre gut, auch bei diesen Darstellungen immer rein sachlich zu bleiben. So sind Gelder für die Bildung in Schulen unglaublich wichtig. Und die zugewachsenen Tümpel sind intakt zu halten im Rahmen der Pflegeaufträge der Bezirke. Das sind Verpflichtungen, die nur in Vergessenheit geraten sind. So werden dann die Lebensräume automatisch erhalten – mit Zaun natürlich besser. Durch den kleinen aber langen Zaun hat sich das Rückhaltebecken in der Altensteinstraße hervorragend zum verbesserten Biotop entwickelt.
    VG
    Reinhardt, nunmehr aus der Wasserabteilung

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