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Naturschutz in der Warteschleife:

Wenn Schutzgebiete viele Jahre auf ihre Ausweisung warten

© by BUND Berlin: Pfaueninsel, eines der ältesten Naturschutzgebiete Berlins

„Eine Stadt ist kein Naturschutzgebiet“ ist ein Satz, den man leider öfters zu hören bekommt, wenn man sich in Berlin für den Schutz von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen einsetzt. Zugegeben, in die üblichen Vorstellungen von einem Naturschutzgebiet – von tiefen Wäldern, durch die nur schmale Pfade führen oder wilden Flüssen, die sich ohne festes Bett durch weite Wiesen schlängeln, an denen sich Hase, Fuchs und Schmetterling begegnen – will sich so eine Großstadt nicht so recht einfügen.

Für gewöhnlich werden Stadt und Natur als Gegensatzpaar angesehen, und wenn man sich anschaut, wie viel Wald und Wiese für eine moderne Stadt mit der Zeit unter Gebäuden und Straßen verschwunden sind, scheint der Gedanke auch erstmal nachvollziehbar. Jedoch darf es kein Widerspruch sein, würde es doch bedeuten, den Bewohner*innen der Städte einen erholsamen Spaziergang im Grünen, frische und kühle Luft oder Vogelgesang vorzuenthalten.

Stadtnatur als kulturhistorisches Erbe

Der Schutz der Natur als Lebensgrundlage des Menschen ist das eine, eine Stadt bietet aber – als urbane Landschaft – auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Zu diesen gehören unter anderem so bekannte Arten wie der Spatz (Haussperling), der sich seit dem Mittelalter an die Menschen gebunden hat und sich außerhalb von Siedlungen schwer tut. Oder auch die Feldlerchen gehören dazu, die man gut auf dem Tempelhofer Feld beobachten kann. Außerhalb der Städte finden sie kaum noch geeignete Flächen zum Leben. Letztlich gab es nun mal dort, wo eine Stadt entstanden ist, vormals auch eigenständige Ökosysteme und Biotope wie z. B. Moorflächen, die als Lebensraum gänzlich zu verschwinden drohen. Solche Flächen prägten die Entwicklung dieser Stadt und gehören genauso zum historischen Erbe wie alte Stadtkerne. Vielerorts sind sie aber nur noch in Straßennamen zu finden.

Eine Stadt ist menschengemacht und immer einer gewissen Entwicklung unterworfen, sie wird sich ausdehnen und gelegentlich auch wieder schrumpfen. Da es um ein vieles leichter ist, eine freie Fläche neu zu bebauen, anstatt eine einmal bebaute neu zu erfinden, sind die grünen Freiflächen in und um eine Stadt herum immer auch potentiell gefährdet. Es sind die Reserven von denen eine Stadt zehren muss. Nicht all diese Flächen sollte man als potentielles Bauerwartungsland vorhalten. Ausweisungen von Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebieten haben die Aufgabe, den Planern die Flächen vorzugeben, die nun einmal nicht entwickelt werden sollten. Stattdessen sind diese Gebiete dazu da, die Lebensräume zu schützen, Funktionen wie z. B. die stadtklimatische Bedeutung für neue und alte Anwohner zu erhalten oder auch Natur- und Kulturgüter für die Zukunft zu bewahren.

Langsamer als schleichend

Wie wertvoll eine Schutzgebietsausweisung sein kann, zeigt das Beispiel der Pfaueninsel. Nach der Abdankung der Hohenzollern gab es ernstzunehmende Bestrebungen, die Insel zu privatisieren und mit Villen zu bebauen. Die Pläne wurden erst begraben, als die Insel 1924 als Naturschutzgebiet geschützt und damit auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde. Eine Bebauung wäre ein herber Verlust gewesen.

Zurück in der Gegenwart wartet eine ganze Reihe von Natur- und Landschaftsschutzgebieten seit Jahren auf ihre Ausweisung, die sich aufgrund des anhaltenden Personalmangels in der Verwaltung leider nur noch langsamer als schleichend vollzieht. Dazu gehören so bekannte Gebiete wie der Flughafensee in Tegel oder auch das beliebte Naherholungsgebiet Marienfelder Feldmark. Obwohl die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet schon lange beschlossene Sache ist, gab es erst im letzten Jahr einen Vorstoß, nun doch eine Umgehungsstraße zu dem dahinter liegenden Gewerbegebiet durch die Feldmark zu legen. Ein Argument der Straßenbefürworter war, dass bald ohnehin nur noch Elektro-LKWs fahren würden, die Anwohner*innen und Erholungssuchende auch nicht stören würden.

Wir hoffen, dass die lange überfällige Ausweisung der Marienfelder Feldmark und der anderen Schutzgebiete schneller erfolgen wird!

Dieser Beitrag gehört zur Reihe #stadtbrauchtgruen. Bis Ostern werden die Naturschutz-Aktiven des BUND Berlin über aktuelle Probleme und auch Lösungsansätze der Berliner Stadtnatur berichten.

 

Was können Sie für Schutzgebiete tun?

Unterzeichnen Sie unseren Aufruf „Stadt braucht Grün“ an den Senat und das Abgeordnetenhaus, denn für die längst überfälligen Schutzgebietsausweisungen braucht die zuständige Senatsverwaltung mehr Geld und mehr Personal.

 

Unser Ausflugstipp

Baumdenkmalpfad Pfaueninsel

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