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ZEHLENDORF-SÜD: PARK UND TROTZDEM BIOTOP

Dahlemer Weg: ein Appell zum Erhalt grüner Infrastruktur und Praxis-Test für geplante Charta für das Stadtgrün des Senats

Südöstlich des Heinrich-Laehr-Parks erfreut sich ein fast 1,7 Hektar großes Wäldchen seines langen freien Daseins – sogar ausgewiesen als Teil jener grünen Oase. Hier gedeiht ein Naturparadies ungestört, weil es eingeklemmt zwischen Güterbahnhof und verkehrsreichen Dahlemer Weg bzw. Wupperstraße liegt. Man findet hier nicht irgendein monotones Robiniendickicht, sondern ein totholzreiches Biotop für Insekten und Kleintiere mit ungewöhnlich artenreichen Gehölzbestand aus Naturverjüngung – noch dazu mit Verbindung zum Umland entlang des überregionalen Grünzugs „Teltowkanal“.

Der Berliner Umweltatlas bewertet diesen Biotopwert sogar als „mittelhoch“ wie z. B. große Teile des Grunewalds, Tempelhofer Feldes und der Gatower Feldflur.
Ergo ein wertvoller Mosaikstein für die vom Senat geplante Charta für das Stadtgrün. Die Natruschutzverbände setzen sich für diese unter dem Arbeitstitel IMMER.GRÜN nach dem Vorbild des Dauerwaldvertrages von 1915 (!) ein.
Ziel von IMMER.GRÜN: Dauerhafte gesetzliche Sicherung der grünen Infrastruktur für den Arten-, Biotop- und Klimaschutz sowie für Erholung und Naturerlebnis.

 

GELANDET AUF EINER LISTE FÜR DEN BAU MOBILER UNTERKÜNFTE

 

Die Bezirke unter Druck: Nach den Privatisierungswellen der letzten Jahrzehnte sollen nun Listen geeigneter Standorte für Mobile Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) aufgestellt werden. Aus dem bereits durch Verkauf arg geschmälerten Fundus an öffentlichen Grundstücken müssen eiligst geeignete Flächen gefunden werden – Zehlendorf will/soll sogar auf Teile gewidmeter Parkanlagen zurückgreifen.
Dieses Biotop ist vermutlich als „verwilderte Parkfläche“ und deshalb als nutzlos eingestuft auf die Vorschlagsliste geraten. Der größte Teil würde unwiederbringlich kahlgeschlagen werden, alle Gehölze und Kräuter zusammen mit viel Bodenmaterial (wellenartige Oberfläche) abgefahren werden und dann durch Betonflächen und stabile Zäune ersetzt.

EINSPRUCH FÜR DAS GEMEINWOHL UND EIN GRÜNES BERLIN

Der satzungsgemäße Auftrag eines Naturschutzverbandes ist es, sein Veto gegen unausgewogene Entscheidungen einzulegen, wenn es um Artenschutz geht oder eine von Fachleuten als wertvoll eingestufte Grünfläche bedroht ist. Die Satzung formuliert gleichzeitig den sozialen Auftrag und so bietet der BUND dem Bezirksamt an, bei der Suche nach alternativen Standorten Unterstützung zu leisten.

Wir fordern das Bezirksamt und den Senat auf, das Park-Biotop am Dahlemer Weg aus der Vorschlagsliste zu nehmen und durch einen naturverträglicheren Standort zu ersetzen !

6 Kommentare

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  1. Grünflächen sind lebensnotwendig, um das zu wissen, muss man nicht studiert haben.

    Wenn keine ohnehin schon versiegelten (Industrie-)Flächen mehr zur Verfügung stehen,
    um mobile Bauten zu installieren, könnte ja aufgestockt werden.
    Im übrigen wäre ein Verkaufsverbot öffentlichen Eigentums endlich angebracht.

  2. Gibt es keine Petitionsliste auf Change.org / Campact/ F.bk oder ähnlichen?
    Das wäre sinnvoll – denn wenn die Biotope weg sind, verschwinden auch die Spezien:
    Insekten, Kleintiere und andere Amphibien.
    Tschüss und dumm gelaufen kann man den Tieren nicht zumuten ….

  3. Politiker sollten mehr Verantworung zeigen, indem sie sich mehr Wissen über Zusammenhänge von Sadtklima , Abholzung , Versiegelung und uneingeschränkter Bebauung aneignen. Wir können nicht jede Fäche bebauen. Alle Menschen benötigen Raum in dem sie sich wohnungsnah entspannen können. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Interesse die Politik zeigt, wenn es um die Erhaltung von Stadtgrün geht.

    Wie gut, dass wir den B U N D haben. Sybille R.

  4. ich finde es furchtbar welche Fehlentscheidungen hier seitens der Politiker getroffen werden.
    Sollten wir nicht alles daran setzen unsere Umwelt und unsere Wälder zu schützen. Haben wir nicht genug gepflasterte Flächen?
    Ich finde das Grüne Berlin sollte erhalten werden und nicht zerstörrt. Sonst ist und wird ein Teil der Lebensqualität verloren gehen. Es gibt genug leerstehende bereits vorhandene Gebäude sowie auch Flächen. Diese sollten in betracht gezogen werden.

    Hier gehts doch nur wieder um die Zuschiebung von Aufträgen. Nicht um die Sache an Sich. Modulare Unterkünfte können auch ohne Rodung entstehen.

    Volkes Stimme hat kein Gewicht mehr. Fängt bei A Abrodung an und Endet bei V Volksentscheid Tegel

    • @Ahrens
      Kleine Anmerkung, wegen Ihres Unmuts „Volksentscheid Tegel“: Volkes Stimme zum Flughafen Tegel zu befragen war m.E. aber auch nicht der richtige Weg. Einerseits, weil die Sachlage zu dem Thema (juristisch) viel zu kompliziert ist, um sie am Ende in einer einfachen Ja-/Nein-Frage abzubilden. Andererseits, weil das Thema ja absolut parteipolitisch/wahltaktisch von der FDP missbraucht wurde. Als Bürger*in Berlins möchte ich nicht, dass hier mit dem Instrument „Volksentscheid“ am Ende so respektlos umgegangen wird.

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