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Tempelhofer Gartenamt im Dilemma

Bosepark-Sanierung bedingt Pflege-Umstellung

Wenn sich die Spatzen des Boseparks am Ostrand zum täglichen Konvent versammeln oder nebenan im Alten Park dieser Graureiher im wilden Tiefflug hereinschwebt, um sich an der Teichbrücke wie ein Pass-Kontrolleur aufzustellen, ist das eine Stück geschätzte Stadtnatur. Eine breite Mehrheit wünscht sich so eine spürbare Natur in der Stadt. Dies fand 2016 erstmals Eingang in eine Berliner Koalitionsvereinbarung unter anderen mit  „landeseigene Grünflächen werden naturnah gepflegt…..“ (S.163-164). Eigentlich eine gute Entwicklung für Hummel, Spatz und Co.

Denn dies soll genau mit den für den Bosepark gewährten BENE-Projektgeldern der Senatsverwaltung  umgesetzt werden. Für BENE-Projekte wird glasklar die Aufwertungen der örtlichen Flora und Fauna – fachdeutsch „Erhöhung der Biodiversität“ gefordert und das nachprüfbar.

Nun zum Eigentlich: Berlin verfügt nun aber über keinerlei Beratungsstellen für Neuerungen dieser Art, was für den biologischen Landbau schon lange üblich ist, mitunter sogar staatlich assistiert (siehe Bayern). Obwohl gleichzeitig die Forschungsarbeit der Stadtökologie auf einem internationalen Spitzenplatz – dank Leibniz-Institut für Zoo-und Wildtierforschung (IZW), TU-Institut für Ökologie, Stiftung Naturschutz etc. rangiert.
Eine Paradoxie der Berliner Art….

BENE-Fördermittel: Das Verhängnis Pflegeumstellung

Eine gut gemeinte Renovierung der jahrzehntelang vernachlässigten Anlage reicht nicht. Echte Fortschritte im Sinne der Artenvielfalt lassen sich nur mit Umstellungen im Grünpflege-Alltag erreichen. Erfahrungen dazu gibt es aus einer Vielzahl von Gemeinden aber auch Städten.
In Berlin trifft dies meist auf unvorbereitete Gartenämter, die an konventionelle Bewirtschaftung und „Notversorgung“ gewöhnt wurden. Maschinenbewerte Einsatzkräfte avancieren jedoch nicht über Nacht zu Kultivierungs-Experten biologisch werthaltiger Parks. Zudem gilt die dann zuweilen nötige Handarbeit in der Branche bislang als herabwürdigend…
Woher kommen nun aber Fortbildung und Beratung, um die Vorgaben zu erfüllen?  Eine konfliktträchtige Situation, der sich jemand annehmen muss – am besten auch auf Landes-Ebene.

 

Bosepark 2021 – Blick aus der Zukunft

Der Weg war steinig…. voriges Jahr erster berlinweiter Kongress zur naturnahen Grünpflege mit Referenten auch aus Hamburg, Zürich und Hessen. Folgerichtig war die Gründung einer Arbeitsgruppe für den Erfahrungsaustausch der zwölf Gartenämter mit Experten aus Hochschulen, Instituten und Naturschutzverbänden.
In Alt-Tempelhof kümmern sich Bezirk und Anwohnerverein gemeinsam um die Alltags-Praxis. Manche Ideen waren kaum umsetzbar, wiederum andere überraschend einfach.
Aus den Protokollen: der Container für Laub und Gehölzschnitt ist lange abbestellt und das gesparte Geld für Nachpflanzungen eingesetzt. Um Wiesen, Bäume, Strauchzonen ziehen sich angepasste Kräutersäume. Zwiespältig derweil bleibt der Umgang mit Brennessel-Gruppen, die sich allzu expansiv benehmen, aber auch als „Kita“ bunter Schmetterlinge und in Extrakten als Medizin in Bio-Gärten wirken.
Der Ärger um den Strauchschnitt ist Vergangenheit und Waldrand-Heckenarten wie Rot- und Weißdorn, Kirschpflaume, Liguster sowie Schlehe sind „eingebürgert“.

Ende 2021 attestiert die BENE-Projektbetreuung der Senatsverwaltung einen guten Weg und die aufgekommene Forderung nach Rückzahlung der Fördergelder ist vom Tisch….

 

links:

Zum Thema Stadtökologie-Forschung in Berlin siehe auch:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung:
http://www.izw-berlin.de/willkommen.html

Stiftung Naturschutz Berlin:
https://www.stiftung-naturschutz.de/die-stiftung/unsere-aufgaben
https://www.stiftung-naturschutz.de/naturschutzprojekte/koordinierungsstelle-fauna

Technische Universität Berlin, Institut für Ökologie:
https://www.oekologie.tu-berlin.de/menue/home/

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