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Britzer Garten: Aufbruch für mehr Stadtnatur?

Kollektionen aus Marienfelde – Wittenau - Lichtenberg

Jahreskarteninhaber*innen nehmen es mit Humor: marode Details, unorthopädische Großpflasterstrecken oder eingesparte Staudenrabatten – zu sehr ist der Park Refugium und Sache des Herzens. Der Besucheransturm im Corona-Jahr zeigt die Beliebtheit – eine entspannte Zone mit Regeln!

Bei der 1985er-Eröffung fuhr das beliebte Bähnchen noch durch blitzblanke Rasenwüsten, Stauden-Farbschauspiele aber auch notleidende Baumpflanzungen. Vom Standpunkt der Artenvielfalt trotz aller Kunst ein Gewinn weil hier vorher die Giftspritze über Getreideflächen bis zum Horizont regierte. Und die neuen Gewässer wirkten als kleine Entschädigung für die Verluste an Feuchtgebieten beim Wachstum Neuköllns – und mauserten sich als Zuflucht für Amphibien, Libellen, Ringelnattern.
Abseits der später induzierten Wiesen jedoch kämpft eine Bewirtschaftung mit hohem Einsatz damit es irgendwie so bleibe wie am Anfang….

Notizen aus Berliner Landschaften

Nicht nur einschlägige Fachkreise sind der Meinung, dass es im Britzer Garten mehr Raum für Entwicklung natürlicher Flora und Fauna geben könnte. Niemand will Rhododendren oder Rosenbeete ausreißen, aber es gibt auch die Verantwortung einer öffentlichen Institution für Ausgleich der Folgen eines historischen Baubooms zu sorgen. Hier einige Anregungen aus unterbewerteten Attraktionen – Besuch empfohlen:

Freizeitpark Marienfelde

Das Gehölzinventar in Britz entstammt einer Planung als Exoten hoch im Kurs standen. So sind die wertvollen Arten der heimischen Hecken- und Gebüschgesellschaften (Rhamno-Prunetea) kaum präsent und Einwanderung durch Pflegeeingriffe unterbunden.
In etwa zur Bauzeit des Britzer Garten wurde an der Grenze zu Großbeeren eine Mülldeponie nur mit Erde bedeckt. Unauffällig korrigiert nahm eine Kräuter- und Strauchwelt Besitz, nebst FFH-Tierarten. Heute stehen dort die wohl stadtweit größten Schlehenbestände (Prunus spinosa), die Westflanke im Herbst beerenübersät wie der Weinberg im Rheinischen.

Karl-Bonhoeffer-Areal

In Wittenau entfaltet sich seit Jahrzehnten ein wilder Wald, in dem es von Biotopholz und Höhlen nur so wimmelt – infolgedessen auch von FFH-Arten. Was in stadtinneren Parks ungern geduldet wird – im Britzer Garten kann intelligente Planung neue Wege versuchen. Dafür braucht es z. B. ein Konzept zur Anreicherung der Strukturvielfalt mit Mikrobiotopen und Holzrückstands-komponenten etc. – Umweltbildung praktisch!

Wie Abfallholz zum Baustoff der Architektur avanciert zeigt der Tierpark, dazu Anschauungsunterricht wie Amphibien mit einfachen Mitteln zu helfen ist. Ursprünglich wohl kaum beabsichtigt hat sich ein Berliner Hotspot dieser Tiergruppe entwickelt (u. a. mit Wechselkröten). Einmalig: hier kann im Sommer an Dutzenden künstlichen Gewässern die Entwicklung von Larve zu Jungfrosch–kröte live verfolgt werden. Allerdings ist das Spektakel nach 2 – 4 Monaten vorbei weil die Stars ihre Zelte in der Privatsphäre der Gehölzzonen aufbauen – in der kein Gärtner aufräumt.

Park neu denken

Seit der Parköffnung haben sich Einstellung und Wissen über die Stadtnatur enorm erweitert und Berlin war stets eines der Zentren dieser Entwicklung. Stellvertretenden für den aufgebauten Horizont stehen das Leibniz-Institut für Wildtierforschung (IZW), die Stiftung Naturschutz und das TU-Institut für Ökologie.
Bei der Modernisierung des Britzer Gartens sollte dieses Niveau aufgenommen aber auch der Rat so vieler hervorragender Fachleute genutzt werden!

Man darf gespannt sein!

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