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Bebauungsplan Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik

BUND-Brief an das Reinickendorfer Bezirkamt und die Bezirksverordnetenversammlung

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) möchte Sie als Mitglied der Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung bitten, sich für ein ordentliches Bebauungsplanverfahren für das Areal der Karl-Bonhoeffer-Nervenklink einzusetzen. Das in etwa 45 Hektar große Grundstück birgt sicherlich im Bereich der Sternhäuser ein gewisses Wohnungsbaupotential. Darüber hinaus gibt es jedoch im Süden sowie an den Ost- und Westrändern für den Natur- und Umweltschutz sehr wertvolle Flächen, die im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung für die Anwohner*innen, den Bezirk Reinickendorf und das Land Berlin geschützt werden sollten. Die Schönheit und der naturschutzfachliche Wert dieser Flächen erschließen sich dem Besucher des Geländes sofort. Ein Blick in die Planungsgrundlagen des Landes Berlin ergeben jedoch, dass die Teilflächen der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik nur ungenügend erfasst sind und im Falle einer Bebauung derzeit auch nur unzureichend berücksichtigt und gesichert werden könnten.

Lediglich der im Süden befindliche waldähnliche Baumbestand inklusive der vorhandenen Biotopstrukturen wie dem eiszeitlichen „Koldischteich“ oder dem „Alten Anstaltsfriedhof“ tauchen in der Biotoptypenkartierung des Landes Berlin auf. Leider sind auch von diesen Flächen nur die an den „Koldischteich“ angrenzenden gesetzlich nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz geschützten Biotope terrestrisch kartiert worden, die übrigen erfassten Biotope wurden hingegen allgemein nach Luftbild eingeschätzt.

Wie bei allen für den Naturschutz relevanten Flächen können diese Biotopflächen nicht isoliert betrachtet und behandelt werden. Mit der Lage zwischen den beiden für Wittenau maßgeblichen linearen Biotopverbindungen entlang der Gleisstrecke der S 25 einerseits und dem Nordgraben andererseits kommt dem Gelände eine Schlüsselposition für den Natur- und Artenschutz in Reinickendorf zu. Liegen die wertvollen Biotope im Süden der Karl-Bonhoeffer-Nervenklink direkt an der Bahnstrecke an, so soll der Anschluss an den Nordgraben gemäß Landschaftsprogramm (Karte: ‚Erholung und Freiraumnutzung‘) über die historische Allee am Ostrand des Klinik-Geländes erfolgen. Eine Kartierung und damit eine Dokumentation der in diesen alten Eichen befindlichen Lebensstätten von streng geschützten FFH- und anderen Rote-Liste-Arten ist uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt und sollte, sofern noch nicht erfolgt, dringend nachgeholt werden.

Von anderer Art, aber nicht geringerem Wert sind die im nordwestlichen Bereich entlang des Olbendorfer Weg stockenden Edellaub-Mischwald Bestände aus vorwiegend älteren Buchen, Eichen, Ulmen, Hainbuchen, Eschen und Ahorn. Obwohl quasi in den Kartierungen „nicht erfasst“, findet man besonders hier strukturreiche Lebensräume für Flora und Fauna. Auf diesen entwickelten Waldböden sind entsprechende Frühjahrs-Geophyten zu erwarten wie Exemplare des Salomonssiegels (Polygonatum odoratum) andeuten. Der Altbaumbestand rückt auf Trockenrasen bis an die historischen Gebäude in bemerkenswerter Weise heran.

Insgesamt handelt es sich bei dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik um eine der berlinweit wertvollsten Grünflächen innerhalb des städtischen Siedlungsbereiches. Über viele Jahre konnte sich hier die Stadtnatur vergleichsweise ungestört entfalten. Eine Parkanlage mit einem ähnlichen Wert für die Erholung und den Naturschutz ließe sich nicht ohne weiteres planen oder gar auf freier Pläne errichten. Eine zukunftsweisende Entwicklung des Areals der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik – die im Stadtentwicklungsplan Wohnen vorgesehene Bebauung am Olbendorfer Weg inbegriffen – kann unserer Einschätzung nach nur in einem ordnungsgemäßen Bebauungsplanverfahren erfolgen, da alle anderen Planungsgrundlagen oder Bauleitplanungsverfahren nicht geeignet sind, um die vorhandenen Werte für den Natur- und Umweltschutz zu sichern.

Gerne möchten wir die Gelegenheit nutzen, Sie ebenfalls darum zu bitten, sich auch über die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik hinaus dafür einzusetzen, dass bei Bauvorhaben im Bezirk auf die vorhandenen Naturschutzwerte geachtet wird. Zwischen der dem Paracelsus-Bad zugeordneten Freifläche und der Kleingarten Anlage „Parkheim“ liegt der „Alte Kienhorstgraben“. Dieser lange offene Graben sowie der ihn säumende Baumbestand hat eine wichtige Verbindungsfunktion für die Stadtnatur im bebauten Bereich zum sogenannten „Schwanenteich“ im „Kienhorstpark. Grundsätzlich sprechen wir uns als Naturschutzverband dafür aus, dass bei Bauvorhaben jedweder Art nach Möglichkeit versiegelte, aber unbebaute Flächen wie z. B. Parkplätze prioritär entwickelt werden sollen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Christian Hönig
Baumschutzreferent

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